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Ruhrparlament stellt sich gegen Outlet-Center und vergisst die Citykiller

Haus der Ruhrgebiets

Mit einer Resolution hat sich das Ruhrparlament gegen die Bau dreier Outlet-Center im Umfeld des Ruhrgebiets gewandt. Das Einkaufscenter-Wettrüsten im Ruhrgebiet  wird hingegen  nicht erwähnt.

Das Ruhrparlament hat sich in einer Resolution gegen den Bau von Outlet-Centern und einem Möbelmarkt in der Nachbarschaft des Ruhrgebiets ausgesprochen:

Mit größter Besorgnis verfolgen die Mitgliedskommunen im Regionalverband Ruhr die Pläne für die Errichtung zweier Factory-Outlet-Center sowie eines Einrichtungshauses mit Fachmärkten im Umfeld des Verbandsgebietes. Die unmittelbare Lage der Standorte an den Autobahnen ermöglicht  eine schnelle und direkte Anbindung der Kommunen in der Metropole Ruhr. Die günstige Verkehrsanbindung läßt damit erhebliche negative Auswirkungen durch Umsatzeinbußen in den Innenstädten  nahezu aller Kommunen des Regionalverbandes Ruhr erwarten. Der hohe Umsatzanteil zentrenrelevanter Sortimente der projektierten Vorhaben stellt eine  unmittelbare Konkurrenz für die  zentralen Versorgungsbereiche der Innenstädte und der Ortszentren in der Metropole Ruhr dar.

Alles richtig. Große Zentren auf der grünen Wiese sind eine Bedrohung der Innenstädte. Aber sie sind nicht mehr das größte Problem: Die Gefahr für die Innenstädte liegt mittlerweile in ihrer Mitte: Es sind die Einkaufszentren, die Citykiller und im Ruhrgebiet findet gerade ein Wettrüsten statt: Nach Oberhausen, Duisburg, Essen und Dortmund sind nun Bochum und Recklinghausen dran. Auch in zahlreichen kleineren Städten wurden und werden neue Center genehmigt und gebaut – auch wenn die verheerenden Folgen für die Innenstädte, die Stadtteile und die Nachbarkommunen mittlerweile klar sind.

Es hätte dem Ruhrparlament gut zu Gesicht gestanden, sich auch zu diesem Problem zu äussern und nach einer Lösung zu suchen, dem Citykiller-Wettrüsten Einhalt zu gebieten.

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30 Kommentare zu “Ruhrparlament stellt sich gegen Outlet-Center und vergisst die Citykiller

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Ich vermute: Nachdem inzwischen quasi jede Stadt die etwas auf sich hält mit solchen Plänen begonnen hat, wäre es inzwischen ja auch recht schwierig zu begründen warum die eine Stadt es darf und die Andere dann eben nicht mehr. Die Widerstände wären wohl zu groß und das Streitpotential unter den Parlamentariern in Essen zu hoch… Auf die Anderen von Ausserhalb zu zeigen tut ja niemandem aus der Runde selbst weh…
    Das ist für das Ruhrparlament insgesamt der Weg des geringsten Widerstandes. Ob das klug ist, das ist eine ganz andere Frage….

  • #2
    Robin Patzwaldt

    Noch kurz als Ergänzung zu #1:

    Abgesehen davon halte ich das Internet für den eigentlichen ‚Citykiller Nr. 1‘.

    Wenn ich bedenke was ich früher alles in der City in Dortmund und Recklinghausen gekauft habe…. und wie wenig davon noch übrig geblieben ist, da ich inzwischen eigentlich fast alles günstiger und mit unschlagbarer Auswahl im Netz kaufe, dann bin ich in selbst, zusammen mit den Möglichkeiten des Internets, eigentlich selbst einer der beklagten Citykiller. Das muss ich leider hier so einräumen… Ich habe z.B. kein einziges Weihnachtsgeschenk aus der Stadt geholt. Alles online gekauft…

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin Patzwaldt: Ich habe noch gar kein Weihnachtsgeschenk gekauft – ist ja auch noch lang hin. Aber ich werde alles wie immer in der Innenstadt kaufen. Am Vormittag des 24. Dezembers. Als ich vergangenes Jahr ein Geschenk vai Amazon bestellt habe, kam es erst Anfang Januar an.

  • #4
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Ein Freund von mir mach das genauso. Mit hochrotem Kopf am Nachmittag des 24.12. durch die Stadt rennen…. Nein Danke! 😉
    Die paar Geschenke die ich brauchte sind schon im November gekommen, oder so… Entspannte Weihnachten! 🙂

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin Patzwaldt: Ich bin da immer sehr entspannt und hatte nur einmal Pech: In den 80er bekam meine Mutter aus Not ein Kresseschwein zu Weihnachten – es war wirklich alles leergekauft. Ihre Euphorie war begrenzt…

  • #6
    Robin Patzwaldt

    @Stefan Laurin: Aber immer noch besserr als der Schnellkochtopf, den meine Mutter mal von meinem Vater bekam 😉 Seitdem schenken sich die beiden nichts mehr 🙂

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Stefan Laurin: Schnellkochtopf? Ich verstehe Deine Mutter nicht. Ist doch ein prima Geschenk 🙂

  • #8
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Der ist wirklich prima! Und ich habe durch dieses tolle Geschenk im Laufe der Jahre unzählige leckere Mahlzeiten geniessen können. 😉 Meine Mutter ist aber auch wirklich undankbar! 😉

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Robin Patzwaldt: Bei meiner Mutter und dem Kresseschwein war ein Problem, dass sie keine Kresse mag…

  • #10
    Dortmunder

    @Stefan Laurin:

    Das ständige Wiederholen des Begriffes „Citykiller“ hängt mir zum Halse raus.
    Letzte Woche oder vorletzte Woche mal in der Dortmunder City gewesen?
    Trotz, nein 100%ig wegen der neuen Thiergalerie, dem ach so bösen „Citykiller“, war der Westenhellweg und der Ostenhellweg (für Nichtdortmunder: unsere Fußgängerzone, eine der TOP 10 Einkaufsmeilen Deutschlands hinsichtich der Frequentierung) so voll wie ich es noch nie gesehen habe.

    In Oberhausen mag das mit dem „Citykiller“ auf der grünen Wiese stimmen, in Dortmund ergänzen sich Hellweg und Thiergalerie hervorragend. Oder warum fahren die ganzen Käseköppe an Duisburg, Oberhausen, Mühlheim, Essen und Bochum vorbei und kommen alle zu uns?

  • #11
    Jan

    Highlight eines Freundes von mir:
    er bekam zu Weihnachten von Schwiegervater in spe einen Einweggrill.
    Und für alle, die sich darunter nichts vorstellen können: das ist eine aus Alufolie gepresste Schale mit etwas Kohle drin und einem Gitter.

  • #12
  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dortmunder: Warten Sie es ab. Das gleiche habe mir Oberhausener Einzelhändler Ende der 90er auch gesagt. Und an Oberhausen fahren die Holländer nicht vorbei – die sind sehr gerne im Centro. Und wenn bald in Bochum ein ECE aufmacht ist der Reiz des neuen in Dortmund auch vorbei. Dann ist es einfach nur einaltes, ödes Zentrum. Heute ist es ein neuen, ödes Zentrum.

  • #14
    Walter Stach

    „Jeder ist sich selbst der Nächste“ -der RVR, die Großstädte,der ländliche Raum,die Einzelhändler,die Großinvestoren. Wenn das dann jeweils „verkauft“ wird mit „übergeordneten Interessen und Zielen“ , z.B.der Raumplanung, der Raumordnung, einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung, dann wird es peinlich.

  • #15
  • #16
    Dortmunder

    @ Stefan Laurin:
    Bei der Bewertung hinsichtlich der Aufenthaltsqualität in der Thiergalerie bin ich ja ganz bei Ihnen. Ein 08/15-Standard-ECE-Kasten, wie es ihn Dutzendweise in Deutschland gibt. Deswegen kaufe ich meine Sachen ja auch weiterhin ausschließlich auf dem Hellweg.

    Komplett über Kreuz liege ich mit Ihnen ausschließlich in der Einschätzung hinsichtlich der Auswirkungen auf die City. Sie meinen, ECE, auch in Dortmund, wird ein Citykiller.
    Ich bin jedoch der Meinung, dass ECE ein Citybeleber wird und noch mehr Frequenz, nicht nur im ECE, sondern eben auch auf dem Hellweg bringt.

    Warten wir das Ergebnis, wie vom Cityring Dortmund vorgeschlagen, ab und sprechen in genau einem Jahr nach Ablauf des Weihnachtsgeschäftes 2012 wieder über das Thema. Gerne bei einem günstigen Pils in einem gentrifizierten Stadtquartier 😉

    TOP, die Wette gilt.

  • #17
  • #18
    Dortmunder

    @15 Der, der Auszog:
    Deshalb habt Ihr ja auch seit über 50 Jahren keine Schale in der Hand.

    Frohe Weihnachten und eine gesegnete Niederlage morgen gegen die andere Borussia:

    http://www.marler-zeitung.de/storage/pic/dortmund/mdhl/artikelbilder/lokales/rn/dolo/do-lokal/430827_1_zzdo-meisterschale.jpg

  • #19
  • Pingback: Links anne Ruhr (21.12.2011) » Pottblog

  • #21
    Mir

    Im Feuillton der heutigen Ausgabe der FAZ „Um Löcher im städtischen Haushalt zu stopfen, wird in der westfälischen Stadt Hagen wieder über den Verkauf von Kunstwerken nachgedacht…“
    Berechtigte Kritik, wenn folgendes gesagt wird: „Wenn es stimmen sollte, dass der Verkauf des Hodler-Gemäldes aus dem Hagener Hohenhof – und damit des letzten mobilen Kunstwerks von europäischem Rang aus diesem Gesamtkunstwerk – in der Nothaushaltskommune Hagen ernsthaft erwogen wurde, käme das einer Bankrotterklärung für den „Hagener Impuls“ gleich, mit dem sich die Stadt gerne schmückt. Ein Antrag auf Eintrag des Hohenhofs in die Weltkulturerbeliste wäre damit Makulatur und würde grotesker unterlaufen, als es Hochhausbauten oder eine Waldschlösschenbrücke in Köln oder Dresden imstande waren.“

    Die Ruhrstädte sollten sich mal mehr um ihre Kunstschätze kümmern.

  • #22
    Anton Kowalski

    Das Problem ist die immense Ausdehnung der Einzelhandelsflächen bei rückläufiger Bevölkerung. Und immer weniger Kaufkraft. Passend dazu der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrsverbandes: http://www.sueddeutsche.de/politik/armutsbericht-das-ruhrgebiet-ist-deutschlands-neues-armenhaus-1.1241353
    Die Schere wird immer größer. Jeder weiß das! Aber – siehe #14 – jeder ist sich selbst der nächste…

  • #23
    Clara

    Für Innenstädte sind diese Outlet-Center klar ein großes Problem. Für viele Kunden hingegen sind sie meiner Meinung nach ein großer Vorteil. Viele Innenstädte sind auf Grund der Infrastruktur wesentlich schwieriger zu erreichen als ein Outlet-Center an eine Autobahn oder Bundesstraße. Außerdem besteht bei einem Neubau natürlich die Möglichkeit Parkplätze ganz anders zu planen als es nachträglich in der Innenstadt möglich ist.
    Für Anwohner sind die Einkaufsstraßen in der Innenstadt natürlich deutlich praktischer ganz davon abgesehen, dass es nicht in derem Interesse ist, wenn die Geschäfte dort leer stehen.

  • #24
    Robin Patzwaldt

    Bis auf wenige Ausnahmen (wo unbedingt eine Anprobe erforderlich ist) geht jedoch nichts über das Shoppen im Internet. Auswahl und Preise sind unschlagbar, egal ob Outlet oder City.

  • #25
    Jan

    Outlet-Center funktioniert nun mal nicht in der Fußgängerzone: Outlets sind ein B-Waren und Vorsaisonabverkauf.
    Outlets werden direkt vom Hersteller betrieben (bzw. von seinem Vertrieb) und zwar unter Umgehung des normalerweise dazwischengeschalteten Handels – der darf aber nicht durch laute Werbeaktivitäten vergrätzt werden, gleichzeitig wollen die meisten sich aber nicht auf Laufkundschaft und Mundpropaganda verlassen. Deshalb gibt es Centerbetreiber, die Outlet-Aktivitäten unterschiedlichster Marken bündeln und vor allem unter ihrem Namen die Werbetrommel rühren.

  • #26
    Dortmunder

    Es sieht so aus, lieber Stefan Laurin, als müssten Sie mir das Pils im Kreuzviertel ausgeben:

    http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/thier-galerie-fluch-oder-segen-id6204543.html

  • #27
    Michael Kolb

    Ich hab‘ zwar den Überblick darüber verloren, wieviel Bier Stefan verwettet hat… aber nach den verlinkten Artikel zu urteilen wäre ich mir nicht so sicher, eines zu bekommen. Das Nichtvorhandensein von Umsatzrückgängen als positiv für das Center zu bewerten ist doch ziemlich fragwürdig.

  • #28
    Eva

    Die ganze Diskussion geht für meine Begriffe an der wahren Ursache des Einzelhandelssterbens in den Innenstädten vorbei. Weder Einkaufs- noch Outletcenter machen die Innenstädte kaputt, sondern die zunehmende Verarmung im Ruhrgebiet. Der Mangel an gut bezahlten Arbeitsplätzen für Hochqualifizierte, real sinkende Löhne und die hohe Arbeitslosenquote führen dazu, dass die potentiellen Käufer immer weniger Geld für den Konsum zur Verfügung haben. Die Folgen sind, dass gute Fachgeschäfte sich nicht halten können und Ladenlokale dann entweder leerstehen oder aber von Billiganbietern bezogen werden. Dadurch verschärft sich die Situation wiederum, denn die wenigen zahlungskräftigen Kunden fühlen sich von diesem Angebot nicht mehr angesprochen und weichen zum Einkaufen auf attraktivere Städte wie zum Beispiel Düsseldorf aus.
    In reicheren Städten wie Düsseldorf, Hamburg und München ist zu beobachten, dass Einkaufszentren Innenstädte nicht kaputt machen, denn dort gibt es beides, auf dem grünen Hügel liegende Zentren UND eine belebte Innenstadt mit einem attraktiven Einzelhandelsangebot. Im Ruhrgebiet klappt das nicht, weil hier einfach zu wenig Geld verdient wird.

  • #29
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dortmunder: In Essen sind sie ja schon ein wenig weiter. Da verramscht die Innenstadt:
    http://www.derwesten.de/staedte/essen/limbecker-strasse-auf-kaufhaus-mueller-soll-tk-maxx-in-essen-folgen-id6203806.html

  • #30
    Robin Patzwaldt

    Und in Dortmund ist erst im Herbst die große Eröffnung gewesen und nun wochenlang Weihnachtsgeschäft. Beides ist wahrscheinlich nicht nachteilig für das Geschäft insgesamt. Aber was ist in den Sommerferien o.ä.? Also, erst mal eine Weile abwarten, bevor man zu früh jubelnd vor dem Tor abdreht… 😉

    Guten Rutsch! Bis nächstes Jahr! 🙂

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