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S21: Eigentlich müssten wir sauer sein

Heute findet in Baden Würtemberg die Volksabstimmung zu Stuttgart 21 statt. Das Projekt wird wahrscheinlich eine Mehrheit bekommen. Wenn ich Schwabe wäre, wäre ich auch dafür. Da ich aber noch nie eine Maultasche aus der Nähe gesehen habe, sehe ich das etwas anders.

Komisch sind sie schon, die Schwaben

Stuttgart 21 wird ein teurer Spaß: 4,5 Milliarden wird das Projekt kosten – mindestens. Vorangetrieben wurde es im Bund von Rot-Grün, der Großen Koalition und Schwarz-Gelb. Rot-Grün und Schwarz-Gelb in NRW haben es in derselben Zeit unterlassen dafür zu sorgen, dass Infrastrukturmaßnahmen wie der Rhein-Ruhr-Express in NRW sicher finanziert werden. Und das ist der Grund, warum wir in NRW sauer sein müssten: Während hier die Bahnhöfe verrotten oder auf Hartz IV Niveau wie in Essen und Dortmund saniert werden, bekommt Stuttgart einen Luxus-Bahnhof. Die Landesregierungen des einwohnerstärksten Bundeslandes waren unfähig für NRW auch nur den Ausbau vernünftiger, tragfähiger Strukturen mit Bundeshilfe finanziert zu bekommen und die Bahn unter Druck zu setzen. Baden Würtemberger Politiker waren da wohl engagierter…

Seit Jahren wird der Westen Deutschland bei Infrastrukturmaßnahmen des Bundes benachteiligt. Das Geld fließt massiv in den Osten und den Süden des Landes. Der Rhein-Ruhr-Express wurde schon wieder auf die lange Bank geschoben. Das liegt  nicht nur an Berlin, sondern an den Landesregierungen und den Landesverbänden der Parteien, die nicht in der Lage oder nicht Willens sind, sich für die Interessen NRWs einzusetzen. Stuttgart 21, so es gebaut wird, wird auch ein Denkmal ihres Versagens sein.

 

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20 Kommentare zu “S21: Eigentlich müssten wir sauer sein

  • #1
    Robin Patzwaldt

    In Zeiten wo für eine vernünftige Instandsetzung z.B. des Dortmunder Bahnhofs kein Geld da zu sein scheint (denn dessen Renovierung ist bisher ja wohl ein schlechter Scherz), erscheint es umso merkwürdiger das in Stuttgart so viel Geld versenkt werden soll….

  • #2
    Höddeldipöpp

    S21 wird 8 Mrd. kosten. Das ist der Betrag nach oben gerundet, der unter Oettinger errechnet wurde, aber bis heute unter der Decke gehalten wird. Die Abstimmung erfolgt somit unter falschen Voraussetzungen bzw. einer belogenen Öffentlichkeit.

    Die vernünftigste Lösung würde 3,5 Mrd. kosten (Vorschlag Geißler: Kombi aus Kopf und Tiefbahnhof).

    Das sind 4,5 Mrd. Unterschied. Das sind 4,5 Mrd. sinnloser Beton, der in Baden-Würthemberg in den Sand gesetzt wird, ohne dass er einen Nutzen für die Bürger haben wird. Das sind aber auch 4,5 Mrd., die dort ansässige Unternehmen verdienen und einige dortigen Unternehmer reich machen werden.

    Und nur deshalb, genau deshalb wird dieser Bahnhof gebaut. Und genau deshalb macht auch die SPD dort mit. 4,5 Mrd. mehr, das kann man irgendwie als Arbeitsplätze verkaufen und wenn man dafür ist, macht man sich auch noch Lieb-Kind bei der dort ansässigen Wirtschaft. So verbaut man sich nicht den Job für eine später geplante Karriere als Lobbyist.

    So funktioniert Politik!

  • #3
    Matthias Oomen

    Es gibt auch jenseits vom lieben Geld genügend Gründe, auch in NRW gegen Stuttgart 21 zu sein. Bspw. allein die Tatsache, dass man es in NRW zukünftig ziemlich schnell merken wird, wenn es eine Störung im Stuttgarter S-Bahn-Tunnel gibt. Ganz einfach deshalb, weil der S-Bahn-Verkehr ohne Kopfbahnhof auf den Ferngleisen abgewickelt werden muss – womit Verspätungen bundesweit ausgetragen werden…

  • #4
    Patrizia

    Ich hoffe, – zusammen mit meinen schwäbischen FreundInnen aus gemeinsamen Studienzeiten -, dass das Schnuppern an der partizipatorischen Demokratie in Baden-Württemberg gelingt und es zu einem positiven Volksentscheid, sprich der Umsetzung des Projekts Stuttgart 21, kommt.

    Wer des öfteren gezwungen ist, dieses vorsintflutliche Teil von Stuttgarter HBF, mit seiner überirdischen Gleiswüste, seinen Bummelzügen, seinen langen Wartezeiten etc., benutzen zu müssen, kann sich nur wünschen, dass das GANZE tiefer gelegt und modernisiert wird. Für Stuttgart eröffnet dieses Versenken des HBF’s auch städtebaulich ganz neue Perspektiven. Ausserdem ist es ein „grünes Projekt“. Weniger Lärm, weniger Feinstaub, grössere Fussgängerzonen, mehr grüne Flächen … ok und weniger Juchtenkäfer. Der dürfte aber trotzdem überleben im Gegensatz zu einigen altersschwachen Bäumen im Schlosspark.

    @Stefan Laurin
    Wenn ich richtig informiert bin, habt ihr im Ruhrgebiet jahrzehntelang den Bergbau subventioniert und dort eure Milliarden versenkt. Modernisierte Bahnhöfe alleine nützen niemanden etwas, wenn sie nicht benötigt werden. Für Stuttgart und die Region ist es wahrscheinlich die letzte Chance sich als ein wichtiger Verkehrs-knotenpunkt in den europäischen Verbund einzubringen. In den europäischen Altersgesellschaften müssen regionale Schwerpunkte gesetzt werden. Stuttgart könnte einer davon sein.

    @Höddeldipöpp
    Naja, Sie kennen nicht das Flickwerk bei unserem Züricher HBF. Da gibt es sowohl überirdische, als auch unterirdische Streckenführung; allerdings nicht, weil wir eine Tieferlegung des gesamten HBF nicht wollten, sondern weil dies aus technischen Gründen, so die SBB, nicht möglich ist.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Patrizia: Stimmt schon, hier sind Milliarden in die Folkloreindustrie Bergbau geflossen. Ich hielt das allerdings immer für Schwachsinn. Aber einen Ausbau des Verkehrsnetzes könnten wir hier sehr gut gebrauchen. Kein Ballungsraum in Deutschland hat einen so miesen Nahverkehr wie das Ruhrgebiet. Aber das liegt natürlich nicht nur am Geld. Nirgendwo gibt es so dumme Verkehrspolitiker wie im Revier. Hier steht nicht die Beförderung von Fahrgästen im Zentrum des Interesses der Verkehrsunternehmen sondern die Versorgung von Parteifreunden mit Jobs und Mandaten.

  • #6
    Höddeldipöpp

    @Patrizia

    Wenn die wirklichen alle Fakten auf dem Tisch lägen, könnte der Bürger ja entscheiden. Aber die entscheidenden Kosteninformationen fehle ja immer noch offiziell.

    Ich habe mir meine Meinung gebildet, indem ich mir fast alle Phönix-Sendungen reingepfiffen habe. Und da wurde sehr plausibel und für mich überzeugend dargelegt, dass Sie in Zukunft mit einer Verschlechterung der Service-Qualität rechnen müssen.

  • #7
    Saretzki

    Stuttgart 21 (8 Mrd. kosten) verhindert die Ruhrstadt. Ohne Stuttgart 21 hätten wir einen Ruhrstadtexpress. Einen Rhein-Ruhr-Express wird dagegen nicht bewötigt. Kein Bedarf, da kein Ruhri fährt freiwillig ins feindliche Düsseldorf oder Köln.

  • #8
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Saretzki: Nach Köln fahre ich sehr oft und sehr gerne. Düsseldorf ist natürlich was anderes 🙂

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  • #10
    Patrizia

    @Stefan Laurin
    Die Sache ist entschieden … 🙂 … zugunsten der Vernünftigen. Die allwissende, schwäbische Rentnercombo garniert mit einigen Ökofanatikern und sonstigen Witzbolden hat eindeutig eine Niete gelandet. Das finde ich ja sowas von cool …
    Ich kann nicht beurteilen, wie in Deutschland die Gelder für Infrastrukturprojekte verteilt werden und welche Regionen da zueinander in Konkurrenz stehen. Die Hauptlast der Kosten trägt meines Wissens die deutsche Bahn und das ist ja ein privates Unternehmen, welches seine Investitionen nach Renditegesichtspunkten zu treffen hat. Für Stuttgart ist das Projekt ein absoluter Gewinn. Jetzt hoffen wir SchweizerInnen natürlich auf die rasche Verwirklichung der Bahnanschlüsse auf deutscher Seite an unser NEAT-Projekt, denn schliesslich wurde uns das vertraglich zugesichert. Aber Papier ist geduldig …

    @Höddeldipöpp
    Ich meine der Kostenfaktor ist nur ein Gesichtspunkt. Stuttgart hat jetzt, als eine der ganz wenigen Grossstädte, geografisch im europäischen Zentrum gelegen, die Möglichkeit, – soweit mir bekannt -, seine Innenstadt komplett neu zu gestalten. Das wird, so die globalen Rahmenbedingungen stimmen, viele Investitionen nach sich ziehen. Der protestierenden, schwäbischen Rentnercombo ist das natürlich egal. Die denken nur an ihre eigene Altersschwäche und an die altersschwachen Bäume im Schlosspark. Jetzt haben sie erlebt was direkte Demokratie bedeutet … es gewinnen eben nicht immer jene, die am lautesten Schreien und über die längsten Freizeiten verfügen. In Zürich wurde auch eine Vorlage, die den Flughafenausbau verhindern sollte „vom Volk“ abgelehnt … trotz fünfzig occupy Mitgliedern, oder sind es nur 20 ?, die bei uns ständig im Züricher Finanzviertel herumlungern und glauben für die Mehrheit der Bevölkerung zu sprechen.
    Superschöne neue Woche wünscht

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Patrizia: Die Deutsche Bahn ist so privat wie eine Kolchose in der Breschnew-Ära 🙂

  • #12
    Dirk Schmidt

    @Saretzki
    WIr haben noch nicht einmal Planungsrecht für den Rhein-Ruhr-Express und die Nadelöhrstellen. Da brauchen wir für Geld nicht einmal in Berlin konkret vorsprechen. Wenn das 2012 nicht was wird mit den Plänen, dann wird das immer schwerer.

  • #13
    Alf

    @Saretzki, der Rhein-Ruhr-Express wir in NRW benötigt. Fest steht, die meisten Pendler fahren zwischen Duisburg und Düsseldorf. Neu ist das nicht, schon 1937 fuhr der der Ruhrschnellverkehr bis Düsseldorf.

    @Stefan Laurin, das Problem ist, S21 soll nur 4,5 Mrd. und mehr sollte auch nicht gezahlt werden.

  • #14
  • #15
  • #16
    der, der auszog

    Spannender als den Entscheid zu Stuttgart 21 finde ich derzeit die Diskussion über die scheinbare Allmacht von Volksentscheiden, scheinen sie doch demokratischer als alles andere zu sein.

    In der Schweiz ist durch einen Volksentscheid der Bau von Minaretten untersagt worden, was zeigt, dass zuviel Demokratie unter Umständen auch ins Höschen gehen kann. Ob dieses nun schwarz-rot-gold oder im konkreten Fall rot mit weißem Kreuzchen ist: Die braune Bremsspur ist nicht zu übersehen und stinkt über die Alpen in den europäischen Himmel.

  • #17
    German Pie

    #16 | der, der auszog: Volksentscheide sind also nur okay, so lange das Ergebnis politisch korrekt ist ?

  • #18
    Arnold Voß

    Stuttgart 21 bleibt so oder so eine verkehrsstrategische Fehlinvestition. Ein Bahnhof ist ein Beschleunigungsort. Wenn am Ende aber durch Um- oder Neubau keine ernst zu nehmende Beschleunigung entsteht, bzw. die erreichte Beschleunigung im dazugehörigen Verkehrssystem,sprich der Bahn, in keinem sinnvollen Verhältnis zur höhe der Investition steht, dann ist das rausgechmissenes Geld.

    Wichtig hierfür sind bei insgesamt begrenztem Budget die Opportunitätskosten. D.h. die Frage wieviel Mehr an Beschleunigung mit dem selben Geld im Strecken- und Umsteigesystem der Bahn an anderer Stelle ihres räumlichen Wirkungsbereiches hätte erreicht werden können. Da wäre S21, wenn überhaupt, erst viel viel später dran gewesen. Das gilt auch wenn man die deutsche Bahn als Teil des europäischen Bahnsystems sieht.

    Die Argumentation, dass die Stadt Stuttgart selbst durch S21 eine neue bzw. erweiterte Innenstadt bekommt ist verkehrsökonomisch völlig abwegig. Nach dieser Argumentation müsste nämlich der größte Teil der deutschen Bahnhöfe ab sofort tiefer gelegt werden.

    Mit einem Satz: Wäre die Deutsche Bahn ein erfolgreiches Privatunternehmen, wäre S21, wenn überhaupt, frühestens 2050 gebaut werden.Und auch das nur bei vollen Kassen.

  • #19
    Mario Herrmann

    Bei aller Wertschätzung für Winfried Kretschmann: So geht es nicht! Niemals zuvor ist ein öffentliches Bauprojekt so intensiv diskutiert und so sehr bis in kleinste Details hinein filetiert worden wie Stuttgart 21. In Kenntnis aller Einwände und Risiken hat sich eine Mehrheit der Wähler in Baden-Württemberg für das Projekt entschieden. Jetzt sollen sie ihren Sch… auch selbst bezahlen! Ein Kostendeckel gehört auf den Anteil von Bund und Bahn, damit diese überhaupt noch dringend notwendige Projekte in anderen Ländern finanzieren können. Zu erwartende Baukostenüberschreitungen müssen gefälligst voll und ganz zu Lasten von BaWü und Stuttgart gehen.

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