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Schalke: So wurde Peter Peters innerhalb weniger Tage gleich zweimal zum ‚Sündenbock‘

Von Mailand nach Gelsenkirchen: Prince Boateng. Quelle: Wikipedia Foto: Byse91, Lizenz: gemeinfrei

Von Mailand nach Gelsenkirchen: Prince Boateng. Quelle: Wikipedia, Foto: Byse91, Lizenz: gemeinfrei

Es sind aktuell nicht die glücklichsten Tage in der Karriere von Schalkes Finanzvorstand Peter Peters. Innerhalb weniger Tage musste sich der Sportfunktionär nun schon zum zweiten Mal öffentlich entschuldigen. Und das Kuriose daran: Er hatte mit all seinen kritisierten Aussagen vermutlich sogar völlig Recht. Nur wollte sie in der Klarheit, zum Leidwesen des ehemaligen Journalisten, niemand hören, und Peters wehte daher in beiden Fällen der Wind mächtig ins Gesicht, so dass er die Aussagen rasch relativieren bzw. sogar zurückziehen und sich dafür entschuldigen musste.

Es ist erst ein paar Tage her, da erklärte Peters den Wechsel von Kevin Prince Boateng zu den Königsblauen hauptsächlich mit dem Rassismus den Boateng in Italien, beim AC Mailand, zuletzt erlebt hatte. Eine Erklärung, welche vermutlich tatsächlich der Wahrheit recht nahe kam. Zumindest dürften die jüngsten Erlebnisse ein wichtiger Grund für den überraschenden Wechsel des dunkelhäutigen Kickers in die Bundesliga gewesen sein. Wenn er dies so vielleicht auch nicht öffentlich sagt. Entsprechende Ahnungen schwirrten ja schon vor dem Wechsel durch die Fußballszene. Dass es sicherlich keinen Spaß macht wiederholt rassistischen Sprüchen und Gesängen ausgesetzt zu sein, das ist dabei ja wohl auch völlig unstrittig. Boateng hatte sich diesen Anfeindungen zuletzt auch widerholt aktiv und heftig widersetzt. Man sah ihm in diesen Szenen seine Ergriffenheit dabei auch deutlich an. Und auch wenn er nun behauptet er sei nur wegen der tollen Liga in die Bundesliga zurückgekehrt, Peters Aussagen in Sachen Boateng-Wechsel dürften vermutlich schon zumindest nicht ganz so falsch gewesen sein. Da Boateng jedoch bereits seit Jahren das Image des ‚Bad-Boys‘ und sogar eines harten, im harten ‚Berliner Untergrund‘ aufgewachsenen Machos pflegt, war dieser mit der Veröffentlichung der Worte des Finanzchefs so gar nicht einverstanden. Vor den ihn anfeindenden Rassisten in italienischen Stadien quasi ‚eingeknickt‘ zu sein, dieses Thema musste Boateng missfallen. Klar dann auch, dass diese Darstellung der Dinge aus seiner Sicht dann auch möglichst wieder aus der Welt geschafft werden sollte. So dürfte es dann zu Peters Entschuldigung in der Öffentlichkeit gekommen sein.

Verstärkt wurde der Druck dabei noch durch empörte Reaktionen aus Italien, wo unterschiedliche Leute sich durch die negative Darstellung des Italienischen Fußballs gestört fühlten. Peter Peters musste öffentlich zurückrudern, sich sogar bei Boateng für das ‚Missverständnis‘ entschuldigen.

Kurios auch: Sämtliche Nachfragen, z.B. wie es denn dann überhaupt zu solch eine Aussage vom Finanzchef des Clubs hatte kommen können, woher die Informationen und Einschätzungen zur Sache von Peters stammten, blieben dann allesamt unbeantwortet. Man wolle sich lieber auf die Zukunft konzentrieren hieß es kurz und knapp. Die Detailfragen zu dieser Angelegenheit blieben nach Peters öffentlicher Entschuldigung offen… Man kann sich aber durchaus denken wie die Sache wohl ablief.

Und nun, am gestrigen Samstag, die nächste Entschuldigung von Peters. Nach dem öffentlichen Disput der Schalker Verantwortlichen mit der Polizei, sprich mit NRW-Innenminister Jäger, waren die Fronten verhärtet. Jäger drohte damit, zukünftig keine Polizeikräfte mehr in die Arena nach Schalke zu entsenden. Das dies die Reaktion einer ‚beleidigten Leberwurst‘ wäre, das wurde vielerorts kritisiert.

Die Schalker Vereinsführung schlug sich nach dem harten Einschreiten der Polizei zuletzt mehr oder weniger klar auf die Seite der Fans, sah den Polizeieinsatz gegen Saloniki als unverhältnismäßig und kritisierte ihn daher scharf.

Und auch in diesem Fall folgte nun von Peter Peters gestern eine Entschuldigung. Nur so konnte man offenbar den ‚Friedensgipfel‘ mit der Polizei zu einem erfolgreichen Ende führen. Die Vereinsführung ruderte am Samstag kräftig zurück, relativierte ihre Wortwahl gegenüber der Polizei. Diese reagierte dann entsprechend milde, will nun doch auch zukünftig im Schalker Stadion für die Sicherheit sorgen.

Das Kuriose: Auch diese Entschuldigung von Peter Peters erfolgte für eine in der Sache wohl richtige, sogar inhaltlich von vielen Beobachtern, völlig unbestrittene Aussage. Doch auch in diesem Fall ließ sich die Vorgehensweise nicht in der Öffentlichkeit halten. Und das eben obwohl der Inhalt auch in diesem Fall wohl von der großen Mehrheit der Beobachter als sachlich richtig eingestuft werden dürfte.

Dumm gelaufen für Peter Peters und die Verantwortlichen beim FC Schalke 04!

Was bleibt also hängen: Obwohl die Aussagen von Peter Peters sowohl in Sachen des Boateng-Wechsels als auch in der Beurteilung des Polizeieinsatzes gegen PAOK Saloniki durchaus so ihre Berechtigung gehabt haben dürfen, ist es Peters, der nach diesen schweren Tagen als der ‚Beschädigte‘ aus diesen beiden Angelegenheiten hervorgeht.

Es spricht für ihn, dass er, obwohl inhaltlich wohl durchaus im Recht, in beiden Fällen nun den ‚Sündenbock‘ für die Öffentlichkeit gibt. Durch sein Verhalten hat er sowohl Kevin-Prince Boateng als auch seinem Club, dem FC Schalke 04, zur angestrebten ‚Gesichtswahrung‘ verholfen. Hierfür gebührt Peter Peters zumindest mein Respekt!

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13 Kommentare zu “Schalke: So wurde Peter Peters innerhalb weniger Tage gleich zweimal zum ‚Sündenbock‘

  • #1
    der, der auszog

    @Robin

    Nimm doch bitte einfach mal folgende beiden Zeitungsartikel zur Kenntnis und das, worüber Deine „Kollegen“, wie Du sie in letzter Zeit gerne zu nennen pflegst, da berichten.

    Kölner Stadtanzeiger:
    http://www.ksta.de/fussball/-polizeieinsatz-auf-schalke-schalkes-fuehrung-war-informiert,15189340,24304206.html
    SPON:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/fc-schalke-04-raeumt-fehler-bei-kritik-an-polizeieinsatz-ein-a-922227.html

    Du schreibst folgendes:
    „Innerhalb weniger Tage musste sich der Sportfunktionär nun schon zum zweiten Mal öffentlich entschuldigen. Und das Kuriose daran: Er hatte mit all seinen kritisierten Aussagen vermutlich sogar völlig Recht“

    und weiter:

    „Es ist erst ein paar Tage her, da erklärte Peters den Wechsel von Kevin Prince Boateng zu den Königsblauen hauptsächlich mit dem Rassismus den Boateng in Italien, beim AC Mailand, zuletzt erlebt hatte. Eine Erklärung, welche vermutlich tatsächlich der Wahrheit recht nahe kam.“

    Für Deine Behauptungen hast Du keinerlei Beweise. Es sind lediglich Vermutungen, was man schon daran erkennen kann, dass Du in beiden Fällen selbst von „vermutlich“ redest.

    Deine erste Vermutung müsste eigentlich durch die beiden Zeitungsartikel widerlegt sein. Peters hatte nach dem Griechenlandspiel gelogen, als er nach Außen kommunizierte, der Verein sei von dem Polizeieinsatz nicht informiert gewesen. Es macht keinen Sinn, sich diese krumme Geschichte irgendwie immer wieder aufs neue gerade zu biegen.

    Deine zweite Behauptung lässt sich auch nicht eindeutig beweisen. Vielmehr erkennt man da eine ähnlich gefährliche Argumentationsstruktur, wie es von Seiten der Polizei nach dem Griechenlandspiel der Fall war, als diese behauptete, der Vorwurf der Volksverhetzung sei erfüllt gewesen. Du schlägst in dieselbe Kerbe, indem Du in Sachen Boateng von Ausländerfeindlichkeit redest, diese aber gar nicht beweisen kannst.

    Das geht fast schon in Richtung Verschwörungstheorie und hat meiner Meinung nach mit seriösem Journalismus nicht viel gemein. Ich kann verstehen, dass ein leidenschaftlicher Fußballfan dazu neigt, sich in der Diskussion auf die Seite der Fußballfans zu schlagen und mit ihnen gemeinsam in ein und dieselbe Kerbe zu schlagen. Aber von Deinen Kollegen aus anderen Medien könntest Du lernen, dass man als Journalist eine gewisse Distanz zu den Themen braucht, über die man in der Öffentlichkeit berichtet, was nicht heißt, dass man keine eigene Meinung haben darf.

    Wir sind doch hier bei den Ruhrbaronen und nicht in Robin Patzwalds Tagebuch…

    Sorry, wenn ich das mal so sagen musste.

  • #2
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @der, der Auszog: Als man mich vor einem Jahr bat hier bei den Ruhrbaronen u.a. zukünftig regelmäßig den Bereich Sport etwas zu beleben, da war es sogar der ganz konkrete Vorschlag dies hier im Blog aus ‚Fansicht‘ zu machen. Und genau das mache ich nun auch. Ich kommentiere hier Dinge des Sports, speziell auch im Bereich Fußball, aus meiner persönlichen Sicht. Wer mag, der kann gerne mit mir diskutieren. Dass das aber vielleicht nicht jedem Leser der Ruhrbarone gefällt, das ist durchaus einkalkuliert und auch völlig normal, wie ich finde. Der eine mag das, der andere halt nicht. ‚That’s life!‘ 🙂

  • #3
    Helmut Junge

    @der,der auszog, ich tröste mich immer damit, dass ich doch auch meinen Senf dazugeben darf. Oft ist das genau das Gegenteil von dem, was in den Artikeln als Meinung erkennbar ist.
    Stefan Laurin hat mich nach seinen eigenen Aussagen auch noch nie gesperrt. Ich glaube, dass das damit zusammenhängt, dass ich noch nie etwas gegen das Rauchen geschrieben hab.

  • #4
    Henk

    @ Der, der auszog:

    Die Kritik in Bezug auf den Polizeieinsatz könnte ich nachvollziehen, wenn zwischen Peters falscher Aussage und der Kritik am Polizeieinsatz ein Zusammenhang bestehen würde. Ich sehe diesen nicht, und er ist auch von keiner beteiligten Partei und keinem Journalisten hergestellt worden.

    Die Begründung der polizeilichen Forderung, die Fahne zu entfernen, ist doch nach wie vor höchst fragwürdig. Egal, ob Schalke informiert war oder nicht, und egal, ob sich Fan- und Sicherheitsbeauftragten zunächst versucht haben, die polizeiliche Forderung per Gespräch mit den Fans nachzukommen. Die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes kann man sehr wohl in Frage stellen.

    Peters sollte sich für seine falsche Aussage entschuldigen, nicht aber für die Kritik am Einsatz an sich.

    Das hat Robin Patzwaldt mMn völlig zurecht aufgezeigt.

  • #5
    Walter Stach

    -1-
    Der, Der:

    „..von Kollegen aus anderen Medien lernen, daß man als Journalist eine gewisse Distanz zu den Themen braucht…..“!

    Wir erleben tagtäglich und wir erleben mehr und mehr, daß diese wünschenswerte Distanz im Regelfall (!!) in allen Medien, bei allen Journalisten fehlt;egal in welchem Themenfeld, ob Politik, ob Kultur, ob Sport, ob Wirtschaft, ob Lokales.

    Und leider erleben wir oftmals und nicht nur im Ausnahmefall in allen Medien, daß trotz fehlender hinreichender Sachkenntnis sog.Journalisten über ein Thema zu berichten versuchen und sie sich trotz unzureichender Sachkenntnis trauen, oft sogar wider eindeutiger Sachverhalte, einen Kommentar zu schreiben.

    Wenn die Kommentare von Robin Patzwald ( der hier bei den Ruhrbaronen hinreichend bekannt ist als engagierter Sport-, speziell als Fußballfan) vor allem dann, wenn er ein Thema aus dem Bereich „Fußball“ kommentiert, meinungsgeprägt bzw. besonders meinungsstark sind, kann das nicht überraschen.

    Daß zugleich jeder hier bei den Ruhrbaronen den Kommentator, hier Robin Patzwald, darauf hinweisen kann, daß sich aus seiner Sicht die Fakten anders darstellen bzw. diese anders zu bewerten sind und jeder hier bei den Ruhrbaronen vor allem Meinungsbekundungen eines Kommentators widerspriechen kann, macht den besonderen Reiz dieses Blogs aus.

    Möglicherweise führt diese Auseinandersetzung ja dazu, daß damit eine Grundsatzdebatte bei den Ruhrbaronen angestoßen wird „über das Erfordernis ausreichende Sachkenntnise von Journalisten, wenn sie über ein Thema berichten, über das Erfordernis persönlicher Distanz, wenn sachbezogen über Fakten zu berichten ist, über das Erfordernis von Sachkenntnis, wenn „man“ einen Kommentar schreibt, über das Erfordernis hinreichend deutlich zu machender Trennung von Sachstandsberichten und persönlichen Kommentaren, über die journalisten Pflicht, über Fakten zu berichten, auch oder gerade dann, wenn sie dem, was der Journalisten perönlich für gut oder schlecht hält, entgegensteht.“

  • #6
    der, der auszog

    @Henk

    Wenn Peters erst davon spricht, der Verein sei vor dem Einschreiten der Polizei nicht von dieser informiert worden, einige Tage später aber zu gibt, dass Schalke doch informiert worden ist, dann ist das ein Widerspruch. Wenn Peters behauptet, die Polizei hätte Schalke 04 in Unkenntnis gelassen, dann ist das Kritik an der Polizei und ihrer Vorgehensweise. Wenn in Robins Text steht: „Er hatte mit all seinen kritisierten Aussagen vermutlich sogar völlig Recht.“, dann wird man dem auch widersprechen dürfen, weil die Aussage sich nicht nur, wie Du behauptest, auf den Polizeieinsatz konzentriert, sondern auf „all seinen kritisierten Aussagen“.

    Vermutlich würde Peters mit seiner Kritik am Polizeieinsatz in der Nachbetrachtung wesentlich besser da stehen, wenn er der Welt nicht unmittelbar nach dem Spiel diesen Blödsinn erzählt hätte. Hat er aber und deshalb sollte es auch erlaubt sein, diesem Menschen mit Misstrauen begegnen zu dürfen. Es muss ja einen Grund haben, wieso Peters anfangs gelogen hat.
    – Das ist die eine Geschichte.

    Die andere Geschichte ist der Polizeieinsatz, der aus meiner Sicht völlig überzogen, vermutlich sogar absolut unnötig war, wäre die Gelsenkirchener Polizei ein wenig weltgewandter und -offener aufgestellt, um zu erkennen, wann ihnen ihre griechischen Kollegen was vom Pferd erzählen und wann nicht. Fast zwei Tage hat die Behörde die Frechheit besessen, die Schalkefans, die eine legitime Fahne gezeigt haben, als Volksverhetzer darzustellen, den schlimmsten politischen Vorwurf, den man in Deutschland gegenüber mündigen Bürgern überhaupt erheben kann. Aber auch da ist nach Strich und Faden gelogen worden und auch in diesem Fall muss die Frage erlaubt sein, welchen Vorteil sich die Polizei Gelsenkirchen vom verbreiten dieser Unwahrheit versprochen hat. Eine Polizei, die sich so dermaßen verrennt, oder aber, was noch schlimmer wäre, die über so wenig Bildung verfügt, den Straftatbestand der Volksverhetzung nicht oder nur unzureichend zu kennen, ist auch mit Mißtrauen zu begegnen.

    Von Jägers Vorschlag, die Polizei aus der Arena herauszulassen, hatte ich eine Initialzündung erwartet, die auf NRW und vielleicht sogar auf die ganze Republik hätte übertragen werden können. Ich gehöre zu der, anscheinend kleinen Minderheit, die das Geld, was durch Polizeieinsätze jedes Wochenende beim Fußball verbraten wird, gerne an anderer Stelle eingesetzt sähe und die sich durchaus vorstellen kann, dass eine übermässige Polizeipräsenz in Fußballstadien durchaus auch Aggressionen bei einigen Fans provozieren kann.

    Aber wer konnte schon ahnen, dass Jägers Idee nur Säbelrasseln und heiße Luft war? Jägers Kurswechsel um 180 Grad, als die Angelegenheit drohte im Wahlkampfendspurt zu einem Politikum zu werden, ist ein weiterer Faktor, der dazu beiträgt, an ihm und seinem Polizeiapparat Zweifel zu hegen.

    Ich kann doch weder die eine, noch die andere Seite ernst nehmen, weil sie beide mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen scheinen und da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn so werden sich die Probleme zwischen der Polizei und den Fußballfans nicht lösen lassen.

    @Robin, Walter, Helmut

    Ich will Robin nicht das „Fan“Sein absprechen oder ausreden. Das Bild des „Fan“ verblasst nur hin und wieder und wird dann durch das Bild des Journalisten ersetzt, wenn zu den „Kollegen“ beim aktuellen Sportstudio oder bei Sky Bezug genommen wird. Immerhin lese ich mittlerweile auch Beiträge über Fußball, was vor zwei Jahren noch undenkbar war. That´s life

  • #7
    Klaus Lohmann

    @henk: Getretener Quark macht breit, nicht stark.

    Peters hat den eigenen Fans (den nichtbeteiligten) und der Öffentlichkeit gegenüber wochenlang eine Lügenstory aufgetischt, die die Legende von den angeblich so „überraschten“ Ultras im Block ganz offiziell aufrecht erhalten sollte.

    Wer sowas als Vorstand eines Bundesligavereins und Wirtschaftsunternehmens fertigbringt, gehört normalerweise direkt unter Wegreißen der Schulterklappen gefeuert, Laptop weg plus sofortige Abgabe des Dienstwagenschlüssels. Aber in Gelsenkirchen scheinen die schrottreifen Bergmannsuhren immer noch anders zu gehen.

    Insofern ist die Konzentration auf einen kümmerlichen Argumenterest für die angebliche „Willkür“ bei der Fahnen-Konfiszierung keine Leistung, sondern nur noch Ablenkung gegen weitere Aufklärung über die Vorstands-Katastrophen in der Turnhalle.

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  • #9
    Henk

    @ Der, der auszog:
    Danke für Ihre Erläuterung; ich verstehe Ihren Standpunkt nun etwas besser. In der Tat kann man festhalten, dass Peters nicht mit allen seinen Aussagen Recht hat. Für mich berührt die Fragestellung, ob Schalke-Verantwortliche informiert waren oder nicht, letzlich aber nicht den Kern der Kritik. Ob Peters absichtlich gelogen hat oder nur schlecht informiert war (ich tippe nebenbei auf letzteres, weil ihm bewusst sein musste, dass ihm eine Lüge früher oder später um die Ohren fliegt und weil ich kein Motiv für eine Lüge sehe), ist für das Miteinander von Polizei und Verein wichtig, nicht aber für die Bewertung des Einsatzes. Was letzteres angeht stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Es ist schade, dass Peters mit der falschen Behauptung zum Informationsstand der Schalke-Verantwortlichen davon abgelenkt und sich auch von seiner Kritik am Einsatz entschuldigen musste, deren Kern ja eben nicht die Informationspolitik der Polizei, sondern die Frage nach der Verhältnismäßigkeit war.

    Ich stimme Ihnen ebenfalls zu, dass es äußerst schade ist, dass die teuren und aus meiner Sicht überflüssigen Polizeieinsätze in Stadien jetzt einfach weitergehen.

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  • #11
    der, der auszog

    @henk

    über die Motive, die Peters auf der einen und die Polizei auf der anderen Seite dazu bewegt haben könnte, nicht die Wahrheit zu sagen, lässt sich nur spekulieren. Ich wage jetzt einfach mal eine solche Spekulation:

    Wie jeder, der das Rückspiel gegen Saloniki am Fernseher mit verfolgt hat weiß, musste diese Begegnung als Geisterspiel ausgetragen werden. Grund war die Partie Paok gegen Rapid Wien vom 23.8.2012 ein Jahr zuvor, wo es in Saloniki genau zu dem Szenario gekommen ist, vor dem die griechischen Polizisten ihre Gelsenkirchener Kollegen warnten.

    Anhänger von Saloniki hatten das Spielfeld gestürmt, nachdem sich die Fans beider Mannschaften vorher Schlachten mit Feuerwerkskörpern und Leuchtkugeln geliefert hatten. Die Polizei musste massiv gegen die Fans vorgehen um die Sicherheit im Stadion wieder herstellen zu können. Wien wurde daraufhin von der Uefa mit einem, Saloniki sogar mit drei Geisterspielen bestraft. Dazu noch eine Geldstrafe von 150.000 Euro und die Drohung, bei einem weiteren Zwischenfall 5 Jahre international gesperrt zu werden.

    Für einen Verein bedeuten Geisterspiele, dass er auf seine Einnahmen durch Eintrittsgelder verzichten muss. Wie hoch dieser finanzielle Verlust ist, mag ich nicht genau beurteilen. Ich schätze aber, dass da sehr schnell die eine oder aandere Million zusammen kommen kann. Vermutlich wird kein Profiverein einen solchen finanziellen Ausfall in seinen Haushalt mit einkalkulieren und Peters ist auf Schalke ja genau der Verantwortliche, der jedes Jahr den Haushalt der Königsblauen auf Kante näht. Peters wird in dem Moment, wo die Polizei den Block der Gelsenkirchener Ultras stürmte, geahnt haben, dass der Einsatz nicht nur den Ruf der Schalker Fans in Misskredit bringen wird, sondern in der Folge auch für den Verein schwer zu stämmende, vor allem finanzielle Konsequenzen nach sich ziehen kann, schließlich wird ein Verein ja für das Verhalten seiner Fans in Haftung genommen. Die Angst vor Geisterspielen auf Schalke kann bei Peters der Grund gewesen sein, die Fans und damit den Verein unmittelbar nach dem Spiel aus der Schusslinie bringen zu wollen und in der Tat ging ja die eigentliche Gefahr von den griechischen Fans aus, was auch die Gelsenkirchener Polizei nicht mehr abstreitet, wenn sie davon redet, dass es letztendlich darum ging, einen Platzsturm der Paok Fans zu verhindern.

    Um sich den Worst Case, den die Polizei hat verhindern wollen, einmal bildlich vorzustellen, gibt es bei Youtube diverse Filmchen zu der Auseinandersetzung Paok Rapid. Hier mal eins als Beispiel:

    http://www.youtube.com/watch?v=iVyer-9tguU

    Die Polizei hat mit ihrem Eingreifen auf Schalke eine Situation geschaffen, mit der sie offenbar selber nicht glücklich war. Den eigentlichen Gefahrenherd zu bekämpfen, nämlich die mit Block- und Platzsturm drohenden Paok Fans, war ihr zur riskant, weshalb man sich entschloss die mazedonische Fahne, welche die griechischen Fans und auch die mitgereisten griechischen Polizisten in Wallungen brachte, zu entfernen und zwar mit Gewalt, weil es weder den Fanbeauftragten noch den informierten Verantwortlichen des Vereins gelungen war, die Fahne zu entfernen. Um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, die eigentlichen Störenfriede laufen zu lassen und Unschuldigen mit Gewalt zu begegnen, stilisiert die Gelsenkirchener Polizei diese Fahne hoch zu einem volksverhetzenden Element, was an Dreistigkeit oder Dummheit (je nachdem ob man der Polizei Absicht unterstellt oder nicht) nicht zu überbieten ist. Zum Thema Volksverhetzung in Fußballstadien hat Robin ja gestern ein Video der Kickers in Offenbach gepostet, was man in der Beurteilung der Aussage der Gelsenkirchener Polizei durchaus zum Vergleich heran ziehen sollte.

    Die Polizei in NRW kann sich in der Regel sicher sein, dass sich nach umstrittenen Polizeieinsätzen eine recht starke Lobby aus Politik, Gewerkschaften und Teilen der Bevölkerung aufbaut, um sie aus der Schusslinie zu ziehen. Das war dieses mal anders. Innenlautsprecher Ralf Jäger und Polizeisirene Rainer Wendt standen so ziemlich allein auf weiter Flur. Führende Politiker der Opposition im Landtag, aber auch Jägers Parteikollegen, wie das SPD Schwergewicht Frank Baranowski, immerhin OB in Gelsenkirchen und Chef der Ruhr SPD, stellen den Polizeieinsatz in Frage. Tüpfelchen auf dem i war dann noch die kurzzeitige Ingewahrsamnahme eines Landtagsabgeordneten der Piraten, der vor dem Schalkegelände Flyer verteilte und dem ganzen die Krone aufsetzte. Auch hier widersprechen sich Polizeiaussagen und die Statements, die der Verein diesbezüglich verlauten lässt.

    hier noch ein paar weitere Links zum Thema bei SPON. Einmal zum Paok Spiel gegen Rapid Wien
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/ausschreitungen-geisterspiele-und-geldstrafen-fuer-saloniki-und-wien-a-852535.html

    und einmal zu den Konsequenzen, die sich für Schalke anbahnen könnten:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/uefa-leitet-disziplinarverfahren-gegen-schalke-ein-a-918306.html

  • #12
    Walter Stach

    Der,Der………

    -sh.6 abschließend-:
    Vom gelegentlichen Leser der Fußballartikel ist der Weg ins Stadion nicht mehr weiter oder?
    Es ist in jedem Falle ein grandioses Schauspiel, was sich am Wochende im Stadion abspielt, wenn z.B. „mein“ BVB zu Hause spielt, ein Schauspiel, das ‚mal zu sehen ich auch Nichtfans empfehle. Ich sollte richtigerweise sagen, an dem Schauspiel selbst teilzunehmen ist zu empfehlen, denn wir Zuschauer sind ja Akteure in diesem Schauspiel, und diese (Mit-) Akteure als einer unter ihnen, als einer von ihnen beobachten und zu hören zu können, “ das hat schon ‚was.“

    -sh.11-
    Jäger hat insgesamt während seiner Minsterzeit nach meiner Wahrnehmung eine ehe „unglückliche Figur“ abgegeben. Eine Fehlbesetzung? Das festzustellen erscheint mir nicht gerechtfertigt. Daß Jäger im konkreten Falle, vorsichtig formulioert, unglücklich reagiert und agiert hat, darf m.E. jedoch festgestellt werden.

  • #13
    Eckarhard

    @Lohmann
    sie sind wohl ein eingefleischter Fan von „de Wendt“ und „Pannen – IM Jäger“
    Ich kann nur lachen wie sie die Tatsachen krampfhaft versuchen, zu verdrehen!

    gruss
    Ekki

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