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Schlecker-Transfergesellschaft: Teuer und überflüssig

Ist die Ablehnung der Schlecker-Transfergesellschaft  ein Beispiel für die Hartherzigkeit der FDP? Nein, denn Transfergesellschaften dienen vor allem ihren Betreibern, nicht den Arbeitslosen.

Es wird keine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter von Schlecker geben. Und das ist eine gute Entscheidung. Denn die Überschrift in einem Handelsblatt-Artikel  von Sven Prage bringt es auf den Punkt: „Transfergesellschaften – Schmierige Geschäfte auf Kosten der Hoffnung“. Prage beschreibt das lukrative Geschäft mit den Ängsten der Arbeitslosen und wer am stärksten davon profitiert: Gewerkschaftsnahe Unternehmen und Firmen wie die Peag, die Konzernen wie RWE oder Evonik gehören – ein Grund, warum Betriebsräte schnell dabei sind, eine Transfergesellschaft zu fordern. In Bochum ist die Nähe von Gewerkschaften und Transfergesellschaften besonders leicht zu greifen: IG Metall und die Transfergesellschaft BAQ Welkoborsky sitzen in einem Geäude – dem IG Metall eigenen Jahrhunderthaus am Westpark.

Transfergesellschaften profitieren von der Angst der Menschen vor Hartz IV. Doch sie erwirken im besten Fall einen teuren Aufschub, mehr nicht. Denn sie sind weitgehend wirkungslos.

Transfergesellschaften bieten Leistungen an, die auch die Arbeitsagentur anbietet – und sie tun dies nicht besser. Ihre Wirkung lässt sich nicht nachweisen – sie sind ein teure Placebos:

Eine schon etwas zurückliegende und bis heute nicht widerlegte Unter­suchung des IZA ergab jedoch, dass es im Hinblick auf die Vermittlungsgeschwindigkeit im Durchschnitt keinen Unterschied macht, ob die Vermittlung von einer Transfergesellschaft oder der Arbeitsagentur durchgeführt wird.

Erschwerend kommt hinzu: Die betroffenen Schlecker-Mitarbeiterinnen verteilen sich über das ganze Land. Keine Transfergesellschaft wird das leisten können, was die flächendeckend aktive Arbeitsagentur  leisten kann – oder zumindest leisten sollte. Sie wird es nur teurer tun.

Joachim Wille bringt es in seinem Kommentar in der Frankfurter Rundschau auf den Punkt:

Wer jetzt für die über die ganze Bundesrepublik verteilten Schleckerarbeitslosen eine Sonderregelung verlangt, der sollte sich überlegen, ob er das tut, weil er die deutsche Sozialgesetzgebung für unzureichend hält. Wenn nicht, sollte er sie anwenden und sonst nichts. Wenn er aber findet, dass es nicht zumutbar ist, dass man heute seinen Arbeitsplatz verliert und morgen Arbeitslosengeld bekommt, dann sollte er oder sie das laut sagen und auf eine Änderung der Gesetzeslage dringen.

Eine Transfergesellschaft für Schlecker wäre teuer geworden, hätte nichts gebracht und das Geld aus den Sozialkassen in die Kassen einer Firma gespült, die von der Angst der Menschen lebt – ein wahrhaft schmieriges Geschäft.

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33 Kommentare zu “Schlecker-Transfergesellschaft: Teuer und überflüssig

  • #1
    der, der auszog

    Mir fällt in diesem Zusammenhang die Philipp Holzmann Rettung durch Gazpromgerd ein. Damals (um 2000 herum) wurde ein staatliches Rettungspaket nach dem anderen geschnürt um den durch Missmanagement in Schieflage geratenen Baukonzern vor dem Untergang zu bewahren. Die Ähnlichkeiten sind irgendwie verblüffend, denn auch Schlecker ist durch Missmanagement den Bach runter gegangen. Geholfen haben die staatlichen Rettungspakete damals nur den Politikern, und auch zwar in der Form, dass sie sich eine zeitlang als die „Retter“ betiteln lassen konnten. Holzmann ist Geschichte. Schlecker auch. Ob man das unbedingt bedauern sollte, stelle ich in Frage.

    Die Gewerkschaften, die sich momentan gerade lauthals zu Wort melden, haben es in der Vergangenheit leider auch nie geschafft, so auf den Konzern einzuwirken, dass man dort fair mit den Mitarbeiterinnen umgegangen ist. „Ausbeutung“ war eigentlich immer ein Begriff, der unmittelbar mit Schlecker verbunden war, wenn das Unternehmen in den Schlagzeilen stand. Zumindest damit ist jetzt ein für alle mal Schluss.

    Eine Schleckerrettung wäre zudem ein Schlag ins Gesicht aller Kleinen und mittleren Unternehmen. 2/3 aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland sind bei kleineren und mittleren Unternehmen angestellt und wenn da mal eines den Bach runter geht, kräht kein Hahn danach.

    Das ganze Rettungsgefasel und die Entäuschung über die FDP bei CDU/CSU, SPD und Grünen ist also nichts anderes als der Ärger, sich im NRW, SH-Wahlkampf nicht als Retter präsentieren zu können. Mehr steckt da nicht hinter.

  • #2
    Matthes

    Ein (für die Betroffenen vielleicht gar nicht so) kleiner Nebenaspekt: Wer betriebsbedingt gekündigt wird, hat Anspruch auf eine Abfindung. Wer von einer Transfergesellschaft „gerettet“ wird, bekommt die selben 2/3 vom letzten Nettolohn und die selben Trainigs- und Vermittlungsangebote wie jeder Arbeitslose – und KEINE Abfindung. (Wie viel Abfindung bei einem insolventen Ex-Arbeitgeber zu holen ist, mag noch mal auf einem anderen Blatt stehen, aber weniger als 0,00 Euro wird es nicht sein.)

  • #3
    marcus

    Ich finde es unangenehm, wie die FDP auf dem Rücken der eh schon an der Armutsgrenze kratzenden und nun von Entlassung bedrohten Schlecker-Mitarbeiterinnen ein Exempel der reinen marktwirtschaftlichen Lehre statuiert.

    Die Angst vor Hartz IV ist für die Mitarbeiterinnen von Schlecker nämlich real und nicht unbegründet.

    Und selbst ein kleiner Aufschub von sechs Monaten heißt für jede Betroffene ein halbes Jahr später Arbeitslosengeld und daraus folgernd ein halbes Jahr später Hartz IV. Sie hat sechs Monate mehr Zeit einen neuen Job zu finden bevor sie in Hartz IV rutscht. Und das ist für die Betroffenen schon eine ganze Menge.

    Die Kosten für eine Transfergesellschaft sind wohl ein bisschen mehr als 70 Millionen Euro.
    Diese Summe ist vor dem Hintergrund der ganzen Griechenland- und Bankrettungsschirme überschaubar.

    Wenn es der FDP jedoch um die reine Lehre des freien Marktes und der darin waltenden freien Kräfte von Angebot und Nachfrage ginge, hätte die Partei ein spannendes Bestätigungsfeld. Sie müsste nur endlich die absurde Monopolstellung des aus diesem Grunde überteuerten Apothekenwesens in Deutschland schleifen.

    Aber bei diesem Thema sind die marktwirtschaftlichen Prediger aus purem Klientelismus heraus dann doch eher maulfaul, stattdessen kühlt sich die Boygroup aus Bahr, Lindner und Rösler ihr Mütchen an den Zukunftsängsten der von Armut bedrohten Frauen.

    Das ist schon arg abscheulich.

  • #4
    Niedermeyer

    @marcus
    Dein polemischer, dummer und völlig überflüssiger Kommentar könnte aus dem Mund eines Gewerkschaftsfunktionärs kommen, der jetzt keine Kohle an den Schleckerfrauen verdienen kann.

    In obigem Artikel und in dem vom Handelsblatt wird sehr gut dargestellt, dass die FDP das einzig richtige getan hat. Besonders bewundernswert ist dabei, dass die FDP sich damit wieder den Unmut einer verdummten Wählerschaft zuzieht, obwohl sie aktuell jede Stimme brauchen könnten. Respekt!

    Künftig also erst lesen und dann denken – das Schreiben ist anschließend nicht mehr notwendig.

  • #5
    Murphy42

    Ganz toller Beitrag. Und wenn sie sich jetzt nochmal ein wenig Zeit nehmen, so 15 minuten und darüber nachdenken, welchen Vorteil eine Transfergesellschaft für die MitarbeiterInnen hat, dann könnte noch ein richtiger Journalist aus Ihnen werden. 15 minuten – schaffst du schon.

    Ach ja, und wenn Sie so beim denken sind, überlegen Sie doch mal warum sich Gewerkschaften so für Transfergesellschaften stark machen? Ein kleiner Tip: Mitglieder, ArbeitnehmerInnen.

  • #6
    der, der auszog

    @marcus

    Die FDP ist nicht der Grund, dass Schlecker insolvent gegangen ist und man kann sie schon deshalb nicht für das derzeitige Desaster verantwortlich machen.

    Das Unternehmen ist schlichtweg in den Untergang gewirtschaftet worden. Wenn man jetzt jemanden an den Pranger stellt, dann doch bitte die richtigen. Das sind zum einen die Manager des Unternehmens und zum anderen die beiden Schleckererben Lars und Meike Schlecker, die momentan gerne in die Kameras heulen und was von Mitgefühl für ihre Mitarbeiter sabbern, die sie vorher haben überwachen und anderweitig schickanieren lassen.

    Darüber hinaus sind die Möchtergernretter bei SPD, Grünen und aus dem Dunstkreis um Horst Seehofer die Erklärung schuldig, was denn überhaupt genau gerettet werden soll.

    Mal ein Beispiel aus Gelsenkirchen-Scholven. Dort gibt es drei Schlecker-Fillialen im Umkreis von einem Kilometer. Zwei an der Feldhauser Straße, eine an der Stadtgrenze zu Gladbeck, Scheideweg/ Ecke Voigstraße. Das sind wenigstens zwei zuviel. Schlecker hatte über Jahre die Angewohnheit, erstmal alle leerstehenden Räumlichkeiten mit einer Schleckerfiliale zu besetzen, aus Angst, dass sich Rossmann, DM oder ein anderer Konkurent in den Laden einmieten könnte. Die Folge waren Läden, die niemand brauchte, die betriebswirtschaftlich keinen Sinn machten, in denen kaum jemand einkaufen ging, die aber trotzdem mit Personal besetzt werden mussten. Um die sich so anbahnenden Verluste abzufedern, versuchte die Unternehmensführung die eh schon niedrigen Löhne der Mitarbeiterinnen noch weiter nach unten zu drücken. Stichwort SchleckerXL und Tarifflucht. Schlecker Mitarbeiterinnen wurde gekündigt und anschliessend über eine Leiharbeitsfirma das Angebot gemacht, bei einem Schlecker XL zu schlechteren Bedingungen neu anzuheuern. Das ganze System Schlecker hat vorne und hinten nicht funktioniert. Bei Schlecker gibt es nichts rettenswertes.

  • #7
    Matthes

    @#3: Falscher Ansatz. Natürlich kann man es wünschenswert finden, dass Arbeitslose nach einem Jahr ALG-I-Bezug nicht automatisch in die Mühlen von Hartz IV rutschen. Der richtige Weg dahin wäre eine tiefgreifende Reform der Sozialsysteme, die das ohne potemkinsche Dörfer wie „Transfergesellschaften“ möglich macht. Denn die helfen nur nebenbei und sehr bedingt den Arbeitslosen. Vor allem ernähren sie einen hauptsächlich der eigenen Beschäftigungssicherung dienenden Zweig der Weiterbildungs-Branche bestens, und sie helfen der Politik, die Arbeitslosenstatistik zu schönen.
    (Die Kritik an der bei Licht betrachtet so gar nicht marktwirtschaftlichen sondern höchst protektionistischen Klientelpolitik der FDP teile ich. Das ist hier aber nicht Thema.)

  • #8
    tomtom

    Es gibt eigentlich keinen Grund, warum Schlecker-Angestellte Arbeitslose erster Klasse sein sollen und andere sich mit der Arbeitsagentur begnügen sollen. VerkäuferInnen werden zum Glück noch gesucht, wofür genau sollen die sich jetzt qualifizieren?

  • Pingback: Links anne Ruhr – und am Rhein (Landtagswahl #nrw12) 30.03.2012 » Pottblog

  • #10
    Snoopy

    Es ging nur um eine Bürgschaft, d.h. eine Absicherung für ein Darlehen, das die KfW gewähren wollte und zwar für die 11.000 Beschäftigten – vor allem Frauen – und nicht für die Firma Schlecker. Dahinter lagen gute Sicherheiten, so dass das Risiko für die Steuerzahler gering gewesen wäre… Deshalb stimme ich Marcus voll zu… Fürchte, das versteht nur jemand der sich auch in die Ängste der MitarbeiterInnen hinein versetzen kann – wovon in Deuschland wenig zu finden ist !! Hier geht es um Macht und um Geld ! Der Mensch an sich ist bei dieser nebensächlich !!

  • #11
  • #12
    Niedermeyer

    Es geht ÜBERHAUPT NICHT um die Mitarbeiterinnen!. Die Transferges. sorgt für mehr Kohle beim Insolvenzverwalter, riesige Gewinne bei den gewerkschaftseigenen Fortbildungseinrichtungen, neuen Mitgliedern bei den Gewerkschaften und mehr Wähler für alle populistisch mitheulenden Parteien.

    Übrigens gibt es keine guten Sicherheiten für die KfW-Bürgschaft. Die Wahrscheinlichkeit für einen Totalverlust erinnert an Griechenland. Mit guten Sicherheiten kann man sich übrigens bei Banken auch ohne FDP Geld holen.

    Wir haben in Deutschland ein Arbeitsamt und niemand fällt ins Nirwana. Wem das nicht ausreicht, der soll das gesamte System reformieren. Zuletzt geschehen ist dies übrigens durch rot-grün mit HartzIV. Offensichtlich hat rot-grün keine brauchbaren Gesetze gemacht und will im NRW-Wahlkampf jetzt der FDP die Schuld für das eigene Versagen geben.

  • #13
    Niedermeyer

    Ich hab es noch einmal zusammengefasst:

    1. Es gibt reichlich freie Stellen im Einzelhandel und eine Transfergesellschaft ist nicht nötig.

    2. Durch die räumliche Verteilung der Mitarbeiter ist eine Transfergesellschaft unsinnig. Eine TG ist immer bei Konzentration auf einen Standort ein Weg.

    3. TGs macht man, falls es an wenigen Orten sehr viele Entlassungen geben wird. Das würde die Arbeitsämter sehr belasten und der Arbeitsmarkt kann die Leute nicht aufnehmen. Es geht also um eine zeitliche Entzerrung der Nachfrage. Bei Schlecker sind die Kündigungen gleichmäßig über das Land verteilt. 20 zusätzliche Arbeitslose in einem Landkreis – das schafft sogar das Arbeitsamt

    4. Wollen wir TGs auch für jede einzelne Kündigung in einem Handwerksbetrieb einführen? Nichts anderes ist es bei Schlecker. Nur weil es eine „Holding“ gibt, ist das Vorort wie bei einem Kleinstbetrieb. Wer mit dem aktuellen System Arbeitsagentur nicht zufrieden ist, der sollte das System ändern und nicht eine Lex Schlecker erlassen.

    5. Die Gewerkschaften schreien nach den TGs, da sie Milliarden damit umsetzen. Gewerkschaftseigene Fortbildungsbetriebe mit meist nutzlosen Schulungen sorgen für viel Geld in der Kasse und gleichzeitig gewinnt man mit populistischen
    Positionen neue Mitglieder. Um die Schlecker-Frauen geht es da sicher nicht.

    6. Die FDP ist sehr vernünftig in ihrem Handeln und wird dadurch Wähler – viele sind es ja nicht mehr – verlieren. Gerade die anderen Parteien glänzen durch Populismus. Es ist ja auch viel einfacher Wähler mit Geschenken und Mitleid zu gewinnen.

  • #14
    Marty

    Mit Verlaub. Ich kann nicht erkennen, warum eine Transfergesellschaft den Schleckermitarbeiter/Innen nicht genutzt hätte.

    Jetzt bekommen sie sofort ALG 1, In der TG hätten sie ca.80% bekommen.
    Bei einer Kündigungschutzklage haben sie maximal Anspruch auf das 2,5fache des durchschnittlichen Monatsgehaltes. (Insolvenzrecht)
    Materiell wäre eine TG für die Betroffenen besser gewesen

    http://dnzs-wirtschaft.blog.de/2012/03/29/fdp-schickt-schleckerfrauen-arbeitslosigkeit-13336477/

    Und… Es hätte sich erstmal nur um Bürgschaften gehandelt. Das Risiko ist sicher nicht höher, als die Banken und Versicherungs-Rettungschirme ESFM oder ESM

  • #15
    der, der auszog

    @marty

    Alles hat seinen Preis und den zahlen in einer Transfergesellschaft u.a. auch erst einmal die Schlecker Mitarbeiterinnen. Zum einen würden sie auf ihre Abfindung verzichten, zum anderen wäre ihnen der Weg verbaut, Schlecker vor den Arbeits-und Sozialgerichten zu verklagen.

    Einen Nutzen hätte erst einmal das Unternehmen Schlecker. Es liesse sich wesentlich einfacher verkaufen, wenn keine Klagen von ehemaligen Angestellten drohen und weitere Altlasten durch eine Transfergesellschaft bereits abgewickelt wären. Wieso das finanzielle Risiko für eine solche Kiste vom Steuerzahler getragen und notfalls aufgefangen werden soll, ist eine Zumutung.

    Von der Rechtsform her war Schlecker bis zur Insolvenz ein sogenannter „Eingetragener Kaufmann“ und schon deshalb hinken meiner Meinung nach die Vergleiche mit Opel, den Banken usw, bei denen es sich in der Regel um Aktiengesellschaften handelt. Eingetragener Kaufmann bedeutet, dass die Entscheidungsprozesse in einem Unternehmen lediglich von diesem Kaufmann getroffen werden und niemand anderes darauf einwirken kann. Folglich kann der Kaufmann auch ganz alleine bestimmen, was mit den Gewinnen, die das Unternehmen erwirtschaftet, passiert. Wer ist dieser eingetragene Kaufmann? Antwort: der Gründer Anton Schlecker und sonst niemand. Das Vermögen von Anton Schlecker wird auf ca. 1,95 Mrd. Euro geschätzt. Schlecker gehört somit zu den reichsten Menschen Deutschlands (manager magazin, Platz 56 für das Jahr 2011).
    Als eingetragener Kaufmann haftet Schlecker natürlich auch mit seinem Privatvermögen. Der Witz: offiziell ist davon nichts mehr da. Wieso? Weil ein Großteil des Vermögens von Anton Schlecker (Villen, Feriendomizile, Autos und ein gutlaufendes Logistikunternehmen mit bis zu 35 Millionen Euro Umsatz/Jahr) auf seine Frau und seine Kinder überschrieben ist. Laut manager magazin von März 2012 stehen der Familie Schlecker schätzungsweise noch 70.000 Euro/Monat zur Verfügung!

    Für mich als Steuerzahler ist es einfach nur pervers und in keinster Weise nachzuvollziehen, wenn ein solches Unternehmen mit Steuergeldern gerettet werden soll.

    als Ergänzung empfehle ich einen Artikel im Managermagazin von Simon Hage und Wolfgang Hirn vom 22. März 2012: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/handel/0,2828,822892,00.html

  • #16
    teekay

    Jens Berger nimmt ueberzeugend die Gegenposition zu Stefan Laurin an:

    ‚Die FDP und die Schlecker-Pleite – Polittaliban außer Kontrolle‘

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=12729

  • #17
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Teekay: Das Jens und uch un solchen Fragen nichteiner Meinung sind, ist ja keine wirkliche Überraschung. Wobei ich ihn persönlich sehr nett finde.

  • #18
    f.luebberding

    Laurin

    Ich sehe das zwar in diesem konkreten Fall wie Du. Allerdings finde ich es nicht zielführend, damit zugleich das arbeitsmarktpolitische Instrument der Transfergesellschaften in Frage zu stellen. Das kann durchaus sinnvoll sein – und die schlechten Integrationserfolge in den Arbeitsmarkt liegen in der Struktur dieser Gesellschaften. Sie sollen ja gerade bei Massenentlassungen an einzelnen Standorten eingerichtet werden, wenn nämlich der regionale Arbeitsmarkt bisweilen auch hochspezialisierte Leute nicht so schnell unterbringen kann. Also genau unter der Voraussetzung, die bei Schlecker nicht vorliegt. Insofern halte ich die Untersuchungen von diesem super-dogmatischen Neoklassiker Schneider für keine Referenz. Der erzählt nämlich seit 15 Jahren immer den gleichen Unfug … . Dann lese ich lieber den Wirtschaftskommentar in der FAZ … .

  • #19
    Helmut Junge

    @Stefan Laurin,
    wenn ich eines nicht glaube, dann ist das, dass die FDP das Geld, um das es da geht, nicht bereit wäre, ihrem eigenen Klientel zuzubuttern.
    So, wie bekannt. Die FDP hat Zielgruppen, denen sie alles und noch mehr geben würde, wenn sie dürfte. Nur eben nicht den Schleckerfrauen.

  • #20
    der Harry

    Wer ist eigentlich dieser Niedermeyer?

    Kommentar Nr. 4:

    “ @marcus
    Dein polemischer, dummer und völlig überflüssiger Kommentar könnte aus dem Mund eines Gewerkschaftsfunktionärs kommen, der jetzt keine Kohle an den Schleckerfrauen verdienen kann.“

    Dafür gehört dieser Heinz mit Anlauf in den Arsch getreten, um es mal auf seinem Niveau zu formulieren.

    So wie sich dieser Niedermeyer in die Kurve schmeisst, tippe ich mal auf einen FDP-Menschen, dem klar wird, das er wohl keine Gelegenheitheit mehr hat, seine Anwartschaften auf Staatsknete zu begründen ( wie mutmasslich auch Frau Gruss/FDP: Parlamentsfernsehen auf Bundestag.de:

    http://dbtg.tv/fvid/1626293

    Und, vielleicht noch Hinweis an den Heinz: Über das ~ 15-jährige Gewerkschaftsbashing ist die FDP-Truppe längst hinaus!
    Man kümmert sich um „spätrömische Dekadenzen“ und Verächtlichmachung unseres Staates als „teuren Schwächling“.

  • #21
    crusius

    Hat das ganze eigentlich mal jemand durchgerechnet? Überall finde ich zu diesem Thema nur Gefühlsjournalismus und martialische Überzeugungen, aber keine belastbaren Fakten. So würde mich bspw. interessieren, ob das Einkommen, das in einer Transfergesellschaft bezogen wird, sozialversicherungspflichtig ist. Sofern das der Fall ist, wäre umgekehrt zu fragen, welche Aufwände bei der Bundesagentur über die Zahlung von ALG I hinaus entstehen (Renten- und Krankenversicherungszahlungen für die nun 11.000 Beschäftigten). Und schließlich wäre das Ausfallrisiko der Bürgschaft gegen das Kostenrisiko von zusätzlichen 13.000 Arbeitslosen im Falle eines Konkurses abzuwägen.

    Und erst wenn diese Rechnung auf dem Tisch liegt, kann man m. E. eine Meinung zu dem gnazen haben, die in mehr besteht, als der Subsumtion des Sachverhalts unter lang gepflegte Vorurteile.

  • #22
    Frank

    @20 Harry ich werd Fan von dir, dieses Gesülze von dem Herren ist wirklich katastrophal.

    @15 Der, der Auszog, die Bezeichnung „eingetragener Kaufmann“ ist schon vor über 12 Jahren abgeschafft worden und nein es gibt in Deutschland keine wirkliche Rechtsform die „Alleinschuldnerhaftung besitzt!!!

    :-((

  • #23
    Jan

    Die Kosten einer Transfergesellschaft bleiben ja normalerweise immer am Arbeitgeber hängen, dem Klagen gegen seine Kündigungen und Abfindungen erspart bleiben – im Tausch bietet er seinen ehemaligen Beschäftigten die Illusion einer priviligierten Arbeitslosigkeit mit angeblich besseren Chancen. Mit Staatsgeld (und auch Bürgschaften können eines Tages fällig werden!) dürfen aber nicht die Entlassenen des einen Unternehmens priviligiert werden – und die anderen nicht.
    „DIE SCHLECKERFRAUEN“ sind zu einer emotional aufgeladenen Marke, zu einer Art Maskottchen geworden – die Mitarbeiter aus dem Vodafone Call Center in Essen sind das zum Beispiel nicht. Daraus darf man keine Ungleichbehandlung ableiten.

    Wenn jemand möchte, dass entlassene Mitarbeiter im Falle einer Nicht-Vermittlung später ALG II bekommen, ist das politische Themenfeld „längere Bezugsdauer“ – dafür sind doch keine Transfergesellschaften da!

    Eine Aufschrei derer, die die FDP noch nie mit dem A**** angekuckt haben, bedeutet übrigens nicht das Sterbeglöckchen für die Partei!

  • #24
    der, der auszog

    @22 Frank

    Sorry, wenn ich Dich berichtigen muss. Die Bezeichnung „eingetragener Kaufmann, eingetragene Kauffrau“ ist nicht abgeschafft und für Deutschland im Handelsgesetzbuch § 19 geregelt:

    „HGB § 19 Bezeichnung der Firma bei Einzelkaufleuten, einer OHG oder KG

    (1) Die Firma muß, auch wenn sie nach den §§ 21, 22, 24 oder nach anderen gesetzlichen Vorschriften fortgeführt wird, enthalten:

    1. bei Einzelkaufleuten die Bezeichnung „eingetragener Kaufmann“, „eingetragene Kauffrau“ oder eine allgemein verständliche Abkürzung dieser Bezeichnung, insbesondere „e.K.“, „e.Kfm.“ oder „e.Kfr.“

    (Quelle: Bundesministerium der Justiz: http://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__19.html)

    Das Kürzel e.K. ist also genau der Bestandteil im Firmennamen „Anton Schlecker e.K.“ der die Rechtsform dieses Unternehmens beschreibt.

  • #25
    lebowski

    Für meinen Geschmack gibt es zu viele Drogeriemärkte in D. Es ist also keinesfalls allein das Missmanagement von Schlecker sondern schlicht ein Überangebot an Drogerieläden. Selbst wenn Schlecker besser gewirtschaftet hätte und die Filialen nicht so sch.. ausgesehen hätten, wäre es zu Konzentrationsprozessen gekommen, bei denen einige auf der Strecke geblieben wären.
    Genauso wie beim Fahrzeugbau. Da kann Opel noch so jammern, dass sie nicht in Asien verkaufen dürfen.
    Aber leichter ist es offensichtlich, von von der FDP verhinderten Transfergesellschaften oder Missmanagement der Schlecker-Kinder zu faseln, da hat man wenigstens ein paar handgreifliche Schuldige. Nichts braucht der Wutbürger mehr.

  • #26
  • #27
    der Harry

    @ #25 | lebowski

    Ich wünsche mir, das es mit dem „mündigen Verbraucher“ zu tun hat und die Unternehmungen dass auch so realisieren: Ich habe seit min. 10 Jahren nicht mehr bei Schlecker gekauft; gleiches gilt für Lidl! Die 37,5 Cent, die ich im Zweifel dort spare, sind den MITABEITERN im wahrsten Sinne „aus dem Kreuz geleiert“ worden.

    Wenn all diejenigen, die auf die paar Cent verzichten können, sich auch ihrer sozialen Verantwortung bewusst wären ( bzw. diese annehmen), würden sich die Arbeitsbedingungen vieler Menschen in diesem Land quasi automatisch signifikant verbessern – ganz ohne Politik und Gesetze.

    Im übrigen hinkt m. E. der Vergleich mit Opel. Schlecker besteht aus einem Logo; der ganze Laden passt in EINE Aktentasche – bei Opel dagegen gibt es auch immaterielle Assets, nennen wir es mal Know-How.

    @24 Der, der Auszog

    „Sorry das ist abgeschafft, es wird nur noch weitergeführt!“

    Hier würde mich interessieren: nur noch weitergeführt?
    Wer, was, wie,warum,wann?

  • #28
    Puck

    @Murphy42

    Ja, warum sind die Gewerkschaften in Deutschland denn so für Transfergesellschaften? Weil das eine sehr billige Art ist, Engagement zu simulieren, nehme ich mal an.

    Wie man hört, wurde die Idee der Transfergesellschaft vor allem deshalb favorisiert, weil dadurch Klagen gegen Kündigung vermieden werden – die einen neuen Investor evtl. verschrecken könnten.
    Die gekündigten MitarbeiterInnen verzichten also mit dem Eintritt in eine Transfergesellschaft (also ein Halbjahr Pseudobeschäftigung mit ungewissem Ergebnis) auf ihr Recht, gegen die Kündigung zu klagen.
    Ist das die neue Aufgabe von Gewerkschaften? Entlassene Mitarbeiter mit fragwürdigen „Zückerchen“ davon abzuhalten, ihr Recht durchzusetzen?

    Daß die FDP versucht, sich auf dem Rücken der Schlecker-Mitarbeiterinnen zu profilieren ist weder überraschend noch unwahrscheinlich – das wahre Trauerspiel ist aber, daß alle anderen Parteien und die Gewerkschaft obendrein das offenbar ebenfalls so halten.

    Speziell Frauenrechte beschränken sich aus der Sicht der Gewerkschaft vor allem darin, den Ladenschluß auf den Status von anno 1980 zurück zu fahren und alle, die das etwas anders sehen, als hedonistische Juppies zu diffamieren.
    Dabei übersehen die Herrschaften von der Gewerkschaft offenbar zweierlei:
    Zwar stellen (1.) Frauen noch immer das überwiegende (schlecht bezahlte) Personal des Einzelhandels, aber nicht alle berufstätigen Frauen sind im Einzelhandel tätig. Und gerade letztere möchten vielleicht ihre Einkäufe nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht entweder im Dauerlauf in der City oder an der Tankstelle tätigen.
    Wenn die Herren von der Gewerkschaft noch immer tönen, daß man normalerweise seine Einkäufe doch gang bequem bis 18.30 tätigen kann, hängen (2.) die Herren von der Gewerkschaft noch immer der Vorstellung an, daß der Herr des Hauses das Geld nach Hause bringt und sein Frauchen dafür sorgt, daß der Kühlschrank gefüllt ist, wenn Papi nach Hause kommt.

    Und genau so verschnarcht ist die Gewerkschaft in D leider auch in allen anderen Dingen.

    Daß die FDP sich nicht um die Mitarbeiterinnen von Schlecker kümmert – geschenkt. Hat keiner was anderes erwartet.
    Aber von der Gewerkschaft sollte man etwas anders erwarten.
    Nur: Die schmoren leider auch seit Jahrzehnten im eigenen Saft.
    Wenn sie nicht gerade mit dubiosen Immobiengeschäften befaßt ist…

  • #29
    Puck

    Warum haben eigentlich so wenig Leute bei Schlecker eingekauft?
    Das ist doch die Kernfrage.
    Weil die Läden schmuddelig und wenig einladend wirkten? Weil es zwar billig aussah, aber die Waren meistens trotzdem nicht billiger waren, als in anderen Drogeriemärkten? Weil sich Nachrichten über die miese Behandlung der MitarbeiterInnen irgendwann nicht mehr unterdrücken ließen?

    Genau diese mies behandelten MitarbeiterInnen richten jetzt Apelle an den Verbraucher, doch bitte bei Schlecker einzukaufen, damit die Verkäuferinnen nicht die Managementfehler der Familie Schlecker ausbaden müssen und der – erst auf Druck der Öffentlichkeit vor wenigen Jahren zugelassene – Betriebsrat trommelt das gleiche Lied und die Gewerkschaft gibt den Takt vor.

    Was soll ich als mündiger Konsument denn jetzt tun?
    Ich kann die Not der Verkäuferinnen ja nachvollziehen.
    Aber soll ich jetzt wirklich anfangen, bei Schecker zu kaufen, obwohl ich das bisher aus den o. g. Gründen vermieden habe?
    Oder anders gesagt:
    Ich kann mein Geld für Deo, Shampoo, Sonnencreme, Katzenfutter, Mottenfallen und Klopapier nur einmal ausgeben.
    Und damit sichere ich im Zweifel lieber die Arbeitsplätze bei DM, auch wenn da womöglich auch nicht nur Joy and Fun herrscht…

  • #30
    der Harry

    @28 | Puck

    Ja, warum sind die Gewerkschaften in Deutschland denn so für Transfergesellschaften? Weil das eine sehr billige Art ist, Engagement zu simulieren, nehme ich mal an.

    Da die Auffanggesellschaft nicht als virtuelle Veranstaltung angelegt ist, wäre entsprechendes Engagement auch nicht simuliert, sondern real.

    Möglicherweise bringt es aber den Arbeitnehmern auch etwas – und seien es nur ein paar Wochen…

    Wie man hört, wurde die Idee der Transfergesellschaft vor allem deshalb favorisiert, weil dadurch Klagen gegen Kündigung vermieden werden – die einen neuen Investor evtl. verschrecken könnten.
    Die gekündigten MitarbeiterInnen verzichten also mit dem Eintritt in eine Transfergesellschaft (also ein Halbjahr Pseudobeschäftigung mit ungewissem Ergebnis) auf ihr Recht, gegen die Kündigung zu klagen. Ist das die neue Aufgabe von Gewerkschaften? Entlassene Mitarbeiter mit fragwürdigen “Zückerchen” davon abzuhalten, ihr Recht durchzusetzen?

    Aufgabe der Gewerkschaften ist es u. A., die Interessen der Arbeitnehmer
    zu vertreten.
    Erfahrungsgemäß nutzen die AN das Angebot einer Transfergesellschaft und ich gehe nicht davon aus, das die per se zu blöd sind zu erkennen, was hier vorgeblich billig zu haben ist: dass Wissen um die richtige Entscheidung. Im Zweifel bleibt die Alternative: nämlich nicht in die Transfergesellschaft einzutreten. Aber wie gesagt…

    Daß die FDP versucht, sich auf dem Rücken der Schlecker-Mitarbeiterinnen zu profilieren ist weder überraschend noch unwahrscheinlich – das wahre Trauerspiel ist aber, daß alle anderen Parteien und die Gewerkschaft obendrein das offenbar ebenfalls so halten.

    Was ist denn die Aufgabe von Politik und Politikern? Hätten die keine Haltung dazu – wozu gibt es dann Politik? Und wenn wir Sie abschaffen – wer organisiert die Gesellschaft anstelle derer dann?

    Speziell Frauenrechte beschränken sich aus der Sicht der Gewerkschaft vor allem darin, den Ladenschluß auf den Status von anno 1980 zurück zu fahren und alle, die das etwas anders sehen, als hedonistische Juppies zu diffamieren.
    Dabei übersehen die Herrschaften von der Gewerkschaft offenbar zweierlei:
    Zwar stellen (1.) Frauen noch immer das überwiegende (schlecht bezahlte) Personal des Einzelhandels, aber nicht alle berufstätigen Frauen sind im Einzelhandel tätig. Und gerade letztere möchten vielleicht ihre Einkäufe nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht entweder im Dauerlauf in der City oder an der Tankstelle tätigen. Wenn die Herren von der Gewerkschaft noch immer tönen, daß man normalerweise seine Einkäufe doch gang bequem bis 18.30 tätigen kann, hängen (2.) die Herren von der Gewerkschaft noch immer der Vorstellung an, daß der Herr des Hauses das Geld nach Hause bringt und sein Frauchen dafür sorgt, daß der Kühlschrank gefüllt ist, wenn Papi nach Hause kommt.

    Man kann gut tönen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Während die einen ihre Fönwelle in Form bringen, sitzen die anderen Samstag Abends anne Kasse und hoffen, dass sie den Anfang des Sportstudio nicht verpassen.
    Glaubt hier jemand ernsthaft, das die Gewerkschaften gegen den ausdrücklichen und mehrheitlichen Willen der Arbeitnehmer agieren?

    Und genau so verschnarcht ist die Gewerkschaft in D leider auch in allen anderen Dingen.

    Beispiele?

    PS: Bin in keiner Gewerkschaft/Partei.

  • #31
    Frank

    Jepp @30 Harry
    [PS: Bin in keiner Gewerkschaft/Partei.]

    und ich hoffe auch kein Polizei/oder deren Angehöriger…

  • #32
    der, der auszog

    @#27 der harry

    wahrscheinlich meintest du nicht mich, sondern Frank (#26), denn der von Dir zitierte Satz ist von ihm und ich verstehe ihn ehrlich gesagt auch nicht recht. Die von mir gemachten Äusserungen bezüglich der Schlecker Rechtsform sind im HGB geregelt. Das HGB ist Gesetz und geltendes Recht, also nichts abgeschaftes, was nur noch weiter besteht.

    Das Unternehmen Schlecker gibt es übrigens immer noch, nur das die derzeitige Rechtsform nicht mehr „eingetragener Kaufmann – (e.K.)“ lautet, sondern „eingetragener Kaufmann in Insolvenz – (e.K.i.I.)“ Ein Insovenzverfahren ist deshalb eröffnet worden, weil Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Konkret: Schlecker kann seine Verbindlichkeiten bei seinen Lieferanten und Banken nicht mehr begleichen, seinen Verkäuferinnen keine Löhne mehr zahlen etc.
    Aufgabe des Insovenzverfahrens ist es, entweder die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens wieder herzustellen, oder aber das Unternehmen aufzulösen.

    Eine Transferlösung hätte bedeutet, dass der Insolvenzverwalter versuchen müsste, die Zahlungsfähigkeit von Schlecker wieder herzustellen. Derjenige, der da am meisten von profitieren würde, wäre Anton Schlecker, denn dem gehört das Unternehmen dann immer noch und seine Tochter hat ja auch in den letzten Wochen bekundet, dass sie das Unternehmen gerne fortführen würde. Diejenigen, die da als zweites von profitieren würden, wären die Banken und Lieferanten, bei denen Anton Schlecker in der Kreide steht, denn die haben massgeblichen Einfluss in einem Insolvenzverfahren.
    Diejenigen, die da am wenigsten von profitieren würden, wären die Schleckermitarbeiterinnen, denn der größte Teil von ihnen müsste trotz Transfergesellschaft irgendwann entlassen werden, damit das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben kann. Weil Banken und Lieferanten diese Insolvenzlösung zu riskant ist (und die werden wissen wieso), entstand in Gewerkschaftskreisen und Teilen der Politik die Idee, dass dieses Risiko vom Staat, also den Steuerzahlern getragen werden soll. Bei den Gewerkschaftern kann man diese Idee in gewisser Weise nachvollziehen, denn ihre Aufgabe ist es nun mal, sich für die Interessen der Arbeitnehmerinnen einzusetzen und sei es auch nur in der Form, dass der Showdown um zwei bis drei Monate verzögert wird.
    Schwerer verständlich hingegen ist da schon das Verhalten einiger Politiker, die in dasselbe Horn blasen. Anton Schlecker ist keine Aktiengesellschaft (AG) und auch keine Gemeinschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sondern Einzelunternehmer. Das heißt, er war immer alleine Entscheidungsberechtigt, musste auf niemanden Rücksicht nehmen, konnte alleine bestimmen, was mit den Gewinnen passiert. Durch seine Unternehmensführung, die teilweise sittenwidrig war, wie Gerichte und vor allem Gerwerkschaften immer wieder festgestellt haben, hat er es zu einem der reichsten Menschen Deutschlands geschafft. Das Familienvermögen wird auf weit über eine Milliarden Euro geschätzt!

    Der Witz an der ganzen Sache: Schlecker haftet als Einzelkaufmann bis auf ein existenzsicherndes Minimum von etwas über 1000 Euro/ Monat mit seinem gesamten Privatvermögen. Davon ist allerdings kaum noch etwas da, weil ein Großteil seines Vermögens, sowie andere Unternehmen von ihm, bereits seiner Frau und seinen Kindern überschrieben ist und damit nicht in die Konkursmasse mit eingehen. Führen sollte das Schlecker Unternehmen für den Fall einer „Rettung“ übrigens seine Tochter Meike. Das ist alles nur pervers.

    Um nochmal auf die Parteien zurückzukommen: Die FDP, die aufgrund ihres Neins zur Transfergesellschaft arg unter Beschuss steht, hat seit langem mal wieder alles richtig gemacht. Unternehmen wie Schlecker, denen über Jahrzehnte (Arbeits-)recht und Ordnung egal waren, die sich einen Scheissdreck um das Wohl und die Intimsphäre ihre Mitarbeiterinnen gekümmert haben und denen man trotz Gewerkschaften, Betriebsräten und Betriebsverfassungsgesetz nie richtig Herr werden konnte, wenn sie sich Fehltritte erlaubten, muss man einfach kaputt gehen lassen.

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