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Schulbetrieb in Zeiten von COVID-19

Schulbetrieb in Zeiten von Corona: Maskenpflicht und Sicherheitsabstand sind Pflicht im Berufskolleg an der Bachstraße in Düsseldorf; Foto: Christiane Hautau

Schulbetrieb in Zeiten von Corona: Maskenpflicht und Sicherheitsabstand sind Pflicht im Berufskolleg an der Bachstraße in Düsseldorf; Foto: Christiane Hautau

Die COVID-19-Krise hat den Alltag in Deutschland verändert: Auch Schulen waren von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betroffen. In Nordrhein-Westfalen lief der Unterricht für fast zehn Wochen, im günstigsten Falle, nur sehr eingeschränkt.

Aktuell stehen in NRW die Weichen auf Regelbetrieb an Schulen nach den Sommerferien.

Um etwas über die Lage vor Ort zu erfahren, habe ich mich mit Christiane Hautau unterhalten: Christiane Hautau ist Lehrerin am Berufskolleg an der Bachstraße in Düsseldorf – das, ebenso wie die meisten anderen Schulen, von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie betroffen war/ist.

„Ein ganz großes Problem ist auf jeden Fall, dass viele Schüler kein Endgerät besitzen – außer einem Smartphone.“

Ruhrbarone: Du bist Lehrerin am Berufskolleg Bachstraße in Düsseldorf. Das Schuljahr 2020 war – vom 16. März 2020 bis nach Ostern waren die Schulen wegen der Corona-Krise geschlossen – bisher wohl eher ungewöhnlich, oder?

Christiane Hautau: Ja, denn plötzlich hieß es über Nacht, dass die Schulen geschlossen bleiben und der Unterricht auf das sogenannte „Distanz-Lernen“ umgeschaltet wird. Das erforderte erstmal eine Kontaktierung aller Schüler über diverse Kanäle bzw. zum Teil auch Detektivarbeit, denn ist ja nicht so, dass immer alle E-Mail-Adressen oder Telefonnummern noch aktuell oder ohne Zahlendreher sind. Aus z.B. Gurki159@hotmail.com wird bei Schülern schnell „CoronaJoe5688“@hotmail.com, ohne dass sie die Änderung melden. Nachdem die Klassenlehrer ihre Klassen aktualisiert und zusammengestellt hatten, haben dann die Fachlehrer das E-Learning übernommen – über Moodle, E-Mails per Logineo, Videokonferenzen oder es wurden auch Telefonate geführt.

Ruhrbarone: Wie viele Schüler haben am Berufskolleg Bachstraße in der Woche Unterricht?

Christiane Hautau: Wir haben ca. 3200 Schülerinnen und Schüler und 130 Lehrerinnen, und Lehrer die auf rund 13 Ausbildungsgänge, den Vollzeitbereich wie zum Beispiel das Wirtschaftsgymnasium und die Höhere Handelsschule sowie auf Weiterqualifizierungen verteilt sind. Ich z.B. unterrichte in 14 Klassen mit einer durchschnittlichen Klassenstärke von 20 bis 25 Schülerinnen und Schüler..

Ruhrbarone: Welche Fächer unterrichtest du?

Christiane Hautau: Deutsch und Gesellschaftslehre, im Vollzeitbereich kommen sie so mit 16, 17 nach der zehnten Klasse zu uns. Im Teilzeitbereich unterrichte ich Klassen aus dem Einzelhandel, Fachkräfte für Lagerlogistik, Fachlageristen oder Veranstaltungskaufleute, alle so zwischen 20 und 30.

Christiana Hautau, Lehrerin am Berufskolleg Bachstraße in Düsseldorf; Foto: Christiane Hautau

Christiana Hautau, Lehrerin am Berufskolleg Bachstraße in Düsseldorf; Foto: Christiane Hautau

Ruhrbarone: Wie war die Situation vor der Schulschließung: Gab es Sicherheitsmaßnahmen?

Christiane Hautau: Nein, der Virus flatterte zwar schon ein bisschen in den Köpfen herum, aber irgendwie war er gefühlt noch nicht so nah.

Ruhrbarone: Gab es infizierte Personen an der Schule?

Christiane Hautau: Wir hatten einige Verdachtsfälle, aber meiner Kenntnis nach keinen bestätigten Fall.

„Mit Moodle arbeiten wir übrigens schon länger, das war vielen Schülern jetzt nicht neu.“

Ruhrbarone: Beim digitalen Stammtisch der CDU Neukirchen-Vlyun war vor ein paar Wochen, bei Beginn der Corona-Krise, LOGINEO ein Thema. Diese dient nur zur Kommunikation von Lehrkräften und zur Planung des Schulablaufs. Wie lief der digitale Unterricht konkret ab?

Christiane Hautau: Wie schon gesagt, es wurden Aufgaben und Besprechungen über Moodle, E-Mail und Videokonferenzen angeboten. Mit Moodle arbeiten wir übrigens schon länger, das war vielen Schülern jetzt nicht neu.

Neue Regeln im Schulbetrieb in den Zeiten der Seuche; Foto: Christiane Hautau

Neue Regeln im Schulbetrieb in den Zeiten der Seuche; Foto: Christiane Hautau

Ruhrbarone: Hat NRW Nachholbedarf, um die Möglichkeiten beim digitalen Lernen zu verbessern?

Christiane Hautau: Ich kann nicht beurteilen, wie es in anderen Bundesländern aussieht. Ein ganz großes Problem ist auf jeden Fall, dass viele Schüler kein Endgerät besitzen – außer einem Smartphone. Und das ist zu wenig für digitalen Unterricht.

Ruhrbarone: Wie lief die Kommunikation mit Kollegen und der Informationsfluss in Sachen COVID-19 und Unterricht?

Christiane Hautau: Gut, nachdem LOGINEO dann stabil lief, konnten wir problemlos kommunizieren. Wir bekamen fast täglich Mails von der Schulleitung, die uns immer die neuesten Beschlüsse des Bildungsministeriums mitteilte. In einigen Bildungsgängen haben wir uns per Videokonferenz ausgetauscht.

Ruhrbarone: Wie können wir uns, nachdem die Schulen wieder geöffnet sind, den Unterricht vorstellen? Wie früher – nur eben mit Masken – oder ganz anders?

Christiane Hautau: Anders, sehr viel anders. Als ich nach den Ferien zum ersten Mal in die Schule kam, war es natürlich ungewöhnlich ruhig aufgrund der geringen Schülerzahl, denn zunächst hatten nur die Abschlussklassen Präsenzunterricht. Die Treppenhäuser waren und sind je nach Ein- und Ausgang voneinander getrennt, überall kleben Absperrbänder und Hinweisschilder, stehen Desinfektionsständer.

Die Waschbecken funktionieren und genug Seife ist auch immer da. Ein paar Tage später kam die Maskenpflicht hinzu. Der Unterricht an sich ist in kleinen Lerngruppen für alle Beteiligten angenehm, auch sitzen die Nervensägen jetzt weit auseinander. Zu Beginn der Stunde wird ein verbindlicher Sitzplan erstellt, der dann nach Unterrichtsende abgegeben werden muss. Blöd ist allerdings, dass keine Gruppen- oder Partnerarbeit stattfinden kann, auch persönliche Gespräche sind aufgrund der Abstandsregeln schwierig, fehlen einfach.

Ruhrbarone: Hast du persönlich Angst beim Unterricht in der jetzigen Situation?

Christiane Hautau: Nein, wirklich nicht. Die Abstands- und Hygieneregeln sind sehr gut umgesetzt, beim Unterricht in der jetzigen Form ist es meiner Meinung nach schwierig, sich im Klassenzimmer anzustecken.

Ruhrbarone: Gibt es Probleme bei der Umsetzung des Sicherheitskonzeptes? Zuhause vergessene Schutzmasken oder Nichteinhaltung des Mindestabstandes?

Christiane Hautau: Selten, außerhalb der Klassenzimmer und insbesondere vor den Schultoren wird der Abstand allerdings deutlich weniger eingehalten.

Ruhrbarone: Wie wird sowas sanktioniert?

Christiane Hautau: Es wird zunächst ermahnt, stellt sich ein Schüler quer oder fällt wiederholt auf, muss er zur Schulleitung, ggf. wird er vom Unterricht ausgeschlossen.

Ruhrbarone: Wie lief die Umsetzung des Hygienekonzeptes – also Desinfektionsmittel, genug „Platz“ – vor Ort ab

Christiane Hautau: Genügend Platz wurde geschaffen, indem wir nur nach und nach beschult haben. Also erst die Abschlussklassen, dann die Mittelstufen usw.

Sicherheitsmaßnahmen am Berufskolleg Bachstraße in Düsseldorf; Foto: Christiane Hautau

Sicherheitsmaßnahmen am Berufskolleg Bachstraße in Düsseldorf; Foto: Christiane Hautau

Ruhrbarone: Ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankung sind eine besondere Risikogruppe für Corona-Infektionen. Wurde und wird auf diese Personen besonders Rücksicht genommen?

Christiane Hautau: Ja, die Schüler konnten ggf. mit Attest zuhause bleiben, Risiko-Kollegen ebenfalls.

Ruhrbarone: Die großen Ferien stehen bevor. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Was wünscht du dir für den Schulbetrieb nach den Ferien?

Christiane Hautau: Natürlich müssen die Schulen wieder in den Normalbetrieb gehen und damit wären auch die Abstandsregeln passé. Ein bisschen mulmig ist mir bei dem Gedanken schon und ich hoffe einfach, dass von Seiten der Entscheider ganz genau hingeschaut und ggf. auch schnell reagiert wird. Wir wissen ja jetzt, wie es geht. Zudem appellieren wir ständig an die Selbstverantwortung und auch, wenn es einige Leichtsinnige gibt, „, denn es gibt immer Familienangehörige, die besonders gefährdet sind.

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Ein Kommentar zu “Schulbetrieb in Zeiten von COVID-19

  • #1
    Wolfram Obermanns

    In Gesprächen mit den Lehrern, die ich kenne, entspricht der Tenor dem hier Gesagten: schwierige Situation, erkennbare Schwächen an die man dann muss, zurück zum Präsenzunterricht.
    Da frage ich mich einmal mehr, für wen spricht die weinerliche GEW?

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