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Schulden sind Scheisse

Schulden sind das asozialste, das es gibt. Schulden sorgen dafür, dass Geld von den Armen, von den Werktätigen, von den Familien und Benachteiligten zu den Banken und Reichen umverteilt wird.

Früher kamen Schuldenmacher in den Schuldturm, heute nennen sie sich sozial. Bah.

Ich mache hier mal eine einfache Rechnung auf.

Von meinem Einkommen gehen 40 Prozent sowieso weg. Bevor ich davon einen Cent gesehen habe. Vom Rest gehen 19 Prozent als Mehrwertsteuer an den Staat.

Von 100 Euro die ich verdiene, landen also bei mir nur knapp 48 Euro. Davon muss ich Miete zahlen und Strom, etc – in meinem Fall an eine kommunale Baugenossenschaft und eine kommunale Stromfirma.

Am Ende bleiben mir so vielleicht von meinen 100 verdienten Euro nur 20 Euro übrig für Essen und Kleidung. Also nicht nur für mich, sondern auch für meine Frau und meine beiden Kinder.

Der Rest ist für den Staat.

Ich will mich nicht beklagen, damit wir  uns richtig verstehen. Ich bekomme für meine 80 Euro grob vereinfacht Schulen, Straßen und die Polizei und auch die armen Menschen bekommen was ab, damit sie Leben können. Das finde ich sozial vertretbar und in Ordnung.

Wenn jetzt aber der Staat immer mehr Schulden macht, muss er von meinen 80 Euro nicht nur wie gewollt Schulen, Straßen und Polizisten bezahlen und den armen Menschen was geben, sondern er muss auch die Banken und reichen Leute bezahlen, die ihm das Geld geliehen haben. Der Staat muss nämlich Zinsen bezahlen.

Je mehr Schulden der Staat und die Gemeinden machen, umso mehr Geld geht von meinen 80 Euro für Zinsen und Tilgungen drauf. Das ist doch verständlich, oder?

Es wird also Geld von mir nicht umverteilt zu armen Menschen und eingesetzt für Schulen, Straßen und Polizisten, sondern mein Geld wird Banken und reichen Menschen gegeben, damit die Gewinne mit ihren Krediten machen oder ihre Staatsanleihen verzinst kriegen.

Wenn der Staat nun noch mehr Schulden macht, ist die Konsequenz doch ganz einfach und für jeden zu verstehen: entweder muss ich von meinen 100 Euro bald 90 Euro abgeben. Oder aber die armen Leute bekommen noch weniger Geld von mir und die Schulen und Straßen werden noch schlechter und es gibt immer weniger Polizisten.

Weil nämlich von dem Geld, das ich verdiene und das ich dem Staat gebe, nicht mehr die armen Leute, die Schulen, die Straßen und die Polizei bezahlt werden, sondern die Banken und reichen Leute, die dem Staat noch mehr Geld für die Schulden geliehen haben.

Lasst Euch das mal durch den Kopf gehen. Schulden sind fucking unsozial.

Wie hoch ist eigentlich der Gewinn, den die Deutsche Bank mit den Staatsschulden von NRW macht?

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31 Kommentare zu “Schulden sind Scheisse

  • #1
    SpreeBlicker

    Was ist das denn für ein Beitrag bei Ruhrbarone?!? Sonst ein Hort der intelligenten Diskurse kommt nur ein platter Beitrag ins Forum, der auch bei www.dielinke.de stehen könnte – unreflektiv, flach wie die Tageszeitung und bar jeder vernunft.

    nehmen wir doch die geschichte als beleg des widerspruchs:

    a) Wer hat die Finanzkrise ausgelöst?
    Antwort: Der einfach Bürger im mittleren Westen der USA. Ein Jahrzehnt hat die Gier ihn getrieben, nicht nur auf Pump ein Haus zu kaufen, sondern auch gleich noch die Inneneinrichtung.
    Den Banken das vorzuwerfen, ist Blödsinn. Denn das die nur darauf aus sind, Rendite zu machen, dürfte jedem bewusst sein. Und wem das nicht bewusst ist, der spricht sich selbst die Verantwortung für sein Dasein ab – dann bitte auch nicht Autofahren oder Kinder kriegen.

    b) Wer finanziert hier die Heerscharen von Hart IV-Empfänger?!
    Antwort: 10 Prozent der Berufstätige und die zahlreichen Unternehmen, darunter Banken.

    c) Wer hat die Asienkrise 1997 ausgelöst?
    Antwort: nicht die Banken, sondern einzelne Spekulanten, die GEGEN die Banken gewettet haben.

    Also, mal schön auf dem Teppich bleiben.

  • #2
    SpreeKicker

    @ Spreeblicker

    Zitat Spreeblicker: „b) Wer finanziert hier die Heerscharen von Hart IV-Empfänger?!
    Antwort: 10 Prozent der Berufstätige und die zahlreichen Unternehmen, darunter Banken.

    denke ich das jetzt richtig weiter:

    Die Hartz IV-Empfänger sind schuld an der weltweiten Bankenkrise?

    (hat das eigentlich schon Sarrazin gesagt?)

  • #3
    Staatsgläubiger

    Der Inhalt des Beitrags und die Argumentation ist sehr vernünftig, allerdings ist der Stil zum Haareraufen und die Argumentation auf Sendung-mit-der-Maus-Niveau.

    Sind Schulden weniger „fucking unsozial“, wenn mit ihnen soziale Dinge gefördert werden? Soziale Strohfeuer für eine Legislaturperiode…
    Die Studiengebühren werden abgeschafft, jetzt fehlt den Unis das Geld, weil sie vom Land nicht ausreichend entschädigt werden. In der Tat, doch nicht besonders sozial.

    Die beste Geldanlage ist immer noch die Schuldentilgung. Das klappt aber bei allen öffentlichen Haushalten schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

    Eine Bemerkung noch zum letzten Satz mit der Böse-Banken-Moralkeule:
    Im übrigen sind die deutsche Banken nicht die Gläubiger des Staates, das sind immer noch wir Bürger.

  • #4
    Kert Buck

    „Von meinem Einkommen gehen 40 Prozent sowieso weg. Bevor ich davon einen Cent gesehen habe.“

    Laut Splittingtabelle müsste man dann ein zu versteuerndes Einkommen von 400000 € haben. Die Kirchensteuer berücksichtige ich nicht, da diese keine Steuer im Sinne des Abgabenrechts ist.
    Bei einem Einkommen von 400000 € hält sich mein Mitleid in Grenzen.

    Sollten Sie aber Ihre Sozialversicherungsbeiträge mitgezählt haben, so erhalten Sie dafür Leistungsansprüche gegenüber den entsprechenden Leistungsträgern. Frau und Kinder sind z.B. in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert.
    Da ärgert mich die Aussage „Bevor ich davon einen Cent gesehen habe.“
    Wenn Sie morgen schwer erkranken, dann zahlen wir in der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine aufwändige Behandlung kostet schnell mal 100000 € aufwärts.

    Grundsätzlich gebe ich Ihnen ja recht. Die Schulden führen per Zins zu einer weiteren Vermögensumteilung von unten nach oben.
    Deswegen sollte auch jemand mit 400000 € Einkommen eher 50 als 40 Prozent abgeben müssen. Mit nur 200000 € kann man Frau und 2 Kinder noch halbwegs anständig durchbringen.

    Solange übrigens ein Mann, der sein ganzes Berufsleben nur als Parteisoldat im öffentlichen Dienst verbracht hat, mal eben 1000 € Pension zusätzlich pro Monat erhält, so dass er wohl auf etwa 10000 € Gesamtpension kommt, muss doch wohl noch genug Geld in der Kasse sein.

  • #5
    Torti

    Hm, also die Mehrwertsteuer geht nicht von dem Rest ab. 40 % des Einkommens ist MWst frei und nur auf die restlichen Prozent 60 wird MwST fällig…nee.

    Also das mit den Banken ist auch komplizierter. Den Menschen in den USA wurde Häuser auf Kredit angequatsch um diese Kredite zu Verbriefen und mit diesen Derivaten mehr Geld zu verdienen als mit den Krediten selbst. Der Hausbesitzer hat da nicht spekuliert und war nicht gierig. Diese Derivate haben ja gerade nicht gierige Privatleute gehalten sondern z. B die Landesbanken, IKB und HRE.´ Da die Risiken verkauft wurden wird das kreditieren zum Selbstzweck. Dafür bezahlst du viel mehr Steuern als für die H4er. Da kann und muss man den Banken böse sein. Das ist alles andere als Blödsinn sondern die Ursache der Finanzkrise.

    Ich bin auch gegen ausufernde Schulden aber die aktuelle Situation kommt durch die von den Banken verursachte Finanzkrise zustande, welche zu massiven Steuermindereinnahmen führt. Und das bezahlen Leute wie du und ich.

  • #6
    Ulrich Voß

    40% Steuersatz bei 2 Kindern? Kann ich den Job auch haben?

    Und was der Staat dafür kann, dass sie Miete zahlen, ist mir auch etwas schleierhaft.

    Auf den eigentlichen Punkt des Postings, dass die Zinszahlungen auf die Schulden die Kapitalbesitzer immer reicher machen (weil die die Zinsen bekommen), will ich nicht eingehen (so richtig er auch ist)

    Denn der Effekt wird massiv überbewertet. Eine Bundesanleihe bringt 2,x% Zinsen und die Inflation beträgt 1,x%. nur die Nettorendite nach Abzug der Inflation bleibt den Kapitaleignern. Und die ist schon deutlich weniger beeindruckend und selten über 1%. Wenn man jetzt noch die Steuern, die man auf die Zinsen bezahlen muss (25%, wohlgemerkt auf die Bruttozinsen) bleibt in den meisten Fällen weniger als ein Viertel der Bruttozinsen übrig. Manchmal sind die Nettorenditen (nach Steuern und Inflation) sogar negativ. Und aktuell könnte ein guter Zeitpunkt dafür sein. Bei solchen Betrachtungen darf man nie die Inflation vergessen. Selbst solche Vergleiche wie die Anzahl der Millionäre ist bei jedem Vergleich über mehrere Jahre (und nur dann kann die Aussage einen Sinn machen) nutzlos, wenn man die Inflation nicht in die Zahlen reinrechnet. Macht aber (so gut wie) niemand.

  • #7
    Georg K

    Hallo zusammen.

    Die 40 Prozent beziehen sich auf Steuern und Sozialabgaben. Da Abzüge für Krankenkasse und Pflegeversicherung und Arbeitslosenkasse auch auf die Umverteilungsabgaben beziehen, habe ich die Abzüge dafür großzügig als Sozialabgaben benutzt.

    Das dürften selbst Ulrich Voss und Kert Buck verstehen, oder?

    Davon ab, geht diese Debatte komplett am Kern der Story vorbei. Ihr lenkt ab.

    Es geht darum, dass Schulden Geld von unten nach oben verteilen. Damit müsst Ihr euch beschäftiogen. Ihr Nasen.

  • #8
    Philip

    Jaja, die Mathematiker rufen und dann rumflennen, dass es doch gar nicht um Mathe ging bei der _Rechnung_ 😉

  • #9
    Alex

    @SpreeBlicker:

    „a) Wer hat die Finanzkrise ausgelöst?
    Antwort: Der einfach Bürger im mittleren Westen der USA. Ein Jahrzehnt hat die Gier ihn getrieben, nicht nur auf Pump ein Haus zu kaufen, sondern auch gleich noch die Inneneinrichtung.“

    Diese Aussage ist platt und so auch nicht korrekt. Die Hintergründe zu dieser Finanzkrise sind leider bei weitem komplexer als »der Bürger im mittleren Wester war gierig« und »Lehmann Bros. haben das Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs getrieben«. Beides gehört dazu, ist aber marginal verglichen mit dem Rest.

    „Den Banken das vorzuwerfen, ist Blödsinn.“

    Sicher nicht. Wer mit NI-NJ-NA Krediten eine goldene Nase verdient in dem er Schrott verbrieft und mit AAA bewertet weiter verkauft und sich einen feuchten um die Konsequenzen kümmert, trägt auch seinen Teil zu dem Schlamassel bei.

    „Denn das die nur darauf aus sind, Rendite zu machen, dürfte jedem bewusst sein.“

    Und? Deswegen muss man das hinnehmen und sie von jeglicher Schuld freisprechen?

    „b) Wer finanziert hier die Heerscharen von Hart IV-Empfänger?!
    Antwort: 10 Prozent der Berufstätige und die zahlreichen Unternehmen, darunter Banken.“

    10% der *Berufstätigen*? Diese Zahl würde ich gern nachprüfen?

    „c) Wer hat die Asienkrise 1997 ausgelöst?
    Antwort: nicht die Banken, sondern einzelne Spekulanten, die GEGEN die Banken gewettet haben.“

    So stimmt das nicht. Zu platt und zu einfach.

    Ja, der Artikel ist auch nicht grad sonderlich hintergründig.

  • #10
    Kert Buck

    „b) Wer finanziert hier die Heerscharen von Hart IV-Empfänger?!
    Antwort: 10 Prozent der Berufstätige und die zahlreichen Unternehmen, darunter Banken.“

    Die restlichen 90 Prozent der Berufstätigen verdienen also mittlerweile so wenig, dass sie „die Heerscharen von Hart IV-Empfänger“ nicht finanzieren?
    Dann müssen die übrigen 10 Prozent der Berufstätigen ja extrem hohe Einkünfte erzielen.

    Vielleicht sollten die 90 Prozent der Berufstätigen mal überlegen, ob es richtig ist, dass die übrigen 10 Prozent der Berufstätigen so viel mehr Geld bekommen.

    Vielleicht sollten dann die 90 Prozent der Berufstätigen mal die Berufstätigkeit einstellen und schauen, was dann die übrigen 10 Prozent der Berufstätigen machen.

  • #11
    Torti

    Da ich einer der Nasen bin muss ich leider feststellen, dass einiges in diesem Artikel, sorry, schlicht falsch ist. So sehr ich den Unmut über den Schuldenstaat auch teile…

  • #12
    Georg k

    Hi Torti,

    Was soll falsch daran sein, dass staatliche Schulden das Geld von unten, von den Lohnempfängern, die keine Möglichkeiten haben Steuern zu vermeiden, nach oben zu den Banken und reichen Menschen umverteilt?

    Jetzt reg Dich über ein Prozentpunkt mehr oder weniger auf. Das ändert nix an der These.

  • #13
    Beate

    Man sollte schon wissen wie sich die Sozialausgaben strukturell verteilen.

    http://www.bpb.de/wissen/I4WOAW,0,0,Sozialbudget.html

    Die Ausgaben für Ehegatten 24,5 Milliarden Euro entsprechen in etwa den Ausgaben für Hartz IV, 29,9 Milliarden Euro.

    Die Ausgaben für Kinder sind mit 71 Milliarden mehrfach höher.

    http://www.bpb.de/wissen/KNBUJM,0,0,%D6ffentliche_Ausgaben_nach_Aufgabenbereichen.html

    Und zur Finanzierung:

    http://www.bpb.de/wissen/JIW3GR,0,0,Finanzierung.html

    Die Ausgaben für Arbeitslosigkeit mußten gekürzt werden, sonst wären die Löhne nicht gefallen.

  • #14
    Georg k

    @ Beate

    Und was hat das mit den Schulden des Staates zu tun? Und das mehr Staatsschulden bedeutet, dass der Staat mehr Geld für Banken ausgeben muss und weniger für Transferleistungen zur Verfügung hat? Es sei denn er erhöht ständig die Steuern?

    http://www.bpb.de/wissen/5OW45G,0,0,Schulden_des_%F6ffentlichen_Gesamthaushaltes.html

  • #15
    Stefan Laurin

    Im Moment haben wir relativ niedrige Zinsen . die Schulden kosten den Staat wenig. Da er aber permanent seinen Schuldenberg anhäuft werden die Konsequenzen sehr deutlich werden, wenn die Zinsen steigen. Zinssteigerungen werden die Handlungsfähigkeit des Staates stark einschränken. Die Schuldenpolitik ist extrem kurzfristig gedacht und kennt nur einen Gewinner: Die Banken.

  • Pingback: zoom » Umleitung: Victor Jara, Schulden Scheiße - Schulden gut, Beutezug Ost und der Wiemeringhauser rechnet ab. «

  • #17
    peterwoelwer

    Okay. Wir lassen das sein mit den Schulden. Ist ja auch doof. Kostet total viel Zinsen. Und macht die Reichen noch viel reicher.

    Also sparen wir erst mal. So lange bis wir uns eine Schule leisten können. Oder eine Uni. Gut, die jüngsten bleiben dann erst mal blöd.

    Und dann sparen wir so lange bis wir uns eine Straße leisten können. Bis dahin latschen wir durch Trampelpfade. Als Analphabeten.

    Sorry, aber warum sollen Investitionen, die auch (oder vielleicht sogar: vor allem) zukünftigen Generationen zugute kommen, nicht auch von diesen gezahlt werden?

    Und die Deutsche Bank macht sich bestimmt nicht mit Bundeswertpapieren fett! Über 2% Rendite lacht sich der Ackermann nämlich nen Wolf.

  • #18
    Stefan Laurin

    @Peterwoelwer: Wir können eine ganze Menge sparen ohne dass es an die Bildung geht: Überflüssige Mittelinstanzen, ein paar Dutzend Stadtverwaltungen, die Kosten für die WestLB, indem wir sie privatisieren und dann gibt es in den Verwaltungen immer noch Effizienzreserven. Wir kämen mit weniger Subventionen aus. Ich weiß, alles neoliberales Teufelszeug. Aber auf der Aufschrei wenn Kraft sparen MUSS (Schuldenbremse, hat Verfassungsrang und wurde von der SPD mitbeschlossen 🙂 ) wird laut werden. Sich die Linkspartei zum Freund zu machen ist teuer – klug ist es nicht.

  • #19
    Beate

    „Ein konkretes Beispiel: Deutschland exportiert stets mehr in die USA als sie von den USA importiert. Im Ausmaß des Überschusses in der Leistungsbilanz erwirbt Deutschland Jahr für Jahr Finanzforderungen gegenüber den USA. Mit der Zeit hat sich so ein gewaltiger „Dollarschatz“ angehäuft, dieser „Schatz“ stellt gleichzeitig Schulden der USA dar.

    Dafür zahlen die USA aber keine Zinsen: Seit 1984 übersteigt die Kreditaufnahme der USA den Zinsendienst für ihre schon bestehende Auslandsschuld, sie verhalten sich wie jener Charles Ponzi, der 1919 in Boston jedem Anleger hohen Zinsen versprach und diese zunächst durch zusätzliche Einlagen „bezahlte“ – ehe das Pyramidenspiel zusammenbrach.“

    http://www.gegenblende.de/05-2010/++co++1bbd37e2-bcc9-11df-4058-001ec9b03e44/@@index.html

    Soll der Staat doch einfach mehr Neukredite aufnehmen, als seine Zinslast ist.

  • #20
    Michael Kolb

    Ich mag den Georg ja echt gern, aber eine Molkereiproduktefachverkäuferin, die etwas auf sich hält, liefert ordentlichere Rechnungen. Ich will gar nicht auf die Nummer eingehen, daß man mit Steuerklasse 3 und zwei Kindern nur unter extrem freundlichen Gehaltsverhältnissen auf 40 Prozent Steuerlast kommt, ne, ehrlich nicht, aber die Rechnung mit der MwSt. ist doch ziemlich fragwürdig, diese wird nämlich nicht pauschal abgezogen, sondern sie ist immer noch abhängig davon, was tatsächlich konsumiert wird. Und für die Fressalien fallen immer noch, nur, 7 Prozent an.
    Und ob es tatsächlich nur zu einer Umverteilung von unten nach oben erfolgt, das wage ich auch mal zu bezweifeln, denn gerade diese staatlichen Papiere sind genau das, was Omas gerne zum Geburtstag verschenken, da wünscht man sich ’ne Carrerabahn und was bekommt man von Omma? Man bekommt so’n Papierlappen, mit dem man sich vielleicht mal ’ne Anzahlung für den Führerschein leisten kann, aber noch kein Auto… Nenene…

  • #21
    Werner Jurga

    Jede ernst zu nehmende Diskussion über die Frage, ob Staatsverschuldung gut ist oder Scheiße, hat von den beiden – auch hier bereits angesprochenen Tatsachen auszugehen. 1. Deutschland gehört zu den Staaten mit vergleichsweise geringer öffentlicher Verschuldung. 2. Deutschland ist – China einmal außer Acht gelassen – der Welt größter Nettoexporteur.
    Alle hier angestellten ausschnitthaften Überlegungen zu Teilaspekten wie bspw. den Verteilungseffekten auf die Klassen und die Generationen bleiben eklektisch, wenn sie die überragende Bedeutung dieser beiden „Fundamentals“ übersehen. Damit läuft man Gefahr, mit gewisser Beliebigkeit Belege für den eigenen ideologischen Standpunkt heranzukarren.
    Sowohl aus „neoliberaler“ / neoklassischer als auch aus keynesianischer / etatistischer Sicht lässt sich – deutlich solider – Georg Kontekakis´ These belegen, dass öffentliche Verschuldung entweder negative Verteilungswirkungen hat oder aber langfristig die ökonomische Stabilität untergräbt.
    Nur: damit wird die alles überragende Bedeutung der beiden zentralen Aspekte übersehen. Da die Schuldenquote hierzulande – entgegen weit verbreiteter Darstellung – eine für die ökonomische Stabilität eine im Grunde zu vernachlässigende Größe ist, vermittelt das Pallaver darüber keinerlei Einsichten, sondern bildet nur das Hintergrundgeräusch bei der Vertretung ökonomischer Einzelinteressen.
    Tatsächlich ist aber die ökonomische Stabilität aufs Äußerste bedroht durch die globalen Ungleichgewichte. Wenn nicht jede der großen Wirtschaftsnationen im Rahmen internationaler Abmachungen ihren Teil zum Abbau dieser Ungleichgewichte beisteuert, wird die seit gut zwei Jahren virulente internationale Finanzkrise dramatische Ausmaße annehmen.
    Von Deutschland muss im eigenen Interesse wie im Interesse der internationalen Stabilität erwartet werden, seine Export- und Leistungsbilanzüberschüsse schnell und kräftig zu reduzieren. Dazu ist eine deutliche Ausdehnung der öffentlichen Verschuldung unerlässlich.
    Die Frage ist also nicht: ist Staatsverschuldung gut oder Scheiße. In der gegenwärtigen Situation ist in Deutschland eine zügige – sagen wir: Verdoppelung der öffentlichen Gesamtverschuldung dringend geboten, unerlässlich und letztlich ohnehin unvermeidlich.
    Alles Andere ist Ideologie. Und was die „Schuldenbremse“ und ihren Verfassungsrag betrifft: ja, dumme Geschichte. Doch der „Lehman-Crash“ und die Euro-Krise haben gezeigt, in welch rasender Geschwindigkeit religiöse Reliquien beiseite geräumt werden können, wenn die Situation es gebietet.

  • #22
    Arnold Voss

    Schulden sind doch nicht per se gut oder schlecht. Die entscheidenden Fragen um das zu beurteilen sind doch vielmehr, weswegen oder besser wofür ich mich verschulde und zu welchen Bedingungen.

    Wenn ich mich verschulde um meine Produktivität zu erhöhen, und dazu zähle ich z.B. Investitionen in die Bildung, dann lohnt sich die Schulden dann, wenn die Schuldenkosten niedriger sind als der Gewinn den ich auf Dauer z.B. durch mehr Bildung erziele.

    Wenn ich allerdings die Kosten der Schulden schon wieder mit Schulden bezahle, wird die Sache etwas komplizierter denn dann muss ich die Kosten dieser Schulden zu den eigentlichen Schuldenkosten addieren. Selbst dann könnte der Gewinn durch Schulden aber immer noch höher sein als die Gesamtkosten der Schulden.

    Wenn ich allerdings keine Kontrolle über die Zinsen habe, ist der zweite Fall wesentlich riskanter als der erste. Aber auch dafür gibts wiederum Sicherheitsvorkehrungen.

    Ist der Staat allerdings der Schuldner so ist das Risiko für den/die Gläubiger letztlich größer als für den Schuldner, denn der Staat kann im Ernstfall die Rückzahlung aufkündigen ohne rechtlich belangt werden zu können. Entweder gehen dann die Gläubigerbanken bankrott oder aber die Bürger zahlen per Geldentwertung und/oder höhere Steuern. Auch für den Staat gilt also letztlich: to big to fail.

    Vielleicht kriegen die meisten Staaten deswegen keine ernst zu nehmende Sparpolitik zu stande.

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  • #24
    Georg K

    @ Michael Kolb

    du willst es nicht verstehen. Und das absichtlich. Ich habe nicht von 40 Prozet Steuern geschrieben. Sondern von Zwangsabgaben in Höhe von 40 Prozent. Also Geld, das ich verdiene, das mich aber nicht erreicht.

    Die Zwangsabgaben gehen in Rentenversicherungen, in Strassen, in die Arbeitslosenversicherung. Also meist in soziale Transferleistungen.

    Gegen nichts davon habe ich etwas.

    Ich habe etwas dagegen, wenn immer mehr Geld von meinem Geld anstatt in die sozialen Transferleistungen an Banken und reiche Menschen fließt.

    Das ist doch so kompliziert nicht.

  • #25
    Georg K

    @ Arnold

    deine Schuldenphilosophie finde ich nicht klug. Das ist die Philosophie, die uns ruiniert. Leben auf den Kosten von morgen.

    Unser Staat verschuldet sich erst seit 30 Jahren auf allen Ebenen katastrophal. Was das am Ende bringt, kann man jetzt schon ahnen. Einen Bankrott wie ihn Spanien zum Ende der Welser-Ära erlebt hat.

    Den Krach werden wir erleben. Wenn deine Philosophie den Bach runtergeht und wir alle den Bankrott bezahlen müssen. Toll.

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  • #27
    Ulrich Voß

    Wenn jemand schreibt, dass er sehr vereinfacht dafür „Schulen, Straßen und die Polizei“ bekommt, muss man recht hellseherisch sein, um zu kapieren, dass damit auch Gesund-, Rente- und Sozialsystem gemeint ist. Etwas mehr Genauigkeit kann nicht schaden, vor allem muss man dann nicht seinen Lesern vorwerfen, dass „selbst die“ das kapieren sollten.

    Ein so kompliziertes Thema so „flappsig“ abzuhandeln, hilft nicht weiter. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Das sieht man auch an anderen Kommentaren.

    Das Hauptproblem an Schulden ist einfach: Irgendjemand findet immer einen Grund dafür. Einen guten sogar. Die Angebotsorientierten sowieso, denn sie sind quasi immer der Meinung, dass mehr Geld ausschütten mehr Konsum gibt und das mehr Arbeitsplätze schafft und das wiederum mehr Konsum und am Ende sind wir alle reich. Die andere Seite, ich nenne sie mal „Investoren“, sagen dagegen, dass man lieber in die Zukunft investieren soll: Infrastruktur und Bildung. Dummerweise ist auch das richtig. Am Ende sorgt beides zusammen dafür, dass wir immer mehr Schulden machen, die immer wohl begründet sind. Und am Ende zahlt die Nummer die Generation nach uns. Über die Zinslast.

    Der gute Herr Keynes, aus den sich viele immer berufen, hat Staatsschulden übrigens gehasst. Er wollte (in der Krise) staatliche Ausgabeprogramme, also Investitionen (und nicht die Gießkanne oder Geldverteilen für’s Nichtstun). Er hatte verstanden, dass der Staat im Zweifelsfall die Konjunktur anschieben muss, aber er ging auch von einem Staat aus, der in normalen Zeiten *keine* Schulden macht. Keynes hätte z.B. die Wärmedämmmaßnahmen für Schulen gut gefunden (war eh überfällig, verbessert die Schulen, senkt die Heizkosten in der Zukunft, also eine echte Investition, die sich über die nächsten Jahre sogar rechnet und in der Krise Arbeitsplätze geschaffen hat). Völlig vernünftig! Nur kann man solche Beispiel an einer Hand abzählen. Auf die Rendite der Staatsgelder achtet nämlich kaum jemand. Und das sollte ein großer Teil der Diskussion werden: Nicht nur fragen, wie viel Geld man ausgibt und wie viel auf Pump ist, sondern wofür das Geld ausgegeben wird. Da kann Kraft sicherlich punkten. Ihre zusätzlichen Ausgaben für KiTas, für Null Studiengebühren, … gehen ja in die Zukunft. Das befreit aber nicht von der Pflicht, die anderen Ausgaben zu durchforsten. Und wer nur zusätzlich ausgibt, aber nicht spart, muss sich Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel die, wie man den Spaß finanzieren will (bzw. wer den wann bezahlt).

  • #28
    Arnold Voss

    @ Gorg K. # 25

    Georg, da liegt ein Missverständnis vor. Ich bin absolut nicht gegen das Sparen und halte die aktuelle Verschuldung Deutschlands für zu hoch. Noch eine weitere große Krise und wir bekommen allergrößte Probleme. Das was zur Zeit passiert ist ein hochriskantes Spiel.

    Aber all das spricht nicht prinzipiell gegen das Schuldenmachen. Wer Zukunft gestalten will spart bzw. gibt sein Geld möglichst effektiv aus und macht gleichzeitig Schulden, die er in einem überschaubaren Rahmen auch zurück zahlen kann.

    Das Problem ist, das Staaten letzteres nicht machen müssen. Auch international nicht, wenn es sich um so mächtige Nationen handelt wie z.B die USA.

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  • #30
    Cangrande

    In der Tat habe ich es noch nie verstanden, wieso ausgerechnet die Linke sich mit ihren ständigen Forderungen nach höherer Staatsverschuldung zum objektiven Bundesgenossen der Besitzer von Geldkapital macht.

    Defizit an grauer Masse, Populismus – oder was sonst?

  • #31
    Paul Havers

    Hitzige Diskussion hier, geht aber auch um ein wichtiges Thema. Grundsätzlich sind Schulden nie gut, es sei denn man hat einen wirklich guten Grund.

    Ein Beispiel: Baut der Staat eine Straße, die täglich nur von zwei Autos verwendet wird, dann sind das schlechte Schulden.
    Baut der Staat hingegen eine Straße, die massive, tägliche Staus auf anderen Straßen vermeidet, dann kann das gut für den Staatssäkel sein. Denn Staus gehen auf Kosten der Volkswirtschaft. Da lohnt es sich auch durch die Aufnahme neuer Schulden in Vorleistung zu gehen.

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