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So etwas muss man sich vorher überlegen, Monsieur Strauss-Kahn!

Schon komisch, dass der Chef des IWF nicht von irgendwelchen Sicherheitsleuten bewacht wurde, zumal der mächtigste Banker ja nicht irgendwer ist.

Dominique Strauss-Kahn

So ganz genau steht es ja (noch) nicht fest, was sich am Samstag Mittag gegen 13 Uhr im New Yorker Luxushotel „Sofitel“ nahe Times Square ereignet hatte. Dominique Strauss-Kahn, der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), soll gerade geduscht haben, so stellt es die New Yorker Polizei dar, als ein Zimmermädchen seine Suite betreten hatte, um zu putzen. Sie hatte nämlich angenommen, das Zimmer sei nicht mehr belegt. So etwas kann vorkommen; da muss wohl an der Rezeption etwas schief gelaufen sein.

Falls Sie jetzt fragen sollten, ob der Chef des IWF nicht von irgendwelchen Sicherheitsleuten bewacht wurde, weil der mächtigste Banker ja nicht irgendwer ist, müsste ich leider passen. Ich würde Ihnen Recht geben, dass eigentlich zu erwarten wäre, dass es für Herrn Strauss-Kahn einen Personenschutz gegeben hatte; aber, wie gesagt: ich weiß es nicht. Nach allem, was bislang bekannt ist, müssen wir jedoch davon ausgehen, dass jeder, zumindest jeder Hotelgast oder -beschäftigte, ohne weiteres die Gemächer von Herrn Strauss-Kahn hätte betreten können.
Okay, nicht jeder hatte einen Schlüssel. Das Zimmermädchen hatte selbstverständlich einen Schlüssel. Sie wusste aber – wie gesagt – nicht, dass die Suite noch belegt war. Wir halten fest: dem Nobelhotel ist ein organisatorischer Fehler unterlaufen, erstens. Und zweitens genoss der geschäftsführende Direktors des Internationalen Währungsfonds – zumindest an diesem Samstag Mittag – keinerlei Personenschutz. Warum auch?! Er stand ja unter der Dusche. Er muss folglich vom Erscheinen der Reinigungskraft genauso überrascht gewesen sein wie diese von seiner Anwesenheit.

Nun ist Dominique Strauss-Kahn – das weiß aber jeder – trotz seiner 63 Jahre ein Mann von außergewöhnlich ausgeprägter Libido, was schon dadurch hinreichend deutlich wird, dass er vor zwei, drei Jahren eine Affäre mit einer IWF-Mitarbeiterin hatte. Dass ihn darüber hinaus auch sonst der Ruf eines Schürzenjägers begleitete, beweist zwar nichts, kann aber durchaus als weiteres Indiz in diese Richtung gewertet werden. Selbstverständlich gilt die Unschuldsvermutung für jeden, also auch für Herrn Strauss-Kahn.
Überrascht oder nicht, jedenfalls hatte der IWF-Direktor blitzschnell geschaltet. Er rannte den Polizeiangaben zufolge splitternackt aus dem Badezimmer und attackierte die 32-jährige Hotelmitarbeiterin. Dann habe er sie zum Oralsex gezwungen; ihr sei es jedoch irgendwie gelungen, die Zähne zusammenzubeißen und sich von dem Unhold loszureißen. Nach der Flucht – Strauss-Kahns Security-Leute waren offenbar immer noch nicht wiederaufgetaucht – habe sie ihren Arbeitskollegen von dem Vorfall berichtet, die daraufhin sogleich die Polizei verständigten.

Unterdessen scheint der mutmaßliche Triebtäter ein wenig zur Besinnung gekommen zu sein und den Gedanken gefasst zu haben, nach diesem schweren Faux-pas wäre es wohl das Beste, die USA so schnell wie möglich zu verlassen. Dass sein Dienstsitz ebenfalls in den Vereinigten Staaten von Amerika liegt, kann in Strauss-Kahns Überlegungen keine dominierende Rolle gespielt haben. Überstürzt soll er das Hotel verlassen und dabei wichtige persönliche Sachen am Ort des Dramas zurückgelassen haben.
Ein Taxi oder ein Dienstwagen – auch dies wissen wir noch nicht so ganz genau – brachte ihn schleunigst zum John-F.-Kennedy-Airport. Sollte Strauss-Kahn gehofft haben, mit dieser temporeichen – ich möchte sagen – „Flucht“ könne er noch einer Verhaftung entgehen, ist dieser Plan allerdings fehlgeschlagen. Minuten vor dem Start der Air-France-Maschine wurde der IWF-Boss aus dem Flugzeug heraus verhaftet. Inzwischen wird gemeldet, dass das Zimmermädchen bei einer Gegenüberstellung ihren mutmaßlichen Peiniger zweifelsfrei hat identifizieren können. Damit sinken Strauss-Kahns Chancen, halbwegs unbeschadet aus dieser Angelegenheit herauskommen zu können, naheliegenderweise auf ein Minimum.

Dennoch: es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Die muss freilich ein gewisses Maß an menschlicher Solidarität mit dem vom rechten Weg Abgekommenen nicht unbedingt ausschließen. Vielleicht macht es dem Spitzenbanker ja ein wenig Mut, in dieser für ihn nicht ganz leichten Lebenssituation Post von Wagner zu bekommen. Franz Josef Wagner schreibt in der Bildzeitung:
„Lieber IWF-Chef Strauss-Kahn”, blablabla … -und dann: “Am liebsten würde ich gar nichts schreiben über diese Morgenlatten-Affäre.” Hat er dann aber doch gemacht. “Morgenlatten-Affäre”, um 13 Uhr, das ist witzig. Ein Brüller! Nur mal so angenommen, da wäre tatsächlich eine Frau zum Fellatio gezwungen worden, und die würde dann etwas von einer “Morgenlatten-Affäre” lesen …

Egal, denn darum geht es doch gar nicht. Es geht um … – wie erklärt es dieser Wagner der geneigten Bildzeitungsleserschaft: “Was für eine Geschichte. Der Präsidentschaftskandidat Frankreichs hat keine Chance mehr. Was für eine Agentengeschichte.” Wieso Agenten? Egal, jedenfalls eine tolle Geschichte, mit Sex und Crime und allem, was eine richtig tolle Geschichte braucht.
Außerdem hat diesen Strauss-Kahn ja niemand gezwungen, Sozialist zu sein, nach deutschen Maßstäben: Sozialdemokrat zu sein. Nach allen Umfragen der nächste französische Präsident. Und dann auch noch ein entschiedener Kämpfer für den Euro. Nun ja, das hat sich jetzt ja alles erledigt. So etwas muss man sich vorher überlegen, Monsieur Strauss-Kahn!

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8 Kommentare zu “So etwas muss man sich vorher überlegen, Monsieur Strauss-Kahn!

  • #1
  • #2
  • #3
    Arnold Voß

    @ Peter

    Die Theorie die da in ihrem Link verfochten wird ist völliger Quatsch. Das Dollarproblem das dort geschildert wird gibt es seit vielen vielen Jahren. Eine Zuspitzung aus der heraus der zeitliche Zusammenhang konstruiert wird existiert also nicht. Ebenso wenig lässt sich der heutige Weltfinanzmarkt durch ein nationale „Finanzoligarchie“ steuern. Auch nicht durch die der USA.

  • #4
    peter

    @Arnold Voß:

    „Das Dollarproblem das dort geschildert wird gibt es seit vielen vielen Jahren.“

    Das bestreite ich gar nicht – im Gegenteil: Diese Konstruktion wurde in Etappen über Jahrzehnte hinweg geschaffen. Es begann 1913 mit der Gründung der Federal Reserve, machte einen wesentlichen Schritt 1948 mit dem Bretton-Woods-System und einen entscheidenden 1971 mit der vollständigen Aufhebung der Golddeckung des Dollars.

    Ob und wann ein solches System kollabiert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Was über Jahre und Jahrzehnte gutgeht, muss nicht auf Dauer funktionieren. Im Gegenteil: Jede Inflationierung der Geldmenge führt früher oder später zum Kollaps. Spätestens dann, wenn die Zinsen sich der Null-Linie nähern und die Zinslast TROTZDEM nicht mehr zu bewältigen ist.

    „Ebenso wenig lässt sich der heutige Weltfinanzmarkt durch ein nationale ‚Finanzoligarchie‘ steuern. Auch nicht durch die der USA.“

    Natürlich gibt es autonome Kräfte, die gegen diese Finanzelite arbeiten. Im übrigen ist diese Finanzelite keine originär amerikanische: Die USA sind eher der Wirt, auf dem sich dieser Parasit aktuell befindet. Im 19. Jahrhundert war es England – Anfang des 20. Jahrhunderts war dieser Wirt am Ende, der Parasit sprang auf die USA über. Jetzt sind auch die USA „ausgelutscht“.

    Warten Sie’s mal ab, in den nächsten Wochen und Monaten werden noch einige „merkwürdige“ Dinge geschehen …

  • #5
    Ceza

    Na sowas:

    http://www.focus.de/politik/ausland/sex-affaere-strauss-kahn-hat-angeblich-ein-alibi_aid_627920.html

    Strauss-Kahn hat angeblich ein Alibi

  • #6
    jan2801

    Halten wir mal fest:

    1. Wieso war auf Facebook schon vor dem offiziellen Polizeibericht bekannt, dass DSK eine Sexualstraftat begangen haben sollte?
    2. Was macht ein „Zimmermädchen“ kurz vor dem bekannten Abreisetermin in einer Suite?
    3. Warum wird DSK auch wg. Freiheitsberaubung angeklagt – verfügen New Yorker Zimmermädchen etwa nicht über einen Generalschlüssel/einer General Card?
    4. Glaubt man wirklich, DSK wäre so dämlich, vom Flughafen aus das Hotel zu bitten, ihm das Handy nachzusenden?
    5. War er nun mit seiner Tochter essen – wer hat ihn gesehen?
    6. Wie auch Peter Jurga schon fragt: Wo war der Personenschutz?

    Mal ehrlich, das ist nicht (m)eine Verschwörungstheorie – das klingt eher nach einem Komplott. Von der Marine Le Pen oder vom Sarkozy angezettelt und die Blödzeitung weiß alles noch besser…

  • #7
  • #8
    a-te

    Wirklich erschreckend ist, dass Menschen per Medienmacht zerstört werden, bevor ein ordentliches Gericht überhaupt beginnt, ihre Schuld resp. Unschuld zu beweisen. Und wie seltsam selten die Rehabilitation gelingt, auch wenn die Unschuld festgestellt wurde.

    Polemisch gesagt: Egal, was er getan hat, im Augenblick wird Herr Strauss-Kahn zu Unterhaltszwecken gelyncht.

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