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Syrien: Wenn die Friedensbewegung ihr hässliches Haupt erhebt…

Gut möglich, dass die USA in den kommenden Tagen in den Syrien-Konflikt eingreifen werden. Das wird, sagt US-Verteidigungsminister Chuck Hagel , ohne Bodentruppen geschehen: Marschflugkörper und Flugzeuge werden zum Einsatz kommen und die syrische Luftwaffe vernichten – wenn klar ist, dass das Assad-Regime Chemiewaffen eingesetzt und damit die von US-Präsident Obama vorgegeben Rote Linie eindeutig überschritten hat.

Was dann in Deutschland passieren wird, ist klar. Jenes hässliche Wesen das sich Friedensbewegung nennt wird erneut sein Haupt erheben und auf die Straße gehen – gegen den US-Imperialismus, gegen eine militärische Lösung in Syrien. Alle jene, die sich in den vergangenen Jahren vornehm zurückhielten, als Assad die Menschen abschlachten ließ und die Passivität des Westens dafür sorgte, dass Terrorgruppen wie Al Qaida an Einfluss in Syrien gewannen, werden mit ihren geschmacklosen Jack-Wolfskin-Jacken auf den Plätzen stehen, die Menschen mit der grauenhaften Musik von Konstantin Wecker traktieren („Empört Euch!“) und froh sein, wieder gegen den Westen und die USA protestieren zu können, denn die sind ja bekanntermaßen die Wurzel allen Übels.

Ich dagegen werde mich über jedes Flugzeug der syrischen Luftwaffe freuen, das von der Air-Force abgeschossen wird, hoffen, das keinen US-Piloten etwas zustößt, das Abschlachten beendet wird und wäre zudem sehr froh , wenn sich herausstellen würde, dass der Westen bei den Gegnern Assads nicht längst jeden Kredit verspielt hat.

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75 Kommentare zu “Syrien: Wenn die Friedensbewegung ihr hässliches Haupt erhebt…

  • #1
    Frank

    Besser kann man es nicht sagen. Aber nicht nur haben die Friedensbewegten wieder mal weggeschaut, weil der Despot ein Freund Putins ist. Auch Herr Westerwelle und Frau Ashton haben hier nur zugeschaut und versucht zu verstehen, was vor sich geht.

  • #2
    Gerd

    Der Kommentar zur Friedensbewegung ist völlig daneben. Die Retter der Welt (Amerika) haben doch in den vergangenen Jahrzehnten nichts ausgelassen um überall auf der Welt IHREN Krieg zu führen. Vietnam…was wurde da noch mal eingesetzt und von wem?? Irak ……unter falschen Voraussetzungen (Giftgaseinsatz) unsägliches Leid auch über die Zivilbevölkerung gebracht. Diese Liste lässt sich noch beliebig verlängern. Alle Despoten dieser Welt wurden und werden mit Waffen beliefert solange es in die amerikanische Welt passt. Da sind die Menschen gefordert auch etwas zu unternehmen. Werden Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen offengelegt gibt es 35 Jahre Haft. Zum aktuellen Konflikt….wenn dann klar ist wer in Syrien Giftgas eingesetzt hat muss diesen Leuten das Handwerk gelegt werden! Auch mit Amerika zusammen aber bitte mit Mandat und keinen falschen Informationen!!!!

  • #3
    Martin Budich

    Das schlimmste ist: Die Friedensbewegung ist nicht nur hässlich, sie ist richtig gemein. Sie hat mit ihren düsteren Prognosen bisher immer Recht behalten. Nach 12 Jahren Krieg sieht es in Afghanistan schlimmer aus als vorher. Der Irak-Krieg hat fast nur Verlierer.
    Und überhaupt ist die Friedensbewegung völlig unglaubwürdig. Sie hat in Bezug auf einen Militärschlag gegen das Assad-Regime ziemlich die gleiche Einschätzung wie alle führenden US-Militär-Strategen. Wo das doch, wie im Beitrag exzellent herausgearbeitet wurde, die Hauptfeinde der Friedensbewegung sind.
    Und nicht zu vergessen: Die Friedensbewegung ist völlig antiquiert. Sie hält die UN und das Völkerrecht für zivilisatorische Fortschritte, die weiterentwickelt werden müssen.
    Ich finde es auch super klasse, am Bildschirm zu sitzen, Ballerspiele zu machen und davon zu träumen, dass auch in der Realität sich alles Böse so einfach wegballern lässt.

  • #4
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Martin Budich: Zumindest ein paar Jahre konnten in Afghanistan Mädchen in die Schule gehen – wenn bald die Taliban wieder an der Macht sind, wird das vorbei sein. Die Friedensbewegung hat keine Idee, was man gegen solche Gruppen machen kann. Davon ab: In Afghanistan starben militante Islamisten aus der ganze Welt. Jeder von denen kann nun hier nicht mehr angreifen. Der Irak hat eine demokratische gewählte Regierung und die setzt kein Giftgas mehr gegen das eigene Volk ein. Auch in Fortschritt.

  • #5
    Nansy

    Im Grunde genommen ist an beiden Positionen etwas dran – in Syrien sind alle (auch wegen der Unterstützung durch Russland) lange Zeit untätig geblieben. Ein Eingreifen der USA kann ich nachvollziehen, kommt allerdings viel zu spät – und es ist fraglich, ob ein Einsatz nur aus der Luft die Probleme lösen kann. Im Hintergrund die Erkenntnis, dass die USA aus finanziellen Gründen kaum ein längeres Engagement durchhalten werden – also nur eine „Show-Veranstaltung“?

    Auf der anderen Seite kann man durchaus mißtrauisch sein, wenn man die Kriegseinsätze der USA in aller Welt betrachtet (Öl oder andere wirtschaftliche Interessen, Kriegseintritt unter falschen Voraussetzungen, Lügen, Täuschungen u.s.w.).
    Ich bin da mal wieder gespalten…

  • #6
    gl

    Geschätzte 655.000 Tote im Irak als Fortschritt zu verkaufen zu wollen ist absurd: http://www.zeit.de/online/2006/41/irak-opfer-studie

  • #7
    Klaus

    @Martin Budich: toller Kommentar! Ich werde dem Ruhrbaron nicht weiter folgen. Es macht uns alle traurig und wütend, was in Syrien passiert. Aber deshalb zu hoffen, dass der Krieg die heilsbringende Lösung ist und den Krieg als solchen zu glorifizieren ist einfach nur unreif und peinlich.

  • #8
    UDEO

    Peinliche Ruhrbarone-Provo. Neulich habe ich mit einer Person gesprochen, die mal hier geschrieben hat, die aber sagte, dass ihr es inzwischen zu peinlich ist. Jetzt verstehe ich warum.

  • #9
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @UDEO: Offenbar war es eine Person, die wieder unsere Leser noch die Autoren dieses Blogs vermissen 🙂

  • #10
    Max

    Zitat:“Ich dagegen werde mich über jedes Flugzeug der syrischen Luftwaffe freuen, das von der Air-Force abgeschossen wird, hoffen, das keinen US-Piloten etwas zustößt, das Abschlachten beendet wird und wäre zudem sehr froh , wenn sich herausstellen würde, dass der Westen bei den Gegnern Assads nicht längst jeden Kredit längst verspielt hat.“

    Habe selten solch blanken Unsinn gelesen. Dass das Abschlachten durch den freundlichen Eingriff „des Westens“ im Irak, Afganistan und Lybien keines Falls beendet wurde, es den Menschen vorher oft besser erging als nach ihrer „Befreiung“ blenden sie komplett aus.
    Wie man sich so kritiklos vor den „amerikanischen Karren“ spannen lassen kann ist mir wirklich schleierhaft.

  • #11
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Max: Man kann einen solchen Krieg auch „ausbluten“ lassen. Irgendwann kann eine Seite einfach nicht mehr und ist am Ende: Zu viele Tote. Im Normalfall ist das dann die Opposition. Aber dann ist endlich Frieden und die Täublein fliegen glücklich über die menschenleeren Plätze…

  • #12
    Max

    tolles Argument für noch mehr Tote (die leeren Plätze), aber dieses Mal mit chirurgischer Präzision der US Air Force…nur Eines noch: die sogenannte syrische Opposition besteht aus Terroristen der gesamten Nahostregion die natürlich nur das syrische Volk befreien möchten… und von wegen ausbluten, wie wäre es wenn mal einfach keine Waffen mehr geliefert würden? Sie wissen sicher welchen Platz Deutschland beim Thema Waffenlieferungen belegt. Ich wünsche noch einen friedlichen und sonnigen Sonntag.

  • #13
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Max: Anfangs waren es normale Syrer die auf die Straße gingen – die Passivität des Westens hat dazu geführt, dass Terroristen dort eine immer größere Rolle spielen. Ich habe das ja auch geschrieben.

  • #14
    pete

    zu afghanistan: wir hatten in unserer stadt gerade die asylbewerber zu gast, die auf ihrem protestmarsch richtung münchen unterwegs sind. Einige von ihnen waren aus afghanistan, welche tw in regelmäßigen kontakt zu ihren familien dort stehen. Überraschenderweise herrscht unter ihnen bedauern über den truppenabzug. Sie behaupten es würde innerhalb kürzester zeit wieder so zugehn wie zu beginn der talibanherrschaft. Also die fanden das eingreifen des westens wohl garnicht mal so verkehrt wie es hier so mancher „friedenstreiber“ darstellen möchte. eher im gegenteil!

  • #15
    Arnold Voss

    Der friedensbewegt Mensch ist immer gaaanz „traurig und wütend“, wenn es Krieg gibt. Aber er möchte partout nicht eingreifen. Zumindest so lang wie er nicht selbst im Kugelhagel zu stehen gezwungen ist. Auch wenn ein Diktator sein eigenes Volk umbringt, hält er sich lieber raus, ist aber dann noch viel trauriger und wütender, weil er eigentlich Diktatoren scheiße findet.

    Für ihn ist der Aufruf zum Eingreifen die Provokation, nicht das was der Diktator mit seinem Volk vor den Augen der Weltbevölkerung und mit Unterstützung anderer Diktatoren anstellt. Er findet auch immer ausgerechnet einen Militärstrategen, also eine Person der er sonst partout und generell nicht über den Weg traut,der das genauso sieht wie er.

    Die Opfer des Nichteingreifens sind für ihn eigentlich auch keine Opfer, denn ihre Duldung sorgt letztlich dafür, dass nicht noch ein weiteres Land in den Krieg eintritt und erst recht nicht das, in dem der friedensbewegte Mensch selber wohnt.

    Während der Militärstratege die möglichen Opfer des Eingreifens mit denen des Nichteingreifens aufzurechnen versucht, um eine Entscheidung über den möglichen Erfolg des Eingreifens zu treffen, vermeidet der friedensbewegte Mensch überhaupt jede Entscheidung unter dem Primat des Friedens, der vor allem sein eigener ist.

  • #16
  • #17
  • #18
    Arnold Voss

    Noch ein paar Sätze zur generellen USA-Kritik der Friedensbewegung:

    Es waren Amerikaner die den Vietnamkrieg der amerikanischen Regierung gestoppt haben. Es waren Amerikaner, die die systematischen Lügen der CIA im Falle des Irakkrieges aufgedeckt haben. Es war ein amerikanischer Soldat der Menschenrechtsverbrechen des amerikanischen Militärs öffentlich gemacht hat. Es war ein Amerikaner, der die ungesetzliche weltweite Abhörpraxis der NSA weltweit publik gemacht hat.

    Die USA sind schon lange eine Weltmacht und sie verhalten sich auch so. Aber sie sind eine demokratische Weltmacht die deswegen immer wieder in der Lage waren sich selbst zu korregieren. Ihre Regierungen waren das nicht immer, aber dank des ganz persönlichen und demokratisch gesinnten Mutes vieler ihrer Bürger wurden sie immer wieder dazu gezwungen, bzw. abgewählt.

    Die Zeit in der die USA Diktatoren unhintefragt politisch hätscheln und militärische unterstützen konnten sind auch deswegen schon länger vorbei. Aber die USA werden auch in Zukunft eine Weltmacht bleiben und schon von daher ist, was ihre Außenpolitik betrifft, eher Vorsicht als Hurra-Optimismus angebracht. Nicht zuletzt weil sie heute noch mit den Fehlern ihrer früheren Außenpolitik konfrontiert sind.

    Konkret: sie bekämpfen/kritisieren heute Regierungen, die sie selbst nach der Parole “ Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ mit Waffen ausgestattet haben. Sie sind bei ihrem Feldzug gegen den Terror offensichtlich weit über das Ziel hinaus geschossen. Aber auch hier sind erste Selbstkorrekturen sichtbar.

    Das alles soll die Opfer dieser Art der Weltpolitik nicht entschuldigen. Wenn aber die Friedensbewegung nicht in der Lage ist, diesen wesentlichen Unterschied zu anderen wesentlich weniger demokratischen, ja diktatorischen Weltmächten zu sehen, dann bleibt ihre Kritik beim plumpen USA-Bashing hängen, das immer weniger Menschen zu überzeugen in der Lage ist.

  • #19
    Nansy

    @ #18 Arnold Voss:

    Im Großen und Ganzen kann ich ihrem Beitrag nur zustimmen, wenn….
    ja wenn nicht der letzte Absatz wäre – und mal wieder zur Rechtfertigung der USA-Politik der Vergleich mit anderen diktatorischen Weltmächten herangezogen würde.
    Die USA sind nun mal eine Demokratie und keine Diktatur und insofern werden sie sich auch mit anderen Maßstäben messen lassen müssen. Ihre schönen Ausführungen über die Selbstheilungskräfte einer Demokratie wie den Verienigten Staaten werden durch den Vergleich mit anderen Diktaturen zunichtegemacht, schade…

  • #20
    der, der auszog

    Man wird die Deutsche Friedensbewegung weder für die Ursachen des Syrienkonfliks, noch für dessen Folgen verantwortlich machen können. Sie ist eigentlich völlig unbedeutend und es wird sie auch niemand mit einbeziehen, egal wie man versuchen wird, den Konflikt zu lösen.

    Wenn ich mir die Ostermärsche in den 1980er und 90er Jahre anschaue und sie mit dem vergleiche, was diese Bewegung heute noch in der Lage ist an Volk zu mobilisieren, dann ist sie zu einem Häuflein Elend zusammen geschrumpft. Gerade weil sie so bedeutungslos ist, sollte man eigentlich in der Lage sein, sie als eine Gruppe Menschen zu sehen, die einfach nur eine andere politische Meinung vertritt, selbst wenn diese völlig verdreht an der Wirklichkeit vorbei geht.

    Auch wenn ich mit den Ideen der Friedensbewegung genauso wenig anfangen kann wie Stefan und viele andere hier, kann ich mich nicht freuen, wenn Menschen sterben. Dies ist aber automatisch der Fall, wenn Flugzeuge abgeschossen werden, ob sie sich nun in der Luft befinden oder am Boden. Ich kann auch nicht die ganzen zivilen Opfer ausblenden, die bei solchen Aktionen ums Leben kommen. Der Syrienkonflikt ist mehr als ein Ballerspiel, in dem es nur um US Piloten auf der einen und syrische Fanatiker auf der anderen Seite geht.

  • #21
    Klaus Lohmann

    Rein medial scheint der Zeitpunkt ja perfekt – die NSA/Prism-Operette nähert sich dem langweiligen Abspann in Form von „ausspionierten Geliebten“ und Obama zickt sich laaaangsam zum Syrien-Einsatz. Auf den haben alle anderen Nato-Partner heimlich-händeringend gewartet, damit sie selber den Arsch nicht hochbekommen müssen, und können ihre Medien nun wieder ungeniert auf den „pösen Kriegstreiber“ Amiland einschießen lassen, auf dass die eigenen Wutbürger schön weiter was zum Abkotzen haben…

  • #22
    Volker Steude

    Syrien ist ein sehr heterogenes Land mit vielen verschiedenen Ethnien und Religionen (Drusen, Kurden, Alewiten, Christen, Sunniten, Schiiten, Palestinänser u.v.a.m). Erfahrungsgemäß sind die Interessen der verschiedenen Gruppen sehr unterschiedlich und wurden durch den Nah-Ost-Konflikt ohnehin radikalisiert

    Welche Gruppe soll am Ende, selbst wenn die Amerikaner Assad beseitigen, das Land regieren? Glaubt jemand, dass es dann eine demokratische Regierung geben wird? Der Bürgerkrieg wird wie im Irak und Afghanistan „unter der Hand“ weiter gehen.

    Wird ein Eingreifen jetzt Tote „sparen“? Eine UN-Friedensmission hätte vielleicht eine Chance, ein Eingreifen der USA m.E. nicht. Der Hass auf die Freunde der Israelis ist ohnehin seit Jahrzehnten in Syrien verwurzelt. Wer mit den USA zusammen arbeitet, wird als Verräter da stehen. Also würde die USA zur Zielscheibe und als „Besatzer“ wahr genommen. Zudem spielt die USA im Nahen Osten aus Sicht der meisten Syrer keine glaubwürdige Rolle. Sie stehen für sie total einseitig auf der Seite von Israel und lassen ihnen alles durchgehen (Siedlungsbau etc.).

    Als ich in Syrien war, ist schon was her, hatte Saddam gerade Kuwait überfallen. Nicht wenige haben sich mit ihm solidarisiert, während das Regime, die gegenteilige Meinung vertreten hat. Immer wieder wurde das 3. Reich gelobt, das ja die einzigen gewesen wären, die was gegen die Juden getan hätten. Im Libanonkonflikt haben weite Teile der Bevölkerung gegen Israel, die Christen und die USA Partei ergriffen. Auch wenn das Regime gleichzeitig immer wieder die Palestinänser im eigenen Land bekämpft hat.

    Unsere Sichtweise auf die Konflikte im Nahen Osten sind m.E. viel zu vereinfachend. Wir haben die irreale Hoffnung, wir könnten mal einfach zeigen, wie toll Demokratie und Frieden sind und dann legen alle die Waffen hin und sehen ein, dass das Unterdrücken der Bevölkerung falsch ist.

    Allenfalls eine UN-Mission macht m.E. Sinn. Diese könnte, wenn die Regimegegner diese Maßnahme unterstützen, die von diesen beherrschten Gebiete als Schutzzone übernehmen und gegen Assad schützen. Es käme zunächst zu einem zwei geteilten Land und zu einem Status Quo. Zumindest das Töten hätte zunächst ein Ende. Aus dieser Situation heraus könnte man dann versuchen eine Lösung zu finden. Was ggf. solange oder noch länger dauert, bis Assads Regime durch seinen Tod beendet wird.

    Die Folgen eines Eingriffs der USA sind unabseh- und unkalkulierbar. Eine dauerhafte Befriedung wird nicht gelingen. Zu befürchten ist, dass sich die Lage kurz beruhigt und der Konflikt weitere Jahrzehnte mit weiteren Ausbrüchen weiter geht. Die Gefahr ist groß, dass wenn Assad weg ist, sich andere Volksgruppen bekämpfen werden.

  • #23
    GrabowskiKarlheinz

    Den Regierungen der USA, Frankreich und Grossbritannien läuft der Schaum aus dem Mund vor lauter gekünstelter Empörung und sie wollen unbedingt den Befehl geben, Bomben, Raketen und Marschflugkörper auf Syrien abzufeuern. Parallel dazu läuft die Propaganda, denn völlig kritiklos und ohne Bedenken manipulieren die Medien die Meinung der Bevölkerung in Richtung Krieg gegen Syrien.

    Genau wie mit Lügen und gefälschten beweisen Slobodan Milosevic, Saddam Hussein oder Muammar Gaddafi als ganz üble Bösewichte hingestellt wurden, damit man einen Angriffskrieg gegen Serbien, Irak und Libyen rechtfertigen konnte, wird Bashar al-Assad jetzt als jemand beschrieben, der Giftgas gegen Zivilisten einsetzt, damit man Syrien plattmachen kann.

    Dabei hat Assad UN-Inspektoren ins Land gelassen, damit sie prüfen können, wer wirklich Chemiewaffen einsetzt, denn die syrische Regierung sagt, es sind die Terroristen die es tun, um eine westliche Intervention auszulösen. Dann passiert ausgerechnet nach Ankunft der UN-Mission in Damaskus wie bestellt ein Angriff mit chemischen Waffen.

  • #24
    T. Fertmann

    Sorry, aber der Autor dieses Textes ist offensichtlich noch dümmer als die deutsche Friedensbewegung. Und das will schon was heißen. Hätte nicht gedacht, dass jemand die „Hände-weg“-Fraktion in Punkto „einfache, aber falsche Antworten“ noch überbieten kann. Aber mit diesem menschenfeindlichen Posting haben die Ruhrbarone es geschafft. Schade um das Blog. Wer noch irgendwo (abseits von populistischen Stammtischen) ernst genommen werden will, wird sich wohl nicht mehr auf die Ruhrbarone beziehen können. Das wars wohl.

  • #25
    Ulf

    Es lässt sich zumindest konstatieren, dass das „hässliche Haupt der Friedensbewegung“ zum Glück nicht ganz so hohl ist wie das einiger Ruhrbarone. Nachdem ein Kontekakis von nicht allzu langer Zeit an dieser Stelle seinen Gewaltfantasien freien Lauf lassen durfte, legt nun also der Oberruhrbaron nach. Wer glaubt, dass Menschen aus der Geschichte lernen, wird hier eines Besseren belehrt. Sie lernen nicht mal aus der jüngsten Geschichte. Als hätte es keinen Afghanistan-, keinen Irakkrieg gegeben, inklusive CIA-gefälschter Kriegsgründe. Es gibt offenbar immer noch Leute, die an eine sauberen, gerechten Krieg glauben. Die Scientologie-Hollywood-Tom-Cruise-Propaganda hat offenbar ganze Arbeit geleistet – Ballerspiele ersetzen Hintergrundwissen. „Journalisten bloggen das Revier“? Wenn das Journalismus ist, was ist dann Propaganda? Einen Krieg als ultima ratio hinznehmen, ist schwer genug. Ihn mit dieser Begeisterung zu fordern, ist erbärmlich.

  • #26
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Ulf: Ich kann mir vorstellen dass es sie erschreckt, wenn Mädchen eine Schule besuchen können. Dann lernen die ja lesen.
    @ T. Fertmann: Keiner wollte jemals, dass sich Leute wie sie auf dieses Blog beziehen. Ihr Lob wäre mir mehr als peinlich.
    @GrabowskiKarlheinz: Es wir sie freuen, dass sich auch der Iran gegen die USA gewandt hat. Das Land wird ja ebenfalls von engelsgleichen Persönlichkeiten wie Saddam Hussein, Milosevic und Gaddafi regiert. Wahrscheinlich haben Sie den USA noch immer nicht die Landung in der Normandie verziehen – was für ein Leben könnten Leute wie sie heute führen…

  • #27
    GrabowskiKarlheinz

    Die Kriegsrhetorik und der angebliche „Rachedurst“ des Westens verwundern mich doch etwas. Schließlich hat die russische Regierung aufgrund eigener und wegen des dichten Agentennetzes in Syrien wohl verlässlicher Geheimdienstinformationen schon vor einigen Tagen verlauten lassen, dass der Giftgasanschlag nicht vom Regime von Assad, sondern von den islamistischen Rebellen ausging. Ausgeführt wurde er wohl mit einer selbstgebauten Rakete, wie sie auch schon im Mai Verwendung fand, als es schon einmal Gerüchte über den Einsatz von Giftgas gab. Die Islamisten bringen also offensichtlich die syrische Zivilbevölkerung um, was nach deren Logik nur legitim ist, weil sich die Mehrheit mittlerweile nach Frieden sehnt und deshalb wieder mit Assad sympathisiert. Zudem ist es ein probates Mittel den Westen zu einem Eingreifen auf ihrer Seite zu nötigen, was ja auch schon im Libyenkrieg prima funktioniert und den fundamentalen Islamisten dort an die Macht verholfen hat. Das Ganze stinkt jedenfalls förmlich nach einem zweiten Golf von Tonkin und man kann nur hoffen, dass die Weltöffentlichkeit und die Weltpresse den Islamisten nicht auf den Leim geht und damit die falsche, weil unschuldige Seite bekämpft. Die allzu beliebte Nazikeule dürfen Sie übrigens stecken lassen Herr Laurin. Die USA und ihre Unterstützer haben jegliches moralisches Ansehen auf der Welt verspielt.

  • #28
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @GrabowskiKarlheinz: Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass es der sogenannten Friedensbewegung um nichts anders geht, als um das Schüren antiwestlicher Ressentiments. Damit sind sie nicht alleine. Assad ist die unschuldige Seite? Nach all den Massenmorden der vergangenen Jahre? Na dafür bekommen sie bestimmt einen Orden – nur Sie wissen, mit welchem Zeichen in der Mitte.

  • #29
    Wennsmalsoeinfachwäre

    Stefan Laurins schlichte Antworten sprechen für sich. Friedrich Küppersbusch heute in der taz zum Thema Syrien: „Obama zehenspitzt seit Monaten an seiner „roten Linie“ längs, exakt der Nachweis des Einsatzes von Chemiewaffen wäre der „point of no return“. Kann man auch andersherum lesen: Wer immer die USA in einen ungewinnbaren Krieg lotsen möchte, muss für dieses Verbrechen sorgen. Behält Obama die Nerven, darf er 10 bis 20 Prozent seines Friedensnobelpreises behalten hinterher. Im Grunde eine deutlich professionellere Cover-Version der Joschka-Fischer-Irak-Melodie „I am not convinced yet“.“

  • #30
    Leuterbach

    Keine Ahnung, was die Restfragmentchen der Friedensbewegung so tun werden. Vielleicht tun sie sich ja schwerer im Schwarz-Weiß-Denken als Stefan Laurin. Bei dem ich übrigens nicht so wirklich verstehe, warum er so versessen darauf ist, der Ablösung des Terror-Regimes von Assad durch das eines Terror-Regimes der Djihadisten an den Grenzen Israels das Wort zu reden. Die Gotteskrieger haben in den letzten Monaten ja schon vorgeführt, wohin die Reise im neuen Syrien gehen soll – Geiselerschießungen, Hinrichtungen, Vergewaltigungen im kurdischen Einflussgebiet, Entführung von Journalisten. Niemand, der die Lage in Syrien ein wenig kennt, würde sich wundern, wenn die Giftgasgranaten ein wenig Argumentationshilfe aus den Reihen einer der djihadistischen Gruppierungen gewesen sind. Die hätten dann gleich zwei nützliche Idioten, zum einen die Regierungen der USA und Großbritanniens, die die Arbeit für sie erledigen und die türkische Armee, die schon seit Wochen bereit für einen Einmarsch in den syrischen Kurdengebieten ist, weil sie man in Ankara wieder einmal die Entstehung eines kurdischen Staates an der türkischen Südgrenze fürchtet. Der Verloren hat bereits jetzt die syrische Bevölkerung und daran wird sich egal wie auch nichts mehr ändern.

  • #31
    Erdgeruch

    Hmmm, interessant. Man basht auf eine vollkommen kleine und belanglose Minderheit, um etwas gut zu finden, was noch gar nicht eingetreten ist. Der Artikel liest sich dann doch eher wie ein Forumskommentar und den Ruhrgebietsbezug vermag ich auch nicht zu erkennen.

    Aber zum Thema: Es erscheint mir auch sehr unwahrscheinlich, dass das Regime Assad Interesse daran hat, die USA zu einem Militäreinsatz zu provozieren, denn auch wenn – wie richtig beschrieben – diese kaum in der Lage sind, ein einmal besetztes Land zu befrieden, geschweige denn zu halten, so können sie doch jeden Machthaber selbst sehr leicht erwischen.

    Zum möglichen Eingriff selbst: Bodentruppen wird keiner schickeb und eine reine Flugsverbotszone wird Russland kaum zulassen, daher wird es wohl 2 Wochen Totalbombardement. Daraufhin wird es keine Regierungsstrukturen mehr geben. Und somit keinen Staatsapparat, den wen auch immer übernehmen könnte. Was dann folgt wird man wohl als nächste Phase eines Bürgerkriegs ansehen mit verschiedenen Gruppen, die jeweils von irgendwem (Saudis, Iran, Türkei usw.) hochgerüstet werden. Dabei werden der Westen und Russland kaum noch eine Rolle spielen.

    Darüber kann ich mich nicht wirklich freuen. Und für Syrien hat keiner eine Idee. Keiner.

  • #32
    Bert

    Vielleicht sollte man doch erst mal den UN-Bericht abwarten, bevor man voreilig urteilt…

  • #33
    Arnold Voss

    Es ist ernüchternd zu lesen wie fast alle die, die hier für das Nichteingreifen plädieren, keine einzige positive Antwort auf die Frage haben, wie man denn sonst die Bevölkerung Syriens vor ihrem weiteren Niederschlachten schützen könnte.

    Das man in Syrien genauso schwer auf schnellem Wege eine funktionierende Demokratie errichten könnten, wie z.B. im Irak oder in Afghanistan, ist doch kein Argument dafür, in Syrien alles so weiter laufen zu lassen. Es kann doch erst einmal um nichts anderes gehen, als darum das Leiden der syrischen Bevölkerung zu stoppen.

    Dass die USA im Nahen Osten verhasst ist, ist auch keine Argument, solange sich nicht andere, weniger verhasste Staaten finden, die bereit sind, das Morden zu zu beenden.

    Die UNO wird garantiert nicht eingreifen, weil Russland und China im Sicherheitsrat dagegen stimmen werden. Im übrigen hat sie schon in anderen Krisengebieten bewiesen, wie schwach sie im Ernstfall ist.

    Zu unterstellen, dass die Opposition selbst den Giftgasangriff vorgenommen hat, ist wenig überzeugend, da diese dann in den Augen des syrischen Volkes nicht mehr legitimiert wäre, die Nachfolge Assads anzutreten. Assad hätte übrigens schon längst dafür gesorgt, dass die UN-Spezialisten vor Ort wären, wenn das stimmen würden.

    Noch schräger ist es, den russischen Geheimdienst als Zeugen dafür anzuführen, dass die Opposition der Giftgastäter war. Russland unterstützt das Assad Regime von Anfang an und hat wohl kaum als neutraler Beobachter zu gelten.

    Die Wahrheit ist vielmehr, dass Russland und China bislang jeden Weg versperrt haben, rechtzeitig gegen Assads kompromissloser Vernichtungspolitik vorzugehen. Sie werden, und da hat Erdgeruch natürlich recht, auch eine Flugverbotsszone zu verhindern suchen, um den USA im Falle eines milititärischen Eingriffs den weltpoltischen schwarzen Peter zuschieben zu können.

    Aber auch Erdgeruch kennt nur eine Szenario: Wenn der Westen militärisch eingreift, wird alles noch schlimmer. Als wenn es noch schlimmer werden könnte. Als wenn das, was in Sysrien passiert, nicht schon lange ein Bürgerkrieg wäre, bei dem Russland und China bislang offensichtlich seelenruhig zuschauen, weil sie davon ausgehen, dass die Opposition am Ende doch in die Knie gehen wird.

  • #34
    Arnold Voss

    @ Nancy # 19

    Ich verstehe ihre Argumentation nicht ganz. Weltmächte funktionieren nun mal nach anderen Regeln als der Rest der Staaten, egal ob sie Demokratien sind oder nicht, egal welche Hautfarbe und welches Geschlecht ihre Führer haben.

    Der harte Kern dieser anderen Logig ist, dass sie auf Grund ihre militärischen Stärke eine besondere Autonomie besitzen, bzw. von den anderen Staaten nur dann beeinflusst werden, wenn sie es selber zulassen. Deswegen sind ihre Selbstkorrekturkräfte auch und gerade im politische Weltmaßstab von besonderer Bedeutung.

    Natürlich kann man an eine Demokratie diesbezüglich einen besonderen Maßstab legen. Also auch an eine demokratisch regierte Weltmacht. Aber deswegen ist sie immer noch Weltmacht, d.h. sie kann sich auch demokratisch für einen Krieg gegen den Rest entscheiden, bzw. ihr Macht absolut unilateral ausspielen. Das genau haben die USA so gut wie nie getan, und erst recht wird das nicht die Regierung Obama tun.

  • #35
    der, der auszog

    @Arnold

    Wenn du mich fragst (hast Du zwar nicht, aber ich tu einfach mal so als ob), erleben wir in Syrien gerade eine Renaissance des Kalten Krieges. Seit der Syrienkonflikt ausgebrochen ist, warnen Politiker und Wissenschaftler davor, dass er zu einem Stellvertreterkrieg werden könnte und genau dieses Szenario ist mittlerweile Wirklichkeit. Es stehen sich nicht mehr nur Assadtreue und Oppositionelle gegenüber, sondern zwei (bzw. drei) Großmächte, nämlich die USA und Rußland (mit China), die alle nach Außen den Eindruck erwecken, dass es immer stärker um das Wahren bzw. den Ausbau der jeweiligen Interessensspäre geht. Ähnlich wie im Kalten Krieg dürfte es den Großmächten egal sein, was wir hier in Deutschland über den Syrienkonflikt denken. Entweder wird eine Großmächte demnächst im Alleinmarsch für vollendete Tatsachen sorgen, oder Russland und die USA werden das Ding unter sich ausmachen.

    Das einzige, was wir hier in Deutschland über unsere Ohnmacht hinaus machen können, ist Partei ergreifen. Pro Amerika oder antiamerikanisch… wie im Kalten Krieg eben, nur dass es einen Unterschied macht (zumindest was das Interesse der deutschen Bevölkerung an einem solchen Thema angeht), ob man direkt vor unsere Nase Atomraketen stationiert, oder ob sich irgendwo am Arsch der Welt die Menschen mit Giftgas bekriegen.

  • #36
    Volker Steude

    @Arnold Voss: Ein Eingreifen ist nur gerechtfertigt, wenn dadurch sicher gestellt wird, dass dadurch insgesamt Töten unterbunden werden kann, nicht nur kurzfristig, sondern langfristig. Da kann man mit guten Argumenten geteilter Meinung sein. Meines Erachtens zeigen z.B. Afghanistan oder besonders der Irak z.B. dass es auf Dauer durch das Eingreifen nicht weniger Tote, gab bzw. gibt. Im Fall Jugoslawien würde ich das wieder anders beurteilen.

    (St. Laurin hat recht, dass jetzt in Afghanistan wieder Mädchen in die Schule gehen können. Langfristig sehe ich allerdings die akute Gefahr, dass die Zeitspanne begrenzt sein wird und dass durch den Eingriff Pakistan gefährlich ins Wanken geraten ist. Der nächste Bürgerkrieg daher bedrohlich nahe gerückt ist. Wer schon mal da war, erschrickt, wie viel bewaffnete Brigaden und Gruppierungen es dort unter den unterschiedlichen Kommandos gibt und wie viele Gebiete, in denen es bereits bürgerkriegsähnliche Zustände gibt. Aber die Armee ist ja mit deutschen Gewehren ausgerüstet, das nur nebenbei. M.E. wäre es klüger gewesen erstmal Pakistan auf die Beine zu helfen, ehe man in Afghanistan einmaschiert ist. Erst hätte man den Pakistanis helfen müssen die Rückzugsräume der Islamisten in Pakistan auszuheben, dass wäre damals m.E. noch auch ohne kriegerische Mittel möglich gewesen).

    Eine befriedigende, einfache Lösung zu der Frage, wie man die „Bevölkerung Syriens vor ihrem weiteren Niederschlachten schützen könnte“ gibt es also aus meiner Sicht nicht, auch wenn wir uns die alle wünschen.

    Die Konflikte in Syrien, Algerien, Ägypten, Libyen, Libanon, Irak, Palestina, Israel lassen sich jedenfalls nicht lösen, solange man z.B. Saudi Arabien, Pakistan Waffen liefert und derartige Regime damit unterstützt, dass sie aktiv den radikalen Islamismus in den arabischen Staaten fördert… .

  • #37
    Arnold Voss

    Volker, wer will denn diese langfristige Dimension treffsicher einschätzen? Nicht einzugreifen, weil man nicht über das sichere Wissen über eine langfristige Lösung verfügt, ist deswegen auch nur für den von Vorteil, der von der kurzfristigen Situation nicht betroffen ist.

    Hinzu kommt, dass man damit bei Diktatoren vom Schlage Assads jeden weiteren Einfluss aufgibt, weil diese sich auch nicht von Sanktionen einschüchtern lassen, die sie in der Regel obendrein persönlich sowieso nicht treffen. Man kann dann nur noch abwarten bis eine Seite aufgibt, wobei im Falle des Sieges der Diktatoren dann das Morden keineswegs beendet ist, sondern auch noch den Tod der Widersacher und ihrer Unterstützer bedeutet, die bis dahin überlebt haben.

  • #38
    Arnold Voss

    @ der, der auszog

    Ich stimme dir zu, dass sich Syrien mittlerweile im Machtkampffeld dreier alter, respektiver neu aufstrebender Weltmächte befindet. Ob man das mit der Zeit des kalten Krieges vergleichen kann, waage ich dennoch zu bezweifeln. Eine echte Systemkonkurrenz sehe ich selbst zwischen der USA und China nicht mehr. Sie sind mittlerweile beide wechselseitig so sehr in den Weltmarkt eingebunden sind, dass keiner von beiden von einer Totalkonfrontation mehr einen Vorteil hätte. Das gleiche gilt für das Verhältnis zwischen Russland und den USA und zwischen Russland und China.

    Es scheint vielmehr um den Einfluss auf den Nahen Osten als Ganzem zu gehen. Hier gibt es sehr wohl unterschiedliche, ja gegensätzliche Interessen zwischen diesen drei Weltplayern. Ein Interesse an einer demokratischen Entwicklung im Nahen Osten unterstelle ich allerdings nur den USA, wobei dieses natürlich nicht das einzige, ja nicht einmal das Hauptinteresse ist.

    Im übrigen haben auch die USA aus ihrem Einschreiten in Afghanistan und dem Irak gerade diesbezüglich ein paar bittere Lehren ziehen müssen, bzw. ist die Regierung Obama und zunehmend auch die veröffentliche Meinung Nordamerikas dazu bereit sie auch praktisch zu beherzigen. Obama wird sich deswegen, wenn überhaupt, in Syrien für eher kurzfristige harte Eingriffe entscheiden, die vor allem den Militärapparat Assads schwächen, bzw. kampfunfähig machen.

    Den bitteren Rest wird er einer internationalen Konferenz überlassen, in der dann alle drei Weltmächte und die Europäer wieder mit am Tisch sitzen werden. Aber was die USA auch tun werden, sie werden so oder so die Bösen sein. Wenn sie nur bomben, sind sie brutal und feige. Wenn sie einmarschieren, sind sie Besatzer und nicht Friedenstifter. Tun sie gar nichts, sind sie ein Papiertiger der nur droht, aber im Ernstfall nicht handelt.

    Wenns schief geht, werden sich, natürlich bei einem guten Wein, die intellektuell auf die Schulter klopfen, die immer schon gesagt haben, dass man aus vielerlei mehr oder weniger überzeugenden Gründen eigentlich nichts tun kann.

    Auf den Straßen des mittleren Ostens dagegen werden mal wieder die jubeln und/oder rumballern die außer ihrem Hass auf Israel und den USA nichts haben, dass sie in die Zukunft tragen könnte, obwohl sie unterschwellig alle wissen, dass auch der dazu nicht in der Lage sein wird. Wie wäre es sonst zu erklären, dass das von ihnen am meisten genannte Auswanderungsziel gerade die USA sind.

  • #39
    68er

    @ Arnold Voss

    „Ein Interesse an einer demokratischen Entwicklung im Nahen Osten unterstelle ich allerdings nur den USA,…“

    Wie kommen Sie denn darauf? Was hätten denn die USA davon, wenn Nordafrika und der Nahe Osten stabile demokratische Verhältnisse hätten? Vor dem „arabischen Frühling“ gab es ja ernsthafte Bemühungen der EU, das südliche Mittelmeer als Wirtschafts- und Handelspartner der EU aufzubauen. Das hätte dazu geführt, dass letztlich die Rohstoffvorkommen in diesen Gebieten eher in den Einflussbereich der EU gekommen wäre und sich auch neue Märkte für die EU ergeben hätten. Das passte nicht wirklich in die geopolitischen Überlegungen der USA.

  • #40
    Helmut Junge

    @Arnold, @Stefan, @der der auszog
    Das ist mal wieder ein Déjà-vu, aber ein echtes. Beinahe die gleiche Diskussion hatten wir schon kurz vor dem Libyen-Krieg. Seither hat sich zumindest an meiner Position nichts geändert. Da ich damals sehr viele Kommentare verfaßt hatte, denke ich, dass ich mich diesmal etwas ausruhen darf, ohne mein Gewissen zu belasten. Ich verweise mal auf die damalige Diskussion und überlege inzwischen, wie ich mit dem letzten Abschnitt aus Arnolds Kommentar 38 intellektuell umgehe.

    http://www.ruhrbarone.de/libyen-und-was-nun/comment-page-1/#comments

  • #41
    Volker Steude

    Arnold, das ist ja unser Dilemma. Wir können die langfristige Dimension sowohl eines Einschreitens wie des „Laufen lassens“ nicht einschätzen. Das ist wie Kaffeesatz lesen. Reicht das, um die Option Eingreifen zu rechtfertigen? Nein.

    Was aber klar ist, dass die arabische Welt nicht befriedet wird durch ständiges militärisches Eingreifen des Westens.

    Zu Assad: Erst werden die Diktatoren gepampert und dann will man sie los werden. Das ist erfahrungsgemäß schwierig. Das Assad-Regime war lange Zeit sehr stabil. Der Lebensstandard in Syrien im Vergleich relativ hoch. Doch auch sein Vater hat Homs schon einmal völlig zerbombt.

    Die Gesellschaftsstrukturen und das Nationalbewusstsein in Arabien lassen keine wirkliche Demokratie zu. Kaum eine Volksgruppe vertraut der anderen, die Gruppen sind in der Regel patriarchalisch organisiert, ihre Ordnung basiert vielfach auf religösen Regeln. Der Staat wird vielfach nur akzeptiert, weil er seine Vormachtstellung durch Gewalt durchsetzen kann.

    Wenn die Rebellen die Oberhand gewinnen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ein islamisch motivierter Machthaber ans Ruder kommt. Wenn der versagt, ein Mann vom Millitär. So erleben wir es ja gerade in (noch) relativ gemäßigter Form in Ägypten. Die autoritäre Führungsstruktur bleibt und die „Diktatoren“, werden nur mit Gewalt aus dem Sattel gehoben. Ich sehe keine Hoffnung, warum sich das ändern sollte. Nach dem Eingreifen steht der nächste gewaltsame Umsturz also schon vor der Tür.

    Eine schleichende „Demokratisierung“ mit allen Friktionen und Rückschlägen, wie in der Türkei und China, setzt einen „stabilen Staat“ voraus, der ohne äußere gewaltsame Auswirkungen von außen diesen Weg quasi findet. Zu diesem stabilen Zustand muss der Staat selbst finden. Ein Aufzwingen durch den Westen hat in der arabischen Welt bisher noch nie funktioniert. Das Eingreifen lenkt im Gegensatz von der eigenen Entwicklung und der Verantwortung für die Entwicklung ab.

    Der, der eingreift wird ggf. sogar zum gemeinsamen Feind. Der Bürgerkrieg verlagert sich auf einen anderen Fokus. Wenn der Eingreifende weg ist, setzt man wieder da an, wo man vorher aufgehört hat (z.B. Afghanistan nach der sow. Besatzung). Der ständige Bürgerkrieg hat aber die autoritären Strukturen und die militärischen Machtapparate weiter gestärkt und die Gesellschaft hat es noch schwerer diese wieder zurück zu drängen.

  • #42
    Yugo

    Die Antwort auf Ciceros klassische Frage „Cui bono?“ ist auch in diesem Falle erhellend.

    Assad müßte wahnsinnig sein, seinen bevorstehenden Sieg über die Terroristen durch den Einsatz chemischer Waffen noch zu gefährden.

    Wer zu kühler Analyse resp. Lagebeurteilung fähig ist, läßt sich von abenteuerlichen Kriegsrechtfertigungen wie vor dem Überfall auf den Irak nicht blenden…

  • #43
    Jan Harald

    Traurig, wie Stefan Laurin immer Andersdenkende in den Schmutz ziehen muss und dabei kaum mit sinnvollen Argumenten kommt, sondern lieber mit Emotionen und Diffamierungen arbeitet: http://www.meinfreundderbaum.de/stefan-laurin-findet-einen-neuen-nazivergleich/

    Jeder Kriegseinsatz der USA oder anderer westlicher Truppen in Arabien hatte bisher nur folgende Ergebnisse:
    – massives schüren von Hass gegen die USA und den Westen
    – dadurch Schaffung von Selbstmordattentätern, die den Krieg zu uns tragen
    – hunderttausende zusätzliche zivile Opfer durch den Kriegseinsatz (der eigentlich dazu gedacht war, Tote zu vermeiden, also das Gegenteil bewirkt)
    – jahre- oder sogar jahrzentelanger Kriegseinsatz und Stationierung von Truppen im Zielgebiet, dadurch weitere Tote und Millardenkosten (das Märchen vom „chirurgischen Eingriff“ wurde längst wiederlegt und funktioniert nicht, alle reinen Luftangriffe haben lang und mittelfristig NICHTS gebracht, nichts verbessert und nur weitere unschuldige Tote in der Zivilbevölkerung gefordert).

    Und die Kriegsfanatiker können offenbar auch nicht weiter als „Bomben, Bomben und alles wird wieder von selbst gut“ denken. Man müsste zwangsläufig selber Truppen schicken oder seine Feinde mit Waffen unterstützen. Im Klartext: Genau wie in Afghanistan müssten wir radikale Islamisten mit Waffen beliefern, finanzieren und militärisch ausbilden. Die CIA haben in Afghanistan nachweislich Osama bin Laden ausgebildet und seine Kämpfer mit Waffen beliefert, also duch den Kriegseinsatz die TERRORISTEN VON MORGEN selber erst geschaffen!

    Und die konservativen Dummköpfe die jetzt nach Krieg schreien, sind dieselben, die später heulen und sich wundern, wo der Hass gegen den Westen und wo die militärisch ausgebildeten Terroristen herkommen. WIR HABEN DEN HASS UND DEN TERROR DURCH UNSERE KRIEGSEINSÄTZE ERST GESCHAFFEN.

    Und durch die Kriegseinsätze im Irak und Afghanistan haben wir in diesen Ländern mehr Schaden angerichtet, für mehr Tote zivilisten als jemals zuvor gesorgt und in allen Ländern mit Kriegseinsätzen nicht nur ein hoffnugnsloses Schlachtfeld hinterlassen, sondern auch ein neues Rückzugsgebiet für neue Terroristen und den weltweiten Hass auf die USA und den am Krieg beteiligten Staaten.

  • #44
    Arnold Voss

    @ 68ger

    „Was hätten denn die USA davon, wenn Nordafrika und der Nahe Osten stabile demokratische Verhältnisse hätten?

    Das Öl wird auf Dauer günstiger wenn man es aus demokratisch stabilen Staaten bezieht, statt immer wieder unkalkulierbaren Diktatoren Waffen und Geld in den Arsch zu blasen und am Ende doch noch gegen sie Krieg führen zu müssen.

    Natürlich passt auch ein starkes und demokratisches Europa in die geostrategischen Langfristüberlegungen der USA. Die Europäer hatten allerdings bislang selbst keine großes Interesse an der Demokratisierung Nordafrikas und des Nahen Ostens.

  • #45
    Arnold Voss

    @ Jan Herald

    Die Gotteskrieger hassen den Westen nicht wegen seiner Kriege, sondern weil sie seinen Lebensstil als Bedrohung empfinden. Die Kriege die die Staaten im Nahen Osten gegeneinander geführt haben, haben weitaus mehr Opfer gefordert als die Kriege des Westens gegen Staaten des Nahen Ostens.

    Am meisten bringen sich die Gotteskrieger immer noch gegenseitig um, wie der Dauerkonflikt zwischen Sunniten und Shiiten beweißt. Auch die Taliban sind ein äußerst kriegerischer Stamm, und das ganz ohne das Zutun westlicher Staaten. Das gleiche gilt für viele Stämme Nordafrikas.

    Natürlich hätte man sich da auch ganz raushalten können, denn ohne den westlichen Kolonialismus wären viele Probleme erst gar nicht entstanden. War aber nicht so. Und das Öl und andere wichtige Rohstoffe haben alle gerne bezogen. Auch die, die mit Kolonialismus und Krieg nichts zu tun haben wollten.

    Jetz aber gibt es auch demokratische Entwicklungen in den arabischen Diktaturen, und in Afghanistan gab es sie schon viel viel früher, ja es gab sogar schon einen demokratischen Staat.

    Wie soll sich der Westen gegenüber dem arabischen Frühling verhalten, wenn die Islamisten diese Bewegungen bekämpfen? Soll er sich darauf verlassen, dass sie es selber schaffen? Und was ist, wenn das offensichtlich nicht der Fall ist? Was ist, wenn – wie jetzt in Syrien – Diktatoren das eigene Volk niedermachen?

    Was bleiben da für „hoffnunglose Schlachtfelder“? Welcher Terrorismus entsteht da, wenn alle anderen einfach nur zuschauen?

  • #46
    Arnold Voss

    @ Yugo

    Sorry, aber Assad ist wahnsinnig. Er hat für die Erhaltung seiner Macht die Zerstörung fast seines ganzen Landes in Kauf genommen. Von den Toten bei der Zivilbevölkerung ganz zu schweigen.

  • #47
    Peace

    Was passiert eigentlich wenn festgestellt wird, dass der radikalislamische Teil der Rebellen für den Giftgasanschlag verantwortlich ist? Sammeln sich dann Amerika, Frankreich und Großbritannien um die Rebellen zu bombardieren?

  • #48
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Peace: Dann sollten sie dafür sorgen, dass die Rebellen nicht mehr die Möglichkeiten haben, so etwas noch einmal zu tun.

  • #49
    Arnold Voss

    Gestern Abend war eine interessante Diskussion zu unserem Thema bei Phönix „Unter den Linden“

    Zu Gast bei Michaela Kolster waren Michael Lüders und Hamed Abdel-Samad zum Thema „Pulverfass Nahost – was macht der Westen?

    http://www.phoenix.de/content/731801

  • #50
    Nuup

    Fefe bringt es auf den Punkt:

    http://blog.fefe.de/?ts=ace502dd

    Diese Syrien-Nummer ist ja auch mal wieder herzallerliebst. Wir haben da ein Land, das diplomatisch isoliert ist. Dessen Terroristen/Rebellen vom Ausland mit Waffen versorgt werden. Das sehen kann, dass die Amerikaner händeringend einen Vorwand suchen, um einen Befreiungskrieg zu startet. Um sich selbst von der NSA-Affäre zu befreien meine ich natürlich.

    Regiert wird das Land von einem Diktator, der im Westen Medizin studiert hat. Er war Chef der Computer Society und war Internet-Vorreiter in Syrien. Will sagen: Der ist nicht doof, der hat gesehen, wie Medien funktionieren, und der hält sich im Internet auf. Der muss wissen, was die Welt von ihm und seinem Regime hält. Und der muss die NSA-Geschichte gesehen haben. Der hat live beobachten können, wie das damals mit dem Irak-Krieg losging mit den angeblichen Inkubator-Babies. Und DER soll jetzt Chemiewaffen gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt haben? Dass da Chemiewaffen eingesetzt wurden, erscheint ziemlich klar, aber was hat denn Assad dabei zu gewinnen? Bzw in welchem Szenario hat der damit etwas anderes als massive Verluste zu erwarten?

    Das erscheint mir alles ausgesprochen unglaubwürdig, was da gerade abläuft.

  • #51
    Freiheitsliebender

    Widerlicher Artikel den ihr veröffentlichen habt!
    Das kann und darf man so nicht stehen lassen: http://diefreiheitsliebe.de/frieden/ruhrbarone-machen-stimmung-fuer-krieg-und-gewalt
    Wir wünschen uns das Ende des Bürgerkriegs in Syrien, ein Ende aller Waffenlieferungen und eine demokratische Lösung für die Menschen in Syrien. Für den Rest der Welt wünschen wir uns, dass der Gedanke der Weltpolizei USA endlich begraben wird und die Friedensbewegung aufsteht, wenn ein Staat Angriffskriege beginnt. Bis dahin bleibt zu sagen, dass wir gerne zum hässlichen Haupt gehören, wenn es hässlich ist sich gegen Krieg und Mord zu stellen, in welchem Land auch immer, während die Ruhrbarone wohl den glauben an die schöne Welt der Friedensmacht USA verteidigen werden.

  • #52
    Puck

    @Martin Budich #3

    Woher wissen eigentlich alle immer so genau, daß es in Afghanistan jetzt schlechter ist als vor der Intervention? Sie erinnern sich noch an die Schreckernsherrschaft der Taliban? (Die ähnelte sehr der Schreckensherrschaft von Pol Pot, die bekanntlich auch durch eine Intervention beendet wurde!) Als täglich Menschen hingerichtet wurden, weil sie Musik hörten, sich rasierten (Männer) oder sich schlicht unbegleitet auf der Straße sehen ließen(Frauen)?
    Vielleicht wird es aber wieder so, wenn die Friedensbewegung ihre Plakate erleichtert einmottet, weil die Truppen abziehen.
    Die oft beklagten zivilen Opfer in diesem Krieg haben vor allem die Taliban zu verantworten, und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit dem Mist, die verteidigten nur ihr Land!
    Selbst die Tragödie von Kunduz wurde nach allem was man hört in Afghanistan vielleicht gleichermaßen beweint aber weniger skandalisiert als in D.
    Was womöglich an der in Friedenskreisen gerne ignorierten Tatsache liegt, daß in Afghanistan nicht seit 12, sondern seit mehr als 30 Jahren Krieg herrscht.

    Daß der Krieg im Irak begonnen wurde, anstatt in Afghanistan die Aufbruchstimmung nach der Vertreibung der Taliban zu nutzen, um die Entwicklung forcierter voran zu treiben, halte ich auch für einen Fehler.
    Zu behaupten, es wäre jetzt übler dort als vor dem Krieg, aber auch.
    Zwar hat man im Irak keine Chemiewaffen mehr gefunden, dafür aber jede Menge Menschen mit abgeschnittenen Ohren, Nasen, Zungen und gebrochenem Rückgrat. Und selbst als Gegner der Todesstrafe kann ich mich einfach nicht dazu durchringen, den Tod von „Chemical-Ali“ zu bedauern, der in den 80er Jahren – übrigens völlig ignoriert von der Friedensbewegung – tausende Kurden im Norden des Irak mit Giftgas auslöschen ließ.
    Interssant auch, daß sich die Mehrheit der Exil-Iraker für die Intervention aussprachen.
    Nun könnte man einwenden, die mußten auch nix von den Bomben der Amis fürchten.
    Die Argumentation hat nur einen Haken: Die Friedensfreunde in D mußten auch nix von den Schergen Saddams befürchten…

    Zu fragen wäre auch, warum die Friedensbewegung konsequent ausblendet, daß es durchaus gelungene Beispiele für millitärische Interventionen gibt.
    Den Sieg über das Dritte Reich lassen wir mal aus hier, das verzeihen die Deutschen den Amis sowieso nie.
    Kambodscha erwähnte ich schon. Ja, die Khmer Rouge wurden erst durch eine millitärische Intervention daran gehindert, weiter ihr Volk auf den Killing Fields zu massakrieren. Proteste blieben wahrscheinlich deshalb aus, weil es die Vietnamesen waren, was an der Tasache an sich allerdings nix ändert.
    Und auch der Friedensbewegung könnte gelegentlich mal auffallen, daß der Krieg in Ex-Jugoslawien erst durch die Intervention der Nato beendet wurde. Richtig ist: Die Feindseligkeiten sind nicht beendet, aber niemand muß mehr Angst haben, auf dem Wochenmarkt von einer Bombe zerrissen zu werden, wenn man nicht schon auf dem weg dorthin von einem Heckenschützen erwischt wurde. Es ist anzunehmen, daß die Bewohner in Bosnien und Kosovo diesen marginalen Unterschied durchaus zu schätzen wissen.

    Das Völkerrecht und die UN sind gewiß zivilisatorische Fortschritte – allerdings blockiert sich letztere im Moment regelmäßig selbst, vor allem, weil China und Rußland mit dem Völkerrecht nicht allzuviel am Hut haben.
    Was man übrigens auch am Konflikt in Darfur besichtigen kann. Daß es dabei um Öl geht, scheint niemanden zu stören, so lange das Öl an China geht…
    Da aber das Völkerrecht durchaus die Vorstellung einschließt, daß ein Diktator nicht nach Belieben sein eigenes Volk massakrieren darf, was durch die Resolution R2P (Responsobility to Protect) im Prinzip auch durch die UNO abgesegnet ist, aber eben nur im Prinzip, darf man durchaus abwägen, obs auch mal ohne die UNO geht.

    Und wer es sich vor dem Bildschirm wirklich gemütlich macht, ist auch noch nicht so ganz raus. Glotzend Chips zu futtern, während Bilder von im Giftnebel erstickten Kindern über den Schirm flimmern und sich bedauernd aber selbstgerecht zu versichern, daß man halt nix machen kann, weil man ja Pazifist ist, ist vielleicht weniger moralisch, als die Liebhaber von Ballerspielen.
    Die nehmen nämlich nur virtuelle Tote in Kauf.

  • #53
    Puck

    @Arnold Voß #18

    Ich habe den Verdacht, daß genau diese Haltung, sich immer wieder neu zu erfinden und so die eigenen Ideale zu regenerieren, „die Amis“ in D ganz besonders unbeliebt macht.
    Bekanntlich heißt deutsch sein, eine Sache „um ihre selbst willen“ zu tun.
    Und Umdenken wird in D seit 1000 Jahren als „Umfallen“ diffamiert.

  • #54
    Puck

    @Ulf #25

    Zitat: (…)Wer glaubt, dass Menschen aus der Geschichte lernen, wird hier eines Besseren belehrt.(…) Zitat Ende

    Ist Ihnen mal der Gedanke gekommen, daß Lernen aus der Geschichte auch bedeuten kann, nicht mehr zuzulassen, daß ein Diktator massenweise Menschen wie Ungeziefer mit Giftgas beseitigt? Bzw., daß ein Diktator, der solches tut, vielleicht nur mit millitärischen Mitteln davon abgehalten werden kann?

    „Nie wieder Krieg“ ist eine schöne Parole und Pazifismus eine feine Sache.
    Die Kunst ist nur, Pazifismus und das gemütliche Ausruhen auf Prinzipien voneinander zu unterscheiden.

  • #55
    Arnold Voss

    @ Freiheitsliebender

    Ihre Wünsche interessieren Assad einen Scheisdreck.Wenn er an einer demokratischen Lösung interessiert wäre, dann hätter er mit der Opposition verhandelt anstatt sie zu massakrieren. Werden sie endlich wach und nehmen sie die Realität zur Kenntnis!

  • #56
    Arnold Voss

    @ Nuup #50

    Und wieso durften dann die UN-Inspektoren nicht sofort zum Tatort? Warum hat Assad den Besuch vor Ort so lange verzögert? Wohlmöglich um die Spuren zu den Tätern verwischen zu können?

    Assad hat von Anfang an vor keiner Brutalität zurückgeschreckt. Könnte es nicht sein, dass er kühl einkalkuliert hat, dass ihm auf der Siegerstraße eben keiner eine solche Tat zutraut, bzw. für sinnvoll nachvollziehbar erachtet?

  • #57
    Arnold Voss

    @ Puck # 53

    Vielleicht ist ja der aktuelle mehrheitsdeutsche Wunsch nach dem totalen Frieden nur die Kehrseite des vergangenen mehrheitsdeutschen Wunsches nach dem totalen Krieg.

  • #58
    Rudy

    aha krieg als beschäftigungstherapie kauft euch ne spielkonsole da richten eure gedanken weit weniger schaden an.
    darf ich die herren kriegstreiber fragen wo mann morgen gedenkt den peacemaker rauszuholen, an anderen orten der welt passieren ebenfalls furchtbare dinge auf los hin und da den peacemaker rausholen.
    wie wäre es für die herren kriegstreiber sich einmal um die verstrahlten und entstellten säuglinge eurer friedensbotschaften und demokratie von oben der vergangenheit zu kümmern oder trink doch einfach mal nen tomatensaft ist so richtig schön blutigrot…

    wie war das „sollte jemals ein deutscher soldat jemals eine waffe in die hand nehmen so möge ihm die hand abfallen“ franz josef strauss

    ihr mokiert euch hier über eine bewegung von menschen die in frieden und freundschaft mit ihren nachbarn leden will negiert deren namen zieht das herunter bis ins lächerliche ohne diese menschen könntet ihr nicht in ganz europa blicken lassen.

    ihr wollt die zukunft sein tolle zukunft tolle persektive

    “ Kieg ist die Kapitulation des Verstandes “ Shin zu

    geht und kauft euch ne spielkonsole oder am besten geht ganz und verschont uns mit eurer vorbehaltlosen haltung

  • #59
    GrabowskiKarlheinz

    Mein lieber Herr Gesangsverein. Hier wird ja wieder mal massiv die Hitlerkeule im Rahmen eines Selbstgespräches geschwungen. Ist das die letzte Waffe, welche der USA gegen die Meinung der deutschen Zivilbevölkerung zur Verfügung steht?

  • #60
    Besorgter

    Selten so viel Blödsinn auf einmal lesen müssen (incl. Kommentare)! Dies ist wirklich widerliches Stammtischniveau von Leuten (incl. dem Autor) mit null Geschichtswissen und aktuellen Fakten, welches nicht einmal als Halbwissen durchgehen kann.
    Zum Giftgas: In der Türkei wurden Terroristen (al Nursa wenn ich mich richtig erinnere) mit 2 kg Sarin verhaftet. Carla del Ponte von der Uno Sonderkommision legte Nahe, dass es derzeit eher so aussieht als wäre die Opposition Syriens verantwortlich. Rußland hat wohl Satelitten-Aufnahmen die zeigen wie 2 Rakten aus einem Rebellen besetzten Gebiet in dem Bereich einschlagen wo die Sarin-Opfer starben. Es gibt weitere Indizen wenn man versucht die Wahrheit zu finden. Des Weiteren würde Assad am wenigsten davon profitieren, die von Obama gesetzte rote Linie, zu überschreiten. Assad hatte derzeit auch die Oberhand über die Lage in Syrien… ein weiterer Grund kein Gas einzusetzen. Der Einsatz von Gas in dem vorhandenen Umfang bringt Assad keinen Vorteil, schon gar nicht, wie geschehen, in einem von Assad kontrolierten Gebiet. Des Weiteren wollen auf einmal die USA und GB nicht mehr die Ermittlungen der UN Inspektoren abwarten, wahrscheinlich weil ihnen das Ergebnis nicht gefallen würde.
    „Und wieso durften dann die UN-Inspektoren nicht sofort zum Tatort? Warum hat Assad den Besuch vor Ort so lange verzögert?“
    Vielleicht auch weil er kein Vertrauen in die Objektivität der Inspektoren hatte? Wer kann es ihm verdenken?

    Hier wird auch geschrieben, dass nach dem Irak Krieg kein Diktator mehr da war der Gasangriffe führen kann. Ist euch eigentlich klar, dass Hussein das Know How und die Mittel für C-Waffen von den USA bekam und er mit deren Duldung Krieg im Umland führen durfte? Erst als er nicht mehr so wollte wie die USA und größenwahnsinnig wurde, bekam er Ärger. Des Weiteren hatte auch Bush Senior noch eine verpatze Chance auszubüglen. Mit Libyen war es nicht anderes, keine Regierung hatte sich an seinem Gewaltregime gestört, solange er das macht was der Westen will. Es gibt Bilder mit jedem westlichen Regierungsvertreter, wo sie freundlich lachen und ihm in den Arsch kriechen. Aber als er vor hatte seinen Ölhandel nicht mehr in Dollar abzuwickeln, oha, da mussten dann wieder die Menschrechte hochgehalten werden und Bomben fallen.

    Manche schreiben hier in Afghanistan wäre es nach dem Krieg besser geworden und kommen mit tollen Aussagen „Mädchen dürfen jetzt in die Schule“. Wer sich mal anhört was Entwicklungshelfer von der Zeit vor dem Krieg zu berichten haben, wird erfahren, dass es dort auch schon Fortschritte gab. Taliban mit denen man reden konnte und es auch zuließen, dass Mädchen in die Schule durften und das ohne Erpressung und Drohungen um Erfolge vorzeigen zu können. Es gab Fortschritte mit dem Vorteil, dass Erkenntnisse und Weiterentwicklung im Verstand gesät wurde. Tjo, und nu, nach dem Krieg? Eine zerbombte Infrastruktur, eine kranke traumatisierte Bevölkerung, radikalisiert durch das erlebte Leid, stark gestiegene Opiumproduktion (bewacht von deutschen Soldaten), durch die USA (Saudi Arabien) finanzierte und weiter ausgebaute Islamisten Netzwerke usw. Und so sieht das auch im Irak und Suddan aus.

    Wisst ihr eigentlich, dass bei den, so genannten, präzises Bombardements 90% Kollateralschaden sind? Ist euch eigentlich klar wieviel Millionen unschuldiger Menschen durch die Kriege der letzten 12 Jahre gestorben sind, vom Leid ganz zu schweigen? Wisst ihr egentlich, dass die USA im Irak Krieg so viel Uran-Monition (auch das verbotene stark strahlende Uran) verschossen hat, dass jetzt Zehntausende krank sind?

    Was redet ihr hier eigentlich für eine gequirlte Scheisse? – In Richtung: die USA machen das weil der böse Assad aufgehlten werden muss –

    Es geht um Öl und Pipelines, das Verhindern eines Erstarken des Nahen Ostens, Förderung des desolaten Zustandes, Förderung der Islamisten/Salafisten/Muslimbrüder, Scheindemokratien mit von den USA installierten extremistischen, bestechlichen Machthabern. Nix Menschenrechte, nix Demokratie, nix heile Welt.

    Habt ihr eigentlich von überhaupt etwas einen Plan?

  • #61
    Puck

    @Arnold Voß #57

    Da könnten Sie recht haben. Vor allem ist für beides keine aufwendige Denkarbeit nötig, sondern lediglich der kommode Rückgriff auf irgendwann eingelagerte Denkkonserven.

    Das ist kein Pazifismus, das ist nur das bequeme Verharren in der lieb gewonnenen deutschen „Sonderrolle“.

  • #62
    Puck

    @Besorger #60

    Ich suche mir aus Ihrer Suada jetzt nur mal den größten Blödsinn raus:

    (…)Rußland hat wohl Satelitten-Aufnahmen die zeigen wie 2 Rakten aus einem Rebellen besetzten Gebiet in dem Bereich einschlagen wo die Sarin-Opfer starben(…)

    Hm. Diese „lupenreinen Demokraten“ haben auch radioaktive Substanzen, die sie Regimegegnern in London in den Sundowner mixen und verbreiten via Russia TV Verschwörungstheorien über 9/11.

    (…)Des Weiteren würde Assad am wenigsten davon profitieren, die von Obama gesetzte rote Linie, zu überschreiten.(…)

    Assad schert sich einen Dreck um irgendwelche roten Linien Obamas, so lange er Rückendeckung aus Moskau hat.

    (…)Ist euch eigentlich klar, dass Hussein das Know How und die Mittel für C-Waffen von den USA bekam und er mit deren Duldung Krieg im Umland führen durfte? Erst als er nicht mehr so wollte wie die USA und größenwahnsinnig wurde, bekam er Ärger.(…)

    Ja, das ist wirklich skandalös, daß man einem Größenwahnsinnigen Ärger macht.
    Oder anders gefragt: Wenn man einen Fehler gemacht hat, und einen Größenwahnsinnigen unterstützt hat, muß man dann nach Erkennen dieses Fehlers weiter machen, oder ist es klüger, die Reißleine zu ziehen?
    Die Frage ist zugegebenermaßen eher theoretisch, weil ich den Irak-Krieg tatsächlich von Anfang an für einen Fehler gehalten habe (wenn auch aus anderen Gründen), aber nicht so ganz reizlos.

    Und so ganz nebenbei: Die Zutaten für den Mix, mit dem die Kurden in Halbscha vergast wurden, kamen aus Deutschland.

    (…)Mit Libyen war es nicht anderes, keine Regierung hatte sich an seinem Gewaltregime gestört, solange er das macht was der Westen will. Es gibt Bilder mit jedem westlichen Regierungsvertreter, wo sie freundlich lachen und ihm in den Arsch kriechen. Aber als er vor hatte seinen Ölhandel nicht mehr in Dollar abzuwickeln, oha, da mussten dann wieder die Menschrechte hochgehalten werden und Bomben fallen.(…)

    Nein, das erinnern Sie falsch. Also nicht das mit dem Arschkriechen, aber da verweise ich auf meine Ausführungen zum Arschkriechen bei Hussein, ein einmal gemachter FEhler…
    Gaddafi hatte angedroht, seine Gegner „wie Ratten zu vernichten“, und wenn jemand vom Schlage Gaddafis so etwas androht, dann kann man davon ausgehen, daß er das auch tun wird, Tschuldigung, aber das lehrt die rudimentärste Kenntnis der Geschichte. Zur Information empfehle ich Ihnen Recherchen über den Völkermord an den Armeniern 1915, den Holocaust, das Regime der Khmer Rouge, den Bosnien-Krieg, den Völkermord in Ruanda, sämtlich Völkermorde mit Ansage, und zwar einer Ansage, die dann auch eingehalten wurde.

    (…)Tjo, und nu, nach dem Krieg? Eine zerbombte Infrastruktur, eine kranke traumatisierte Bevölkerung, radikalisiert durch das erlebte Leid, stark gestiegene Opiumproduktion (bewacht von deutschen Soldaten), durch die USA (Saudi Arabien) finanzierte und weiter ausgebaute Islamisten Netzwerke usw. Und so sieht das auch im Irak und Suddan aus.(…)

    Die Infrastruktur in Afghanistan wurde durch 30 Jahre Krieg zerstört, und was davon noch übrig war, durch die Taliban. Der Wiederaufbau der Infrastruktur in Afghanistan ist eins der wenigen Projekte, die tatsächlich gelungen sind. Die Bevölkerung in Afghanistan hat gewiß mehr als genug Leid durchleben müssen, aber was sie am allerwenigsten zurück haben wollen, ist die Herrschaft der Taliban und die NGOs, die sich um den Aufbau einer funktionierenden Zivilgesellschaft bemühen, sind sich nach meiner Information ziemlich einig darin, daß die wirklichen Probleme anfangen, wenn die Interventionstruppen abziehen und die Taliban womöglich wieder die Oberhand gewinnen.
    Und im „Suddan“ sieht es so aus, daß Bashir seit 15 Jahren einen Völkermord in Darfur verübt und China in der UNO jede noch so zahme Resolution verhindert.

    (…)nix Demokratie, nix heile Welt(…)

    Demokratie ist keine heile Welt. Das ist der Irrtum der Romantiker. Und mit Romantikern meine ich nícht Maler stimmungsvoll-dekorativer Bilder oder Komponisten verträumter Klavierkonzerte. Ich meine seit 200 Jahren aktive konsequente Aufklärungsgegner, die Vernunft zum Feind der GEmütlichkeit erklärt haben – und im Endeffekt Pragmatismus mit „Realpolitik“ verwechseln, übrigens einer der wenigen deutschen Begriffe, der es in den englischen Sprachraum geschafft haben, aber ähnlich wie „Blitzkrieg“ und „Bratwurstfinger“ nicht zur Ehre der deutschen Sprache, „Realpolitik“ meint international vielmehr das Wegducken vor Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen zugunsten wirtschaftlicher Vorteile.
    Das ist komischerweise exakt das, was Romantiker mit Vorliebe den USA vorwerfen.
    Der Psychologe nennt das „Projektion“.

  • #63
    Arnold Voss

    @ Puck

    Ja so ist es. Sie können es hier immer wieder lesen. Friedensapostel mit Schaum vorm Mund. Als wäre Irgendjemand der Meinung, dass ein Eingriff in Syrien eine einfach Sache sei, geschweige denn, dass man daran Spaß haben könnte.

    Die Geschichte wird so interpretiert wie es in ihre Ideologie passt. Die Opfer des Nichteingreifens fallen dabei einfach hinten runter. Dabei hätte eine von Anfang an entschlossene Unterstützung der Opposition in Syrien dazu geführt, dass die Lage jetzt nicht so verfahren ist wie sie ist.

    Kein Wort darüber das China und Russland jede Art der Demokratisierung im Nahen Osten zu verhindern versuchen und an einem Schutz der Zivilbevölkerung einen Scheißdreck interessiert sind. Kein Wort zum Iran. Dafür über Taliban mit denen man reden kann. Und natürlich haben alle anderen von Geschichte keine Ahnung. Menschenrechte? Nicht mal der Erwähnung wert.

    Es lohnt die Tinte nicht, darauf zu antworten.

  • #64
    Karsten

    Ich versuche mal, den Syrienkonflik (oder Krieg) geostrategisch etwas einzuordnen, damit wir vielleicht mal nicht weiter nur über Nebenkriegsschauplätze diskutieren:

    In Syrien gibt es derzeit grob vier verschiedene ideologische Gruppen. Auf der einen Seite Assad, ein diktatorischer Islamist, der nach außen auf weltlich macht. Auf der anderen Seite die Opposition, darunter (leider recht wenige) emanzipatorische Demokrat*innen, dann „gemäßigte“ Islamisten und faschistische Islamisten (hauptsächlich al-Qaida). Die Kräfteverhältnisse verschieben sich derzeit leider immer mehr in Richtung al-Qaida.

    Wer sind die Verbündeten? Assads Verbündete sind einmal das antisemitische Regime im Iran, die islamistische (und ebenfalls antisemitische) Hizbollah im Libanon und die antisemitische Hamas. Assad wird außerdem (noch) von Russland und China protegiert.

    Wer sind die Feinde? Das sind einmal das islamistische Königshaus in Saudi-Arabien, Pakistan (Atommacht und Rückzugsgebiet von al-Qaida), die Arabischen Emirate, die Taliban in Afghanistan und in Pakistan. Insbesondere Saudi-Arabien wird derweil von der gesamten westlichen Welt als Gegenpol zum Iran unterstützt. Z.B. durch Waffenlieferungen aus Deutschland.

    Die möglichen Folgen eines Eingreifens des Westens:
    Wenn alles gut geht, ist Assad geschwächt und beginnt zu verhandeln, dies könnte dann wirklich zum Ende des Blutvergießens führen. Oder die Opposition gewinnt so an Stärke, dass Assad gestürzt wird. Was passiert dann? Entweder übernehmen gemäßigte Islamisten die Kontrolle oder eben al-Qaida. Dann bricht das Land völlig zusammen und die vielen Waffen fallen in die Hände von faschistischen, unberechenbaren Islamisten.

    Wenn Assad hingegen nicht geschwächt wird, könnte er Vergeltung an Israel üben und zwar aus Syrien, als auch aus dem Libanon heraus. Israel würde sich logischerweise wehren und wir hätten einen neuen Krieg zwischen Israel und Syrien/Hizbollah/Hamas. Da Syrien über eine gewaltige Armee verfügt, könnte dies ein langer Krieg werden.

    Die möglichen Folgen eines Nicht-Eingreifens des Westens:
    Assad gewinnt weiter an Boden und tötet noch mehr Oppositionelle. Bis irgendwann Assad wieder die völlige Macht in Syrien hat. Die Diktatur würde weiter regieren. Israel wäre weiter bedroht, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass Assad nach einem so hart errungenen Sieg direkt einen Krieg mit Israel beginnen würde. Wahrscheinlich würde nach einiger Zeit sogar Ruhe einkehren. Gleichzeitig würden weiterhin viele Menschen in Geheimgefängnissen sterben.

    Gibt es eine dritte Möglichkeit?
    Meiner Meinung nach Ja. Als erstes muss die humanitäre Katastrophe bekämpft werden. Westliche Hilfsorganisationen müssen Lebensmittel und Medikamente liefern, am besten mit einem UN-Mandat (da können auch Russland und China wohl nicht Nein sagen). Außerdem müssen die vielen Flüchtlinge unterstützt werden, gerade im Libanon. Etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung Libanons sind angeblich schon syrische Flüchtlinge. Auch die westlichen Länder müssen endlich alle syrischen Flüchtlinge aufnehmen, die es bis nach Europa schaffen (und nicht 5.000 Christen, wie es Friedrich angekündigt hat).
    Ein weiterer Schritt könnte die gezielte Unterstützung der gemäßigten oppositionellen Kräfte sein. Über die Türkei und Jordanien könnte der Westen infrastrukturell und ggf. auch mit Waffen unterstützen. Auch, wenn es häufig mehr Schaden als Nutzen gebracht hat, könnten sogar westliche Söldner*innen der syrischen Opposition von diesen Stützpunkten aus helfen. So könnte sowohl Assad, als auch al-Qaida geschwächt werden. Die Türkei oder Jordanien anzugreifen, würde sich Assad niemals trauen. Danach könnte ggf. eine Flugverbotszone möglich sein (wenn Russland und China mitspielen). Ich denke aber, dieser dritte Weg, wäre möglich und sollte zumindest versucht werden, bevor einfach bombadiert wird.

  • #65
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Karsten: Assad ist alles, aber kein Islamist. Assad ist Alevit, die Aleviten sind das Gegenteil radikaler Muslime. Assad ist einfach ein korrupter Clanchef und Diktator, der mit jedem zusammenarbeitet, der ihm nutzt. Seine Partei ist die Baath-Partei, die ist säkular, autoritär und nationalistisch.

  • #66
  • #67
    Puck

    @Arnold Voß #63

    Hier geht das doch noch mit den Kommentaren!
    Ich versuche jetzt mal, einen Artikel aus der Taz samt Kommentaren zu verlinken:
    http://www.taz.de/Debatte-Syrien/!122721/
    Soviel Besserwisserei war selten…

    Das schlimmste ist aber, daß grundsätzlich immer so lange abgewartet wird, bis der maximale Schaden erreicht ist, der im schlimmsten Fall dazu führt, daß die Lage tatsächlich so verfahren ist, daß kaum noch eine Handlungsoption offen ist.
    Ich erinnere da mal an die unseelige Entscheidung, nach dem Völkermord in Ruanda die Genocidaires in den Kongo ziehen zu lassen – mitsamt Waffen. Eine Entwaffnung dieser Verbrecher wäre nicht ganz ohne Risiko gewesen – aber die Katastrophe, die seit 15 Jahren den Kongo heimsucht, wäre so vermutlich nicht abgelaufen.

  • #68
    Puck

    Ergänzung zu #67
    Das Beste wäre natürlich gewesen, man hätte den erst gar nicht Völkermord nicht zugelassen.
    Aber die Weltöffentlichkeit mußte ja 3 Monate quizzen, ob es wirklich ein Völkermord war oder nur völkermordähnliche Massaker, der letzte Beweis fehlte halt noch.
    Den hatte man dann nach 3 Monaten.
    800.000 Tote wren halt nicht mehr zu übersehen.

  • #69
    Arnold Voss

    @ Karsten

    Interessante Analyse. Habe von all den selbsternannten Experten kaum etwas Besseres gelesen. Danke.

  • #70
    Arnold Voss

    @ Puck # 68

    Das ist genau die Strategie der prinzipiellen Nichteinmischer. Man verschafft sich durch sein Nichteingreifen genau die Argumente die man braucht um am Ende Recht behalten zu können.

    Was aber wäre gewesen, wenn statt Russland und China die USA Assad ohne jede Rücksicht auf die Zivilbevölkerung gestützt hätte, bzw. jetzt noch stützen würde? Ich gehe davon aus, dass viele von denen die jetzt vom Völkerrecht reden dann die USA dafür verantwortlich machen würden, dass durch ihr Veto kein Uno-Mandat entsteht, spich die USA die Durchsetzung des Völkerrechts zu Gunsten der leidenden Bevölkerung verhindert. Und natürlich wäre ganz klar, dass der Giftgasangriff nicht nur von Assad ausginge sondern von den USA geduldet, wenn nicht sogar unterstützt worden wäre.

    Das ist schon alles ein verdammt verlogenes Spiel was da auf Kosten der Opfer der Nichteinmischung zur Zeit gespielt wird.

  • #71
  • #72
    Puck

    @Arnold Voß #70

    Sehr apart finde ich auch immer das Argument, durch ein Eingreifen würde die Situation „noch schlimmer“, da würde „nur die Zivilbevölkerung leiden“.
    Das sagte man zu Kambodscha, zu Jugoslawien, Afghanistan und jetzt kommt das Argument wieder im Falle Syrien.
    Bisher konnte mir nur keiner erklären, wie ich mir dieses „noch schlimmer“ genau vorzustellen habe.

    Seit dem Krieg in Jugoslawien kann ich über die Friedensbewegung nur noch den Kopf schütteln. Da werden im TV Bilder gezeigt von Konzentrationslagern, Sarajewo ist unter Dauerbeschuß von den umliegenden Bergen aus, Massaker an der Zivilbevölkerung werden verübt, und die Friedensbewegung schweigt – so lange bis sich die Nato endlich entschließt, dem ein Ende zu setzen.
    Und das wird auch noch begründet mit der besonderen deutschen Geschichte!
    Als wenn die deutsche Geschichte nicht lehrt, daß es Situationen gibt, in denen man mit gutem Zureden und Diplomatie nicht weiter kommt.

    Statt dessen wird Frau Käßmann als mutige Querdenkerin beklatscht, wenn sie mutig den Leuten nach dem Mund redet und sich auch noch zu der Behauptung versteigt, selbst Hitler hätte man ohne Krieg loswerden können (geäußert nicht nur so unbedacht in einer Talk-Show, sondern sie hat das später ausdrücklich bestätigt).
    Ja, da wurde dem friedliebenden Führer wohl der Krieg aufgezwungen, oder was?
    DAs nennt man wohl „Bewältigung der Geschichte“.
    Bewältigung bis zur Unkenntlichkeit.

    Ich komme immer mehr zu der ungemütlichen Erkenntnis, daß in D weite Kreise der Bevölkerung lediglich gelernt hat, eine Haltung zur NS-Zeit einzunehmen, die sich aber darin erschöpft, an bestimmten Gedenktagen Kränze für die Opfer abzulegen und „nie wieder“ zu deklamieren.
    Die Erkenntnis, daß es für dieses „nie wieder“ nicht ausreicht, irgendwie gegen Krieg zu sein, weil Krieg irgendwie echt Scheiße ist, hat sich wohl noch nicht durchgesetzt.

  • #73
    Arnold Voss

    Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen. In Wahrheit sind dieser Gruppe die Opfer ihrer Art des Pazifismus scheißegal. Dazu passt das immer wieder vorgetragene Argument, dass man entweder in allen Fällen einschreiten müsste oder in keinem. Da das erstere natürlich nicht geht, bleibt nur das generelle Heraushalten übrig.

    Es gibt kaum eine mitleidlosere Haltung, wobei Mitleid natürlich nicht das einzige Kriterium für einen militärischen Eingriff sein kann. Es ist so, dass auch das Eingreifen Opfer kostet, deren Zahl sehr wohl größer sein können, als die des Nichteingreifens. Aber es gibt einen Grad der Brutalität gegen unschuldige Menschen in dem selbst diese Abwägung nicht mehr gelten kann.

    In dem auch dann was getan werden muss wenn das Risiko des Scheiterns gegeben ist. Wo die demokratisch verfasste Welt einfach nicht mehr zuschauen darf, wenn sie nicht jede Art von humanitären Anspruch verlieren will. Erst recht nicht wenn es sich dabei um diktatorische Regime handelt, in denen es keine Chance zur inneren Veränderung gibt.

    Das auch ein solcher Schritt abgewogen und wenn irgendwie möglich demokratisch entschieden werden sollte ändert nichts an der Tatsache, dass er in einer so brutalen Welt wie der heutigen notwendig werden kann. Dass dann der (auch jetzt auch wieder beschworene) Ausstieg aus der Kriegslogik nicht möglich ist, bzw. eben nicht dazu führt, dass diese dadurch beendet würde.

    Im Gegenteil, er spornt die weiter an die sie ohne jede Rücksicht verfolgen, ja er läd sie geradezu ein ihre Greuel noch weiter zu steigern. Gerade den Deutschen müsste diese Art der Kriegsführung gut bekannt sein. Gerade sie müssten gegenüber solchen Kriegsherren eine besondere Aversion, zumindest aber eine überdurchschnittliche Aufmerksamkeit zeigen.

  • #74
    68er

    @ Karsten und Stefan Laurin

    „Assad ist alles, aber kein Islamist. Assad ist Alevit, die Aleviten sind das Gegenteil radikaler Muslime.“

    Ich will diese hochkompetente Diskussion nicht stören, möchte jedoch kurz darauf hinweisen, dass Herr Assad weder Islamist noch Alevit ist sondern Alawit.

    Hier beim standart.at wird das etwas näher erläutert:

    http://derstandard.at/1311802788208/Neu-Gudrun-Harrer—Analysen-Alawiten-sind-keine-Aleviten

  • #75
    Puck

    @Arnold Voß #73

    Sehr Aufschlußreich fand ich in dem Zusammenhang das Buch „Zivilisierung des Krieges“ von Micheal Ignatieff.

    Er stellt fest:
    daß eine millitärische Intervention immer das letzte Mittel sein soll.
    Daß man nicht bei allen Konflikten intervenieren kann.

    Eingreifen muß man auf jeden Fall bei Völkermord, und zwar sofort.

    Eingreifen sollte man, wenn in einem Bürgerkrieg eine Patt-Situation zwischen den Kriegsparteien besteht, so daß sich ein Krieg endlos hinziehen kann, bis er schließlich nach Jahren ausblutet.

    Ist in einem Bürgerkrieg eine Seite deutlich überlegen, ist es besser, den Dingen ihren Lauf lassen und versuchen, so gut es geht mit der siegreichen Partei klar zu kommen bzw. diese in Richtung Demokratie und Menscherechte zu beeinflussen.
    Handelt es sich bei der stärkerein Partei allerdings um Zeitgenossen wie die Taliban oder Khmer Rouge, gilt diese Option natürlich nicht.

    Micheal Ingatieff ist als Kanadier Bürger eines Landes, dessen Außenpolitik wohl niemand als aggressiv bezeichen würde, das aber bis 1989 für jede UN-Blauhelm-Mission Kontingente gestellt hat, das waren über 40, und die gezielte Vorbereitung für derartige Einsätze ist Bestandteil der Ausbildung in der Armee.

    Nun muß man dazu fest stellen, daß die „klassischen“ UN-Blauhelmeinsätze rar geworden sind, weil die Konflikte nach Ende des Kalten Krieges unübersichtlicher geworden sind. Da gibt es nicht mehr Partei A, unterstützt vom Westen, und Partei B, unterstützt vom Osten, sondern Splittergruppen, die oftmals (wie im Kongo) in wechselseitigen Koalitionen alle gegen alle kämpfen, bzw. es hat eine Radikalisierung statt gefunden, die dazu geführt hat, daß noch nicht einmal Organisationen wie das Rote Kreuz oder Arzte ohne Grenzen respektiert werden, geschweige denn Friedenstruppen der UNO.
    Es macht die Sache nicht einfacher, daß genau zu diesem kritischen Zeitpunkt die bequeme „Sonderrolle“ plötzlich perdu war und die ersten Auslandseinsätze anstanden.
    Auch ist von der Politik nicht gerade viel unternommen worden, diese Einsätze zu erklären. Es reicht ja nicht, ständig zu wiederholen, daß „Deutschlands Freiheit auch am Hindukusch verteidigt wird“. An dem Satz hat warhrscheinlich ein Redenschreiber 2 Wochen lang gefeilt und man fand es schade, ihn nur einmal zu benutzen, aber ein bißchen differenzierter hätte man die Situation schon darstellen können.
    Ob das was genützt hätte, weiß ich natürlich auch nicht. Gibt ja eine Menge Zeitgenossen in D, die mehr oder minder unverblümt der Meinung sind, das mit 9/11 wäre den Amis ganz recht geschehen, bwz. noch immer glauben, der Anschlag wäre in Wirklichkeit von den 6000 Juden begangen worden, die angeblich an dem Tag Urlaub genommen hatten oder so ähnlich…

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