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Tag der Deutschen Einheit: Erinnerungen an eine Reise ins Ausland ohne Wiederkehr

Herleshausen im Jahre 1985. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Der heutige ‚Tag der Deutschen Einheit‘ erinnert mich persönlich einmal mehr an ein Kuriosum, das sich im Jahre 1990 in meinem Leben ereignete. Denn damals fuhr ich tatsächlich ins Ausland, kehrte von dort allerdings bis heute offiziell nie wieder zurück.

Wie geht das? Der BVB bestritt seinerzeit ein UEFA-Cup-Spiel beim FC Chemnitz. Am Abend des 02. Oktober 1990 kam es im ehemaligen Karls-Marx-Stadt zum mit Spannung erwarteten Kräftemessen der Teams aus Ost und West. Es sollte rückblickend das letzte deutsch-deutsche Duell im Europapokal sein. Und ich wollte live vor Ort mit dabei sein, fuhr als damals 19-Jähriger zusammen mit meiner Familie extra deshalb in die sich seinerzeit akut in Auflösung befindliche DDR.

Im Ernst-Thälmann-Sportforum zu Chemnitz verfolgten damals letztendlich knapp 12.000 Zuschauer, darunter rund 2000 BVB-Fans, den 2:0-Erfolg der Schwarz-Gelben beim damaligen DDR-Vertreter. Thomas Helmer (24.) und Michael Rummenigge (50.) erzielten die Treffer zum letztendlich ungefährdeten Auswärts-Erfolg der Gäste aus dem Ruhrgebiet.

In der Startformation des BVB standen damals noch Spieler wie Wolfgang de Beer, Thomas Helmer, Sergej Gorlukowitsch, Michael Schulz, Michael Lusch, Michael Zorc, Michael Rummenigge, Murdo MacLeod, Flemming Povlsen sowie Frank Mill. Eingewechselt wurden Thomas Franck und BVB-Legende Günter Kutowski. Mit dem hochtalentierten Kader heutiger Zeiten hatte die damalige ‚Malochertruppe‘ aus Dortmund also herzlich wenig gemeinsam.

Als weniger schön empfanden wir damals die Tatsache, dass ein paar Krawallschläger aus Chemnitz mit Knüppeln bewaffnet in unseren Block stürmten und dabei wild um sich schlugen. Nur knapp entging ich mit meinen Eltern, brav auf unseren Plätzen sitzend, damals einer ordentlichen Tracht Prügel. Ein Erlebnis über das wir familienintern auch in den Jahren danach noch häufiger sprachen.

Doch als wirklich besonders ist mir dieser Abend bis heute vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil wir von unserer damaligen Fahrt in die DDR eigentlich streng genommen nicht mehr zurückkehrten. Und deshalb muss ich auch am heutigen ‚Tag der Deutschen Einheit‘ wieder mit einem Lächeln im Gesicht an diesen Tag, vor inzwischen 29 Jahren, zurückdenken.

Die Rückfahrt mit dem PKW nach Nordrhein-Westfalen begann für uns nämlich am 02. Oktober 1990 nach dem Fußballspiel in Chemnitz erst so spät, dass wir den damaligen Grenzübergang in Herleshausen erst ein paar Minuten nach Mitternacht wieder passierten, also zu einem Zeitpunkt als es die innerdeutsche Grenze offiziell schon gar nicht mehr gab.

Dort brannten seinerzeit um kurz nach Mitternacht einige schon von Weitem sichtbare, große Lagerfeuer. Vermeintlich geschäftstüchtige Zeitgenossen hatten dort zudem Bier- und Grillstände aufgebaut um die historisch bedeutsame Wiedervereinigung Deutschlands direkt am ehemaligen Grenzposten groß zu feiern.

Ihre Taktik ging allerdings nicht so recht auf. Kaum jemand hielt dort an. Die große Mehrzahl der zu dieser ungewöhnlichen Zeit Reisenden fuhr rasch vorbei. So auch wir, die wir zu dieser historischen Stunde schon einen langen Tag in der sich auflösenden DDR hinter uns hatten.

Mir war jedoch die Besonderheit dieses Augenblicks auch damals schon bewusst und ich denke am Tag der Deutschen Einheit auch heute noch gerne daran zurück.

Euch allen hier noch einen schönen Feiertag!

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Ein Kommentar zu “Tag der Deutschen Einheit: Erinnerungen an eine Reise ins Ausland ohne Wiederkehr

  • #1
    thomas weigle

    Ich habe drei Tage später die dann schon funktionslose GÜST Herleshausen Richtung Osten passiert. Es war ein irres Gefühl nun eine sog. GÜST ohne Aufenthalt passieren zu können. Ich weiß gar nicht mehr wie oft ich seit 1959 diese immer perfekter ausgebauten Grenzübergangsstellen bis dato immer nur im Transit nach West-Berlin passiert habe.
    . Bis zum Transitabkommen war es auch üblich die Autobahnbenutzungsgebühr in einer Baracke zu entrichten, Gerne wurde man auch in strammen Ton aufgefordert, sich samt Gepäck in eine Kontrollbaracke zu begeben. Gott sei Dank habe ich nie erlebt, wenn die Ampeln auf Rot geschaltet wurden, weil die "Pankower Machthaber" sich mal wieder über die BRD ärgerten, bspw wenn der Bundestag in Berlin tagte. Auch andere bundesweite Treffen in Berlin führten oft zu stundenlangen Wartezeiten. Da zeigte dann das "Phantom",(Kanzler Kiesinger), dass es sehr real war.

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