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(Update) TAZ: 16 dämliche Fragen an Rösler

Foto: FDP Niedersachsen

Foto: FDP Niedersachsen

Die Taz von morgen sorgt schon heute für Empörung. Darin wird die Zeitung Fragen veröffentlichen, die sie FDP-Chef Phillip Rösler gestellt hat. Die Fragen sind eine unglaubliche Entgleisung, die Amadeu-Antonio-Stiftung spricht von „Alltagsrassismus“.

Teil einer Serie, bei der die Taz mit Spitzenpolitikern über „bestimmte Themen“ spricht, sollte es werden. Doch die FDP gab das Interview am Ende nicht frei. Grund genug für Chefredakteurin Ines Pohl, sich zu empören: “Das ist ein grober Bruch der gängigen Spielregeln”, wird sie im Hausblog zitiert.

Doch der eigentliche Skandal ist nicht, dass die Interview-Fragen nun ohne Antworten abgedruckt werden. Es sind die stumpfen Fragen, die immer wieder auf Röslers vermeintliches Andersaussehen abzielen. Die Fragen lauten unter anderem:

Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?“

Sie bekommen immer wieder Hassmails. Weil Sie FDP-Chef sind? Oder weil man Ihnen Ihre nichtdeutschen Wurzeln ansieht?

Warum werden Sie gehasst?

In Niedersachsen, wo Sie herkommen, wurden Sie häufig als “der Chinese” bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass oder Ressentiment?

In Niedersachsen, wo Sie herkommen, wurden Sie häufig als “der Chinese” bezeichnet. Ist das aus Ihrer Sicht Ausdruck von Hass oder Ressentiment?

An Wahlkampfständen scheint das eine andere Rolle zu spielen. Dort bekommen FDP-Mitglieder zu hören: “Ich würde euch wählen, wenn Ihr nicht diesen Chinesen an Eurer Spitze hättet.”

Herr Rösler, zurück zu Ihnen. Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?

Sind Sie als Kind deswegen diskriminiert worden?

Würden Sie sich selbst als Migrant bezeichnen?

Sie waren mit 33 Jahren zum ersten Mal in Vietnam, auf Initiative Ihrer Frau. Warum interessiert Sie persönlich das Land Ihrer leiblichen Eltern nicht?

Sie haben das Bild vom Bambus, der sich im Wind biegt, aber nicht bricht, in die politische Diskussion eingeführt. Was wollten Sie damit ausdrücken?

Als Politprofi dürfte Ihnen klar gewesen sein, dass ein solches Bild von einem asiatisch aussehenden Politiker auf diesen bezogen wird. Das soll keine Rolle spielen, sondern Zufall sein?

Rainer Brüderle hat dieses Sprachbild mehrfach aufgegriffen und gesagt: “Glaubwürdigkeit gewinnt man nicht, indem man wie Bambusrohr hin und her schwingt, sondern steht wie eine Eiche. Deshalb ist die Eiche hier heimisch und nicht das Bambusrohr.” Warum sagt Ihr Fraktionschef so etwas?

Warum waren Sie dann bei der Einlassung von Peer Steinbrücks Pressesprecher Rolf Kleine nicht entspannt? Kleine hat sich mit einem Facebook-Eintrag über Sie lustig gemacht und sie mit einem nordvietnamesischen General in Verbindung gebracht. Daraufhin haben Sie in einem Interview gesagt: “Wer so handelt, muss für sich entscheiden, ob er noch Anstand hat und die richtigen Konsequenzen daraus zieht.

Man muss sich nicht sehr anstrengen, um bei Brüderles Aussage eine ganz ähnliche Konnotation herauszuhören. Dass Sie das eine – zumindest öffentlich – ganz entspannt sehen und das andere als latenten Rassismus kritisieren, lässt sich schwer nachvollziehen.

Was meinen Sie, brauchen wir in Deutschland eine breitere Debatte über Rassismus?

Deutschland braucht vor allem solche grenzdebilen Fragen nicht, die sich die zwei Redakteurinnen auch selbst hätten beantworten können. „Sagen sie doch mal Herr Rösler, wie fühlt sich Hass an? Hä? Hä?! Hä?!!“ Was die Taz als kreatives Krisenmanagement verkaufen wollte, ging glücklicherweise mächtig nach hinten los. Die Amadeu-Antonio-Stiftung spricht auf Facebook von „Alltagsrassismus“, in der Kommentarspalte des Blogs tobt der Shitstorm. Für diese unterirdische Entgleisung wird sich die Taz entschuldigen müssen. Glaubhaft.

Update I: Die TAZ hat sich inzwischen zu der Angelegenheit geäußert. TAZ-Autor Sebastian Heiser schreibt dazu im Hausblog (Auszug):

Diese Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Wir stellen Röslers Eignung nicht wegen seines Aussehens in Frage. Sondern wir sprechen an, dass andere das offenbar so sehen. Das Thema des Interviews sind die rassistischen Diskriminierungen in dieser Gesellschaft. Gleich unsere erste Frage lautet: “Herr Rösler, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht, dass Andere Probleme mit Ihrem asiatischen Aussehen haben?” Im weiteren Verlauf des Interviews geht es um Hassmails, um die Bezeichnung als “der Chinese” und um Rainer Brüderles Vergleich von Bambusrohr und Eiche. Nach meiner Überzeugung ist Rassismus ein Problem in dieser Gesellschaft, über das man offen reden sollte. Und zum Thema Rassismus sollten nicht nur Weiße zu Wort kommen, sondern auch Betroffene.

Zum Vorwürf, wir würden Röslers Aussehen “immer und immer wieder” ansprechen, habe ich unser Archiv durchgesehen. In diesem Jahr haben wir 173 Artikel veröffentlicht, in denen Philipp Rösler auftaucht. In genau fünfeinhalb dieser Artikel wird seine Herkunft erwähnt. (…)

Mein Fazit: Wir erwähnen Röslers Aussehen, wenn es eine gesellschaftliche Debatte darum gibt. Wenn es also von anderen thematisiert wird und es daraufhin Rassismus-Vorwürfe gibt. Genauso wie auch jetzt in dem umstrittenen Interview.

Update II: Mittlerweile gibt es auf Twitter den Hastag #tazfragen, auf dem User nun blöde Fragen an die TAZ stellen.

Update III: TAZ-Chefredakteurin Ines Pohl hat sich eingeschaltet. Auch sie will keinen Fehler erkennen und meint:

„Fakt ist: Rösler hat der taz ein Interview gegeben, dass ihm später im Wahlkampf schädlich zu sein schien.“ (Die ganze Stellungnahme)

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51 Kommentare zu “(Update) TAZ: 16 dämliche Fragen an Rösler

  • #1
    TuxDerPinguin

    ich dachte erst, die sind bekloppt.
    aber wenn es eine Reihe ist, wo man über Spießigkeit mit Roth und Gysi übers Altern redet… naja…
    dann ergeben die Fragen schon mehr Sinn, wenn das Thema „Hass“ ist. Eine Frage hätte völlig gereicht, ob Rösler Rasissmus an eigener Person erlebt hat.

    wobei das Interview Rösler und der FDP sicher nicht geschadet hätte, wenn man mal drüber spricht, dass jeder drittklassige Comedian billige Lacher über „Fipsi“ Brüderles Aussprache oder der FDP im Allgemeinen produzieren will.
    Hätte Sympathie-Punkte gebracht.

  • #2
  • #3
    Feuerrot

    Doch Rösler gab das Interview am Ende nicht frei. versus Die FDP hat das Interview nicht freigegeben.
    Da kommt dann schon die Frage auf, wer tatsächlich für die Nichtfreigabe sorgte und so endet es auch schon bei ‚Was hat Rösler geantwortet?‘.

    Bevor das nicht beantwortet ist, finde ich es befremdlich, die TAZ per se an dieser Stelle Rassismus vorzuwerfen.

    Es grüßt ein auf die Antworten wartender Feuerrot

  • #4
    Robert

    Entschuldigung, was ist an den Fragen schlimm? Mich würden die Antworten wirklich mal interessieren. Nicht die Fragen sind Alltagsrassismus. Der Alltagsrassismus, der ist da draußen. Kann sein, dass Rösler ihn nicht erlebt. Aber wenn doch, wäre doch mal spannend, was er dazu sagt.

  • #5
  • #6
    Fotograf

    Einerseits stimmt es, die Fragen sind seltsam penetrant und teilweise in sich diskriminierend, obwohl sie ja nur das wiedergeben, was Diskurs in seiner Partei ist, aber er hätte die Wahl gehabt und merken können in welche Richtung der Hase läuft, und die Journalisten wegschicken können oder noch fitter, die Gelegenheit ergreifen und ihnen und seinen Genossen mit seinen Antworten den Pelz waschen können, wozu er wohl nicht in der Lage oder letztlich zu feige war. Am Ende ein ganzes Interview nicht freizugeben ist ein Affront und kommt zu spät.

    Vielleicht ist es auch eine Zumutung und zu viel verlangt sich gerade im Wahlkampf mit diesem persönlichen Trauma, falls es eins ist, zu beschäftigen. Es ist zu vermuten, dass er entweder ein Meister im Verdrängen ist oder die Fassade und Erfolge zählen mehr, als mal ordentlich auszuholen und den Jounalisten, Mitbürgern und dem Kollegen Brüderle öffentlich die Meinung zu geigen. Für ihn steht natürlich viel auf dem Spiel, wenn die FDP unter 5% bleibt wäre es das Aus für ihn in der Politik.

  • #7
    Anne

    Die Antwort der taz:

    http://blogs.taz.de/hausblog/2013/09/09/sind-unsere-fragen-an-roesler-rassistisch/

  • #8
    Thorsten Stumm

    Fassunglos….das hätte „Der Stürmer“ nicht besser hingekriegt…..
    Zum Glück sind die Reaktionen im Blog der Taz sehr eindeutig…..

  • #9
    j.

    ist doch logisch, dass die FDP das nicht freigibt. Immerhin ist Wahlkampf. Da soll niemand Brüderles Bambus/Eiche-Vergleich lesen müssen.
    Rassismus, naja, auf jeden Fall sind das keine faire Fragen.
    Die Fragen an sich sind mehr als peinlich. Die wurden doch schon 100 mal bei Lanz beantwortet.

  • #10
    Kqplotz

    In genau fünfeinhalb Artikeln wird seine Herkunft erwähnt? Wie thematisiert man etwas bitte fünfeinhalb mal?

  • #11
    philter

    @ #8 thorsten stumm: ich halte ihre aussage für eine absolute verharmlosung des stürmers!

    @#10 kqplotz: nachlesen in der original-quelle würde ihnen auf die sprünge helfen. da stehts geschrieben, warum fünfeinhalb. wenn sie sich noch nicht so gut auskennen im neuland: sie müssen im obigen artikel mit der maus (das ist das kleine ding, das sie -vermutlich- mit der rechten hand bedienen) auf das graue und unterstrichene „im Hausblog“ klicken. dann werden sie auf den original-artikel weitergeleitet (verlinkt nennt man das). bitteschön

  • #12
    Tahir Della

    …weil man Ihnen Ihre nichtdeutschen Wurzeln ansieht?
    Wann haben Sie bewusst wahrgenommen, dass Sie anders aussehen als die meisten Kinder in Deutschland?
    und die TAZ hat die Nerven zu fragen ob diese Fragen rassistisch sind;
    wirklich?

  • Pingback: Pottblog

  • #14
    Frank

    Ich fühle mich mit meiner Fundamentalkritik an der taz bestätigt. Lerne aber auch immer noch dazu: Die Linksextreme ist nicht nur latent antisemitisch (Anti-Israel, Antiintellektuell), sie ist wohl auch rassistisch.

    Und wie man es von ihr gewöhnt ist, projiziert sie auch hier: „… wenn ANDERE über sie sagen..“ Hier wird für jeden erkennbar eigener Rassismus ausgelebt.

    @Robert: Es gibt keinen Alltagsrassismus, es gibt Rassismus in den extremen linken und rechten Ecken. Was soll Rösler also zu einem „Alltagsrassismus“ sagen, wenn er diesen hauptsächlich bei Kontakten mit politisch Extremen erlebt?

  • #15
    Stefan Laurin

    œTahir Della: Einzelne dieser Fragen kann man stellen – daran ist nichts rassistisch. Allerdings nichts anderes zu Fragen ist es.

  • #16
    Peter M

    Nach der hier demonstrierten Aufregungslogik stelle ich mir eine Frage:
    Wird z. B. Necla Kelek jetzt arbeitslos?

  • #17
    Walter Stach

    „Frei Presse“?
    Ich habe nie nachvollziehen können, wie die Genehmigungspflicht -die Autorisierung(!?)- durch den Interviwten vor der Veröffentlichung des Gesprächsinhaltes mit der Freiheit der Presse zu vereinbaren ist.

    Da das bei uns jedoch offensichtlich seitens der Medien anders gesehen und anders gehandhabt wird, hat Rösler diese Praxis genutzt.

    Gibt es dafür gute Gründe? Darüber zu befinden ist ausschließlich von Herrn Rösler zu beurteilen.Ob die Verweigerung seiner Zustimmung für ihn, für seine Partei politisch ehe von Nutzen oder ehe schädlich sein kann, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Daß die TAZ diese Causa Rösler publik macht und die gestellten Fragen veröffentlicht, ist für mich Ausdruck der Pressefreiheit und der Informationspflicht der TAZ gegenüber ihren Lesern.
    Als TAZ-Leser habe ich heute morgen von „dem Vorgang“ Kenntnis nehmen und über die gestellten Fragen bzw. mögliche Gründe für die nicht gegebenen Antworten nachdenken können; insofern Dank an die TAZ für die heutige Veröffentlichung dieser „Causa Rösler“.

  • #18
    JJ Preston

    Aaaach ja, isses nicht herrlich, wenn man Gelegenheit bekommt, die eigenen Vorurteile zu bestätigen? Blöd aber, wenn die meisten, die sich an sowas hochziehen, das nur tun, um mit dem Finger auf jemanden zeigen zu können, den sie für schlimmer halten als sich selbst…

    Dumm nur: Rösler hat die Chance fliegen lassen, per Tränendrüse zu punkten – was sowohl er als auch die Mövenpickpartei bitter nötig hätte. Gerade er hätte die große Möglichkeit gehabt, in einem „Wahlkampf“, in dem weniger als je zuvor Inhalte und mehr als je zuvor medial vermittelte und aufgebauschte Emotionen zählen, als rassistisch Verfolgter Sympathie für sich und seine Partei zu erzeugen.

    Zumal selbst die dümmste Politikhandpuppe Berlins mit der größten sekretarialen Abschirmung der deutschen Geschichte im hintersten Winkel der Hinterbanken weiß, was die Kernthemen der taz sind und was für Fragethemen in einem Interview zu erwarten sind, genauso, wie man das bei Rösler-Knuddler Diekmann und der BLÖD weiß.

  • #19
    Ötte M

    Von den Fragen kann man halten, was man mag, aber mal zum Thema Freigabe: Herr Rösler hat gar kein Recht dazu der Presse irgendwas zu verbieten. Ich wundere mich über die taz, die sich auf eine Autorisierung einlässt. Anscheinend haben selbst die Angst, es sich mit ihren Kontakten zu verscherzen.

    Er hat anscheinend bei dem Interview mitgemacht und die taz kann das dann drucken und wenn seine Antworten nicht verfälscht werden, dann reicht es nicht mal für eine Gegendarstellung.

    Nordkorea lässt grüßen

  • #20
    Daniela

    Auch hier geht es schon los – warum die Fragen rassistisch seien, das sei doch voll interessant? Mann mann mann. Die Dosis macht das Gift und bloß weil es von der taz kommt, kann es ja quasi per Gesinnung nicht rassistisch sein, oder wie?!

    Alltagsrassismus ist in dieser Welt vorhanden, auch in meiner, und daher auch jederzeit ein wichtiges Thema. Aber es ist kein Thema, dass bei einem Politiker im Wahlkampf aufs Tablett gebracht werden muss (böse Stimmen könnten sagen, dass quasi dauerhaft Wahlkampf ist, aber nun). Ich kann mit der FDP nichts anfangen, rechne Herrn Rösler aber an, dass er nicht versucht hat, diese Karte zu ziehen. Das wird jedoch meine Wahlentscheidung nicht beeinflussen.

    Die taz bekommt von mir eigentlich nur noch Mitleid dafür, dass sie auf diese Weise versucht, sich in Szene zu setzen. Wo Mitarbeiter mies bezahlt und Fotorechte mit Füßen getreten werden, kommt für mich ein weiteres springereskes Puzzleteil dazu.

  • #21
    Olaf Mertens

    Und was genau, Martin Niewendick spricht dagegen mit Herrn Rösler ein Interview zu führen, das sich mit Rassismus beschäftigt? Wie man den Fragen entnehmen kann, IST Rassismus im Umgang mit und in der Rezeption von Herrn Rösler ein Thema. Und zwar vom politischen Gegner über die FDP-Basis über die FDP-Vorstandskollegen offenbar quer durch die Gesellschaft. Ich finde es gibt einen Anlass diese Fragen zu stellen und finde in dem Zusammenhang „unglaubliche Entgleisung“ zu rufen – nun ja – lächerlich.

  • #22
    R.A.

    Mal stelle sich mal vor, eine Zeitung hätte ein ähnliches Interview mit Cem Özdemir geführt. So ziemlich jede Frage hätte man dem genauso stellen können, von wegen „asiatisches Aussehen“ und so weiter.

    Dann würde es in den Medien eine Empörungswelle sondergleichen geben, die taz natürlich vorneweg.

  • #23
    Fotograf

    Özdemir hätte die Fragen souverän beantwortet und viel mehr er hätte die Gelegenheit ergriffen, falls die Fragen mit Alltagsrassismus durchsetzt wären, diesen zu benennen. Die Stärke einer politischen Persönlichkeit zeigt sich im souveränen Umgang mit Fragen, auch wenn sie vielleicht nerven, aber kneifen so wie Rösler es gemacht hat, zeigt seine ganze Konturlosigkeit und Inkompetenz.

  • #24
    Hans

    Wo war die Empörung der Ruhrbarone, als der Spiegel diese Fragen an Rösler stellte? www.spiegel.de/spiegel/print/d-79572303.html

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  • #26
    Robert

    @14/Frank: Dann lebst du aber in einer rosaroten Welt. Aber schön, wenn du keinen Alltagsrassismus erlebst, ich erlebe ihn leider öfter.

  • #27
    Achim

    Die Fragen sind extrem penetrant und thematisieren persönliche Erfahrungen mit
    Rassismus.
    Könnte es legitim sein solche penetranten Fragen zu stellen?

    Ganz unabhängig vom Thema Rassismus wöre es ja auch möglich
    Fragen zu stellen wie:

    Bei welcher Gelegenheit hatten Sie ihren ersten Samenerguss?
    Wann haben sie sich zum ersten mal selbstbefriedigt?
    Was war Ihr peinlichster ungeplanter Samenerguss?
    Bei welch einem Mädchen hatten sie ihren ersten geplanten oder
    ungeplanten Samenerguss?
    Hatten Sie schon mal ein Samenerguss beim Schulsport?
    War das beim Ringen oder beim Schwimmen?
    Wann hatten sie Ihren ersten vorzeiitigen Samenerguss?
    Wann hatten Sie ihre erste „Ladehemmung“ und mit welcher Frau oder war es ein Mann oder bei der Selbstbefriedigung?

    Es gibt da einfach Fragen die nicht gestellt werden sollten und die
    Politiker auch besser nicht beantworten sollte…

    Aber natürlich, es gibt eine rassistische Diskussion selbst innerhalb von
    Familien über Familienmitglieder…

    Die Abstammung von Herrn Rösler wird sehr wohl privat in der
    Öffentlichkeit diskutiert.
    Zur Erinnerung:
    Herr Rösler wurde im Alter von ein paar Tagen in der Endphase
    des Vietnamkrieges bei einem katholischen Waisenhaus adoptiert
    und kurze Zeit später vom katholischen Ehepaar Rösler adoptiert.

    Unter Deutschen sind rassistische Bemerkungen selbst über
    „Biodeutsche“ durchaus üblich.
    Es bedarf keineswegs einer etwas dunkleren Hautfarbe.
    Es reicht aus, wenn jemand schwarze gekräuselte Haare hat.
    Dies sind die Fakten….

    Das Problem des „Racial Profiling“ bei der Polizei ist allgemein bekannt.

    Jeder muss einen Personalausweis besitzen.
    Wnn jeder einen Personalausweis mitführenwürde,
    dann würden Unmengen an Ausweisen gestohlen.
    Deswegen fragt die Polizei nur sehr selektiv nach dem Personalausweis,
    Hautfarbe, Haarfarbe, Augenfarbe etc sind wichtige Kriterien für
    Polizeikontrollen.

    Es ist anzunehmen, dass Herr Rösler als Jugendlicher oder Student
    wesentlich häufiger kontrolliert worden ist als seine Altersgenossen.
    Die taz hätte ihn nach seinen Erfahrungen und der Meinung dazu fragen können.

    Aber diese Fragen sind zu penetrant.

    Ob dies nun rassistisch ist?

    Achim

    PS: Ich habe blaue Augen und hatte mal eine
    dunkelblonde Haarfarbe, aber meine Naase.

    Bei einer WG Bewerbung hatte ich mal höchst penetrante
    Fragen zum Thema Abtreibung. Ich hatte gewonnen und
    hab hinterher erfahren, dass es nur um die Kriterien „nett“ und
    „wird niemals eine Meinung für oder gegen die Abtreibung äussern“ ging.
    Hinterher stellte sich dann heraus, dass es nur drei Bewerber
    gab und der andere Gewinner seine letztten Schuljahre
    immer auf der Doppelbank zusammen mit dem „Chef“
    verbrachte, Der „Chef“ war übrigens mein Basismitglied…

  • #28
    Nansy

    @ Fotograf #23:

    Über die starke politische Persönlichkeit Özdemir hatten wir doch schon mal was: Als Cem Özdemir einmal cool sein wollte…

    http://www.ruhrbarone.de/als-cem-oezdemir-einmal-cool-sein-wollte/

    Herr Özdemir bekämpft offenbar seine Konturlosigkeit mit misslungenen Ausflügen ins Reich des Rock´n´Roll´s…

  • #29
    Robert Niedermeier

    Könnten die nächstem Politiker-Fragen an Guido Westerwelle wie folgt lauten? „Wurden Sie als Jugendlicher wegen ihrer Akne gehänselt? Verzögerte sich dadurch ihr Coming-out? Glauben Sie, dass man „es“ Ihnen ansah? Wie war das erste Mal? Wurden Sie schon mal homophob beleidigt? Schildern Sie uns das Gefühl, welches Sie dabei empfanden? usw. usw.

  • #30
    Achim

    #28 @NANSY

    „Über die starke politische Persönlichkeit Özdemir“

    Die starke politische Persönlichkeit von Cem Özdemir
    zeigt sich ganz offensichtlich nicht in seinem Musikgeschmack

    Wie wärs denn damit:

    Cem hat sich frühzeitig dem türkischen Militar
    verweigert
    Cem hat den deutschen Pass bereits vor dem Massaker
    von Sivas 1993 beantragt und erhalten.
    Cem hat sich immer den Vereinnahmungsansprüchen des
    türkischen Staates und der PKK verweigert.

    Achim

    PS: Claudia Roth ist „Rock n Roll“

  • #31
    Nansy

    @ Achim #30:

    Claudia Roth ist “Rock n Roll” ? Meinst Du die in den langen, bunten, wallenden Gewändern?

    Also von “Rock n Roll” ist mir nichts bekannt, aber von Gesprächen bei der „Zeitschrift Brigitte“ zu den Themen Schminken und Dirndl 😉

    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra5981.html

  • #32
  • #33
    Walter Stach

    Reni,
    Rösler selbst, also der Befragte, hat die an ihn gestellteni Fragen nicht als
    Sc h r o t t f r a g e n gewertet. Er hat sich diesen Fragen gestellt. Er hat sie nicht (als Schrottfragen) zurückgewiesen.Er hat sie beantwortet!

    Erst s p ä t e r hat er die Veröffentlichung der von ihm gegebenen Antworten „nicht genehmigt“, nicht autorisiert.

    Bitte diesen Sachverhalt bei der Diskussion nicht vergessen, vor allem dann nicht, wenn man angesichts dieses „Vorfalles“ meint, über die Persönlichkeit von Herrn Rösler nachdenken zu sollen.

  • #34
    Martin Niewendick Beitragsautor

    Ein paar Leute wollen ja gern wissen,warum die Fragen aus meiner Sicht eine Entgleisung sind. Daher: Zunächst einmal ist es die pure Menge der Fragen. 16 Fragen – die man auch locker in maximal zwei drei Fragen hätte zusammenfassen können. Jemanden immer wieder an seine etwaige Traumatisierung zu erinnern – und die hat man wohl, wenn man erstens Migrant in Deutschland, und zweitens vietnamesischer Kriegswaise ist – ist völlig daneben und unsensibel. Und zeigt, dass man die Person nicht als Mensch,sondern als Ausländer wahrnimmt.

    Zweitens ist das Argument lächerlich man müsse gewisse Themen doch ansprechen – gerade „mit Betoffenen“, wie es von der TAZ heißt. Als ob ausgerechnet Phillip Rösler nun der Durchschnittsmigrant ist an dessen Beispiel man die derzeitigen deutschen Zustände ablesen kann! Diese Leute gibt es wie Sand am Meer und da braucht man nicht den deutschen Vizekanzler, der zudem mitten im Wahlkampf steckt, zu nehmen.

    Für mich ist die TAZ nicht generell rassistisch, die Debatte um Deniz Yücels N-Wort zum Beispiel ist zwar schwierig, fällt für mich aber nicht darunter. Dennoch: Die Unsensibilität der Fragestellerinnen zeigt einfach einen plumpen dumpfdeutschen Standpunkt, der keine Diskriminierungserfahrungen kennt. Und sich verhält wie die Axt im Walde.

    Als letzten Punkt ist noch bemerkenswert, dass sich die beiden Fragestellerinnen bislang nicht selbst zu der Sache geäußert haben. Es ist Sebastian Heiser vom Hausblog anzurechnen, dass er sich schützend vor seine Kolleginnen stellt. Ich glaube er sieht die Sache auch etwas anders als er es darstellt, aber nur so kann er seine Schutzfunktion erfüllen. Die Stellungnahme von Ines Pohl indes ist meiner Ansicht nach mehr als dürftig; geht sie doch auf die Kritik überhaupt nicht ein und verschanzt sich hinter einem Kurzreferat über „journalistisches Handwerk“. Da fehlt es leider völlig an Empathie und Sensibilität.

    Man kann Leuten nicht vorwerfen, selbst keine Diskriminierungserfahrungen gemacht zu haben. Aber ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen erwarte ich von einer Zeitung, für die jede Kritik am Kopftuch gleich den nächsten Race-War einläutet, schon.

  • #35
    el-flojo

    Ich bin ganz bei Kommentar #33 – was soll der Mumpitz? Scheinbar haben ja wohl die Spindoktoren der FDP interveniert. Hat Rösler die Fragen zurückgewiesen?

    Wer von euch hier ist denn schonmal rassistisch angemacht worden? Wie viele von euch werden ständig von den Bullen kontrolliert, weil sie im Racial Profiling Raster der Supercops hängen bleiben? Wie oft seid ihr schon nicht in Discos reingekommen, weil man „vom Typ her gerade nicht passt“, aber die genauso angezogenen blonden Freunde reinkommen würden? Ach.

    Und die paar Fragen sollen rassistisch sein? Ehrlich? Ich lach mich tot. Wie soll man Dingen auf den Grund gehen, wenn man nicht mal mehr in der Wunde bohren darf? Gerade bei einem Politiker dieses Formats, bei dem man damit rechnen muss, dass er aus wahltaktischen Gründen und um niemanden zu verprellen (man will ja auch Stimmen von den Leuten, die einen nicht zuhause aufs Klo lassen würden) weichspült. Gerade da bohrt man doch nach. Aber das ist dann auf einmal rassistisch? Das Leben ist kein Soziologieseminar.

  • #36
    Michael Krupp

    17 Fragen mit Anspielungen auf die Herkunft Röslers. Mich würde interessieren, wieviel Prozent des Gesamtinterviews diese ausmachen. Aus welchem Holz sind TAZ-Redakteure geschnitzt, denen Äußerlichkeiten wichtiger sind, als Inhalte.
    Hat das eigene Unterbewusstsein dem/den Fragesteller(n) ein peinliches und entlarvendes Schnippchen geschlagen?

  • #37
    paule t.

    Eine Frage ist doch, warum Rösler das Interview nicht freigegeben hat. Wäre es deswegen, weil er die Fragen als zu penetrant, unverschämt oder gar rassistisch empfunden hat (ich selbst würde „penetrant“ bejahen, wobei das je nach Antwort OK sein kann, „rassistisch“ verneinen, weil es mMn nicht rassistisch, Rassismus zu thematisieren), hätte er das in den Antworten oder – wenn er das erst nachher so formulieren konnte – einer nachgeschobenen Bemerkung sagen können.

    So vermute ich, dass er die Thematisierung von Rassismus vermeiden wollte, weil das Thema Rassismus in der Partei und bei potenziellen FDP-Wählern einfach nicht gut ankommt – wie die von der taz durchaus zu Recht thematisierten Aussagen Brüderles nahelegen, dass da keine besondere Sensibilität vorhanden ist, um es vorsichtig zu formulieren.

    ————————

    Ganz besonders lustig finde ich hier, wenn ein Kommentator (#14) die taz kritisiert, der selbst meint, Alltagsrassismus gebe es nicht. Selten so gelacht.

  • #38
    Heinz

    Ich verstehe die ganz Aufregung um dieses Interview nicht. Gern hätte ich die Antworten von Herrn Rössler zu diesen Fragen gelesen. Zu ignorieren, dass wir in DE ein Problem mit der Einstellung einiger Menschen im Umgang mit Ausländern haben, ist Teil des Problems Rassismus. Herr Rössler hätte dazu Antworten liefern können. Nur ein Beispiel, mein Sohn wird auf dem Gymnasium oft als „Japaner“(1) bezeichnet. Ich hatte dies, als er in der 5. Klassse war bei der Schulleitung eskalieren lassen. U.a. auch, weil die Schule in einem Programm gegen Rassismus aktiv teilnimmt und ich es deshalb nicht verstehen konnte, dass Mitglieder des Schülerrates der Sek.II mit Duldung der Lehrer andere Schüler „scherzhaft“ aufgrund ihres Aussehens mit der Nationalität als Nickname betiteln. Inzwischen ist mein Sohn selbst in der Sekundärstufe II angekommen, die Bezeichnung „Hallo Japaner“ fällt aber immer noch gelegentlich. Er selbst, störrt sich daran nicht, da es sinnlos ist dagegen anzugehen. Herr Rössler scheint ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben. Gerade da er eine öffentliche Person ist, hätte ich seine Standpunkte zu diesen Fragen sehr begrüßt.

    Die Kommentare in diesem Blog gehen leider in dieselbe Richtung wie auch meine bisherige Alltagserfahrung. Das Thema Rassismus spricht „man“ in DE lieber nicht an. Wir sind ja ein so tolles Land, da kann nicht sein, was nicht sein darf. Danke Herr Rössler, dass Sie sich dem so schön angepasst haben (ironie-off)

    Anm:
    (1)Mein Sohn ist kein Japaner, sieht aber asiatisch aus. An dem Gymnasium scheinen die Untersichiede der einzelnen asiatischen Länder nicht bekannt zu sein, oder was vielleicht wahrscheinlicher ist, die Benennung der anderen asiatischen Nationalität wird bewusst als „Neckerei“ gewählt.

  • #39
    Jürgen Kremb

    Ach so?… wenn Herr Brüderle sich nachts an der Bar über das Aussehen einer jungen dt. Kollegin in einem Satz dämlich ausläßt, dann ist das ein Jahr später noch Sexismus. Wenn aber die taz einem DEUTSCHEN Politiker nur aufgrund seines asiatischen Aussehens ein DUTZEND infamer Fragen stellt und ihn verunglimpft wie die übelsten Fussball-Hooligans, dann soll das okay sein? Nein, liebe Kollegen (ich war m.W. 7 Jahre bei der taz), das ist gar nicht in Ordnung. Als Vater von zwei erwachsenen, halb-asiatisch aussehenden Kindern halte ich das für die allerunterste Schublade…ob man nun Herrn Rösler mag oder nicht. Das dreisteste an der Geschichte ist für Jmd. der aus Vietnam kommt zudem noch, ihn als Chinesen zu bezeichnen. Das wäre, als hätte Herr Brüderle Frau Himmelreich gleich noch als Russenluder verunglimpft. Ich schäme mich für euch Tazler über soviel Dummheit gepaart mit Uneinsichtigkeit!

  • #40
    ThomasW

    @Michael Krupp: Es gibt in dem Interview keine „Anspielungen“ auf die Herkunft Röslers – die Herkunft ist, aufgrund und im Zusammenhang mit dem erklärten Hauptthema „Hass“ des Interviews, das unmittelbare Thema. Anspielungen wären es nur dann, wenn es in dem Interview um etwas ganz anderes ginge. Deswegen geht auch der Vorwurf, Äusserlichkeiten wären den taz-Journalisten wichtiger als Inhalte, ins Leere. In den vielen anderen Artikeln der taz zu Rösler, die andere Inhalte haben, soll die Herkunft auch nie thematisiert worden sein.

    Auch sollten wir uns klar machen, dass uns ohne die Antworten Röslers auch der Kontext fehlt, um zu beurteilen, warum die Fragen so in dieser Folge gestellt wurden, da die weiteren Fragen sich unmittelbar auf die Antworten beziehen zu scheinen. So ein Interview ist ja kein vorgefertigter Fragebogen zum Ausfüllen.

    Das eigentlich ärgerliche ist das Abdrucken des Interviews ohne die Antworten Röslers. Dafür gibt es nämlich gar keinen Grund, weil eine Zeitung Interviews nicht autorisieren lassen muss sondern es nur eine Gepflogenheit ist. Die taz hätte das Interview also einfach drucken können oder eben auch nicht. Rösler muss man gerade bei diesem Thema nicht so vorführen und zum „Täter“ machen, weil er im Zusammenhang mit dem Thema Hass bzw. Rassimus das Opfer ist.

  • #41
    Klaus Lohmann

    Bevor nicht Jemand mal die ganze Interviewstory richtig aufgedröselt hat, ist das nur heiße (taz-)Luft. Erst sollte ein Interview zum Thema „Hass“ gemacht werden, dann wird angeblich Rassismus so nebenbei mit Steuerproblemen und Koalitionsstreit abgehandelt, dann wieder nur die Rassismusfragen abgedruckt… watt denn nu??? Anscheins sind da zwei Seiten völlig aneinander vorbei gerannt, also abhaken den Stuss.

  • #42
    Wolfram Obermanns

    Natürlich gibt es einen Antirassismus, der selbst rassitisch ist, weil das Rassismusopfer nur und ausschließlich in seiner Opferrolle fixiert wahrgenommen wird, so wie es bei dieser stumpfen Befragung geschieht.

    Natürlich gibt es einen Antirassimus der vor allem dazu dient den eigenen Gruppenchauvinismus zu pflegen. Einen Antirassimus der die Rassisten braucht, weil sonst der eigene schöne Antirassimus eine Währung ohne Wert wäre. Die Pflege des Wohlbefindens dieser Ingroup ist auch schon mal das eine oder andere Opfer wert, wie in diesem Fall Rösler.

    Aus welchen Motivlagen sich die unsägliche Fragestellung der TAZ genau zusammensetzt wird nicht festzustellen sein.

  • #43
    Walter Stach

    Hinweis:
    Unter www.taz.de (DEBATTE. S.IV) gibt es huete eine umfassende Stellungnahme zum Sache durch die Chefredakteurin. Und zumdem, was m.E. für das jorunalistische Niveau der TAZ spricht, ein sehr TAZ-kritisches Interview mit Timo Reinfrank unter der Überschrift „Nicht das Niveau der TAZ“.
    Die Lektüre des Beitrages der Chefredakteurin und die Lektüre des Interviews sind möglicherweise hilfreich für die weitere Diskussion hier im Blog.

    Ich habe bisher bewußt nichts Bewertendes zum Rassismusvorwurf gegen die TAZ gesagt, weil ich das Interview -besser wohl die gestellten Fragen- zunächst nicht als rassistisch empfunden habe, ohne jedoch diesbezüglich jegliche Selbstzweifel leugnen zu können, nicht zuletzt wegen der Beiträge hier im Blog.

    Was ich nicht verstanden habe und weiterhin nicht verstehe, ich wiederhole mich – ist die Tatsache, daß die Presse jetzt angehalten werden soll, nicht nur übereinstimmend registrierte Fehler im Detail, Fehler, die in einem Widerspruch stehen zum tatsächlichen Verlauf eines Gespräches, vor der Veröffentlichung zu korrigieren, sondern daß bewirkt werden soll, ein Interview insgesamt, weil es dem Interviewten im nachhinein inhaltlich nicht mehr paßt, überhaupt nicht veröffentlichen zu dürfen. Das kann eine freie Presse nicht zulassen! Und ein solcher Versuch -erfolgreich!-paßt ganz und gar nicht zu einer Partei, die sich freiheitlich nennt.

    Was ich zudem nicht verstanden habe ist, auch hier wiederhole ich mich -sh.17,sh.33-, daß Philipp Rösler im Gespräch mit der TAZ Antworten auf alle ihm gestellten Fragen gegeben, daß er sich nicht geweigert hat, einige dieser Fragen zu beantwortet, daß er eben nicht bereit und der Lage war, einige Fragen in aller Schärfe zurückzuweisen. Dazu muß eine politische Persönlichkeit wie Philllip Rösler bereit und in der Lage sein.

    Irritiert hat mich auch, daß der „Widerspruch“ gegen die Veröffentlichung des Interviews nicht durch Philipp Rösler persönlich (oder in seinem Namen durch sein Büro) erfolgte, sondern offenkundig durch Verantwortliche in der Presseabteilung der FDP.
    Geht es es hier möglicherweise weniger um Philipp Rösler als politsche Persönlichkeit, sondern mehr um seine Partei und um deren Einschätzung über den politischen Nutzen bzw. politischen Schaden des Interviews im Wahlkampf?

  • Pingback: Fremdschämen für die TAZ – zum Rösler-Interview › Digital Diary - Vom Sinn des Lebens zum Buchstabenglück

  • #45
    Klaus Lohmann

    @Walter Stach: Informationen über das Zustandekommen des Rösler-Interviews, die Absprachen im Vorfeld, den eigentlichen Inhalt, die Richtigkeit der anschließenden Korrekturvorlage, die Reaktion der FDP im Wortlaut und die Vollständigkeit der anschließend veröffentlichten Fragen gab es bislang *ausschließlich* von den Beteiligten der taz (soweit ich das bis hierhin verfolgen konnte). Inwieweit dies objektiv ist bzw. überhaupt objektiv sein *kann*, muss Jeder für sich selbst entscheiden.

  • #46
    Klaus

    @45 Es gab auch weitere Stellungnahmen der FDP, die nicht in der taz erschienen. Um die zur Kenntnis zu nehmen, muss man dann allerdings die filter bubble verlassen:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article119881384/Rassismus-Streit-zwischen-Roesler-und-der-Taz.html

  • #47
    Walter Stach

    Klaus Lohmann, ja so ist es.

    Könnte Philip Rösler seinen Beitrag leisten, damit wir dem etwas näher kommen, was objektiv sein könnte?
    Sollte nicht Philipp Rösler selbst erklären, warum er im Interview auf die ihm gestellten Fragen geantwortet hat, warum er die Frage nicht zurückgewiesen hat,z.B. ohne weiteren Kommentar, und warum dann durch die Presstelle seiner Partei interveniert worden ist?

    Ich verstehe allerdings, und das sage ich nicht ironisch, daß Philipp Rösler derzeit Wichtigeres zu tun.

  • #48
    Klaus Lohmann

    @#46 | Klaus: Danke für den Link. Das eher „schlanke“ Statement der FDP-PR-Abteilung nährt dann ja meinen ersten Verdacht, dass das Ganze von vornherein auf verlorenem Posten stand.

  • #49
    Bernhard Hecker

    Drei Fragen hätten für diesen Aspekt der Persönlichkeit Philipp Rösler sicherlich gereicht. Wenn diese tolle Sammlung von Fragen aber erst durch „Nachbohren“ in einem vielleicht doch wunden Punkt zustande kam, ist klar, dass Rösler das von einem taz-Interview nicht unbedingt erwarten und das ganze Interview von vornherein als sinnlos ablehnen musste. Das er das in der Hoffnung auf irgendwann noch kommende substantielle Fragen mitgemacht hat, verstehe ich deshalb schon. Dass er selbst dann hinterher gesagt hat „lasst die den Mist doch drucken, die blamieren sich doch nur selbst“, kann ich mir auch vorstellen – und auch, dass dann Stabsleute sagten: „wär ja schön, wenn das in Deutschland so wäre – aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!“.
    Nur, zu welchem Zweck die taz dann diesen Auszug (hoffentlich doch) aus den insgesamt gestellten Fragen abgedruckt hat, das möge mir doch mal jemand erklären!

  • #50
    davidlikes

    Ich finde es frech dass solche dummen fragen gestellt wurden. Die Taz hat meiner Meinung nach den Kodex des Journalismuses beleidigt. Ich frage mich wirklich was diese Journalisten in der Medienbranche dort suchen?! Denn durch so einen Rassismus wird Deutschland immer mit den Nazis verglichen.

  • #51
    Sebastian Heiser

    Martin Niewendick schrieb: „16 Fragen – die man auch locker in maximal zwei drei Fragen hätte zusammenfassen können“

    Wenn Herr Rösler während des Gesprächs auf diese Fragen gesagt hätte „dazu möchte ich nichts sagen“, dann hätten wir das akzeptiert und garantiert nicht so viele Fragen dazu gestellt. Der Eindruck des einseitigen Nachbohrens entsteht natürlich, wenn man nur die Fragen liest. Wir haben das hier in der taz völlig falsch eingeschätzt, diese Wirkung ist natürlich fatal. Aber wir kannten ja das ganze Interview. Wenn man die Fragen mit den Antworten vor sich hat, dann ergibt das ein interessantes Gespräch, bei dem zwei Seiten sich gemeinsam über ein Thema austauschen.

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