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Tesla-Ansiedlung: Die Reiter der Autokalypse sitzen schon in ihren Sätteln

Noch lacht Elon Musk Foto: JD Lasica Lizenz: CC BY 2.0

Eine Fabrik im brandenburgischen Grünheide, ein Design- und Entwicklungszentrum in Berlin und irgendwann, wenn alles läuft, bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze. Die verkündete Tesla-Ansiedlung ist, so sie denn ernst gemeint ist, eine rundum gute Sache und wäre die größte Industrieansiedlung in diesem Land seit langer Zeit.

Vor zwei Tagen habe ich bei den Ruhrbaronen auf Twitter und später dann als launigen Artikel auf den Salonkolumnisten meine Zweifel an dem Erfolg des Projekts angemeldet. Ich schrieb:

„In fünf Jahren wird #ElonMusk vor einem Oberverwaltungsgericht um die Genehmigung des Baus der Abbiegespur kämpfen, die Grundlage dafür ist, dass er die Zufahrtsstraße bauen darf, die zu dem besetzten Grundstück führt, auf dem irgendwann seine Fabrik entstehen soll #Tesla“  

Nun sind ein paar Stunden ins Land gezogen und so ganz falsch lag ich mit meiner Prognose nicht. Die Reiter der Autokalypse haben ihre Pferde gesattelt und machen sich bereit zum Kampf gegen die Tesla-Ansiedlung:

Ein Greenpeace Mobilitätsexperte hält sich nicht weiter mit den Details auf. Ihn stört  schon, was Tesla in Brandenburg bauen will:

„Grundsätzliche Kritik kommt dagegen vom Mobilitätsexperten Wolfgang Lohbeck. Er sagte im Deutschlandfunk Kultur, Tesla und sein Chef Elon Musk stünden „für Größenwahn“ und eine „falsche Richtung in der Elektromobilität“. Letztlich sei die Antriebsart egal. Das Ziel müsse sein, kleine, leichte und effiziente Autos auf die Straße zu bringen. Dies sei schon wegen der bekannten Probleme beim Rohstoffabbau für die Batterien geboten: wie Kinder- und Sklavenarbeit.“

Mit dem NABU und dem BUND äussern sich zwei weitere klagefreudige und millionenschwere Verbände gegen das geplante SUV-Werk:

„Die Klimareferentin des BUND, Michaela Kruse, kritisierte am Donnerstag im rbb, in der Fabrik sollten nur SUV gebaut werden. Luxus-Autos allein würden aber bei der Verkehrswende nicht helfen: „Wir können nicht einfach nur den Antrieb ändern und dann sind die Probleme gelöst.“ Wichtiger sei der öffentliche Personennahverkehr, so Kruse. Der BUND möchte deshalb, dass Tesla dort auch Elektrobusse produziert. (…)Der Naturschutzbund Nabu sorgt sich um den Artenschutz auf dem für das Tesla-Werk vorgesehenen Gelände. Nach Angaben von Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder siedeln auf dem rund 300 Hektar großen Baugrundstück geschützte Reptilienarten sowie Baumfalken und Fledermäuse. 70 Hektar Kiefernwald müssen dort gerodet werden. Tesla will dafür andernorts 210 Hektar bepflanzen.

Konstrukteure von Baumhäusern können schon einmal anfangen, Nägel und Generatoren zu kaufen:


Und dann sind da noch die Menschen. Die werden ja nicht nur im Werk und in Berlin arbeiten, die wollen auch wohnen. Ein Problem für das Berliner Stadtmagazin Tip:

Und wo sich Wutbürger sammeln, ist die AfD nicht weit:

Ende 2021 will Tesla-Chef Elon Musk mit dem fertig sein. Planung, Genehmigung und Bau einer Garage können in diesem Land länger dauern. Musk wird an den Umweltverbänden, an Klagen, an der Dauer von Verwaltungsprozessen und an Protesten scheitern. Das hat alles auch eine gute Seite: Nach der dann folgenden weltweiten Blamage des Standorts geht man vielleicht endlich daran, die Verhinderungsmacht der Öko-Lobby zu beschneiden und Verwaltungsprozesse zu beschleunigen.

 

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15 Kommentare zu “Tesla-Ansiedlung: Die Reiter der Autokalypse sitzen schon in ihren Sätteln

  • #1
    Gerd

    "Dies sei schon wegen der bekannten Probleme beim Rohstoffabbau für die Batterien geboten: wie Kinder- und Sklavenarbeit.“

    Wobei das mit der Kinderarbeit vollkommen richtig ist. Zu erwähnen wäre noch die Herstellung in China und die schlechtere Ökobilanz von E Autos.

    "Nach der dann folgenden weltweiten Blamage des Standorts geht man vielleicht endlich daran, die Verhinderungsmacht der Öko-Lobby zu beschneiden und Verwaltungsprozesse zu beschleunigen."

    Nein. Dann könnte man nicht mehr mit den Grünen koalieren.

  • #2
  • #3
    Anduko

    Welche Kinderarbeit bitte?
    Keine großer Akkuproduzent kauft Kobalt was nicht aus großen Minen gewonnen wird. Sollte diese illegales Kobalt dazukaufen ist das aber nicht die Schuld der anderen.

    Also Tesla lässt nichts in China herstellen. Hmm.
    Welche schlechte Ökobilanz bitte? Das sie nach 40.000km besser als Benziner oder Diesel sind? Ja sicher.

    Aber keine Sorge. Es ist sicher schon jemand unterwegs ein seltenes Tier dort auszusetzen… Hauptsache man kann es unterbinden. So läuft es in DE.

  • #4
    Helmut Junge

    Auf den Fotos oben sehe ich lediglich Nadelholzplantagen und keinen Wald. Wald sieht anders aus, aber wer kennt noch Wald? Wem "Kieferwald" als Wald gilt, obwohl es nur eine Holzplantage ist, die entweder vom nächsten Sturm, oder vom Besitzer abgeholzt werden wird, hat aus meiner Sicht sowieso keine Kompetenz in Sachen Natur.
    Ein "Kiefernwald" ist nicht einmal Kategorie "Naturnaher Wald", sondern einfach eine Nutzholzplantage.
    Mischwälder müssen angebaut werden. Das ist die Frage für mich. Baut Tesla auch nur eine Plantage an, oder pflanzt Tesla auf dem Ersatzgelände einen Mischwald an, der dann später einmal Wald genannt werden könnte? Aber danach frage wohl nur ich. Die Bäume auf den Fotos oben dürften vermutlich so ider so bald geerntet werden. Dafür sind sie ja angepflanzt worden.

  • #5
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmut Junge: In einem Jahr ist das der größte zusammenhängende Mischwald Europas, in dem die letzten Einhörner leben 😀

  • #6
    Gerd

    Diverse seltene Erden kommen aus dem Kongo wo Kinderarbeit normal ist, Batterien werden in China hergestellt und selbst mit 100% Ökostrom ist die Ökobilanz von E-Autos erst ab 100.000 km besser bzw 200.000 bei unserem Strommix.

  • #7
  • #8
    Michael

    Warum will Musk eine Fabrik in Brandenburg aufbauen?

    Zitat (Quelle: siehe Link unten)t:

    "New York State spent $958.6 million to build Tesla Inc.’s solar panel factory in South Buffalo and buy a big chunk of the equipment inside.

    Now, auditors are saying the building and all that equipment is worth just under $75 million – or just 8% of what the state put into the RiverBend factory."

    https://buffalonews.com/2019/11/08/pennies-on-the-dollar-the-tesla-plant-isnt-worth-nearly-what-the-state-paid-to-build-it/

    Das ist eben ein knochenharter Kapitalist, der die Wischi-Waschi Regierungen in Bund und Land ohne Probleme in die Tasche steckt. Die SPD (MP Brandenburg, Juniorparter Bund) wird schon dafür sorgen, dass die Profite Teslas nicht zu kurz kommen. Danach wird Musk einfach weiterziehen.

    Alle Jahre wieder wird irgendwo von einem dummen Volk eine ebenso dumme Regierung gewählt. Zum Segen der Musks dieser Welt.

  • #9
    Helmut Junge

    Kiefern wachsen sehr schnell. Mein Nachbarhatte seine nach ca.25 Jahren gefällt, weil sie in die Stromleitungen zu wachsen drohte. Dieser Baum war etwa so hoch wie die Kiefern auf dem Foto oben, aber dicker, weil sie ein Einzelbaum war. Auf den Bäumen im Foto kann man nicht einmal ein Baumhaus bauen. Die sind zu dünn, weil sie absichtlich viel zu eng gepflanzt wurden. Plantagenwirtschaft ist eben auf Ertrag orientiert. So wie Porree-Beete im Nutzgarten auch. Sollen schnell hoch wachsen. Darum so eng gepflanzt. Aber wie gesagt, nicht baumhaustauglich.

  • #10
    Jupp Heynckes

    Stefan, wisch Dir mal den Schaum vom Mund 😉

    Musk ist ein einziges Windei.
    Er wird garantiert nicht ohne Subventionen bauen,
    Hat bisher nur eine Absichtserklärung abgeben
    Und zündet auch sonst gerne Nebelkerzen, wenn die Zahlen gegen Tesla sprechen.

  • #11
    ke

    Dann können Bund und Brandenburg gleich die Hyperloop Strecke Grünwalde – Flughafen bezahlen.

    Wenn Musk ein wirkliches Interesse hätte, würde er nicht dort bauen. Dass Berlin kein Interesse an Industrie und Arbeitsplätze hat, ist bekannt. Die Nähe zur polnischen Grenze lässt vermuten, woher die Arbeiter kommen.

    Jetzt haben die Berliner Aktivisten endlich wieder ein neues Betätigungsfeld.

    Für NRW etc. ist das natürlich besonders peinlich, gegen Berlin und sein Umland zu verlieren.

  • #12
    Joerg

    @Gerd
    Ich bitte sich erst einmal richtig informieren:
    1. In Batterien sind keine seltenen Erden, Kobalt ist keins.

    2. Die Kobaltmengen für Tesla kommen aus den industriellen Linien.
    3. Die Rechnung mit den 200.000 km basiert auf falschen Zahlen, dies hat der Author selber veröffentlicht
    3. Die Batterien stellt Tesla (zusammen mit Panasonic) selber her, hierbei wird in Nevada nur regenerativer Strom verwandt
    4. Alle Tesla Supercharger nutzen regenerativen Strom

    Unabhängig davon, was bei der Ölförderung so alles passiert und das 25% aller Seltenen Erden ( insbesondere Zer) durch den Katalysator in die Umwelt verblasen wird, sollten wir mal nicht erwähnen.

  • #13
  • #14
    Werner Nickel

    @ AndiDo

    du meinst sicher "Kobold": es werden mehr Kobolde für die Herstellung von Diesel benötigt, als für Akkus.

  • #15
    Jürgen

    Na, wenn das mal nicht ein steuergefördertes Windei wird wie Cargolifter. Können Landesregierungen egal wo in Deutschland, nur noch groß, groß scheitern?

    Helmut Junge: Wenn der Kiefernwald zubetoniert ist, ist eben auch kein Wald mehr da, den man "umbauen" könnte. Dann ist da nur noch Beton und Asphalt.

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