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Trauerbeflaggung und Provokation

Nazi-Demo in Dortmund

Gleich gedenkt das ganze Land den Opfern des Nazi-Terrors. Um 12.00 Uhr wird es eine Schweigeminute geben, in NRW wurde Trauerbeflaggung angeordnet.  In Berlin findet die zentrale Gedenkveranstaltung statt. Die Rede wird Angela Merkel halten.

Doch heute finden  auch in ganz Deutschland Nazi-Demos statt. In Hamm zum Beispiel im Gedenken an Horst Wessel. In andere Städten in Erinnerung an Bombenangriffe. Die Anlässe sind beliebig, es geht um Provokation. Aber diese Demonstrationen haben auch ihr Gutes: Sie zeigen dem letzten Zweifler, dass da nicht ein paar Spinner unterwegs sind, die  sich nur zufällig  Nazis geworden sind und genauso gut hätten bei irgendwelchen Fußballschlägern landen können. Nein, die die heute auf die Straße gehen, zeigen ihre Solidarität – mit den den Mördern der NSU und mit dem Nationalsozialistischen Regime. Die Morde an Juden, an Homosexuellen, an Sinti und Roma, an politischen Andersdenkenden, an Kranken befürworten sie ebenso wie den Krieg.

Die Gesellschaft muss überlegen, wie sie auf diese Bedrohung reagiert. Sie kann versuchen sie zu ignorieren, sie kann versuchen zu diskutieren oder sie kann ihr entschlossen entgegentreten. Eines sollte allen klar sein: Die Gesellschaft hat es hier nicht mit Gegnern zu tun sondern mit Feinden.

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5 Kommentare zu “Trauerbeflaggung und Provokation

  • #1
    Walter Stach

    Stefan, ja, es sind Feinde der Gesellschaft! Was ist dagegen zu tun? Ignorieren, diskutieren,entschlossen entgegen treten, ja, aber…………!

    Ich komme mir trotz meiner Anstrengungen, gelegentlich, aber wohl unzureichend, durch Ignorieren den Neo-Nazis meine Verachtung zu demonstrieren, gelegentlich durch Diskutieren den inhaltlichen Unsinn der Neonazi-Parolen aufzuzeigen oder durch Teilnahme an Protestaktionen den Neo-Nazis entgegen zu treten, hilflos, machtlos vor.

    Kann es sein, daß jahrelang bei uns die Gesellschaft insgesamt, konkret aber auch in der Politik im Bund, in den Ländern, in den Kommunen die Neo-Nazis eben nicht als Feinde der Gesellschaft erkannt und dementsprechend auf sie präventiv in notwendigem Maße reagiert wurde und reagiert wird?
    Zudem, so scheint mir , ist bisher staatlicherseits durch die Polizei, durch die Strafverfolgungsbehörden, durch die Gerichte repressiv nicht im gebotenen Maße auf rechtswidrige Aktionen der Neo-Nazis reagiert worden.

    Letztlich, so meine ich, ist es richtig, wenn Du die Gesellschaft in die Pflicht nimmst, also uns alle. In der Gesellschaft werden m.E., auch nach den Morden des sog. NSU, die Problematik der Neo-Nazis und ihre feindliche Einstellung gegenüber Staat und Gesellschaft nicht hinreichend wahrgenommen.Auch die heutige Gedenkveranstaltung, befürchte ich, wird mehrheitlich in der Gesellschaft zwar registriert werden -so nebenbei?-, dürfe aber kein Anlaß sein, in der Gesellschaft insgesamt und in der Politik im besonderen nachhaltig über einen in Quantität und Qualität anderen Umgang mit den Feinden der Gesellschaft nachzudenken und dementsprechen zu handeln. Was kann ich, was können wir tun?

  • #2
    Walter Stach

    Nachtrag: Ich habe so eben die Rede der Kanzlerin gehört: beeindruckend, nachdenklich stimmend, konnte dem Anlaß entsprechend nicht besser sein.(Bekanntlich gehöre ich ansonsten nicht zu den „Fans“ der Kanzlerin.)
    Die Rede verdient es, für ihre Verbreitung zu werben, u.a.in den Schulen. Vielleicht kommt es ja aufgrund dieser Rede einhergehend mit der Autorität der Kanzlerin dazu, daß sich Gesellschaft und Staat ab sofort in Quantität und Qualität sowohl präventiv als auch repressiv mit ihren Feinden in der Neo-Naziszene wesentlich intensiver auseinandersetzen und ihnen entgegentreten als das bisher der Fall war.

  • #3
    Jan Hecht

    Es ist erschreckend, dass eben nicht nur die Straßennazis diesen Tag nutzen um ihre gequirlte Scheisse zu verbreiten, sondern dass viele die angebliche Anonymität soziale Netzwerke nutzen, um Opferrelativismus zu betreiben. Da wird die Teilnahme an der Gedenkminute dann verweigert, weil keiner an die Opfer von Migrantentätern und /oder linksextremistischer Gewalt denke oder es keine Gedenkminute für gefallene Soldaten (!?!) gäbe… Und das nicht auf den Seiten der Jungen Freiheit oder dem Deutschland Echo, sondern auf Spiegel Online oder der Tagesschau…

  • #4
    Walter Stach

    Jan Hecht: Ja, was sich da tut, ist unfaßbar, aber Realität. Ich denke, daß der Geist bzw. Ungeist dieser Relativisten derselbe ist, von dem seit l945 auch die Relativisten des Holocaust beherrscht werden und der auch den alltäglichen Rassismus bestimmt. Und dies ist der alltägliche Rassismus, von dem die Kanzlerin heute zurecht mahnend sagt, daß zu oft weggehört wird. Ich erlebe das doch selbst, zum Beispiel beim Besuch eines Bundesligaspieles und stelle dazu, daß ich dann ehe dazu neige, weg zu hören und mich nicht einzumischen;manchmal auch aus begründeter Furcht vor gewaltbereiteten angetrunkenen sog.Fans. Einmal ist es mir mit einigenünennachbarn gelungen, einen Stadionbesucher über eine Intervention beim Vereinsvorstand durch ein Stadionverbot zu bestrafen“ Dessen regelmäßige rassistischen Schreiereien gegen jeden farbigen Spieler -auch der eigenen Mannschaft-waren absolut unerträglich und ließen sich auch nicht durch freundliche Bitten an ihn abstellen, im Gegenteil, je mehr wir uns über ihn aufregten, umso lauter und unerträglicher wurde sein Geschrei.

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