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Überlegungen eines möglichen Nichtwählers

Olaf Scholz Foto: Olaf Kosinsky Lizenz: CC BY-SA 3.0 de


Die Parteien rüsten zum Wahlkampf, haben ihre Wahlprogramme bereits gestrickt oder basteln derzeit wie die CDU daran. Wahlprogramme sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich kaum jemand außerhalb der Politiker- und Journalistenblase dafür interessiert. Von unserem Gastautor Wilhelm Klümper.

Denn dort wird das Blaue vom Himmel versprochen. Und nach der Wahl gibt es tausend Gründe – der Koalitionspartner will nicht, Putin hat Husten, die NATO wird zu teuer, Hochwasser, Dürre, die Weltkonjunktur, Corona, zu viele teure Rentner -, warum das Wahlprogramm leider nicht umgesetzt werden konnte.

Mittlerweile schaue ich mir belustigt und zuweilen angewidert an, wie sich unsere politischen Spitzenkräfte positionieren.

Die dröge Büroklammer Scholz mit dem ewig lächelnden Pokergesicht, merkwürdig tricky bei Wirecard, macht mit offenem Hemdkragen auf locker-energisch und vor allem kompetent.

Laschet gibt den nationalen Wort-zum-Sonntag-Versöhner-Pastor, der sich nicht scheut, nicht nur seine Eierei in der Corona-Krise einfach zu überspielen und schönzureden.

Baerbock will als kesse, vorlaute Schulsprecherin gleich den ganzen Laden übernehmen und frisiert ungeniert ihren spärlichen Lebenslauf. Tut ihr leid. Na, dann.

Habeck macht auf Philosoph, dessen Schwurbeleien Leute ohne Soziologie-Grundkurs nicht verstehen.

Söder badet jetzt lau, weil es jetzt besser für ihn ist. Notfalls summt er auch mit den Bienen um die Wette und rückt den Bäumen auf die Pelle.

Lindner sagt nur noch vernünftig, vernünftig, vernünftig und glaubt, als Oberstaatstragender immer steifer und gekünstelter rüberkommen zu müssen.

Und da ist noch ein ziemlich unscheinbarer Steinmeier, der ohne Spuren hinterlassen zu haben, sich ohne jeden Selbstzweifel und ohne gefragt zu werden, weiterhin als Bundespräsident ins Spiel bringt. Journalisten jubeln, weil sie das für einen politischen Coup halten. Der normale Bürger würde eher peinlich dazu sagen.

Es ist offenbar eine besondere Sorte Mensch, die es in die große Politik zieht, um dort Karriere zu machen. Trickser gelten vor allem bei journalistischen Politikbeobachtern als geschickt, Schleimer als Ausgleicher, Opportunisten als Realpolitiker.

Das Verhalten unserer Spitzenpolitiker ist eine Beleidigung des Souveräns. Der Souverän als ziemlich doofes Stimmvieh. Eigentlich ein hinlänglicher Grund, nicht zu wählen. Wer möchte als aufgeklärter Bürger schon, dass einer der Obengenannten sich bei seiner Politik auch noch auf einen berufen kann.

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2 Kommentare zu “Überlegungen eines möglichen Nichtwählers

  • #1
    Wanzek Ursula

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    bravo, Sie sprechen mir aus der Seele! Ich könnte den Schreiber des Artikels umarmen!

    Aber trotzdem gehe ich wählen!

    Mit freundlichen Grüßen

    Ursula Wanzek

  • #2
    DAVBUB

    Jedem Bürger steht es frei, sich in der Politik zu betätigen. Wer damit zurecht kommt, daß sein gesamtes Leben unter die mediale Lupe genommen wird; seine sexuelle Orientierung, sein Familienleben sowie seine wirtschaftlichen Unternehmungen von einer moralischen Journaille
    in die Öffentlichkeit gezerrt werden, kann das gerne tun. Das muß man ertragen können, für mich auch eine Art der charakterlichen Stärke. Das über "die Politiker herziehen" sichert garantiert viel Applaus, besser machen wäre aber die Alternative. Auch ich kann mich da nicht gänzlich ausschließen, unterstelle aber jedem Politiker zumindest ein zentrales, menschenfreundliches Motiv. Etwas, das ihnen wirklich am Herzen liegt, und für das sie den ganzen Mist in Kauf nehmen.
    Auch wenn ich z.B. die o.g. Einschätzung von Baerbeck teile, glaube ich nicht, daß diese ausschließlich aus egoistischen Motiven antreten. Manche ihrer Ziele teile ich sogar, allerdings gefällt ihr Weg dahin mir nicht. Das kann ich ja dann an der Wahlurne artikulieren.
    Für mich ist die Demokratie immer die Wahl zwischen den verschiedenen Übeln gewesen. Immer noch besser, als nur ein Übel übergestülpt zu bekommen.

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