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„Und auf einmal haben sie deine Adresse“

marco
Marco, ein linker Aktivist, wird auf einer rechten hooliganinternen Seite „geoutet“. Sein Klarname und seine Adresse werden veröffentlicht, zusammen mit verschiedenen Anschuldigungen gegen ihn. Einschüchterungsversuche sind oft die Folge solcher „Outings“. Ich traf ihn. 

Ein Samstagnachmittag Ende November am Duisburger Hauptbahnhof. Hier treffe ich Marco, dessen Adresse schon im Juli auf einer rechten Internetseite veröffentlicht wurde. Nun, so scheint es, wurde seine Adresse erneut veröffentlicht. Diesmal geschah dies auf einer rechten hooliganinternen Seite. Am Abend vor dem Treffen erhält Marco Ehrenholz, wie er mit vollem Namen heißt, eine Facebook-Nachricht, in der er er gewarnt wird. In der Nachricht, die Ruhrbarone.de vorliegt, wird er beschuldigt, an „Prügelattacken und anderem auf politisch Andersdenkende“ beteiligt gewesen zu sein. In der gleichen Nachricht wird er informiert, dass er auf einer „hoolinternen Seite“ geoutet wurde. Gewarnt wurde Marco wohl nur deshalb, weil der Verfasser der Nachricht „total gegen solche Racheaktionen“ ist, wie er in der Nachricht sagt.

„Ein ungutes Gefühl ist auf jeden Fall da. Ich hoffe ich fahre nachher nicht mit denen zurück.“, sagt Marco, während wir uns ein Stück vom Bahnhof entfernen und uns in ein nahe gelegenes Café setzen. Das ungute Gefühl ist nicht unbegründet, schließlich findet am gleichen Tag in einer etwas weiter weg gelegenen Stadt eine rechte Demonstration statt. „Ich hatte eine Schlägerei mit dem Stadtverordneten von Pro-Nrw. Ich vermute daher haben die auch meine Nummer. Ich denke, das könnten die mit „Prügelattacke“ meinen“, sagt Marco, als ich ihn auf die Anschuldigungen anspreche. Ein paar Monate nach Veröffentlichung seiner Adresse Ende Juli zog er in eine neue Wohnung. Zuvor wurde die Haustür und das Auto der Familie mit zahllosen rechten Stickern beklebt, um Marco und seine Familie einzuschüchtern. Die neue Adresse blieb geheim, offiziell ist er noch unter der alten Adresse gemeldet. Damit gerechnet hat er deshalb nicht: „Ich dachte mit der Sache im Sommer wäre die Sache erledigt.“ Mit Rechten kam er schon als Kind in Berührung. In seiner Kindheit lebte er unweit des „braunen Hauses“, das lange Zeit der Treffpunkt des rechten „Aktionsbüros Mittelrhein“ war. 2012 fing Marco dann an, sich bei der Bonner Jugend, einer linken Jugendbewegung, zu engagieren. Im Frühling 2014 gründete er mit anderen Interessierten die Linksjugend Bonn.

Kein Einzelfall

Zu dem antifaschistischen Engagement kam Marco, als er sich verstärkt mit Flüchtlingsarbeit beschäftigte und wo man, laut ihm, „um Nazis leider nicht drum rum kommt.“ Marcos‘ Grundsatz lautet: „Wir dürfen nie wieder zulassen, dass solche Menschen an die Macht kommen. Daher ist es die Pflicht eines jeden, sich aktiv gegen die rechte Ideologie zu stellen!“

Die Geschichte von Marco ist dennoch kein Einzelfall. Immer wieder werden politisch Aktive von Rechten bedroht. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten stieg laut dem Verfassungsschutz im vergangenen Jahr um 20%.

Systematisch werden Personen, die sich gegen Rechts engagieren, eingeschüchtert und bedroht.

„Outings“ sind bei solchen Einschüchterungen sehr beliebt. Die Adresse, der Name und meistens das Bild der Person, oft auch die Telefonnummer, werden veröffentlicht. Außerdem wird ein Hinweis wie zum Beispiel: man könne „mal anonym anrufen“ und solle „kreativ sein“, gegeben.

Auf Outings folgen oftmals Einschüchterungsversuche wie Drohungen, Sachbeschädigungen und teilweise auch Gewalttaten.

„Mit der Polizei will ich nicht kooperieren!“

Noch ist nichts weiter passiert. Die neue Adresse ist wohl weiterhin in der Hooliganszene nicht bekannt. Marco sagt aber, dass unter der alten Adresse immer noch Teile seiner Familie leben. Polizeischutz lehnt er strickt ab: „Mit der Polizei will ich nicht kooperieren! Ich denke es geht auch so.“ In den nächsten Tagen will er sich mit der Antifa in Bonn zusammensetzen und das weitere Vorgehen planen.

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11 Kommentare zu “„Und auf einmal haben sie deine Adresse“

  • #1
    Bertucho

    Inhaltlich ein sehr interessanter und wie ich finde auch “runder“ Artikel. Aber – Praktikant hin oder her – ein Korrekturlesen hätte definitiv nicht geschadet. Zahlreiche Zeichenfehler zerstören leider den Lesefluss. Ganz unangenehm: Das Apostroph bei “Marco’s (sic) Grundsatz lautet…“. Stellenweise zu viele oder zu wenige Leerzeichen. So, genug Oberlehrer gespielt. Der positive Inhalt überwiegt auf jeden Fall ;-).

  • #2
    pommeskind

    @#2 Robert Gorny: Was genau willst du uns mitteilen? Die Ruhrbarone sind gegenüber Rechten nicht tolerant genug? Raus aus meinem Internet, aber ganz schnell!

  • #3
  • #4
    Klaus Lohmann

    „Ich hatte eine Schlägerei mit dem Stadtverordneten von Pro-Nrw“ – Sorry, aber das steht da viel zu plakativ, um es im restlichen Artikeltext geflissentlich zu ignorieren. Man muss kein Antifa-Gegner sein, um da eventuelle Zusammenhänge mit dem späteren „Mit der Polizei will ich nicht kooperieren!“ zu hinterfragen. Der Kampf gegen Nazis kann doch bitte nicht in einer dumpfen, pubertären „Streetfighter“-Parallelwelt gipfeln.

  • #5
    Thomas Weigle

    @ Stefan ich kenne den gelöschten Kommentar nicht, aber hättest du dann nicht auch den unsäglichen dummen Kommentar eines gewissen Utz K. aus D. löschen müssen, dessen weinerliche Blödheit und Arroganz ja wohl nur noch von Höger und Konsorten übertroffen wird.

  • #6
  • #7
  • #8
    Richard Diesing

    @Klaus Lohmann
    Wie diese Prügelei genau war kann ich, da ich nicht dabei war, nicht wiedergeben.
    Fest steht: Es kam zu dieser Prügelei und beide Konfliktparteien sagen, dass sie nicht damit angefangen hätten;)
    Dazu die Berichterstattung:

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/bonn-zentrum/kleinkrieg-um-schlaegerei-am-freitag-article1296296.html

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/bonn-zentrum/Schlaegerei-auf-dem-Friedensplatz-article1294002.html

  • #9
    Tom

    Wie heißt es immer so schön „Was Du nicht willst das man Dir tut, das füg auch keinem andern zu“. Eine Runde Mitleid für den armen Linken …..

  • #10
    Tom

    Intressant das er sich als das arme Opfer hinstellt ,aber die Antifa genau nach dem selben Prinzip handelt

  • #11
    Rainer Möller

    Es weiß doch eigentlich jeder halbwegs informierte Mensch, dass beide Seiten – Rechte und Linke – in puncto Outen die gleichen Praktiken anwenden. Ist es also möglich, dass Marco als einziger das nicht mitgekriegt hat? Oder will er sich da selber etwas einreden? Oder wendet er sich an ein Publikum, dass politisch total uninformiert ist? Oder glaubt er, dass Dinge wahr werden, wenn man sie nur oft genug wiederholt?
    Ein interessantes psychologisches Problem.

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