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Vom Kreuz mit dem Kreuz bei der Europawahl 2019

Protest gene die AfD in Waltrop: Maybrit Killner (Münster) und Andreas Kemna aus Recklinghausen; Foto: Peter Ansmann

Es ist Samstag. Dass heißt, hier im Blog sind wir mit unseren Stammlesern mal wieder weitestgehend unter uns. Eine prima Gelegenheit also, um uns hier in vergleichsweise kleiner Runde einmal über die am kommenden Sonntag (26. Mai) anstehende Europawahl zu unterhalten.

Da ich am nächsten Wochenende nicht in NRW sein werde, habe ich schon Briefwahl gemacht. Mich braucht also niemand mehr zu überzeugen, was in diesen Tagen wohl die beste Wahl ist. Meine Stimme ist schon in der Urne. Wen ich gewählt habe? Nun, das verrate ich euch hier gerne. Nicht allerdings ohne dabei zu erwähnen, dass es mir mit meinen jetzt schon fast 48 Jahren noch nie so schwer gefallen ist mich zu entscheiden.

Wie ich hier im Blog schon zu unterschiedlichsten Anlässen geschildert habe, stamme ich ursprünglich aus einer klassischen SPD-Familie. Als politisch interessierter, jedoch lange nicht übermäßig engagierter Mensch, war das Wählen der SPD für mich lange Zeit quasi obligatorisch.

Bis kurz nach der Jahrtausendwende war ich der Partei treu. Ich fand es als einer der wenigen damals auch gut, dass Oskar Lafontaine rund um die Deutsche Einheit als einer der wenigen zu etwas mehr Bedacht und Muße gemahnt hat. Gefreut habe ich mich, als Gerhard Schröder Kanzler wurde und damit die Dauerherrschaft von Helmut Kohl beendete.

Anfang des neuen Jahrtausends verlor ich dann jedoch meinen angestammten Job in der Verlagsbranche und ich wurde unsanft aus meiner vertrauten Komfortzone geholt. So langsam begriff auch ich, dass die Situation in die einen die SPD-Jahre an der Regierungsspitze als Arbeitssuchenden über die Jahre gebracht hatten, ganz und gar nicht im Sinne der Arbeitnehmer sein konnte.

Ein spätes Erwachen, über dessen Zeitverzögerung in meiner ‚Birne‘ ich mich lange geärgert habe. Die SPD war für mich plötzlich nicht mehr wählbar. Als politisch links Denkender, wählte ich von da an häufig die Linke.

Nach einem kurzen Intermezzo bei den Grünen, was in erster Linie lokalpolitisch inspiriert war, da mich die Vorgänge rund um den Kraftwerksneubau ‚Datteln 4‘ beschäftigt hatten, verlor ich auch das Vertrauen in die Partei, entwickelte mich zeitgleich, mit steigendem Lebensalter, in eine etwas konservativere Richtung. Spätestens auch nach den jüngsten Forderungen nach Enteignungen von Vonovia und Co. sind inzwischen auch die Linken für mich nicht mehr wählbar. Was also tun?

Ein Blick in den Wahl-O-Mat zur Europawahl bescheinigt mir für alle von mir ausgewählten acht Parteien einen relativ geringen Übereinstimmungsgrad. Alle lagen zwischen 64 und 42 Prozent. Viele Freunde von mir hatten Werte von rund 90 bis 20 Prozent in ihren Ergebnissen. Die höchste Übereinstimmung in europapolitischen Fragen hatte ich, zu meiner eigenen Überraschung mit der CDU. Die ist für mich als immer noch in arbeitspolitischen Dingen links denkender Mensch nicht wählbar. Auch nicht bei einer Europawahl.

Das Ergebnis verunsicherte mich weiter. Sollte es tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben dazu kommen, dass ich eine Wahl freiwillig auslassen würde? Ich stand kurz davor, ehrlich gesagt.

Nach einigen Tagen des Nachdenkens habe ich mich dann für die PARTEI entschieden. Wenn auch mit einigem Bauchgrimmen.

Der entscheidende Punkt war für mich dabei, dass das für mich so eine Art von Protestwahl ist. Ich werde mit dieser Stimme auch nichts ‚kaputt machen‘.

Zugegeben, eine etwas schwache Begründung dafür eine Partei zu wählen. Und doch war es für mich bei dieser Wahl ausreichend um nicht zum Nichtwähler zu werden. Traurig, nicht wahr?

Wenn ich noch einen weiteren Grund dafür aufführen sollte, warum ich mich so entschieden habe, dann würde ich hier und heute die Tatsache nennen, dass die Partei kürzlich beim Auftritt der AfD in meiner Heimatstadt Waltrop als einzige Organisation deutlich wahrnehmbar in der ersten Reihe gegen die Rechten in ‚unserer‘ Stadthalle protestiert hatte.

Auch das ist nur ein schwaches Argument, denn die Partei ist bei uns am Ort eigentlich bisher gar nicht wahrnehmbar aktiv gewesen. Doch sie hatte an diesem Tag als einzige Partei genug ‚Arsch‘ in der Hose. Und das ist dann doch irgendwie ein ganz schöner Grund, warum sie sich meine Stimme diesmal verdient haben. Finde ich zumindest….

So und jetzt zu den wirklich schönen Dingen im Leben. Es ist schließlich noch Fußball heute… 😉

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5 Kommentare zu “Vom Kreuz mit dem Kreuz bei der Europawahl 2019

  • #1
    thomas weigle

    DIE PARTEI oh ja, da sind wir schon zwei, @Robin. Aber ob der heutige Tag schön wird für uns beide, da habe ich so meine Zweifel…

  • #2
    Nina

    Alles nachvollziehbar, was Du schreibst, Robin. ❤️ Für mich wird es auch immer schwieriger eine Wahlentscheidung zu treffen je älter ich werde.
    Mein Geheimnis behalte ich hier für mich, aber ich gehe wählen. ❤️

  • #3
    Wolfram Obermanns

    Mein Wahlschein ist auch schon verschickt. Und auch mir ist es schwer wie nie gefallen mein Kreuzchen zu machen.
    Welchen Wert dieses Kreuzchen hat ist durch die Teilnahme GB’s an der Wahl deutlich geworden. Um bürokratische Probleme geschmeidig zu umgehen, wurde die einzige demokratisch legitimierte Institution der EU zur Operette herabgestuft.

  • #4
    Robert Müser

    Oh ja,
    die erhellenden Erfahrungen mit dem Wahl-O-Mat musste ich auch machen. Es könnte daran liegen, dass man mit fortschreitenden Lebensalter konservativer wird, wie auch an den teilweisen blutleeren Wahlk(r)ampf-Kampagnen der sog. klassischen Parteien von CDU, SPD, FDP, Grüne wie Linke.

    Die CDU hat mit ihrer aktuell fast nicht mehr wahrnehmbaren Kanzlerin, ihrer Vorsitzenden-Darstellerin wie ihrem Spitzenkandidaten, keinerlei Europa-Feuer wie früher.

    Die SPD spielt das EU-Blame Game, zuletzt wunderbar in Sachen Upload-Filter bewiesen.

    Die Grüne, war da was? Heute hörte ich ein Interview im Radio mit einem grünen Spitzenpolitiker, wo mit aller Macht die Arbeitsplätze der Auto-Industrie erhalten werden müssten … Hallo?

    Über den Rest der obigen Parteien legt man den Mantel des Schweigens aus, übrigens auch über Teil des SPD, die Kevin-Partei.

    Als Wähler fühle ich mich auch wg. des Brexits und des daraus folgenden Umgangs mit den EU-Wahlen nicht ernst genommen. Die Kandidaten der diversen Parteien machen eher den Eindruck, dass da einige Versorgungsposten zu verteilen war.

    Mal ein paar Worte zur "Der Partei", wenn ich mir manche Dinge von Martin Sonnenborn aus der nun ablaufenden Periode anschaue, dann wird er bei der oberen Alternativen langsam wählbar – für mich immer noch besser als nicht zur Wahl zu gehen. Ich habe ja noch ein wenig Zeit für eine Entscheidung, noch ist die Entscheidung bei mir nicht gefallen.

  • #5
    ke

    Die Partei ist mir schon fast zu viel Establishment.
    Barley ist auch deutlich besser als Sonneborn. Sonneborn weiß, dass er immer ja/nein stimmt. Bei Barley weiß der Wähler nie, ob sie nun dafür ist, aber degegen stimmt, oder doch degegen ist , aber dafür stimmt … Egal Hauptsache die Kopftücher bei Kindern unter 14 und Vielehen werden nicht eingeschränkt.

    Herr Weber macht mir Angst. Sein Demokratieverständnis beim Artikel 13, die bei der Abstimmung zum Verbot der Konversionstherapie für Homosexuelle stimmte er dagegen …..

    Die Partei ist mir auch zu sehr auf Europa ausgerichtet. Mir ist es aktuell zu viel Europa. Ich will Länder mit eigener Armee, eigene Finanzen etc. Großreiche funktionieren nicht. Großunternehmen die diversifiziert sind, meistens auch nicht.
    Grundsätzlich fand ich die Arbeit in den letzten Monaten und insbesondere auch Herrn Sonneborns Einsichten in die EU-Parlamentsarbeit ernüchternd.

    Lt. Wahlomat war die FDP vorne, gefolgt von den Humanisten.
    Aber warum soll man Lindners Partei von Arbeitsverweigerern nach der letzten Wahl Posten beschaffen? Man hört sie doch auch sonst nie.

    Es wird wirklich immer schwerer.

    Erst Kohl, dann auch wg. der Einheit über Oskar nachgedacht, aber dann doch nicht gewählt. Die Merkel CDU war dann nichts mehr für mich. Führungsstil und Performance der Spitzenkandidaten waren einfach unterirdisch.

    Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich niemals die Grünen wählen würde. Das verhindert wohl ein Job in einer wettbewerbsintensiven Branche verbunden mit MINT-Interessen.
    E-Autos lösen einfach kaum Probleme, schaffen aber sehr viele, und Elektro-Kabel haben auch Felder, wenn man sie nicht sieht. Wir werden auch nicht auf dem kleinen Flecken Deutschland die Welt retten. Geld für Menschen und Planeten kann man sinnvoller ausgeben. Es müssen nicht die Öko-Hobbys von Spitzenverdienern gefördert werden.

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