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Vom nahenden Ende der alten Ostertraditionen

Die ‚Räppler‘ bei ihrem Abmarsch an der St. Peter-Kirche in Waltrop im Jahre 2018. Foto: Robin Patzwaldt

Na, liest Du uns womöglich auch gerade von irgendwo unterwegs, wie die vermutlich meisten an diesem Osterwochenende? Schon ein kurzer Blick auf die Straßenlage zeigt, dass das lange Wochenende von vielen dazu genutzt wird, was mir auch ein Ruhrbarone-Kollege am Donnerstag auf die Frage antwortete, was er den an Ostern alles so vorhabe: ‚Schlafen, essen, Ausflüge, sich mit Freunden treffen‘.

Klingt toll, doch war das vor Jahren nicht ursprünglich einmal völlig anders vorgesehen? 😉

Dass der Einfluss der Kirche hierzulande seit Jahren rapide sinkt, das ist keine grundsätzlich neue Erkenntnis. Doch inzwischen hat dieser Trend Ausmaße angenommen, dass man ihn schon mit bloßem Auge erkennen kann.

Nur ein kleines Beispiel: Hier bei mir in Waltrop (im Kreis Recklinghausen) gibt es seit Jahren eine seltene Ostertradition, das ‚Räppeln‘.

Jugendliche ziehen zwischen Karfreitag und Ostersamstag drei Mal am Tag durch die Stadt. Um 6 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr treffen sie sich an der St. Peter Kirche und ziehen von dort in kleineren Gruppen durch die Gemeinde, ersetzen die in dieser Zeit ’schweigenden‘ Kirchenglocken durch den Klang ihrer Holzrappen. Zwischen ‚Kreuzigung‘ und ‚Auferstehung‘ Jesu soll so an sein Leiden erinnert werden.

Eine, auch für nicht-religiöse Menschen wie mich, durchaus schöne Ostertradition, wie zumindest ich finde. In den vergangenen Jahren mehrten sich jedoch die Widerstände dagegen. Leute fühlen sich zunehmen genervt von dem ‚Lärm‘, möchten lieber ausschlafen an ihren kostbaren freien Tagen. Inzwischen werden die Jugendlichen auf ihrem Zug durch die Gemeinde teilweise sogar offen beschimpft und bedroht, wie die Lokalzeitung kürzlich zu berichten wusste.

Doch nicht nur die Stimmung in der ‚Bürgerschaft scheint schrittweise zu kippen, auch das Interesse der Kirchenjugend lässt offenkundig inzwischen stark zu wünschen übrig. Nicht nur, dass die St.Peter-Gemeinde zuletzt mehrfach öffentlich um Nachwuchs-Räppler werben musste, auch das sichtbare Resultat dieser Bemühungen zeugt mehr und mehr vom mangelhaften Engagement der verbliebenen Kirchenjugend.

Wo früher Gruppen von 6-8 Jugendlichen gleichzeitig in einer Straße erschienen, so wie vor meinem Schlafzimmer, da war es in diesem Jahr lediglich noch eine einzige junge Frau, die die Tradition des Räppelns aufrecht erhielt. In der Straße hinter unserem Haus wurde diesmal überhaupt niemand mehr gesichtet.

Ob man sich darüber nun persönlich freut, oder auch ärgert, hier stirbt sichtbar eine alte Ostertradition.

Warum ich das hier schreibe? Weil es ganz gut in das allgemeine Bild zu passen scheint, die sich im ganzen Land abzeichnet: Ostern ist im Jahre 2019 für viele kein religiöses Fest mehr, sondern, ähnlich wie die Weihnachtsfeiertage, in erster Linie eine tolle Gelegenheit zum Ausspannen, für Feiern und zum Ausflüge organisieren.

Das kann man mögen, oder auch nicht. Die Entwicklung ist einfach so. Für junge Menschen hat die Kirche inzwischen kaum noch Bedeutung. Schon gar nicht, wenn es gilt dafür extra früh aufzustehen.

Aber wie passt diese hier seit Jahren bereits erkennbare Entwicklung zum überraschend gigantischen Spendenaufkommen, dass kürzlich für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame gesammelt werden konnte?

Ich weiß es nicht. Echt nicht. Ihr etwa?

Schöne Ostertage Euch allen! Ich muss jetzt los. Gleich ist Fußball. 😉

 

 

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2 Kommentare zu “Vom nahenden Ende der alten Ostertraditionen

  • #1
    thomas weigle

    Jugendliche morgens um sechs? An einem Feiertag? In den Ferien?
    Notre Dame-schlechtes Gewissen-Prinzip Ablass!!! Man kann ja nie wissen. Doppelkicher!!

  • #2

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