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Vom schwierigen Weg in die Formel 1

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Die Formel 1 gilt als das höchste, was ein Motorsportler erreichen kann. Am morgigen Sonntag startet die neue Saison. Mit Michael Schumacher, Sebastian Vettel und fünf weiteren Deutschen. Es fahren die 24 besten Fahrer der Welt um die Krone ihres Sports. Aber sind es wirklich die besten Fahrer? Wie Geld und die richtigen Kontakte bestimmen, wer in der Formel 1 starten darf.

Wenn am Sonntag ab 13 Uhr ein Millionenpublikum zusieht, wie in Bahrain die neue Saison beginnt, dann sitzt David Hemkemeyer vermutlich in seinem kleinen Studentenzimmer in Peking und lernt. Vielleicht wird im Hintergrund der Fernseher laufen und wenn der 24-Jährige dann hochguckt, dann kann er sehen, was aus ihm hätte werden können. Denn David Hemkemeyer ist der erfolgreichste deutsche Kart-Fahrer, den es jemals gab. Er war zweifacher deutscher Meister und Europameister. So gut war nicht einmal Michael Schumacher. Jetzt sind Fahrer ganz oben, die im Kart nur seinen Auspuff zu sehen bekamen. Und den meist ziemlich klein.

Wenn man David und seinen Vater Theo Hemkemeyer reden hört, könnte man denken, die beiden sind frustriert. Frustriert, weil andere geschafft haben, was ihnen nicht gelang. Nachdem der damals 17-jährige David im Jahr 2002 die Kart-EM gewonnen hatte, wollte er mit einem Schweizer Team die Kart-Weltmeisterschaft fahren. Die Schweizer zogen Familie Hemkemeyer, die selbst einen Kart-Service in Rinkerode - südlich von Münster - besitzt, über den Tisch. Die Saison war gelaufen. Zum Jahresende fuhr David mit Unterstützung des deutschen Motorsport-Bundes drei Formel 3-Rennen. 20.000 Euro zahlten die Hemkemeyers, ein Sonderpreis. Zunächst fehlten David – ohne einen einzigen Test – fünf Sekunden pro Runde auf die Spitze, im dritten Rennen nur noch eine halbe. Im Motorsport gilt derjenige als besonders talentiert, der schnell ist, ohne zu trainieren.

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Die Formel 1 gilt als das höchste, was ein Motorsportler erreichen kann. Am morgigen Sonntag startet die neue Saison. Mit Michael Schumacher, Sebastian Vettel und fünf weiteren Deutschen. Es fahren die 24 besten Fahrer der Welt um die Krone ihres Sports. Aber sind es wirklich die besten Fahrer? Wie Geld und die richtigen Kontakte bestimmen, wer in der Formel 1 starten darf.

Wenn am Sonntag ab 13 Uhr ein Millionenpublikum zusieht, wie in Bahrain die neue Saison beginnt, dann sitzt David Hemkemeyer vermutlich in seinem kleinen Studentenzimmer in Peking und lernt. Vielleicht wird im Hintergrund der Fernseher laufen und wenn der 24-Jährige dann hochguckt, dann kann er sehen, was aus ihm hätte werden können. Denn David Hemkemeyer ist der erfolgreichste deutsche Kart-Fahrer, den es jemals gab. Er war zweifacher deutscher Meister und Europameister. So gut war nicht einmal Michael Schumacher. Jetzt sind Fahrer ganz oben, die im Kart nur seinen Auspuff zu sehen bekamen. Und den meist ziemlich klein.

Wenn man David und seinen Vater Theo Hemkemeyer reden hört, könnte man denken, die beiden sind frustriert. Frustriert, weil andere geschafft haben, was ihnen nicht gelang. Nachdem der damals 17-jährige David im Jahr 2002 die Kart-EM gewonnen hatte, wollte er mit einem Schweizer Team die Kart-Weltmeisterschaft fahren. Die Schweizer zogen Familie Hemkemeyer, die selbst einen Kart-Service in Rinkerode – südlich von Münster – besitzt, über den Tisch. Die Saison war gelaufen. Zum Jahresende fuhr David mit Unterstützung des deutschen Motorsport-Bundes drei Formel 3-Rennen. 20.000 Euro zahlten die Hemkemeyers, ein Sonderpreis. Zunächst fehlten David – ohne einen einzigen Test – fünf Sekunden pro Runde auf die Spitze, im dritten Rennen nur noch eine halbe. Im Motorsport gilt derjenige als besonders talentiert, der schnell ist, ohne zu trainieren.

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„Es wäre kein Problem gewesen, in der Formel 3 ganz vorne mitzufahren“, sagt David deshalb. Dennoch fand sich kein Sponsor, der den talentierten Nachwuchsfahrer unterstützen wollte. Zwei Kart-Saisons später beendete Hemkemeyer seine Karriere und konzentrierte sich auf sein Abitur. „Im Motorsport“, da sind sich Vater und Sohn einig, „geht es am wenigsten ums Fahren.“ Der Rinkeroder war bei den wichtigen Leuten nicht beliebt genug. Jetzt studiert er in Aachen und Peking Maschinenbau.

Besser hat es Sebastian Vettel gemacht. Als Hemkemeyer 2002 neben der Kart-EM auch seinen zweiten nationalen Titel gewann, landete Vettel im selben Wettbewerb neun Plätze hinter ihm (hier der Saison-Endstand als PDF). Der 22-Jährige Vettel galt im Kart als engagiert und talentiert, aber nie als Überflieger. Den Unterschied zu Hemkemeyer machte Vettels Berater: Gerhard Noack. Der Kerpener hat nach eigener Aussage weltweit die meisten Fahrer vom Kartsport in die Formel 1 gebracht. Er förderte neben Vettel auch Michael und Ralf Schumacher mit privatem Geld. Zudem lernten Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen auf seiner Kartbahn in Kerpen das Fahren. Nicht umsonst kommen viele deutsche Formelsportler aus dem Rheinland. (Im Übrigen sind auch die Fahr-Fotos dieses Beitrags in Kerpen entstanden).

Für Noack ist das Kart immer noch die Grundschule des Motorsports. „Wer nicht Kart fahren kann, wird nicht erfolgreich“, sagte er (vor mittlerweile einem Jahr, damals für Zeit-Online) den Ruhrbaronen. Umgekehrt gilt das aber nicht: Wer Erfolg im Kart hat, wird noch lange kein Formel 1-Fahrer. „Ein Rennfahrer muss außerdem interessant sein, ein echter Typ. Er muss mit den Medien umgehen können und die Sponsoren müssen ihn mögen“, sagt Noack. Talent haben viele, ganz nach oben schaffen es die wenigsten. „Leider scheitern viele schon früh, weil sie einfach kein Geld haben. Heutzutage ist der Aufstieg wirklich extrem schwer. Viele unterschätzen das immer noch“, sagte damals auch Sebastians Vater Norbert Vettel. „Und es wird immer teurer.“ Den Umstieg vom Kart in die Formel-Klassen hätte Sebastian Vettel laut Vater Norbert heute nicht mehr geschafft. „Das erste Jahr Formel BMW haben wir schon damals nur mit Hängen und Würgen hingebracht.“

Um nach ganz oben zu kommen, muss ein Motorsportler alles opfern. Und selbst das reicht nicht aus. Bei Sebastian Vettel hat sogar der Großvater seine Brieftauben verkauft, Vater Norbert und Mutter Heike steckten den Gewinn der familieneigenen Zimmerei in Sohnemanns Karriere. Einziges Hobby waren der kleine Basti und sein Kart. Auch die drei Geschwister steckten zurück. Mit drei Jahren raste Vettel im selbstgebauten Vehikel erstmals über das bucklige Pflaster des elterlichen Hofs im kleinen Heppenheim an der Bergstraße. Rechtskurve, wenden, Linkskurve, wenden. Immer und immer wieder. Schön zu sehen ist das in einer alten 37°-Reportage des ZDF, die David Hemkemeyer und Sebastian Vettel als damals noch unbekannte Kart-Verrückte Kinder portraitiert. Vettel war damals acht oder neun Jahre alt. Leider ist die Reportage nicht online verfügbar. Im Alter von zehn Jahren übernahm dann Gerhard Noack. Der richtige Kontakt zur richtigen Zeit bedeutet im Motorsport die Karriere.

Wer im Kart Erfolg hat, braucht laut Schumacher-Entdecker Noack im Schnitt noch etwa 2,5 Millionen Euro bis in die Formel 1. Zwei Jahre Formel BMW, zwei Jahre Formel 3, ein Jahr GP2-Serie. In dieser Zeit steigt der Druck von Jahr zu Jahr. Dabei zerbrechen schon im Kartsport, wo eine Saison fünfstellige Summen verschlingt, viele an den psychischen Belastungen. Auch Familie Vettel dachte oft darüber nach, aufzugeben. „Es gab viele Momente, wo ich gedacht habe: Das reicht, ich lasse mir mein Kind nicht kaputt machen“, sagt Vater Norbert Vettel. Jetzt ist sein Sohn Deutschlands neuer Schumacher, Vize-Weltmeister, Superstar – die Opfer haben sich gelohnt.

David Hemkemeyer kennt dagegen kaum jemand. Aber der 24-Jährige ist auch ohne Formel 1 glücklich. Obwohl er sich bei Fahrfehlern von Niko Rosberg oder Adrian Sutil immer noch die Haare rauft, hat er Abstand gewonnen zum Formel-Zirkus. In Peking macht er ein Auslandsjahr, vielleicht fährt er zum Formel 1-Rennen nach Shanghai oder Kuala Lumpur. Aber nur vielleicht, das Studium geht vor. Nächstes Jahr macht Hemkemeyer sein Diplom an der RWTH Aachen, später einmal will er im Automobilbereich arbeiten. Aber nicht im Motorsport. Da ist er vorgeschädigt.

Der Text ist in gekürzter, unverlinkter Form bei ZDFonline und in der Neuen Osnabrücker Zeitung erschienen. Ein Interview mit Sebastian Vettels Vater Norbert aus dem Vorjahr zum selben Thema findet sich auf Zeit-Online.

Die Fotos sind von mir, das Rennbild aus dem Jahr 2004, das Portrait im Rennanzug im Kart-Service seines Vaters Theo Hemkemeyer in Rinkerode aus dem Jahr 2005.

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5 Kommentare zu “Vom schwierigen Weg in die Formel 1

  • #1
    Paul

    Spannend zu lesen; leider auch ziemlich bitter. Aber Vitamin-B ist aus so ziemlich keinem Bereich wegzudenken, in denen unbekannte Menschen in die Prominenz aufsteigen.

    Werd den F1-Auftakt morgen jedenfalls mit anderem Blick ansehen.

  • #2
  • #3
    Frank

    Schließe mich meinen Vorrednern an. Mitnehmende Story und sehr gut geschrieben.

    Dass sich nicht der Beste nach oben durchsetzt, sondern der Glücklichste, ist ein tief verankertes Prinzip in unserem System. Das gilt nicht nur im Sport, es gilt auch in der Wirtschaft.

    Ich würde David Hemkemeyer ehrlich gesagt empfehlen, doch mal über einen Einstieg in die Entwicklung eines Autoherstellers nachzudenken. Die Ingenieure mit Benzin (oder künftig: Ampere) im Blut werden nämlichim digitalen Zeitalter weniger. Da freut man sich über jeden, der diese Leidenschaft teilt 🙂

    In der Antriebsentwicklung passiert im Moment so viel. Wer für Autos und das Fahren eine Leidenschaft hat, der kann da sehr Wertvolles zu beitragen.

    Also, erst mal das Diplom bestehen, dann mal Luft holen und ein bisschen Gras wachsen lassen. The road ahead kann noch sehr spannend werden!

  • #4
    Daniel Drepper

    @ Frank: Hemkemeyer denkt tatsächlich darüber nach, in der Entwicklung von Kraftstoffen zu arbeiten. Alternative Brennstoffe usw. Nur mit dem Motorsport wird es wohl in Zukunft nichts mehr werden.

    Interessant ist der Formel 1-Auftakt in dieser Hinsicht vor allem, wenn man sich mal ganz dezidiert die Mühe macht und schaut, wer im Kart wirkliche Erfolge gefeiert hat. Wie in der Geschichte schon angedeutet, gehört der Teamkollege eines berühmten Comeback-Seniors eher nicht dazu.

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