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Wählen mit 16: „Welche Spasten wählst du Diggah?!“ – unsere Jugend als Mitbestimmer

Da werden sich die Jugendlichen freuen! Oder etwa nicht? SPD und Grüne scheinen  es mit ihrem „my sweet Wahl 16“ völlig ernst zu meinen. Nun sollen nach Bremen und Brandenburg auch noch NRW und Schleswig Holstein folgen. Aber wer profitiert von solch einem Aufwand? Von unserer Gastautorin Amal Agüero. Amal ist 16 Jahre alt, wohnt in Hockenheim in Baden Württemberg und besucht die 10. Klasse eines Gymnasiums.

Bekannt ist jedenfalls, dass kaum ein Jugendlicher sich für Angies Euro-Schlacht oder den Bitchfight in Mitten der FDP interessiert. Wieso auch, wenn man ohnehin paar Scheine von der Mama zugesteckt bekommt und die FDP für „Freude- Drogen-Party“ steht? Auch das internationale politische Desinteresse reicht von „Hollande ist Kommunist“ bis hin zu „Nordkorea ist eine Demokratie“. Welcher Lehrer möchte sich nicht daraufhin am liebsten an Kim Is Sungs nicht vorhandener Rakete festbinden? Angeblich soll das Interesse automatisch mit dem Wahlrecht kommen, aber wie ich beobachten kann, ist bei vielen dieses Interesse auch im Alter von 40 noch nicht angekommen. Es hängt anscheinend irgenwo zwischen „extrem politischen Misstrauen“ und schlichter „Ahnungslosigkeit“, wobei das Zweite ganz klar auf unsere doch nicht so boss-like Jugend zutrifft.

Und wen wählen sie denn, wenn sie überhaupt mitbekommen, dass sie nun auch wählen dürfen? Etwa die verklemmenten Christ-Demokraten oder das Problemkind FDP? Polemische Aussagen, aber danach wählt die Jugend! Welcher 16-jährige würde sich in seiner freien Zeit, in der er sich mit Bier die Kante geben kann oder ein drittes Mal Battlefield durchzocken könnte um danach selbst festzustellen, er könnte mit diesen überragenden Fähigkeiten zur Bundeswehr, über irgendwelche Parteien informieren? Es gibt ja sehr zuverlässige Medien durch die man eh alles Wichtige mitbekommt, wobei natürlich die BILD eine Pionierrolle übernimmt. Es ist nicht schwierig zu wissen, was Jugendliche wollen und was nicht. Oder symphatisiert heute noch jemand Nazis, Atomkraft oder Korruption? Während sich dann einige Parteien wochenlang in den eigenen Reihen den Kopf zerbrechen, präsentieren sich Grüne, SPD und weitere stolz als Wegweiser Deutschlands den Medien. Im Grunde genommen ist das nichts anderes als Werbung und auch nicht weniger nervig. Unsere Smartphonesüchtige-Generation, die allerdings nicht so smart zu sein scheint, wählt also das, was sie serviert bekommt. Aber was ist, wenn der Traum eines jeden Facebooksüchtigen und Youtubers wahr wird? Eine Partei für das Internet? Eine Partei, die sich dem Erzfeind der Jugendlichen – nämlich der GEMA stellt – und die auch noch so in ist zur Zeit? Dass diese Partei noch nicht mal ein richtiges Parteiprogramm zustande bekommt, ist dabei völlig irrelevant.

Parteien wie CDU oder FDP können daraufhin nur hoffen, dass ihre unzähligen Freibiere bei öffentlichen Festen was bewirken, und die Jugendlichen vielleicht bis zu der Wahl immer noch betrunken das Kreuz an der richtigen Stelle setzen. „Never say never!“ sagte ja auch irgend so ein Jugendlicher.

Wenn man sie fragt was wichtiger sei: Alleine Auto fahren ab 16 oder wählen ist die Antwort klar: „Mit dem dicken Benz vom Vater paar Weiber abholen.“ Was springt für diese Altersklasse also überhaupt dabei raus? In ihrem Leben gibt`s ja natürlich Wichtigeres, als die eigene Zukunft und Politik mitzugestalten. Aber schon fast überraschend gibt es anscheinend sogar Jugendliche, die über politisches Wissen verfügen! Die sogar eine „ntv“- oder „Spiegel“-App auf ihrem Smartphone haben und die vielleicht sogar wissen, dass Bundeskanzler nicht gleich Bundespräsident ist! Aber wie auch bei Erwachsenen bilden diese nur die extreme Minderheit.

Am Ende gehen also nur Parteien, die sich richtig zu präsentieren wissen, als Gewinner hervor. Ein neuer Konkurrenzkampf um Bubble-Tea-Säufer würde entstehen, der meines Erachtens das Niveau der Wahlkämpfe noch weiter runter schraubt. Eine Apple-Windows-Schlacht der Politik, um Stimmen von Kindern zu erhalten, deren wichtigste Wahl immer die nächste App auf ihrem Handy sein wird.

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15 Kommentare zu “Wählen mit 16: „Welche Spasten wählst du Diggah?!“ – unsere Jugend als Mitbestimmer

  • #1
    Arnold Voss

    Ich wäre eher dafür, zumindest das Wahlalter wieder auf 21 heraufzusetzen. 😉

  • #2
    ANNE W.

    ganz toll geschrieben!!!!!!!!!!!! da können sich ältere journalisten zum teil eine scheibe abschneiden, mut zur meinung, genauigkeit in der beobachtung, alles da…

  • #3
    TuxDerPinguin

    Liebe Amal,

    ich bin nun schon ein paar Jährchen älter als du…
    und auch ich halte die meisten meiner gleichaltrigen, oder älteren, aber auch jüngeren Mitmenschen für zu ahnungslos, um wählen zu gehen. Sie tun es aber trotzdem. Dabei sagte schon Nuhr: Wer keine Ahnung hat, einfach mal…
    So gesehen ist die Wahlbeteiligung, über die immer gejammert wird, viel zu hoch 😉

    Nicht jeder Wahlberechtigte muss auch Wählen gehen, wenn es ihn nicht interessiert oder überfordert.
    Und wenn wir über die Befähigung der Wähler reden, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Das würde zu einer großen Diskussion mit dem Fazit „ist halt so“, denn wie will man entscheiden, ob eine Person jetzt gute Gründe hat und informiert ist über alle Parteien.

    Und Amal, um dich zu beruhigen. Es wird keine jungen hippen Klingel-Bimmel-Wahlkämpfe für Jugendliche geben. Dafür ist deren Zahl/Anteil zu gering. Nein, es gibt auch weiterhin nur staubigen hobel klobel Mottenkisten-Wahlkampf für die Rentner-Generation.

  • #4
  • #5
    Daria Morgendorffer

    Kein schlechter Artikel, nur ein bißchen viel Generationshass aus den eigenen Reihen..

  • #6
    Ernesto Ruge

    Gott bin ich froh dass ich kein solches Weltbild habe. Bzw bin ich froh, dass es nur eine Untergruppe ist, die die Autorin beschreibt. Wenn man den Artikel umschreibt und die typischen Stammtisch-Gespräche als 100% bei Erwachsenen übliche Meinung nimmt wird man auch eine Diktatur fordern können – immerhin wären Menschen ja eh zu doof für Demokratie.

  • #7
    Jan Sören K

    Geschrieben ist der Artikel wirklich gut – dem kann ich einfach nicht widersprechen.
    Leider hat der Abschnitt zur „internetsüchtigen Generation“ mit akuter Zustimmung zu der die GEMA-attackierenden Partei zu viel der Würze abbekommen. Das wirkt einfach nur polemisch.

    Inhaltlich spiegelt dieser Artikel viele Ängste wieder. Und ich würde sagen, die allermeisten davon sind bei den 16- und 17-jährigen durchaus berechtigt. Und dann kommt dieser Satz:
    „Aber wie auch bei Erwachsenen bilden diese nur die extreme Minderheit.“

    GENAU DAS ist einfach der Punkt. Bei vielen Erwachsenen sind viele der Befürchtungen einfach schon Fakten – unabhängig vom Alter. Ob man „aus Gewohnheit“ oder Standesdünkel, Wahlversprechen oder ideologischem Scheuklappentum heraus wählt macht keinen großen Unterschied, wenn die Vorhaben in den nicht-Wahlkampfthemen nicht bekannt sind.

  • #8
    rtq

    @Ernesto
    Das hat weder etwas mit Gott oder dem Weltbild zu tun, noch handelt es sich um eine „Untergruppe“. Gehen Sie einfach mal an eine x-beliebige Schule und stellen 15-jährigen Schülern folgende Frage: Welche Funktion haben die Bundeskanzlerin, der Bundespräsident, der Bundestag, der Bundesrat und die Ministerpräsidenten der Länder? Die Antworten dürften Ihr Weltbild arg erschüttern.
    Ich glaube Ihnen allerdings gerne, daß dies bei bei „ihrer“ grünen Parteijugend anders ist. Und daß die Menschen zu doof für die Demokratie sind, ist ja wohl gerade bei unseren Politikern weiterverbreitete Meinung.

  • #9
    Nansy

    @TuxDerPinguin:

    „…denn wie will man entscheiden, ob eine Person jetzt gute Gründe hat und informiert ist über alle Parteien.“

    Diesen Satz kann ich nur unterschreiben. Ansonsten ist mir dann doch zuviel Überheblichkeit in dem Gejammere über den angeblich uninformierten und ahnungslosen Wähler. Wer will das bewerten und nach welchen Kriterien? Die Wahlbeteiligung ist immer noch zu hoch? Warum? Weil die falschen Parteien statt der „richtigen Parteien“ gewählt werden und dann noch aus den „falschen Gründen“ ?
    Das ist mir dann doch zu dünkelhaft. Sorry

  • Pingback: Links anne Ruhr (06.06.2012) » Pottblog

  • #11
    Arnold Voss

    Die Dummheit ist kein Privileg einer bestimmten Altersgruppe. Ich glaube aber, dass die Interessen junger Menschen aus gutem Grunde weniger politisch sind. Meine eigenen waren es mit 16 auf jeden Fall.

    Ich fände die Einführung des kommunalen Wahlrechtes für ausländische Mitbürger weitaus wichtiger als die Heruntersetzung des Wahlalters für deutsche Staatsbürger.

  • #12
    Freidenker

    „Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn; Verstand ist stets bei Wen’gen nur gewesen. Bekümmert sich um’s Ganze, wer nichts hat? Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl? Er muss dem Mächtigen, der ihn bezahlt, Um Brot und Stiefel seine Stimm‘ verkaufen. Man soll die Stimmen wägen, und nicht zählen; Der Staat muss untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.“ (Friedrich Schiller)

  • #13
    Arnold Voß

    @ Freidenker # 12

    Die Mehrheit muss nicht dumm sein, Freidenker. Sie wird, wenn überhaupt, dumm gehalten.Aber woher sollte Schiller auch die neueren Ergebnisse der Intelligenzforschung kennen. 😉

    „Die Verteilung der Intelligenz ist normalverteilt (Gauss‘sche Glockenkurve). Eine durchschnittliche Intelligenz ist als ein Intelligenzquotient von 100 definiert. Innerhalb des Bereichs plus-minus einer Standardabweichung
    liegen rund 68% aller Werte. Dies entspricht einem IQ-Bereich zwischen 85 und 115 und bedeutet, dass die Intelligenz der meisten Menschen eng
    beieinander liegt.“

    Siehe Näheres:

    http://www.studienstiftung.ch/d/data/262/Roth_Gehirn_und_Begabung_27062007.pdf

  • #14
    Helmut Junge

    @Arnold Voss(13),

    Aber befragt nach der Selbsteinschätzung glauben ebenso rund 68% dass sie oberhalb des definierten IQ von 100 liegen. Der Rest glaubt womöglich sogar, dass er weit, bis sehr weit oberhalb der 100 einzuordnen wäre.
    das ist keine wissenschaftliche Statistik, sondern diese Zahlen habe ich grob aus tausenden persönlichen Gesprächen errechnet.
    Das wäre aber absolut kein Paradoxon, weil die Einschätzung über andere Personen meist deutlich schlechter ausfällt, und so das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Die Glocke von Herrn Gauß bleibt deshalb stabil.

    Übrigens haben nach dem Schillerzitat, damals, zu Schillers Zeiten, Reiche die Stimmen der Armen gekauft, so dass nie die Mehrheit entschieden hat, sondern immer nur diejenige Gruppe der reichen Stimmenkäufer, die über die meisten Stimmen verfügten. Also die Minderheit einer Minderheit.

  • #15
    Emanuel

    Ganz, ganz schwacher und völlig pauschalisierender Artikel. Die Realität sah und sieht so nicht aus. Der absolut überzogene Hass gegenüber Deiner eigenen Generation und im Generellen gegenüber Jugendlichen, gegenüber den scheinbar so vielen Menschen, die das Geld einfach zugesteckt bekommen usw. widert einen an.
    Ich bitte darum, ähnliche „Gastbeiträge“ zumindest in den nächsten 2-3 Jahren zu unterlassen.

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