10

Warum starb Ousman Sey?

Am 7. Juli starb der aus Gambia stammende  Ousman Sey im Dortmunder Polizeigewahrsam. Vorher wurde ihm zwei Mal trotz attestierten Herzrasens der Wunsch verwehrt, in ein Krankenhaus gebracht zu werden. Die Sanitäter riefen schließlich die Polizei, die ihn mit auf die Wache nahmen, wo er an einem  Atemstillstand verstarb.

Am Freitag findet in Dortmund eine Demonstration statt, welche die Aufklärung des Todes von Sey fordert. Die Organisatoren  haben Fragen an die Verantwortlichen bei der Dortmunder Polizei formuliert:

– Wie kann ein Mensch, der offensichtlich ärztliche Hilfe benötigt, in Handschellen(!) in Polizeigewahrsam genommen werden?

– Warum haben die Sanitäter_innen trotz offensichtlich schwerster gesundheitlicher Probleme keine Anstalten unternommen, Ousman Sey in ärztliche Behandlung zu bringen?

– Wie kann es sein, dass Polizei und Presse, trotz der offensichtlich lebensbedrohlichen Umstände, in denen sich Ousman Sey befand, ihn als ‘Randalierer’ und Täter pathologisieren?

– Wäre der Polizeipräsident Norbert Wesseler, der bestreitet, dass es sich hier um rassistisch motivierte Unterlassung von Hilfe handle, auch erst in Polizeigewahrsam gekommen, wenn er den Rettungsdienst wegen Herzrasens kontaktiert hätte? Bliebe er ruhig sitzen, wenn er Todesangst litt und ihm Hilfe verwehrt blieb?

Die Demonstration finden am 20. Juli um 18.00 Uhr vor dem Hauptbahnhof Dortmund statt. Weitere Infos hier.

 

RuhrBarone-Logo

10 Kommentare zu “Warum starb Ousman Sey?

  • #1
    egal

    nur als info die Demo startet HINTER dem Dortmunder HBF. Sprich ausgang Nord 🙂

  • #2
    CyberPunk

    Das liest sich ja doch ganz anders als in bisherigen Presseberichten (…erklärungen?).

    Ich bezweifle allerdings das da wirkliche Untersuchungen stattfinden werden.
    [ironie]Warum auch, is doch nur ein Neger der in Dortmund gestorben is[/ironie]

    Aber vielleicht vertue ich mich da auch und her Wessler darf gehen und einige Polizisten und die Sanitöter dürfen sich einen neuen Job suchen.

    HAHAHA wers glaubt 🙁

  • Pingback: Links anne Ruhr (18.07.2012) » Pottblog

  • #4
    Exaggerator

    Bevor die Sache nicht aufgeklärt ist, kann man keine voreiligen Schlüsse ziehen. Es liegt sicher nahe, dass hier unterlassene Hilfeleistungen, wenn nicht sogar fahrlässige Tötung vorliegt, nur wird es ein Gerangel darum geben, wessen Schuld es war, dass dieser Mann sterben musste. Für mich war es ganz klar der Arzt im Rettungswagen. Die Polizisten konnten nicht anders handeln, hier verließ man sich zu Recht auf die Beurteilung des Mediziners. Wie dumm, dass der Mediziner inkompetent war.
    Ich halte es jedoch für weit hergeholt, dem Arzt rassistische Motive für seine falsche Entscheidung vorzuwerfen. Diesbezüglich sollte man den Ball ganz flach halten. Es wird sich alles aufklären.

  • #5
    blubb

    @exaggerator: niemand zieht hier voreilige Schlüsse. Die Frage, ob ein weisser, im Kreuzviertel wohnender Mensch anders behandelt worden wäre steht aber im Raum, und es ist richtig darüber Aufkärung zu fordern. Wer jetzt den Ball flach hält, leistet Beihilfe zu den Vertuschungsversuchen, die Wesseler (Polizei) und Aschenbrennen (Feuerwehr) mit ihren Statements bei den Ruhrnachrichten ja schon eingeleitet haben. Das diese Leute pauschal behaupten, in ihren Behörden gäbe es keinen Rassismus, ist ein Hohn für die Menschen, die täglich wegen Hautfarbe oder Herkunft am Bahnhof kontrolliert und an Flughäfen abgeschoben werden.

  • #6
    smär

    Es ist leider so, dass in Deutschland immer wieder ausländische Menschen umkommen. Sie werden von der Polizei erschossen, so wie Christy Schwundeck oder Mareamme N’Deye Sarr. Oder Oury Jalloh, der Flüchtling, der fixiert auf einer feuerfesten Matratze in Polizeigewahrsam verbrannte. Oder ein Mann, der während seiner Abschiebung erstickte, weil die begleitenden Beamten ihm einen Motorradhelm aufsetzten und vorne Tücher reinstopften, um seine Hilferufe einzudämmen. In 90% dieser Fälle gibt es Freispruch oder Einstellung.
    Da sieht man: Hier stimmt etwas ganz gewaltig nicht. Den Ball flach halten? Es wird sich alles aufklären?! Sicher??

  • #7
    Jens Web

    @Blubb/Smär:

    Die Fehlentscheidung des Arztes hat vermutlich nichts mit Rassismus zu tun, sondern eher damit:

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aerztepfusch-mehr-patienten-durch-aerztefehler-2011-zu-schaden-gekommen-a-839690.html

    „Die Zahl der bei den Ärztekammern registrierten Medizinerfehler nimmt zu: 99 Menschen sind 2011 an den Folgen der untersuchten Ärztefehler gestorben, 2010 waren es 87 Patienten.“

  • #8
    Grete die Große

    Soviel ich weiß war kein Notarzt vor Ort. Das haben mir Angehörige und Freunde gesagt. Seine Notrufe klangen wohl nicht dringend genug…. und wie ich mir heute schon von jemanden sagen lassen musste, hätte er keine „Randale“ machen müssen weil sowas ja falsch verstanden wird. Und dann noch in dieser Wohngegend…und sowieso weiss man ja wie die Afrikaner so drauf sind! Ein Mensch mit Atemnot und Herzrasen hat schliesslich nicht zu schreien oder Gegenstände kaputtzumachen.Der legt sich brav hin, wartet ab was passiert, kriegt keine Panik und Todesangst wenn jemand mit Handschellen vor ihm steht und lässt sich dann artig von der Polizei abführen um erstmal seine Personalien feststellen zu lassen BEVOR der Polizeidoc kommt.
    Sorry das ich so ironisch rüberkomm, aber mir sitzts echt noch in den Knochen und dann kommt so ein Scheiss! Ich kannte ihn 15 Jahre und er hats wirklich nicht verdient so behandelt zu werden oder als Randalierer in der Zeitung zu erscheinen! Er war ein Mensch in Not und man hat ihn nicht ernstgenommen.

  • #9
    Frank

    @ Blubb

    Zitat: „Die Frage, ob ein weisser, im Kreuzviertel wohnender Mensch anders behandelt worden wäre steht aber im Raum“

    Würde aber ein weisser, im Kreuzviertel wohnender Mensch auf die gleiche Art umgekommen sein, hätte er es nicht in diesen Blog geschafft.

    Irgendwie auch Rassismus finde ich.

  • #10
    Isklar

    Es ist so unfassbar lächerlich. Wäre er nicht schwarz gewesen, dann wäre das alles höchstens halb so gepusht worden, dieser Rassismusreflex ist einfach unglaublich peinlich.

    Beurteilt man das ganze mal sachlich, sieht das so aus:

    Ein Mann ruft einen Rettungswagen, weil es ihm schlecht geht. Ein Rettungswagen kommt, nimmt alle Vitalwerte, schreibt ein EKG, und stellt fest, dass das nichts fürs Krankenhaus ist. Bei einer Verschlechterung soll er sich nochmal melden.

    Soweit ein alltäglicher Vorgang, nicht jeder Anrufer kommt auch ins Krankenhaus.
    Bei Bedarf kann sich ja immer noch jeder per Taxi selbst dorthin bewegen.

    Knappe 30 Minuten später ruft er erneut an, diesmal wohl wesentlich aufgebrachter, parallel dazu wird durch einen Anwohner die Polizei gerufen, da ein Mann randaliert.
    Polizei und Rettungsdienst treffen nahezu parallel ein, Sey randaliert und es kommt zum Gerangel mit den Polizisten.
    Eine Behandlung ist unmöglich, das Verhalten deutet ja auch offensichtlich nicht auf eine allzu schwerwiegende Erkrankung hin, also kommt er ins Gewahrsam, wo sich auch ein Arzt befindet. Dort eingetroffen stirbt er kurz darauf.

    Vor Ort waren 2 verschiedene Rettungswagen, die Polizei hatte mit dem ersten Einsatz nichts zu tun, also wo bitte verstecken sich die rassistischen Motive?
    Im Rettungsdienst hat man täglich mit Menschen aller Farben und Formen zu tun, komischerweise randalieren die wenigsten und überleben die meisten.

    Alles sehr merkwürdige Zufälle, ich bin wirklich gespannt, was die Obduktion erbringt.
    Denn die Symtompe Herzrasen, aggressives Verhalten und plötzlicher Atemstillstand passen hervorragen zu einer Drogenintoxikation.
    Da ich hier aber nichts unterstellen möchte, tippe ich mal auf eine Verkettung unglücklicher Umstände.

    Dafür jetzt den Leuten, die tagtäglich ALLEN Bewohnern der Stadt Dortmund Hilfe leisten pauschal Rassismus zu unterstellen ist einfach abartig, und dieser generelle Beißreflex, sobald dunkelhäutige Personen involviert sind ist eigentlich genauso verblödet wie Rassismus selbst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.