‚Was habt Ihr denn schon zu melden in Eurem verkackten Scheissleben?‘

Markus Beisicht - Pro NRW Politiker
Markus Beisicht – Pro NRW Politiker

Keine besonderen Vorkommnisse: Duisburg ist gegen Pro NRW. Teilweise laut und hilfsweise appellatorisch war das Demonstrationsgeschehen gegen eine Minikundgebung der rassistischen Splitterpartei Pro NRW am heutigen Dienstag. Die Rechten wandten sich gegen angeblichen Asylmissbrauch von Bewohnern des sogenannten ‚Problemhochhauses‘ in Rheinhausen-Bergheim. Von unserem Gastautor Thomas Meiser

Fast pünktlich treffen die Dienstwagen des jungen Duisburger Oberbürgermeisters Sören Link (SPD) und der nordrhein-westfälischen Integrationsstaatssekretärin Sülfiye Kaykin (SPD) vor dem Zelt der SPD-nahen Jugendorganisation ‚Die Falken‘ ein. Dreihundert Meter vom mittlerweile international bekannten Hochhaus entfernt wird hier gleich die Kundgebung des guten Duisburgs vonstatten gehen.

Doch vorher machen die Falken dem ‚Duisburg gegen Fremdenfeindlichkeit‘ Dampf und befeuern dieses.

Es gibt Aufwärmkaffee und heisse Luft aus dem Heizstrahler.

Versammelt haben sich etwa 300 Gewerkschafter, Kirchenleute und Lokalpoliticos. Man kennt, erkennt einander und hält Schwätzchen in der Eiseskälte vor der LKW-Bühne.

Der Bergheimen Jugendzentrums-Chef Klaus Schumacher lästert darüber, dass die Schulleiter der nächstgelegenen Schulen, Krupp-Gymnasium und Willy-Brandt-Kolleg, ihren Kids heute kein Schulfrei geben wollten. Nicht mal einen Projekttag in Demokratielehre. „Früher wäre uns Schülern das egal gewesen, wir wären trotzdem vor Ort gegangen‘, schwelgt der Sozialarbeiter.

Mittlerweile hat Sören Link die mobile Bühne geentert.

Hebt an zu reden. Beschwört wie immer nach der Methode der klassischen Rhetorik des einst versöhnlich posierenden Landesvaters Johannes Rau.

‚In unserer weltoffenen Stadt ist kein Platz für Rassismus‘, beschwört Link den Konsens der Duisburger Demokraten.

Teilt sodann aus gegen Pro NRW, deren Demo eine Stunde später eine Strassenecke weiter stattfinden wird:

‚Es ist nicht nur dumm, sondern dreist‘, wie die rassistischen Splitterparteien, die Menschen im Bergheimen Haus stigmatisierten, ‚Menschen, die gekommen sind zu bleiben, die nur ein kleines Stück von unserem Wohlstandskuchen abhaben wollen.‘

Doch Link, mit wenig Stimmen gewählter Verwaltungschef der sterbenden Eisenhüttenstadt Duisburg, er muss auch flehen.

Appelliert also in Richtung Bundesregierung, in Richtung Berlin. In Richtung Europaparlament, in Richtung Brüssel.

‚Wir haben Probleme, wir können den Zuzug von Osteuropäern nicht allen stemmen‘, konstatiert er. ‚Wer Probleme hat, der braucht Hilfe‘, bittet er um Gehör und Finanzmittel.

Neunzig Minuten später, hundertfünfzig Meter weiter haben sich jetzt dreissig Rechte versammelt. Beschirmt von Sperrgittern, auf einer verschlammten Wiese, ausgepfiffen und ausgebuht.

Die Herren neigen zu ziemlich lauter Rede und überhöhter Selbsteinschätzung:

So gibt etwa der hiesige Rechte Jörg Uckermann als Parole aus , dass seine Winzparte ‚demnächst in Fraktionstärke in Duisburgs Rathaus einziehen wird‘.

Und der ehemalige Pressesprecher der Duisburger Piratenpartei beschimpft schwer diskantiertend die Gegendemonstranten, die ihn auspfeifen:

‚Was habt Ihr denn schon zu melden in Eurem verkackten Scheissleben?‘

Ein Biedermann enttarnt sich zum Brandstifter.

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10 Kommentare

  1. #1 | arneSchneider sagt am 12. März 2013 um 16:06 Uhr

    Sehr geehrter Herr Meiser!
    Wie wäre es mit etwas mehr Inhalt und etwas weniger Meinung?

  2. #2 | Werner Jurga sagt am 12. März 2013 um 16:47 Uhr

    @ Arne Schneider: Kritik daneben. Reichlich Inhalt, Meinung – welche Meinung?
    Es ist dieser überheblich-distanzierte Ton im Bericht. Nicht schön. Gar nicht schön.

  3. #3 | JoS sagt am 12. März 2013 um 17:08 Uhr

    Wie auch schon bei der NPD frage ich mich: Deprimiert das eigentlich nicht, immer vor den gleichen 20 Mann zu reden?

  4. #4 | Thomas sagt am 12. März 2013 um 17:10 Uhr

    @Werner:
    Das ist kein Bericht, das ist eine Kurzreportage, ein Stimmungsbild.
    Für die W-Fragen sind die anderen zuständig. (:

  5. #5 | my 2 cents sagt am 12. März 2013 um 19:53 Uhr

    Duisburgs OB war heute Schaulaufen gegen „ProNRW“, ist aber selbst bester Verfechter eines Rassimus der Mitte, siehe gestriges DerWesten-Interview: https://www.derwesten.de/region/duisburger-oberbuergermeister-fordert-mehr-kontrollen-bei-einwanderern-id7712511.html

    Zitat Link: „Berge von Müll“ … „Kleinkriminalität stark gestiegen ist“ … „Einbrüche, aggressives Betteln, Prostitution“ … „andere Art zu leben“ … „Je besser die Verhältnisse für die Einwanderer sind, umso mehr werden kommen“

    Oder noch besser – die (rechts-)populistische britische Tageszeitung „Daily Mail“ zitiert OB Link: https://www.dailymail.co.uk/news/article-2290480/Romanian-migrants-blamed-rise-crime-German-town-Duisburg.html

    „Last week Soeren Link, the city’s Left-wing mayor, made global headlines when he said the Romanians and Bulgarians were dumping piles of rubbish ‘taller than I am’ and sending their children on ‘stealing missions’.“

    Sry, aber wer demonstiert hier eigentlich gegen wen? Die rot-grüne Abschieberegierung gegen Rassismus? Wohl kaum…
    Für ein grenzenloses Miteinander – gegen „ProNRW“ und den Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft!

  6. #6 | misterlustig sagt am 12. März 2013 um 22:18 Uhr

    winkler hat gesagt : verfickten , verkackten scheiß leben – bitte bei der wahrheit bleiben-

  7. #7 | Stefan Laurin sagt am 13. März 2013 um 01:55 Uhr

    @Jos: Die reden vor diesen 20 Mann oder vor dem Spiegel im Bad…

  8. #8 | Martin Niewendick sagt am 13. März 2013 um 14:54 Uhr

    …So sie denn über einen solchen verfügen.

  9. #9 | Thomas sagt am 16. März 2013 um 03:18 Uhr

    Nachklapp.

    Sörens Rede.

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