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WAZ startet „Wikileaks“-Konkurrenten

Die WAZ-Mediengruppe hat ein Dokumente-Portal eingerichtet. Whistleblower und andere Bürger können dort anonym Dokumente hochladen.

„Wir wollen es den Menschen erleichtern uns Dokumente zukommen zu lassen“, sagt David Schraven, Chef der WAZ-Rechercheredaktion den Grund für das Dokumente-Portal.  Unter www.derwesten.de/recherche können Dokumente anonym auf den Server der Redaktion hochgeladen werden.

Schraven: „Für uns ist es vor allem eine Möglichkeit, unseren Lesern und auch Informanten einen weitere Weg zu eröffnen, mit uns in Kontakt  zu treten.“

Die Dokumente werden von der Redaktion gesichtet und dienen als Quelle für weitere Recherchen. Der Verlag garantiert den Informanten Quellenschutz. Allgemein öffentlich zugänglich gemacht werden sollen die Dokumente nicht. „Wir sind nicht Wikileaks“, sagt Schraven. Einzelne Dokumente allerdings könnten durchaus in Artikel verlinkt werden – allerdings nur, wenn sichergestellt ist, dass die Quelle nicht erkennbar ist.

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68 Kommentare zu “WAZ startet „Wikileaks“-Konkurrenten

  • #1
    Jochen Hoff

    Yepp. Der Westen als Enthüllungsorgan. Genauso stelle ich mir echte Pressefreiheit vor. Der Westen beerdigt die hochgeladenen Dokumente und verrät die Leaker an die Staatsmacht. Eine echt gute Idee.

    Dem Westen glauben heißt alles glauben.

  • #2
    Fritten

    Hat die BILD auch. Nennt sich 1414-Leserreporter.
    Sogar mit sicherereren Hypertext-Übertragungsprotokoll..
    Sehr vertrauenswürdig…

  • #3
    Balkonschlaefer

    Netter Versuch. Andere Zeitungen werden da jetzt sicher nachziehen. Ich habe aber trotzdem mehr Vertrauen in WikiLeaks (oder demnächst Openleaks) als in deutsche Verlagshäuser.

  • #4
    Tom Dönig

    Ich denke auch, das werde bald viele Verlage machen.

    Der Upload ist ja im Prinzip nur ein neuer, technischer Kontaktkanal für Whistleblower. Mehr nicht.

    Wenn man ehrlich ist, haben Wikileaks und andere ähnliche Projekte nur eien weg gewiesen, den nun die klassischen Verlage besetzen werden.

    Es war ja sowieso schon so, dass alle Veröffentlichungen von Wikileaks und anderen erst dann zu breiten Themen wurden, wenn klassische Medien diese Leaks aufgegriffen haben. Vorher gingen die Sachen im Datenstrom unter.

    Wenn die Verlage nun auch selbst die Daten annehmen, und auswerten, braucht bald niemand mehr Wikileaks und Konsorten.

    Das ist der Fakt. Die Technik kann jeder machen.

    Die Verlage müssen sich nur der neuen Technik öffnen.

    Ich bin gespannt, was da nun hochgeladen wird. es geht ja zunächst nur um lokale und regionale Leaks.

    Vielleicht werden da jetzt Dokumente zur Loveparade hochgeladen. Aus dem Innenministerium oder aus der Polizei. Weil dort die Leute unzufrieden mit der Aufklärung sind.

    Vielleicht gibt es auf diesem Kanal Unterlagen zum STEAG-DEAL, die noch niemand gesehen hat?

    Vielleicht aber auch internes zum Datteln-Projekt?

    Das sind die Themen die über die Lokalen/Regionalen Upload-Netze gespielt werden können.

    Ich finde den Ansatz nicht schlecht. Zumindest sieht man, wer hinter dem Upload steckt. Jeder kann selbst beurteilen, ob er den Leuten traut oder nicht.

    Bei Wikileaks ist das doch alles so unscharf. Wer finanziert das alles? Wer macht das was? Das ist mir zu dubios.

    Hier weiß man, das macht eine Zeitung. Für den korrekten Umgang mit den hoch geladenen Daten steht ein Kopf gerade. der hat eine Telefonnummer und Adresse. Da agiert nicht ein dubioses Netzwerk, mit unbekannten Financiers.

    Ich denke, nur wenn es Monopolzeitungen gibt, die versuchen, Nachrichten zu unterdrücken, werden kleinere Einheiten, Blogs oder Portale die Chance bekommen, sich neben den Verlagen mit ähnlichen Upload-Projekten zu etablieren.

    Aber ich glaube nicht, dass die Verlage das zulassen werden. Nee, im ernst nicht.

  • #5
    Balkonschlaefer

    Ich möchte aber auch die Originaldokumente sehen. Sollen sie bitte so machen wie die von NYT, Guardian etc bearbeiteten Cables, Namen dürfen wenn nötig geschwärzt werden, den Rest des Dokuments will ich aber sehen. Nicht einfach wieder diese billige „das Dokument, das xy vorliegt, blablabla“.

  • #6
    Torti

    @Tom Döring
    Schon schauerlich, das Sie den Informantenschutz mal einfach abschaffen wollen.
    Zitat:
    „Ich finde den Ansatz nicht schlecht. Zumindest sieht man, wer hinter dem Upload steckt. Jeder kann selbst beurteilen, ob er den Leuten traut oder nicht.“

    Erwarten Sie ernsthaft, das dann noch überhaupt jemand ein Leak wird ?
    Ausserdem ist der Schutz von Quellen DIE Grundlage investigativen Journalismus.

  • #7
    Tom Dönig

    @ Torti

    Da hab ich mich wohl falsch ausgedrückt. Ich meinte natürlich, das man weiß, wer hinter dem Empfänger der Daten steckt. Man kann also sehen, da steht der Schraven von der WAZ hinter. Nicht wer hinter dem Upload selbst steckt. Wer also der Informant ist. Sorry für das Mißverständnis.

  • #8
    David Schraven

    Hallo Torti,

    natürlich schützen wir unsere Informanten. Dieser Schutz der Informanten ist das wichtigste für uns, das ist die Basis unserer Arbeit. Der Informantenschutz wird aus dem Grundgesetz, aus der Presse- und Recherchefreiheit abgeleitet. Da muss sich keiner Sorgen machen.

    @ balkonschlaefer,

    wir werden sicher Dokumente veröffentlichen. Aber nicht uneditiert. Wir werden sowohl dafür sorgen, dass unsere Informanten geschützt werden, als auch dafür sorgen, dass keine anderen Menschen gefährdet werden. Es wird also keine persönlichen Daten bei uns geben, die unbedingt geschützt werden müssen.

    Bei aller Leakerei, der Datenschutz ist uns wichtig.

    Ansonsten freuen wir uns auf Material. 🙂

  • #9
    Jochen Hoff

    @8 David Schraven

    Ja selbstverständlich werdet ihre eure Informanten schützen, solange sie nicht die schützenwerten Interessen eurer Inserenten betreffen oder gar die von euch gewünschte politische Richtung. Selbstverständlich werdet ihr Dokumente veröffentlichen und sie so lange editieren bis sie euch passen.

    Wieso denke ich nur gerade an die unbefleckte Empfängnis?

  • #10
    Torti

    @David Schraven
    Habe ich nie dran gezweifelt.
    Zudem finde ich ein journalistische Aufarbeitung von Leaks nötig. Ich selber habe einmal versucht auf Wikileaks mich einzulesen. Das ist recht mühsam und benötigt in vielen Politikfeldern Hintergrundwissen das ich nicht habe. Ich lese aber sehr aufmerksam die Berichte z.B bei SPON.
    Da kommen spannende Dinge zu Tage wie die Lieferung von T72 Panzer in den Sudan, was nur erklärlich geworden ist durch somalische Piraten und die Depeschen bei Wikileaks. Was sich aber auch zeigt, dass eher der Gossip über FDP-WW hängen bleibt als solche Waffendeals.

    @Tom Döring
    Na, da bin ich aber froh.

  • #11
    Karlheinz Stannies

    Chapeau, WAZ! Chapeau, David! Schön auf einen digitalen Trend aufgesprungen.
    Allerdings, es beginnt ja kein neues Zeitalter. Neu ist es ja wirklich nicht, dass „man“ seiner Zeitung oder auch einzelnen Journalist(inn)en „geheimes“ oder „brisantes“ Material zuspielen konnte. Das gab’s schon immer, und das war und ist auch gut so. Da bleibt zuviel geheim, Transparenz muss es auch im Lokalen und Regionalen geben.
    Neu ist bei der WAZ zunächst nur dieser anonyme digitale Postkasten (als Ersatz für den analogen Postkasten der Redaktion), und neu ist allerdings auch, dass die Redaktion geradezu dazu aufruft, anonym zu bleiben. Das war in der Vergangenheit in der Regel nicht so. Da legten Journalist(inn)en eigentlich Wert darauf, ihre – natürlich dann strikt zu schützenden – Informanten möglichst auch persönlich zu kennen.
    Jetzt steht mehr denn je das Dokument im Vordergrund. Deshalb halte ich für sehr wichtig, was die WAZ verspricht: Die (von wem und mit welchen Hintergedanken auch immer) zugespielten Dokumente und Angaben werden nachrecherchiert und journalistisch bewertet, nicht einfach nur veröffentlicht. Eigentlich selbstverständlich. Sonst hätte ja auch so eine digitale Pinnwand wie Wikileaks gereicht.

  • #12
    David Schraven

    @ Jochen Hoff

    Du glaubst doch nicht im ernst, das wir Dokumente fälschen? Für wen hältst Du mich eigentlich? Das kann ich schon als Beleidigung auffassen, oder? So war es doch gemeint?

    Und das mit der politischen Richtung. Das glaubst Du doch auch nicht.

    Ich denke, ich habe durch meine bisherige Arbeit gezeigt, dass ich unabhängig bin. Und ich stehe mit meinen Namen dafür ein, dass wir ordentlich mit Dokumenten umgehen.

    @ Karlheinz

    Ich gebe Dir völlig recht. Wir haben kein neues Grundmuster in der journalistischen Arbeit. Wir haben nur eine neue technische Möglichkeit. Eben den anonymen Briefkasten und den anonymen Upload.

    Der Upload in meinen Augen auch nur ein Teil der ganzen Nummer. Wir wollen näher an den Leser, an den Informanten ran. Wir wollen uns öffnen und Zugangshemmnisse einreißen. Jeder soll uns ansprechen können. Immer, jederzeit, egal wie.

    Und damit sind wir genau bei dem, was Du ansprichst. Ein Dokument sagt gar nichts. Es ist nur die Quelle für eine Story. Und die gilt es zu finden, zu recherchieren und zu belegen. Ein Dokument ist in diesem Sinne nur ein Element der ganzen Arbeit.

    Deswegen finde ich die Spiegel-Stücke oder die Guardian-Sachen über die Depeschen auch durchweg gut und in Ordnung. Das ist stabiles, sauber aufgearbeitet Material. So geht das.

    Ich denke, so was ist auch hier in NRW möglich. Wir erfinden nicht das Rad neu. Wir eröffnen einfach mehr Wege, auf denen Informanten zu uns kommen können.

    Am Liebsten ist mir ja immer noch einer ruft einfach an. Deswegen haben wir ja auch die Telefonnummer groß auf die Seite geschrieben.

    Wir bereiten das Portal übrigens seit etwa fünf Monaten vor. Wir haben damit angefangen, kurz nachdem ich hier bei der WAZ eingestiegen bin.

  • #13
    Jochen Hoff

    @12 Daniel Schraven

    Daniel du bist weisungsgebundener Angestellter. Du lebst in einer Zeit wo die Printmedien immer mehr Probleme bekommen und die Einkommen der Journalisten abgesenkt werden sollen. Was du persönlichst willst, spielt überhaupt keine Rolle. Bodo Hombach wird immer seine politische Linie den Redaktionen aufzwingen. Es ist nicht mehr die Zeit von Erich Brost und Jakob Funke. Selbst wenn du ein Heiliger wärest, könntest du deine Zusage nicht einhalten.

    Die heutigen Journalisten haben die Mächtigen und die Reichen unterstützt. Haben Hartz IVler und Muslime niedergemacht und den Neoliberalismus und Raubtierkapitalismus hochgeschrieben. Denen glaubt niemand mehr.

    Journalist ist in Deutschland ein Schimpfwort und das zu recht.

  • #14
    David Schraven

    @ Jochen,

    ich heiße David.

    Und wenn Du meinst, Journalist ist ein Schimpfwort, dann kann ich Dir nur sehr schwer helfen.

    Es geht immer um die Integrität einzelner. Es gibt bestechliche Blogger, es gibt bestechliche Politiker, Polizisten, Ärzte und Kleriker.

    Es gibt genauso unbestechliche Blogger, Politiker, Polizisten, Ärzte und Kleriker.

    Genauso ist das mit Journalisten. Du kannst nicht alle in einen Sack stecken und dann draufhauen.

    Jochen, halte Dein Maß.

  • #15
    Klaus Minhardt

    Dieses Angebot ist doch wohl ein Scherz!

    Der Informantenschutz ist in Deutschland ein sehr unsicherer Schutz. Das haben Cicero und Co in Form von Hausdurchsuchungen schon erlebt. Es hilft nicht viel, dass man beim BVerfG das nicht gerne sieht. Es passiert aber immer wieder, dass sich die Staatsanwaltschaften bei den Verlagen bedienen.

    Es ist nicht unbedingt die WAZ, die den Informanten verrät und ich unterstelle durchaus guten Willen!

    Das was hier als tolle Neuerung gepriesen wird hatten wir bislang auch schon als E-Mail. Wie soll denn sichergestellt werden, dass die Polizei nicht schon den Server abhört?

    Es ist nicht einfach einen sicheren Kanal für Whistleblower zu schaffen, der nicht durch Geheimdienst, Polizei oder andere Neugierige überwacht wird. Solange das nicht genauestens technisch sichergestellt ist, kann ich nur vom Upload abraten. Dann steckt die Dokumente oder den Speicherchip (1GB gibts für rund 2 €) doch lieber in ein Briefkuvert und sendet es an den Verlag.

    Mir erscheint die neue Plattform Openleaks (ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter) da geeigneter. Jeder Verlag kann dort ein Postfach einrichten und erhält die Dokumente anonym und abgesichert weitergeleitet. Das ist genau das was die WAZ anbieten möchte: Ein Punkt-zu-Punkt-Upload.

  • #16
    David Schraven

    @ Klaus Minhart

    Unsere Server stehen im Ausland, die Datenverbindungen sind gesichert und codiert. Genauso wie die Daten zu keinem Zeitpunkt ungesichert irgendwo abgelegt sind. Auf keinem Server. Schon beim Upload selbst werden die Daten codiert. So wird sichergestellt, das nicht abgehört werden kann. Selbst bei Hausdurchsuchungen kann man nichts finden.

    Die Technik der neuen Seite ist von der restlichen IT der WAZ-Gruppe komplett getrennt. Es gibt keine Überschneidungen.

    Grüße David Schraven

  • #17
    Höddeldipöpp

    Na, ob das der Ausweg aus dem Billig-Journalismus ist? Statt selbst teuer investigativ zu recherchieren macht man jetzt einen auf User-Generated-Investigative Journalism. Und wenn der Leser schon nichts bezahlen will, darf er wengisten selbst arbeiten. Konsum-Arbeit quasi. Aber grundsätzlich keine schlechte Idee.

  • #18
    Bürokratenfeind

    Na, da wird die Bäckerblume nicht zurückstehen wollen.
    Ob das gut geht? Bei der großen Anzahl an Mauscheleien im Revier werden die Server wahrscheinlich zusammenbrechen.
    „Aber die Metropole Ruhr“ kann Leakhauptstadt Europas werden.
    Somit hat die Beschäftigung mit der Kreativwirtschaft doch schon Früchte hervorgebracht.

  • #19
    Martin murphy

    Ich finde die Idee interessant. Wenn dabei gute Geschichten rauskommen und Skandale aufgedeckt werden, dann werden das alle hier wohl begrüßen. Das lese ich zumindest aus den pro- und contra-stimmen raus. Falls nichts in dem Briefkasten einläuft, dann war es zumindest ein guter Versuch.

  • #20
    Bürokratenfeind

    @ Martin Murphy
    Wenn es so einfach wäre.
    Die WAZ, die bisher nicht durch besonderen Aufklärungsjournalismus aufgefallen ist, soll nun zum „Großaufklärer“ mutieren. Wie soll das gehen.
    Ich denke, hier wird ein engagierter Hase (David Schraven) vom alten Igel (Bodo Hombach) in die „journalistische Sackgasse“ geschickt.
    Die WAZ ist jedenfalls nicht der Verlierer. Geht der Versuch gut, gibt es Geld; gelingt er nicht, so ist es immerhin Werbung für das Blatt.
    Dieses Verhalten erinnert mich sehr stark an Ruhr 2010. Erst wollte man unbedingt die Loveparade. Nach der Kastrophe war sie nicht mehr offizieller Bestandteil des Programms.
    Das Ruhrgebiet ist und bleibt vorerst unseriös. Nicht nur Kreativwirtschaft benötigt das „Revier“; eine Verhaltenstherapie, bei der die Erkenntnis im Vordergrund steht, wäre für die „Eliten“ angebrachter.

  • #21
    Hans Czinzoll

    Vorausgesetzt ich vertraue David Schraven und sogar der Technik. Wer garantiert, dass ein späterer Wechsel in den Staatsdienst ausgeschlossen ist? Allein aus der (mittlerweile mehr als jämmerlichen) Lokalredaktion Dortmund der WAZ fallen mir spontan zwei Redakteure ein, die diesen Weg (aus welchen Gründen auch immer) gegangen sind. Nix für ungut.

  • #22
    Bernhard Ludwig

    „Und ich stehe mit meinen Namen dafür ein, dass wir ordentlich mit Dokumenten umgehen.“
    Na, dann lade ich besser nichts hoch.
    War es nicht David Schraven, der erst vor wenigen Tagen in einem Kommentar der WAZ Wikileads niedergemacht hat.
    Verändert der Mammon hier auch die Gesinnung?

  • #23
  • #24
    David Schraven

    Hallo Bernhard Ludwig,

    ja, ich habe gegen Wikileaks geschrieben, weil ich es unverantwortlich fand und finde, wie Wikileaks das Leben von Informanten gefährdt, indem einfach mal so Namen und Positionen rausgepustet werden. Genau das will ich nicht machen.

    Der FDP-Typ, der seinen Job verloren hat, ist nur eine kleine Wurst. Aber an seinem Beispiel kann man erahnen, wie es anderen Typen ergeht, die nicht das Glück haben, in einer Demokratie zu leben.

    Was ist denn mit den Informanten der US-Botschaften, die nun im Iran oder in Saudi-Arabien oder in Pakistan verschwinden?

    Hast Du Dir mal da drüber Gedanken gemacht? Glaubst Du, der pakistanische oder iranische Geheimdienst macht sich die Mühe, herauszufinden, wer von den fünf Leuten in der Abteilung X nun gepetzt hat? Im Zweifel werden alle fünf Leute umgelegt, oder zumindest ein wenig gefoltert.

    Genau das will ich nicht. Genau das will ich verhindern.

    Denk mal drüber nach.

    @ Hans Czinzoll

    Das ist ja der tiefere Sinn des anonymen Verschickens von Dokumenten. Die Dokumente sind danach bekannt, nicht aber wer sie verschickt hat. 🙂

    Deswegen kann ja keiner, auch der Reporter nicht, herausfinden, von wem die Papiere sind.

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  • #26
    Klaus Minhardt

    Das Spezielle bei Wikileaks ist, dass die Technik noch nicht einmal den Betreibern die Identifikation der Informanten ermöglicht. Das bezweifle ich bei einer aus der Hüfte geschossenen Geschichte. Es ist ziemlich aufwändig so etwas richtig zu bauen und es wird nur funktionieren, falls sie ihre Technik durch ihre Leser oder unabhängige Gruppen prüfen lassen. Wie soll der Informant prüfen, ob ihre Aussagen zur Sicherheit stimmen?

    Mir geben aber auch ihre persönliche Einstellung zu Wikileaks und die ihres Hauses zu denken. Erst über Wikileaks herziehen und dann was ähnliches selber machen wollen. Ein Staat der Hunderttausenden Zugang zu diesen Daten gegeben hat, der sollte sich über das Leck nicht aufzuregen. Noch weniger sollte ein Journalist das tun, der sich grämt, dass er nicht für Guardian oder Spiegel arbeitet, die vorab an das Material gekommen sind.

    Versuchen sie es einfach mit gutem Journalismus und guter Recherche. Die Loveparade hat ihnen vor der Haustüre ja schon den passenden Spielplatz beschert. Was da von der WAZ-Gruppe kam, das war auch nicht gerade ein Beispiel von unabhängigem Journalismus mit hervorragender Recherche gewesen.

    Als Journalisten-Verband unterstützen wir jede Bemühung um bessere Recherche, Anonymität und Informantenschutz. Dafür benötigen wir aber eine unabhängige Plattform und keinen Alleingang zum Zwecke der PR des WAZ-Konzerns.

    Guten Journalismus bekommt man übrigens auch nicht für eine Absenkung von 20% bei den Tarifen oder die Entlassung von Journalisten. Vielleicht sind Sie ja bald auch betroffen?

  • #27
    Detlef Obens

    Da David Schraven hinter dieser WAZ-Aktion steht, gehe ich davon aus, dass sie eine wohl überlegte und sicher gut recherchierte Aktion ist. Immerhin steht dieser Mann für guten Journalismus. Es ist es wert, dies zu beobachten!

  • #28
    Bürokratenfeind

    @ David Schraven

    „Schuster beib bei deinem Leisten“
    Die Aufklärungsarbeit der WAZ schätze ich nicht so naiv ein wie du. Ich glaube auch nicht, dass ihr mit den eingehenden Informationen die Geheimdienste der Welt beunruhigen könntet. Für brisante Informationen ist die WAZ keine bedeutende Adresse. Seid froh, wenn euch ein Informant steckt, dass der Kleingartenverein „Heimaterde“ seine Abwässer illegal in die Emscher leitet und die Frau vom Ordnungsamt für das Wegschauen einen Sack Kartoffeln im Herbst bekommt. Das ist die Ebene der WAZ. Und deswegen wird sie gelesen und „geliebt“.

  • #29
  • #30
  • #31
  • #32
    Jens

    Hätte ich solche Informationen, würde ich sie sicherlich nicht über dieses Portal hochladen. Selbst wenn ich keine anderen Möglichkeiten der Publizierung hätte – darüber würde ich es nicht machen, denn – da kann auch eine Personalie David Schraven nichts ändern – dass die WAZ-Mediengruppe jegliche Rechercheergebnisse vorurteilsfrei annimmt, ist etwas, was ich persönlich leider nicht mehr glauben kann.

  • #33
    Bürokratenfeind

    @David Schraven

    Die WAZ ist eine „unpolitische“ Zeitung. Politisch wird sie immer nur dann,
    wenn es darum geht, den Reichtum seiner Besitzer zu mehren. Durch „Unauffälligkeit“ sind diese zu Milliadären geworden. Ob es in deren Interesse liegt, einen investigativen Journalismus zu fördern, der ihren Besitz gefährdet oder sie gar in die Nähe illegaler Handlungen bringt, wage ich zu bezweifeln. Wie naiv muss ein Journalist sein, wenn er nicht weiß, wo und für wen er arbeitet.

  • #34
    David Schraven

    @ Bürokratiefeind

    Ich weiß, für wen ich arbeite. Gerade deswegen kann ich so Sachen machen. Weil die Menschen dort wissen, dass die Zukunft angebrochen ist.

    Du lebst noch in der Vergangenheit. Das ist das Problem.

    Die WAZ hat sich schon lange von dem alten Vorurteilsblatt hinwegbewegt, an das Du noch denkst.

    @ Jens,

    Du kannst mir die Sachen auch in die hand drücken. 🙂
    Ich kann frei arbeiten. Und das ist gut so.

  • #35
    David Schraven

    @ Klaus Minhart,
    das ist nicht aus der Hüfte geschossen. Wir haben da jetzt gut fünf Monate dran gesessen.

    Und man kann die IP nicht Dokumenten zuordnen.

  • Pingback: zoom » Umleitung: WAZLeaks, ein Kerl namens Hombach, Assange, ein Freier bei der WAZ, (Un-) Hans Werner Sinn, VHS NRW und die Weihnachtsgeschichte «

  • #37
    Erika

    „DerWesten Löscht und Zensiert am Besten!“ – ist schon ein geflügeltes Wort.

    Das ist eine Aussage die sehr zutreffend ist. Warum soll „man“ whistleblower sein, um nur unter dem Diktat der pubertären, wenig gebildeten Moderation (Studenten) fallen?
    Diesem Portal mit seinen wechselnden politischen Meinungen würde ich noch nicht mal die Unterhose meiner Oma anvertrauen! Problematisch ist es ja nich ein Reitzthema zu kritisieren, denn das wird verschwinden wie eine Hombacher liebkosung.. aber egal, es wird eh ein WAZ-Spiegel-Server in absehbarer zeit auftauchen.

  • #38
  • #39
  • #40
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Dienstwaffe: Sie wissen ja aus eigener Erfahrung, dass wir hier deutlich konsequenter und schneller löschen als die Kollegen bei DerWesten.

  • #41
    Jens

    @Stefan (38):
    Das ist nicht immer der Fall, manchmal löschen sie sehr schnell und meiner Meinung nach auch Sachen, die man nicht löschen sollte. Dass man den Kommentarbereich dort bereits gesperrt hat, spricht ja auch für sich.

  • #42
    Erika

    #38 | Stefan Laurin
    nein, zum Loschen und Zensieren gehören aber auch Menschen mit Erfahrung Bildung und sehr viel Weitblick.. und genau das fehlt der Moderation!

  • #43
  • #44
    Headhunter

    Ich bin seit ca. 35 Jahren kritischer Medienbeobachter und Informationssammler. Wikileaks ist unvergleichlich unabhängiger und seriöser als jede Mediengruppe, egal welch politischer Coleur. Besonders die spargeilen Medienhäuser sind für mich unglaubwürdig. Das Internet vergißt NICHTS!

    Deswegen traue nicht einem Versprechen.

  • #45
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jens: Ich finde da fast immer wenn ich in die Kommentare schaue jede Menge Sachen, die wir ich hier nicht freischalten würden. Vor allem am frühen Morgen ist es echt übel dort.

  • #46
    Erika

    #38 | Stefan Laurin
    und man muß unterscheiden können zwischen Moderation und neutralen Journalismus bei der WAZ, aber genau dieses vemisse ich, von Investigativen Journa.. mal abgesehen der ja „de fakto“ nicht gewünscht ist…… bzw dem tagesaktuellen Journalismus im Weg steht!!!!

  • #47
    Bürokratenfeind

    @ David Schraven

    „Ich weiß, für wen ich arbeite. Gerade deswegen kann ich so Sachen machen. Weil die Menschen dort wissen, dass die Zukunft angebrochen ist.“

    Daran glaubst du! Überschätze dich mal nicht. Geh zur ARD.
    Da kann man solche Naivitäten ungestraft von sich geben, wenn die Quote stimmt.
    Schade, dass ein engagierter Journalist wie du über so wenig politischen Instinkt verfügt.

  • #48
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Erika: Mit David hat sich die WAZ einen sehr guten Recherche-Chef geholt. PFT, Neda, Steag – David gehört zu den Besten im Land. Und das sage ich als Kollege, der lange bei den Ruhrbaronen mit ihm zusammengearbeitet hat und nicht als sein Freund.

  • #49
    Erika

    Ach ja, der Alk wohl?
    „Vor allem am frühen Morgen ist es echt übel dort.“

    naja manche hat aber mehr Wahrheit als wir uns selber zugestehen wollen, man sollte nicht alles löschen sondern dem Leser die Lesefreiheit/Bildungsfreiheit zugestehen und eben dem selben die Entscheidung des Wahrheitsgehaltes selber zugestehen lassen..

  • #50
    Erika

    @47 Stefan
    ich hatte David nicht in Zweifel gezogen, du hast dich bestimmt in einer Zeile vertan.

  • #51
    Erika

    Doch ich ziehe sehr wohl David Schraven in Zweifel, wer sich als nicht neutral outed in dem er Veranstalter und den OB von Duisburg angreift, aber neutral alle Videos von Handys, Polizei und Innenministerium haben möchte, kann nicht zur Wahrheitsfindung dienen!
    Peinlich, ist es mir als ITler, wenn dann noch behauptet wird:
    Es besteht kein Kontakt zu den übrigen IT-Systemen der WAZ-Gruppe. Die Datenverbindungen können als abhörsicher gelten.

    Ähm, das wird euch noch nicht einmal ein Fachinformatiker glauben. Bitte Ehrlichkeit und nicht lügen!

  • #52
    Erika

    Ach und noch eins.
    „Schraven kennt auch schon Daten, die er gerne bekommen würde. „Ich brauche alles zur Loveparade, da gibt es Dokumente aus der Polizei und aus dem Innenministerium, deren Inhalt meiner Ansicht nach an die Öffentlichkeit gehören.“

    und wo soll man die hin uploaden – aber nicht WAZ – ?

    ich helfe gerne!

  • #53
    Mirco

    Selbst wenn ich Dokumente hätte, die gekramt gehören, ich würd niemals so ein Feigenblatt Programm wie diese billigst auf php aufgesetzte Seite benutzen.

    1. SSL ist kein Schutz, Zertfikate können leicht gefälscht und als Man-in-the-middle Attacke gebraucht werden.
    2. Die IP-Adresse des Hochladenden ist bekannt
    3. Dokumente werden verwendet ohne das vorher zugesagt wird entsprechende Maßnahmen getroffen werden die Quelle wirklich zu anonymisieren.

    Das ist es was Wikileaks stark macht, sie wissen selbst nicht wer die Daten gesendet hat und sie sorgen dafür, das die Metadaten und sonstige Informationen in den Dokumenten nicht auf die Quelle verweisen (z.b. Indentifizierendes Punktmuster in Scans oder Pdf’s)

    Also jeder der sicher gehenwill, das er nicht auffliegt sollte lieber auf Wikileaks oder dem (bald erscheinenden) Bruder Openleaks setzen. (Um ehrlich zu sein glaub ich nichtmal das die Redakteure von WAZ es hinbekommen ihre eigenen Metadaten aus nem Word Dokument zu werfen)

    So Long
    Mirco

  • #54
    Dieter van Graalen

    Zu Ihrer neuen Seite sollten Sie noch einmal den Kommentar Ihres Chefredakteurs U. Reitz zu Wikileaks nachlesen. Zitat: „Geheimnisse sind unverzichtbar in der Politik. Geheimnisverrat ist strafbar, weil er den Frieden gefährdet. Wer das, wie Grüne, gut findet, disqualifiziert sich fürs Regieren. Und: Wer reguliert das Internet?“
    Da Sie und Ihre Kollegen der WAZ wohl kaum als Geheimnisträger vereidigt wurden, erfüllt eine Übermittlung an Ihre neue Seite bereits den Tatbestand des von Ihrem eigenen CR so bezeichneten „üblen Geheimnisverrats“.
    Das ist natürlich völlig unjournalistisch gedacht . Aber den Anspruch hat Herr Reitz offenbar auch nicht.

  • Pingback: Wikileaks und die Folgen: deutsches Leak-Portal, Games und Trittbrettfahrer | Basic Thinking

  • #56
    Ex-Linker

    Ganz großer Enthüllungsjournalismus von David Schraven. Nur sein eigener Chefredakteur sieht es wohl anders. Hat er doch Geheimnisverrat für strafbar erklärt.

    Einem Verlag mit solch einem Chefredakteur, der nach dem Strafrichter bei Geheimnisverrat schreit, sollen sich nun Leser sich selbst und geheime Dokumente anvertrauen ? Mahlzeit. Dümmer geht bei WAZ wohl immer.

    Was ist nur aus dieser Zeitungsgruppe geworden ? Vorbei die Zeiten als gestandene Reporter wie Rolf Düdder (WR), Berti Frings (NRZ), Peter Sabinski (WAZ) fundierte Geschichten in die Blätter hoben. Wo Kommentare nicht anmaßend, sondern journalistisch austariert waren. Gleich wie man zum späten Jens Feddersen (ehemaliger Chefredakteur der NRZ) stehen mochte.

    Zu jener Zeit waren NRZ und WR noch Regionalzeitungen von Format, die WAZ erfüllte gern die Ansrpüche des kleinbürgerlichen Proletariats mit einer Art General-Anzeiger-Mentalität. Doch der Anspruch an Seriösität war hoch, journalistische Ehtik täglicher Bestandteil redaktioneller Arbeit. Niemals hätte ein Chefredakteur Maruhn so gehandelt, wie nun Meister Reitz. Den Geheimnisverrat öffentlich zu brandmarken, um ihn dann gleichzeitig für sich einzufordern. Soviel Reitz hat seinen Preis: Die Auflage der WAZ-Blätter im Revier sinkt stetig. Denn längst haben die Leser gemerkt: Auch wo NRZ und WR auf den Titeln steht, ist nur noch reitzlose WAZ drin. Schade drum. Die „Medienmanufaktur“ hätte einen besseren Über-Chefredakteur, aber noch bessere Verlagsmanager vedient als einen abgehalfterten SPD-Politiker und einen ehemaligen Springer-Mann.

    So aber kann man nur jedem Whistleblower abraten, dieser Zeitung etwas zu stecken. Es sei denn, im persönlichen Gespräch mit einem Redakteur in der Zentralredaktion. Doch dahin wird der gemeine Leser schon nicht mehr auf Anweisung der Geschäftsleitung (Zitat Hotline-Mitarbeiter) verbunden.

  • #57
    David Schraven

    Hi Ex-Linker,

    Zu dem letzten:

    „So aber kann man nur jedem Whistleblower abraten, dieser Zeitung etwas zu stecken. Es sei denn, im persönlichen Gespräch mit einem Redakteur in der Zentralredaktion. Doch dahin wird der gemeine Leser schon nicht mehr auf Anweisung der Geschäftsleitung (Zitat Hotline-Mitarbeiter) verbunden.“

    Das ist langgezogener Bullshit auf der Gerüchteküche . Jeder kann anrufen, jeder wird durchgestellt und meine Numemr lautet: 0201-804-6562.

    Mir persönlich haben übrigens diese Tango-Kommentare nie so gefallen, diese einerseits, andererseits hin und her-schwebenden Dinger, wie sie in den staubigen siebziger Jahren üblich waren.

    Da finde ich jede klare Ansage besser. Muss man ja nicht gut finden. Aber immerhin bekommt man einen Denkanstoß.

    Grüße David

  • #58
    teekay

    Ich finde die Debatte um das Portal sehr interessant, denn sie zeigt gut die gegenwaertigen Dilemma im Journalismus. Die Skepsis, dass ein global, oder zumindest europaeischer, Medienkonzern der bestens in Print und Fernsehen vernetzt ist und gute Kontakte zu Politikern und maechtigen Konzernen hat es ernst meint mit ‚whistleblowern‘ zieht sich durch viele Kommentare. Das wuerde fuer Springer oder SZ ja genauso gelten. Es mag sein, dass am Ende ein paar interessante Infos zu lokalen Skandaelchen heraus kommen, aber weder werden Werbepartner noch sonstige maechtige ’stakeholder‘ des Konzerns ins Visier genommen. Interessante Stories kommen von ‚draussen‘, oder werden am Ende interne Dokumente zum, sagen wir mal, Engagement des Konzerns in Osteuropa veroeffentlicht? Und da zeigt sich das zweite Problem: Nachdem fast alle Zeitungen Personal abgebaut, Redaktionen zusammen gelegt haben und freie ‚Leserreporter‘ im engeren und weiteren Sinn beschaeftigen, rufen sie jetzt ‚Bitte helft uns Infos zu bekommen‘. Gerade das Beispiel Loveparade zeigt mir, dass da gute Lokalredaktionen doch bitteschoen selber recherchieren sollen und koennen-wenn sie denn die noetigen Kapazitaeten haetten. Ich zweifle absolut nicht an David Schraven’s Integritaet und die seiner Aktion und Redaktion, aber solange Renditeziele im Vordergrund stehen kann ‚klassischer‘ Zeitungsjournalismus nicht gewinnen. Guter Journalismus ist zeitaufwendig und teuer und der Verdacht, dass man hier ‚billig‘ an Infos kommen will laesst sich durch David Schraven’s Einsatz nicht zerstreuen.

  • #59
    Ex-Linker

    Hallo Herr Schraven,

    strafen Sie mich bitte nicht Lügen! Ich würde es hier nicht niederschreiben, hätte ich es nicht selber erlebt!!

    Auf meine Verwunderung hin, bekam ich nämlich tatsächlich die Antwort, man dürfe mich dorthin nicht verbinden!

    Dies wurde übrigens auf dem Portal von „medienmoral nrw“ sogar später von einem Hotline-Mitarbeiter thematisiert.

    Mir scheint, Sie schreiben hier Ihren Arbeitgeber schöner als er wirklich ist. Gucken Sie sich doch nur einmal die inzwischen nichtssagenden Lokalteile dieser Zeitung an, für die Sie schreiben. Recherche ? Stil ? Journalistisches Engagement ? Fehlanzeige. Schlecht redigierte, fehlerhafte Texte von SchülerInnen, RentnerInnen, PraktikantInnen. Selbst in Überschriften!

    Ein Beispiel gefällig ? In einer Lokalredaktion einer Kleinstadt an der Ruhr komplimentierte der stellvertretende Chef einen Bank-Kunden regelrecht hinaus, der zu dem Schreiberling gekommen war, weil diese große Bank ihm sein Konto gekündigt hatte; als Reaktion auf seine Beschwerde anläßlich unzulässlicher Telefonwerbung. Wörtlich meinte dieser Lokalredakteur tatsächlich: „Och nee. Da muß ich ja in Bonn anrufen. Und in der Pressestelle ist meist niemand. Ach nee, das ist doch viel zu aufwändig.“ Die Konkurrenz-Zeitung schrieb nicht nur im Lokalteil drüber; sie powerte die Geschichte auch auf ihrer Wirtschaftsseite. Unvergesen auch, wie die gleiche Lokalredaktion einen Kaiman im See erfand, den ein Leser später zwischen Essen-Burgaltendorf und Hattingen angeblich in der Ruhr paddeln gesehen haben will. Der Praktikant nahm diesen (meinen) Scherz-Anruf nicht nur entgegen; er setzte die Nachricht alsgleich auch auf dem Portal „Der Westen“ ab. Selbst auf meinen prompten eindeutigen Hinweis auf dem Portal, eine fette Ente produziert zu haben, wurde diese Falschmeldung am nächsten Tag in die Druckausgabe gehoben. Nichts aber auch gar nichts stimmte an der Geschichte. Es folgte weder eine Entschuldigung bei den Lesern, noch eine Richtigvstellung. Das hätte es früher bei der WAZ so niemals gegeben!. Also bitte, Herr Schraven, reden Sie die WAZ nicht schöner als dieses Verlagshaus noch wirklich ist.

    Richtig ist indes, dass die WAZ bis zur Einstellung von Reitz sich der „Tango-Kommentatre“ (wie Sie es bezeichnen) bedienen. Trotzdem waren sie „journalistischer“ als das, was man jetzt zu lesenbekommt. Zudem wurden die beiden anderen Blätter NRZ und WR gern und oft zitiert, weil sie „Farbe“ bekannten. Ihre Chefredakteure hatten zeitweise mehr journalistisches Gewicht, als Ihr Über-Chef heute. Nun sind auch diese Blätter von Reitz auf Linie gebracht worden. Denn obwohl NRZ und WR auf den Titeln draufstehen, ist fast nur noch WAZ drin.

    Also, verehrter Kollege Schraven, strafen Sie bitte einen alten Rundschau-Mann, nicht Lügen. Ich halte mich an Fakten. So wie ich es bei der guten alten Mutter „Westfälische Rundschau“ einst mal als junger Mensch gelernt habe.

  • #60
    MetroPolin

    David: „Das ist langgezogener Bullshit auf der Gerüchteküche . Jeder kann anrufen, jeder wird durchgestellt und meine Numemr lautet: 0201-804-6562.“

    Lieber Kollege, das entspricht nicht der Wahrheit. Versuche einen X-beliebigen Kollegen am Desk via WAZ-Dialog zu erreichen – man wird Dich nicht durchstellen. Hartnäckige Leser schlagen bei uns in den Lokalredaktionen auf und bitten um entsprechende Durchwahl-Nummern. Dafür bekommen wir nicht von allen Desk-Kollegen ein positives Feedback.

    Zum WAZ-Leaks-Kanal: Früher, als in den Lokalredaktionen noch Redakteure saßen, die in der jeweiligen Stadt verwurzelt waren und denen man Zeit für Recherchen ließ, wanderte manch nicht-öffentliches Dokument in den privaten Briefkasten oder in den Redaktions-Posteingang. OK, das waren keine Weltsensationen, aber für das Aufdecken kommunaler Skandale wird die WAZ eher gekauft als für manche Content-Sensations-Geschichte.
    Aber das Ziel der Entscheider ist ja, die Lokalredaktionen erstens bis zur Schmerzgrenze zu verkleinern und zweitens per Personalkarussell dafür zu sorgen, dass kein Kenner der jeweiligen Stadt mehr vor Ort arbeitet.

  • #61
    Ex-Linker

    MetroPolin. Sie schrieben: Früher, als in den Lokalredaktionen noch Redakteure saßen, die in der jeweiligen Stadt verwurzelt waren und denen man Zeit für Recherchen ließ, wanderte manch nicht-öffentliches Dokument in den privaten Briefkasten oder in den Redaktions-Posteingang.

    Genauso war es. Heute werden Leser, die der Redaktion etwas stecken wollen, eher hinaus komplimentiert, weil vielfach nur als lästig angesehen.

    Danke auch für die Bestätigung, dass WAZ-Dialog nicht zu den Redakteuren am Desk durchstellt. Interessanterweise kann dies einem Journalisten auch dann passieren, wenn er eine Frage an den Pressesprecher der WAZ hat.

    Ganz lustig wird es gar, wenn der Dialog-Mitarbeiter von dem Anrufer wissen möchte, was denn der Grund für das Gespräch mit Redakteur X oder Y sei. So schafft man Vertrauen für vertrauliche Informationen.

    WAZ haste Dir doch verändert…

  • #62
    Paul Hueber

    Herr Schraven, Ihre Bemühungen in allen Ehren. Aber als langjähriger Leser muss ich denen Recht geben, die hier davon schreiben, dass der telefonische Kontakt sehr viel schwieriger geworden ist.
    Und leider stimmt es auch, dass die Zeitung eine schlechtere Qualität bietet. Ich bin einfach deshalb morgens schnell damit durch, weil gegenüber früher weniger Interessantes und Kritisches darin steht. Alles schön auf Linie, allen wohl und niemand wehe. Auch und gerade die Kommentare. Mittlerweile kann ich schon vorhersagen, was ein bestimmter Chefredakteur zu einem aktuellen Thema von sich gibt, noch bevor ich das Blatt aufgeschlagen habe. Dazu muss man sich einfach nur kurz überlegen, was wohl die offizielle CDU-Linie zum Thema ist – dann weiß man auch, was einen im heutigen Kommentar erwartet. Klare Ansage? VWenn Sie das so sehen wollen. Aber es ist stets die Position der Regierung. Und das ist sehr traurig, aber keinesfalls kritisch. Journalismus ging früher anders.

  • #63
  • #64
    Ex-Linker

    Jens: Zur Richtigstellung. Die Geschichte selbst hat ein Volontarius verzapft, die durch Desk-Reporter noch verschlimmerbessert wurde. Aber ich erlaubte mir tatsächlich den Scherz in der Lokalredaktion anzurufen und dem Praktikanten am Telefon freudig mitzuteilen, den Kaiman vom Leinnpfad der Ruhr aus zwischen Essen-Burgaltendorf und Hattingen inmitten des Flusses schwimmend gesehen zu haben. Der Praktikant wollte meine Handynummer, die ich ihm aber nicht gab. Stattdessen erklärte ich, von einer Telefonzelle auf dem Leinpfad stehenden Zelle zu telefonieren. Spätestens da hätte er wissen müssen, dass das nicht stimmen kann. Auf den Leinpfaden gibt`s keine Telefonzellen! Doch das störte den jungen Mann nicht. Auch wurde die Meldung nicht – wie nach alter guter Sitte – im Konjunktiv geschrieben; sondern als tatsachenbehauptung erst online, dann ins Blatt gestellt. Obwohl ich online die kleine „Kaimanade“bereits aufgeklärt hatte. Doch statt die Geschichte zu tilgen, wurde der Kommentar gelöscht…

    Soviel zum Qualitätsjournalismus in der WAZ.

  • #65
    Erika

    @ #63 | Jens
    nett, aber wie immer unverschämt

    man! sollte mal über den „Jens“ nachdenken..

  • #66
    Gretus

    Hallo,

    voll der Schwachsinn meiner Meinung nach: http://www.seo-united.de/blog/seo-offtopic/im-westen-nichts-neues.htm 😉

    Grüße

    Gretus

  • #67
    Marty

    Hallo Herr Schavan…
    Die Extreme Haltung der WAZ Mediengruppe,voran artikuliert durch Ihren Chefredakteur Reitz haben wir alle zur Kenntnis genommen.

    http://dnzs-politik.blog.de/2010/12/02/wikileaks-enthuellungen-waz-chef-reitz-stellt-abseits-10097574/

    Aber dieses Vorhaben als Konkurrenz zu WL zu verkaufen, nunja… ist ja nun wirklich fast schon abenteuerlich.

    Sie haben was völlig anderes vor.
    „Allgemein öffentlich zugänglich gemacht werden sollen die Dokumente nicht. Wir sind nicht Wikileaks”

    Wissen Sie.. Ich glaube Sie (bzw nicht Sie, ihr Arbeitgeber) haben da in erster Linie monetäre Verwertungsinteressen im Auge. 😉

  • #68
    PC-Blog

    Es ist schon befremdlich still geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Hintergrund einge Deals abgelaufen sind. Geld, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Staaten verleihen können, wer weiss? Zumindest fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, nunmehr gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

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