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WDR: Maischberger nach Quote bezahlt?

maischberger

Nach diesem Blog vorliegenden Unterlagen wurde Vincent TV, die Produktionsfirma, die hinter der Sendung  „Menschen bei Maischberger“ steht bis Anfang 2013 nach Quote bezahlt.

Glaubt man ARD-Chefredakteur Thomas Baumann sind die Talkshows der ARD ein wichtiger Bestandteil der politischen Aufklärung in Deutschland:

 „Wir wollen Politik nicht als Unterhaltung darbieten“, betonte er. „Selbstverständlich: Wir wollen den Erfolg beim Publikum“, fügte er hinzu. „Wir können und wollen nicht das bebilderte „Zeit“-Dossier sein.“ Die Quote sei aber nicht das ausschlaggebende Kriterium. Der inhaltliche Anspruch sei es, Aufklärung und Informationen anzubieten und Konfliktlinien aufzuzeigen.

Die Talkshow ist somit Kernauftrag der öffentlich-rechtlichen Senderfamilie, ein Aushängeschild, bei dem es vor allem um die Qualität geht. Nur bei der Bezahlung sah es nach Informationen dieses Blogs bis Anfang 2013 anders aus. 

Vincent TV, die Produktionsfirma die Hinter „Menschen bei Maischberger steht und an der TV-Moderatorin Sandra Maischberger beteiligt ist, soll neben einem Fixum eine weitere quotenabhängige Komponente in der Honorierung der Sendung ausgehandelt haben. Am Montag war dies eines der Themen auf der Redakteursversammlung des WDR. Nach einem diesem Blog vorliegenden Transkript der Versammlung sagte dort Siegmund Grewenig, WDR-Unterhaltungschef:

Antwort Grewenig:
Zu der Frage quotenabhängige Bezahlung: das ist geändert. Sandra
Maischberger wird bezahlt auf der Basis dessen, wieviel Tage sie da
arbeitet. Das ist ganz normal, das ist üblich.

Frage Redakteurvertretung:
Seit wann ist das denn geändert?

Antwort Grewenig:
Das ist seit Anfang des Jahres geändert.

(verlegenes Gelächter, Rufe aus der Versammlung)

Diese Dinge sind natürlich höchstvertraulich und ich bitte auch darum,
dass diese Dinge auch vertraulich bleiben. Denn wir haben bei jedem
Vertrag unterschrieben, dass die Vertraulichkeit gewährleistet ist. Es
ist schon bei dem Produktionsvertrag nicht gewährleistet (liegt dem
KStA vor!) und ist in die Öffentlichkeit gekommen. Wir können in
Zukunft solche Dinge dann nicht mehr so machen. Das muss man auch
sagen. Das zweite ist: Wir sind im Bereich der Unterhaltung. Dort sind
natürlich zum Teil andere Gesetzmäßigkeiten.

Für ARD-Chefredakteur Baumann sind die Talkshows Teil der Aufklärung, für den WDR Unterhaltung wie Volksmusik.  Eine quotenabhängige Bezahlung setzt die Redaktion unter Erfolgsdruck – Themen müssen laufen, unabhängig von ihrer Bedeutung. Die vielbeschworenen Qualität der öffentlich-rechtlichen Sender – im Fall Maischberger scheint sie zweitrangig gewesen zu sein, falls sich die Vorwürfe bestätigen. Eine Anfrage an den WDR ist gestellt. Die Antwort wird eingepflegt sobald sie vorliegt.

 

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8 Kommentare zu “WDR: Maischberger nach Quote bezahlt?

  • #1
    68er

    Ich weiß nicht, irgendwie kann der ÖRR es niemandem Recht machen.

    Um aus diesem Dilemma herauszukommen wäre es nötig, dass jemand den Mut hat Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) bei ARD und ZDF wirklich durchzusetzen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen quotenmäßige Bezahlung, wenn bei einer Diskussion über Armut und Reichtum am unteren Bildrand – sozusagen live – der Stundenlohn der Dikutanten eingeblendet wird.

    Das nervt irgendwie alles nur noch. Eine einfache Lösung wären offene Steuererklärungen wie in Schweden. Dann hätte es keine Steinbrück Debatte gegeben, keine Spekulationen über die Bezüge der Vorstände kommunaler Eigenbetriebe, dieser Beitrag wäre wohl nie erschienen wie so viele Abertausende unnötige Artikel, die sich am Einzelfall abarbeiten, das generelle Problem aber nicht angehen wollen. Da gibt es den dicken Armuts- und Reichstumsbericht der Bundesregierung in dem generell-abstrakt die Probleme beschrieben wird. Wenn es aber verstehen will, wer von welchem Geld wie gut oder wie schlecht lebt, geht das nur über Transparenz. Wenn ich weiß, wie viel Geld oder geldwerte Vorteile mein Arzt von Pharmafirmen in den Allerwertesten gesteckt bekommt, kann ich seine Medikation vielleicht hinterfragen, wenn ich weiß, bei welchen Unternehmen der „freie“ Journalist mal als Event-Moderator tätig war, erklärt sich auch der eine oder andere Artikel. Es ist völlig normal, dass jeder sich ziemlich genau ausrechnen kann, wie viel der Lehrer X oder die tariflich bezahlte Kassiererin Y bei Edeka verdient und wie viel ein „freier“ Journalist für eine Zeile bei einer Tageszeitung bezahlt bekommt. Wieso größere Einkommen geheim bleiben sollen, liegt auf der Hand und die Argumente werden in den oben genannten Einzeldebatten immer wieder durchgekaut. Geändert wird aber nichts. Es wird immer nur ein bisschen „durchgesteckt“ wie hier beim WDR, ein bisschen „Offenheit“ inszeniert wie bei Steinbrück und in den Medien wird mit vielen Ohs und Ahs das ganze Kasperletheater durchgespielt.

    Das hängt mir so zum Halse raus. Anders wird es nur, wenn jeder seine Steuerklärung offenlegen muss.

  • #2
    Henk

    68er schrieb: „Ich weiß nicht, irgendwie kann der ÖRR es niemandem Recht machen.“

    Mir könnte es der ÖRR Recht machen: Mit einer unabhängigen, sachgerechten und informativen Berichterstattung im Sinne des Bürgers und Gebührenzahlers, mit einer Platzierung von Sachthemen im Sinne des Bürgers und Gebührenzahlers, mit einem Verzicht auf Quotendruck, mit einem Verzicht auf massenkompatible Unterhaltung, mit dem Selbstverständnis eines medialen Experimentierfeldes, kurz und gut: Mit einer Hinwendung zu Inhalten, die wichtig sind für die Information mündiger Bürger (und solcher, die es werden wollen) und die das Medium Fernsehen befreit vom sofortigen Erfolgsdruck weiter entwickeln sowie mit einer Abwendung von allem, was auch auf dem freien Markt Erfolg hätte und was RTL, SAT1 & Co. auch ohne erzwungene Gebühren hinbekommen. Eigentlich ist das nicht so schwer.

  • #3
    Walter Stach

    68er -mit Allem einverstanden!!

    Noch zwei ergänzende Bemerkungen:

    1.
    T r a n s p a r e n z über alle (!!)Nebentätigkeiten, der bezahlten und der unbezahlten, der Bundes- und Landtagsabgeordneten:

    „Ist bei uns nicht zu machen“.

    Was CDU/CSU/FDP dazu vor kurzem vorgeschlagen haben, ist das Gegenteil uneingeschränkter Transparenz.
    Ich vermisse zudem auf Bundes- und Landesebene bei SPD/Grünen/Linken, daß die sich nachdrücklicher,radikaler,öffentlichkeitswirksamer als bisher einzelnen und gemeinsam einsetzen für eine diesbezüglich uneingeschränkte Transparenz.
    Mit ihrem bisherigen Verhalten liefern SPD,Grüne,Linke denjenigen Argumente, die vermuten, daß auch sie diese uneingeschränten Transparenz gar nicht wirklich wollen und froh darüber sind, daß CDU/CSU/FDP dem entgegen stehen.

    Und wenn ich mir immer wieder im einzelnen die Rechtfertigen unserer Abgeordneten anhöre, wenn sie sich allesamt gegen eine uneingeschränkte Transparenzpflicht in Sachen Nebentätigkeiten/Nebentätigkeitsvergütung aussprechen, dann sind diese Argumente nicht nur „abenteuerlich“, sie gehölren für mich in die Kategorie bewußter „Volksverdummung“.
    Hiinweises, z.B. auf andere Staaten, die die Veröffentlichung der kompletten Steuererklärung von Mandatsträgern vorschreiben, wird begegnet mit der lapidaren Antwort: „Schweden sei nun ‚mal nicht Deutschland“.

    Ich habe innerhalb „meiner“ Partei, der SPD, auf allen Ebenen und mit verschiedenen Mitteln mehrfach versucht, für diese „uneingeschränkte Transparenzpflicht“ aller Mandatsträgern zu werben;vergebens.
    Ich habe dazu u.a.angeregt, solange es keine gesetzliche Pflicht zur uneingeschränkten Transparenz in Sachen „Nebentätigkeiten nebst Einkünften daraus“ für alle Mandatsträger gibt, daß alle sozialdemokratischen Mandatsträger freiwillig und insofern auch vorbildlich von sich aus, also freiwillig, diese Transparenz praktizieren sollten.Dass ließe sich z.B. in einem Parteitagsbeschluß oder in einem Beschluß in der jeweiligen Fraktion festlegen, was zwar keine Rechtspflicht für die Mandatsträger mit sich bringen würde, aber sowohl innerparteilich „Wirkung“ erzielen als auch Konsequenzen in der öffentlichen Wahrnehmung haben würde.Das habe ich u.a.per veröffentlichem Leserbrief ‚mal im VORWÄTS so dargelegt -ohne Folgen!-.

    Solange das so wie von Dir dargelegt ist -und von mir vorstehend ergänzt wurde-, solange fehlt jeder im Einzelfall durchaus nachvollziehbaren Kritik an mangelnder Transparenz in nichtstaatlichen Organisationen, z.B. bezüglich der Vergütungen, der Vergütungsbemessung für Mitarbeiter bei ARD,ZDF, das notwendige Fundament, auf dem sich eine solche Kritik hinreichend, glaubwürdig, öffentlichkeitswirksam begründen läßt;ansonsten gilt weiterhin das Motto „Warum denn bei uns -ARD,ZDF-, wenn die „da Oben“ nicht……….“.

    2.
    K o r r u p t i o n -Vorteilsannahme,Bestechlichkeit-von Mandatsträgern:

    Dazu gibt es h e u t e abend eine P h ö n i x-Runde.

    Ähnlich wie zum Problem einer umfassenden Transparenzpflicht in Sachen Nebentätigkeiten von Abgeordneten, fällt mir auch hier auf, daß das, was in vielen anderen Staaten seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, bei uns mit zum Teil „abenteuerlichen Begründungen“, und zwar parteiübegreifend (!!) abgelehnt wird.
    Ich fühle mich immer wieder schlicht und einfach durch die Parteien, durch ihre Repräsentanten in dieser Frage „verar…………“.

    Zusammengefaßt:

    Mangelnde Transparenz in Sachen „Maischberger“:

    ein durchaus bemerkenswerter Vorgang, dem nachgegangen werde sollte, wie Stefan Laurin andeutet, der mich interessiert, aber nicht übermäßig beschäftigt und schon gar nicht sonderlich ärgert.
    Mangelnde Transparenz in Sachen Nebentätigkeiten/Vergütungen für Nebentätigkeiten von Mandatsträgern und die derzeit absolut unzureichende Regelung in Deutschland in Sachen Gewährung geldlicher oder unentgeldlicher Leistungen Dritter an Mandatsträger und deren Annahme durch diese beschäftigen mich ganz wesentlich, ärgern mich enorm, und ich engagiere mich unverdrossen, mit darauf einzuwirken, daß sich diese Zustände grundlegend ändern.

    Da Letzteres aber augenscheinlich weder für die große Mehrheit der Menschen in Deutschland gilt und zudem das Ganze beispielsweise für die Kanzlerin „kein Thema“ zu sein scheint, was mich bei ihr nicht wundert, aber auch für den Bundespräsidenten kein Thema zu sein scheint, was mich bei ihm sehr wohl wundert, werden wir weiter mit diesen Zuständen zu leben haben.

    Mit welchen Nebenwirkungen für eine demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung?

  • #4
  • #5
    teekay

    Was ich nicht verstehe ist, warum man ueberhaupt dieses Theater von Seiten der ARD veranstaltet-denn die ARD hat doch immer Recht: Hypothetisch gesprochen: 10.000 schauen Maischberger; ARD: ‚Die Sendung ist so wichtig fuer die demokratische Bildung, da schauen wir nicht auf die Quote, wir sind hier ja nicht im Privatfernsehen‘. 10.000.000 schauen Maischberger; ARD: ‚Die Quote ist eine Bestaetigung fuer eine tolle, wichtige Sendung und Frau Maischberger erreicht eine grosse Gruppe mit ihrem politischen Bildungsfernsehen‘. Die ARD gewinnt doch immer-denn machen kann man sowieso nix und das Gehalt wird ja nicht veroeffentlicht….

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  • #7
    ÖR

    Interessant bei der Debatte um Maischberger ist, dass Weight Watchers schon im Januar 2012 ein Promi-Werbegesicht in der Sendung platziert hat. Unter dem Titel „Die dicksten Diätlügen: Was macht wirklich dünn?“ durfte Christina Neubauer Werbung machen für Weight Watchers. Innerhalb eines Jahres also zwei mal: Wer kontrolliert eigentlich noch die Produktionsfirmen im WDR?

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