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Wer and’re fallen lässt, fällt auch selbst?

Mein Gott, war das schwierig. Wie alle Online-Dienste vergräbt auch Amazon die Kündigungsmöglichkeiten eines Kundenkontos auf seiner Homepage ziemlich gut.
Ich habe mich aber durchgewurschtelt:
„Hiermit schließe ich mein Amazon-Konto.
Die Arbeitsbedingungen bei Amazon insgesamt, aber insbesondere auch für Leiharbeiter Ihres Unternehmens und Ihre Paketdienste halte ich für mehr als unanständig.
Mit freundlichen Grüßen
Gerd Herholz“

Amazon habe ich selten genutzt, bin lieber dem Motto gefolgt: Support your local bookdealer.
Der TV-Bericht über die Leiharbeiter bei Amazon hat mir jetzt aber den letzten Rest gegeben. Und selbst wenn ich wieder einmal zu faul dazu sein sollte, die paar Meter zum Buchladen zu gehen: Bei Amazon wird nix mehr bestellt.
Das ist das Mindeste, was man als Gutmensch so tun kann. Und wenn’s viele tun, wird’s auch mehr als Gutmenschen-Blabla und dürfte Amazon empfindlicher treffen, als es ihnen recht ist.
Mehr?
http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/hr/13022013-ausgeliefert-leiharbeiter-bei-amazon-100.html
oder
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/faz-net-fruehkritik/faz-net-fernsehkritik-leiharbeiter-bei-amazon-made-in-china-12080064.html

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26 Kommentare zu “Wer and’re fallen lässt, fällt auch selbst?

  • #1
    Klaus

    Man sollte dazu folgenden Bericht nicht vernachlässigen:

    http://kreisanzeiger-online.de/2013/02/19/218419/

    Ich werde auch in Zukunft bei Amazon einkaufen. Über 9 €/h für einfache Arbeiten von ungelernten Arbeitern ab dem ersten Tag plus kostenlose Kost+Logis zusätzlich für Saisonkräfte halte ich nicht für so grausame Bedingungen, um dort nicht mehr einzukaufen.

  • #2
    der, der auszog

    Unanständig, ja eigentlich schon unverschämt auch das derzeitige Geseiere von Amazon Deutschland Chef Ralf Kleber, der die Amazon-Mitarbeiter im Spiegel zur Gründung von Betriebsräten aufruft:

    „Ich finde Betriebsräte sehr gut und ich ermuntere die Mitarbeiter in unseren Logistikzentren, Betriebsräte mitzugründen“.

    Diese Forderung der Amazon Geschäftsleitung, die nach Einsicht und einer Kehrtwende ausschaut, wird spätestens an dem Punkt relativiert, wo sich Amazon gegen eine Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, namentlich ver.di ausspricht und dies mit „Verdis scharfen Angriffen und Anschuldigungen in den letzten Tagen“ begründet.

    Hier gehts zum Spiegelinterview mit Amazon-Mitarbeiterversteher und Deutschlkandchef Ralf Kleber:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/amazon-chef-ralf-kleber-zu-ausbeutungs-und-kartellvorwuerfen-a-884793.html

  • #3
    Gerd Herholz

    # Klaus: Ja sicher. Und die Baumwollplantagen der Sklavenhalter waren einst das Paradies.
    Ungelernte mussten sich um nichts mehr kümmern: Die gelernten weißen Kümmerer nahmen ihnen wirklich alles ab.
    Schön ist es, auf der Welt zu sein, sprach die Biene zu dem Stachelschwein…

  • #4
    Robin Patzwaldt

    Eine andere Frage wäre ja auch, wie hoch der Stundenlohn der Aushilfe in der örtlichen Buchhandlung denn ist? Zahlt das Vor-Ort-Geschäft im Vergleich wirklich besser?

    Zusätzlich möchte ich auf den Unterschied zwischen preisgebundenen Büchern und dem Kauf von CDs und DVDs aufmerksam machen, wo natürlich der höhere Verkaufspreis, der häufig inzwischen im Geschäft in der City verlangt wird, auch nicht von allen Leuten so einfach bezahlt werden kann.

    Das Thema ist, meiner Meinung nach, daher nicht einfach nur Schwarz-Weiß. Es gibt dabei auch viele ‚Grautöne‘.

  • #5
    Klaus

    Ein weiterer Link, in dem ein Amazon-Mitarbeiter die Verhältnisse etwas anders schildert, als das öffentlich-rechtliche Empörungsvideo.

    @Gerd Herholz: Wer Leiharbeiter, die freiwillig eine lange Anreise aufnehmen, also wohl nicht unzufrieden mit dem Angebot waren, mit Sklavenarbeitern gleichsetzt, ist nicht nur an einer keiner ernsthaften Diskussion interessiert, sondern entpuppt sich auch als Populist.

  • #6
    Sebastian

    Gerd, wo kaufst du denn jetzt? Fragst du deinen Buchhändler wieviel seine Mitarbeiter verdienen? Wenn das zuwenig ist wo kaufst du dann? Elektrogeräte, wo kaufst du die? In meiner Stadt gibt es kein Geschäft dafür mehr. Verdienen die Mitarbeiter bei Mediamarkt gut? Wie siehts‘ mit CDs aus? Hörst du nur Bands die selbst brennen und verkaufen? Und wo kaufst du deine Lebensmittel? Mir fällt da kein Geschäft ein welches gut bezahlt.

    Wäre nett wenn du uns sagen kannst welche Geschäfte du besuchst wo es keine Leiharbeiter und Geringverdiener gibt 🙂

  • #7
    Andreas

    @ Sebastian #6

    mein letztes buch habe ich hier gekauft: http://www.hundthammerstein.de/

    frag „Momo“, was sie verdient – „Chef & Chefin“ anklicken, „Momo“ unten

  • #8
    Axel

    @ Klaus #1 Bitte den verlinkten Bericht anschauen: eine Kunstlehrerin – und sie wird über die Dauer der ganzen Sendung begleitet – ist keine ungelernte Arbeiterin.

    @ Klaus #5 Besagte Kunstlehrerin aus Spanien hat offensichtlich vor Ort keinen Job gefunden – wie weit es dann mit der „Freiwilligkeit“ her ist, über Weihnachten Land und Familie zu verlassen, um irgendwo in Deutschland Packarbeiten zu erledigen, mag jeder für sich selbst entscheiden …

    @ Sebastian #6 Worauf läuft Deine Argumentation hinaus? Warum drehst Du dem Autor das Wort im Mund herum? Er hat nicht über die von Dir diffus zusammen geschusterten Läden geschrieben, sonderm über Amazon. Soll man nachgewiesene Sauereien nicht anprangern, nur weil sie in anderen Betrieben und Firmen ebenfalls Gang und Gäbe sind?

  • #9
    Sebastian

    @Axel

    Ach soll man dann bei Amazon nicht mehr kaufen weil’s da jetzt nachgewiesen ist? Bei den meisten anderen Geschäften sieht’s doch nicht besser aus. Nur isses da halt nicht nachgewiesen…

  • #10
    Puck

    Ich werde es wohl halten wie bisher:
    Deutsche Bücher nur beim alteingesessenen Buchhändler (nicht die Buchkette in der City, erstens bin ich es leid, der 400EUR-Kraft die Namen sehr bekannter Autoren, die aber nicht gerade auf der Bestsellerliste stehen, zu buchstabieren, und zweitens mag ich solche Ramschläden sowieso nicht). Dort kennt man mich, weiß was ich haben will und empfielt schonmal was, falls Buch nicht vorrätig (was überraschend selten der Fall ist), hat man meine Email-Adresse, schickt einen Einzeiler wenn die Lieferung da ist, und ich trabe los und hole mir das Buch.
    Feine Sache, man bekommt nicht nur ein schönes Buch und intelligente Gespräche gratis dazu, man hat auch ein wenig Bewegung an der frischen Luft.

    Leider kann der freundliche und kompetente Buchhändler um die Ecke aber keine englischen Bücher bestellen, weil allein die Zahlung eine höchst komplizierte und mit hohen Bankgebühren verbundene Angelegenheit ist – bekanntlich sind weder GB noch die USA Euro-Länder…

    Also in bestimmten Fällen weiterhin Amazon.
    Natürlich gefallen mir die Arbeitsbedingungen dort nicht – aber alle, die jetzt so erstaunt und empört tun und ihren Account löschen müssen sich schon die Frage gefallen lassen, wie sie sich denn so die Arbeitsbedingungen bei Amazon vorgestellt hatten?

    @Klaus
    Ich finde den Vergleich mit den Sklavenhaltern auch ziemlich daneben, aber wahr ist auch: Den Arbeitern aus Spanien wurden erst nach der langen Reise – als vor Ort – mit geteilt, daß der Vertrag leider geändert wurde und nicht so toll ausfällt, wie versprochen. Das ist schon ziemlich unverschämt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und Kontrollgänge durch die Unterkunft durch ein dubioses „Sicherheitsunternehmen“ wurden bei der Anwerbung wohl auch kaum angekündigt.

    Der Sklavenhaltervergleich schmeckt mir auch desalb nicht, weil er ganz subtil in die gleiche Kerbe haut, die jetzt von allen Seiten routiniert bearbeitet wird und auch in der entsprechenden Reportage anklang: Daß es sich schließlich um ein amerikanisches Unternehmen handelt, die ja bekanntermaßen knallhart sind.
    Hat irgendwer mal die Arbeitsbedingungen bei anderen Versandhändlern recherchiert?
    Anstatt mit dem Finger auf den „amerikanischen Monopolisten“ zu zeigen, wäre es ganz angebracht, sich ganz allgemein mal die Arbeitsbedingungen in D anzusehen.

  • #11
    Helmut Junge

    @Puck,
    einerseits und andererseits.
    Einerseits ist es einfach die Mindestlohnentwicklung zu googeln.
    Da geht es um 8,50 Euro pro Stunde und Millionen Menschen liegen hier in Deutschland liegen darunter.
    http://www.wiwo.de/politik/deutschland/dgb-chef-sommer-dgb-glaubt-an-einen-mindestlohn-kompromiss/7828828.html
    Andererseits frage ich mich, was mit einem Arbeitslosen, der Hartz 4 kriegt, geschieht, wenn er solch ein Jobangebot mit 8,50 Euro ablehnt.
    M.W. kriegt er dann vom Gesetz her erst mal überhaupt kein Geld.
    Also, entweder er macht das mit, oder er kriegt keine Stütze.
    Hat das nicht doch etwas mit Sklaverei zu tun?
    Aber die Spanier von Amazon kriegen sogar mehr als den Mindestlohn.
    Und das sehe ich ähnlich wie du. “ Den Arbeitern aus Spanien wurden erst nach der langen Reise – als vor Ort – mit geteilt, daß der Vertrag leider geändert wurde und nicht so toll ausfällt, wie versprochen. Das ist schon ziemlich unverschämt, um es mal vorsichtig auszudrücken. “
    Was ich hoffe, ist dass diese Diskussion jetzt erst richtig losgeht und all die Fragen mit ungleichen und ungerechten Löhnen, mit dem Lohngefälle endlich breit diskutiert werden. Wieso ist es möglich, dass Menschen trotz vollzeitjob noch unter Hartz 4 liegen und, nichts für ihre rente anlegen können und sogar die Differenz zu Hartz 4 vom Arbeitsamt bezahlt kriegen?
    Ich kenne solch einen Fall. Artzhelferin. Nix ungelernt!

  • #12
    Axel

    @ Sebastian #9
    Ja, zum Beispiel. Das wäre ein Anfang. Es ist doch nachvollziehbar, Veränderungen Schritt für Schritt in Angriff zu nehmen, als sich mit einem Mal aus allen Strukturen auszuklinken, – so wie Du es zur Debatte stellst.

  • #13
    Axel

    Ich empfehle nochmal, sich den verlinkten Bericht anzuschauen.

    Die prekäre Situation fremdsprachiger Arbeiter und Arbeiterinnen auszunutzen, ihnen dubiose, ungewisse Verträge anzubieten, sie durch eine Nazi-Security einschüchtern zu lassen – all das macht die Dokumentation zum Thema. Dass schließlich noch die Journalisten von den Thor Steinar-Leuten tätlich angegangen werden sei nicht zuletzt erwähnt.

    Wer will sich danach noch zum Fürsprecher für Amazon aufschwingen? Ich nicht.

    Warum werden gute, begründete Argumente zunichte gemacht, mit dem Einwand, bei „anderen“ sähe es ja auch nicht besser aus? Irgendwo muss man anfangen, oder?

  • #14
    TuxDerPinguin

    „Support your local bookdealer.“
    Amazon ist ja mehr als ein Buchhändler.
    es ist ja sicher so, dass außer bei Lebensmitteln der Online-Handel einen großen Anteil hat und diesen sicher noch ausweitet,
    Weil der Einzelhandel eben mehr Mieten, mehr Personal vor Ort, mehr Lagerkosten… zahlen muss und das auf die Preise der Ware umlegen muss…
    gibt zudem vor Ort nicht alles.

    Da wäre dann also die Frage Amazon oder ein anderer Online-Shop?

    Zu den Büchern: ich habe genug Bücher rumstehen und aus Platzgründen, aber auch aus Komfort heraus, vor längeren entschlossen, nur noch eBooks zu kaufen… halte ich nicht ganz ein, aber doch sehr…
    da gibt es zu Amazon nichtmals eine Alternative, weil andere Plattformen das verschlafen haben und mit DRM (digitalem rechte-Management) das Öffnen der eBooks aus eReadern erschweren bis unmöglich machen. Amazon umgeht das, indem sie mit Kindle selber ihre günstigen eReader vertreibt, die ihre eBooks lesen kann.

    ich werde also meine eBooks weiter bei Amazon kaufen. Meine Lebensmittel vor Ort. Und alles andere im Internet recherchieren, welche Shops das anbieten, was ich will. Beim letzteren werd ich Amazon vielleicht ausschließen (es ist nicht so, dass Amazon immer am günstigsten ist btw), falls mir das nicht gefällt, was aus der Dokumentation als Folge erreicht wird.

  • #15
    Arnold Voß

    Das Problem der fairen Löhne ist nicht nur eine Frage des Anbieters, bzw. lässt es sich durch den Anbieterwechsels nicht einfach lösen. Faire Löhne bedeuten bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen nämlich nichts anderes als Preissteigerungen. Wer also faire Löhne fordert, der muss auch bereit sein, mehr Geld für die Produkte zu bezahlen.

    Als Kunde steht man (leider) nicht außerhalb des kapitalistischen Systems sondern ist einer seiner tragenden Teile. Kaufverweigerung hilft in diesem System deswegen nur dann, wenn man ganz auf das Produkt verzichten kann. Nur wo anders kaufen hilft dagegen nur dem neu gewählten Anbieter. Der Druck auf die Arbeitskräfte wird dadurch keinen Deut geändert, denn der entsteht durch die Konkurrenz der Anbieter selbst.

    Den Arbeitnehmern die trotz Arbeit nicht von ihr leben können, hilft nur ein genereller Mindestlohn. Der Vorteil dieser Maßnahme liegt darin, dass er für alle Anbieter gilt, d.h. dass auch der Kunde, egal ob Gutmensch oder nicht, den dadurch gegeben Preissteigerungen nicht durch sein eigenes Marktverhalten entkommen kann.

    Statt den Markt zu verzerren wird er so zur allgemeinen Marktbedingung. Genau das nannte man mal soziale Marktwirtschaft. Selbst Merkel hat es mittlerweile begriffen. Deswegen wird der generelle und flächendeckende Mindestlohn, egal wie er sich am Ende konkret nennt, auch nach den Wahlen kommen. Mit oder ohne Merkel. Und das ist gut so.

  • #16
    Gerd Herholz

    Amazon hat mir jetzt geantwortet – mit einem Textbaustein, den wahrscheinlich Tausende erhalten. Zu den Fakten der Doku auf ARD kaum ein Wort. Dazu überflüssige Infos zu Konten/Angeboten, die ich nie genutzt habe. Insgesamt stellt Amazon fest: Wir war’n das nicht. Sondern eben „Dienstleister“. Und woher hätte Amazon da auch etwas wissen können? Das scheint heutzutage überalll Prinzip zu sein: Wir sourcen Schmuddelarbeit aus, und wenn was Übles rauskommt, können wir nix dafür. Aus der TV-Doku kann man z.B. Infos zum Security-Dienst H.E.S.S. entnehmen, dessen Verbindungen ins rechtsradikale Lager gehen.
    Ich habe meine Kontoschließung bei Amazon bestätigt. Ist keinerlei Großtat, ich weiß, nur ein Bausteinchen u.a. bei ein bisschen Gegenwehr gegen unzumutbare Verhältnisse, mit denen ich persönlich in Berührung komme.

    Der Amazon-Textbaustein:

    „Sehr geehrte Kundin /sehr geehrter Kunde,
    Amazon nimmt die Vorwürfe bezüglich der Situation im Seepark Ost während der Weihnachtszeit sehr ernst.
    Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden. Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte bei unseren Zeitarbeitskräften verantwortlich war, zu gewährleisten. Aus diesem Grund beenden wir unsere Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen. Den Einsatz des kritisierten Sicherheitsdienstes hatten wir bereits beendet. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung – und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten.

    Weitere Informationen zu Amazons Logistikzentren einschließlich Löhnen finden Sie unter www.amazon.de/logistikzentren

    Zu Ihrem Anliegen der Kontoschließung:
    Ein Hinweis: Sobald Ihr Konto geschlossen ist, ist kein Zugriff mehr möglich auf:
    – Ihr Kundenkonto für Online-Einkäufe bei Amazon.de
    – Ihr Verkäuferkonto für die Plattform Amazon.de Marketplace
    – Digitale Inhalte in Zusammenhang mit der Amazon Cloud und dem Cloud Player
    – Inhalte und Abonnements für Kindle
    – Konten bei Amazon.co.uk, Amazon.com, Amazon.ca, Amazon.fr, Amazon.it, Amazon.es oder Amazon.co.jp
    – Ihr Konto bei Javari.de, Amazon BuyVIP und Amazon Payments,
    – Ihr Konto beim Amazon.de Partnerprogramm (falls ein solches Konto besteht)
    – Ihr Konto bei Audible.de und die dort erworbenen Hörbücher
    – Ihr Konto bei LOVEFiLM
    – Ihren Amazon Wunschzettel und andere Listen, falls solche angelegt wurden
    – „Meine Seite“ bei Amazon
    – Ihren Zugang zu Author Central und die damit zusammenhängende Autoren-Seite

    Nach einer Kontoschließung ist kein Zugriff mehr auf Ihre erworbenen Kindle Inhalte möglich.
    Möchten Sie Ihr Konto dennoch schließen, antworten Sie bitte direkt auf diese Nachricht.
    Bitte beachten Sie noch folgende Informationen:

    Um sicherzugehen, dass Sie in Zukunft nicht mehr namentlich begrüßt werden, löschen Sie bitte alle Cookies auf Ihrem Rechner. Nähere Informationen zu den Cookie-Einstellungen Ihres Internet-Browsers entnehmen Sie bitte der Hilfe-Funktion des Browsers oder den entsprechenden Handbüchern.

    Wir warten jetzt Ihre E-Mail ab und kommen dann umgehend Ihrem Wunsch nach.
    Freundliche Grüße
    Kundenservice Amazon.de“

  • #17
    Achim

    Es gibt gewisse Praktiken, die sich einfach nicht gehören.
    Wachleute in „Thor Steinar Uniform“ gehören eindeutig dazu.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Thor_Steinar

    Aber es gibt noch andere in der Logistikbranche üblichen Praktiken.

    Nehmen wir mal an eine Zeitarbeitsfirma stellt Mitarbeiter ein.
    Der Unternehmer setzt dann an jeden Tisch genau einen
    Russlanddeutschen und einen Türken. Er könnte natürlich
    auch die Tische jeweils nur mit zwei Russlanddeutschen und
    zwei Türken besetzen.
    Macht er aber nicht, denn diese könnten sich ja irgendwie
    solidarisieren.

    Offensichtlich gibt es Branchen in denen schlechte
    Deutschkenntnisse so etwas wie ein positives Qualifikationsmerkmal
    sind.

    Zur Abwicklung des Weihnachtsgeschäftes hat Amazon Leiharbeiter
    aus ganz Europa angekarrt.
    Das war sein gutes Recht.
    Amazon hat diese Leiharbeiter aber wohl an allen Standorten
    so gemischt, dass diese sich nicht organisieren konnten.
    Eine organisierte Belegschaft hätte ja rechtzeitig
    mitten im Weihnachtsgeschäft irgendwelche Forderungen stellen können…
    Gleichzeitig wurden die Mitarbeiter wohl auch noch
    in gemischten Gruppen auf engstem Raum untergebracht.
    Damit waren die Mitarbeiter damit beschäftigt sich in ihrer Freizeit
    mit wildfremden Menschen, deren Sprache sie nicht
    sprechen, zu arrangieren.
    Normalerweise hätte sich die Belegschaft durch Zimmertausch
    homogenisiert.
    Aber dafür gab es ja die Wachleute mit der „Thor Steinar Uniform“.

    Wie gesagt, ein solches Verhalten gehört sich nicht…

    Achim

  • #18
    Gerd Herholz

    Leiharbeit bei Amazon verstieß gegen Gesetze:
    http://www.tagesschau.de/wirtschaft/amazon160.html

    und zum Security-Dienst H.E.S.S. beim hessischen Rundfunk u.a.:
    „Der umstrittene Sicherheitsdienst war auch Thema beim Live-Chat von hr-online-Nutzern mit den beiden Autoren der Dokumentation am Sonntagabend. Löbl und Onneken hatten sich während des Drehs in eines der für die Amazon-Leiharbeiter genutzten Feriendörfer einquartiert. Als ihre Recherche aufflog, hielten H.E.S.S.-Mitarbeiter sie in ihrem Zimmer fest und drängten sie zur Herausgabe ihres Filmmaterials – letztlich vergeblich. Die Reporter verließen unter Polizeischutz das Feriendorf. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda gegen zwei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma wegen des Anfangsverdachts der Nötigung und Freiheitsberaubung.“

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36086&key=standard_document_47629457

  • #19
    Gerd Herholz

    # 15 Lieber Arnold, du schreibst:
    „Faire Löhne bedeuten bei ansonsten gleichbleibenden Bedingungen nämlich nichts anderes als Preissteigerungen. Wer also faire Löhne fordert, der muss auch bereit sein, mehr Geld für die Produkte zu bezahlen.“
    Naja, das ist mir jetzt zu sehr Arbeitgeberverband. und „gleichbleibende Bedingungen“ könnte man ändern. Faire Löhne zu zahlen, könnte auch heißen, auf obszön hohe Gewinne oder Boni auf Unternehmer- und Managerseite zu verzichten. Da muss nicht jede Lohnerhöhung gleich an die Verbraucher weitergegeben werden. In der Regel schröpfen heute viele Unternehmen Konsumenten und Arbeitnehmer zugleich – zugunsten der Gewinne.

  • #20
    Axel

    Der H. E. S. S. Security-Dienst setzt dem Ganzen allerdings die Krone auf und ist einer der erschreckendsten Aspekte der Dokumentation. Weil hier keine schwer entzifferbaren Strukturen sondern Mittel von Angst, Einschüchterung und demütigender Kontrolle am Werk sind.

    Symbolwert: Die Vorfälle ereigneten sich auch nicht in einer namenlosen Neben-Klitsche von Amazon — sondern in deren Logistik-Zentrum Bad Hersfeld, quasi deren Stammhaus in Deutschland (seit 2001). Immerhin: die losgetretene Entrüstung hat wohl zur Kündigung von H. E. S. S. geführt …

  • #21
    Achim

    #16 @gerd herholz

    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36328/1.html

    Amazon ist ja leider nicht nur ein Buchverkäufer, sondern auch ein
    „Buchmopser“.

    Ein Erlöschen des Accounts bei Amazon führt leider auch zum
    Verlust der bisher gekauften eBooks.

    Ich habe aber noch niemals bei Amazon gekauft und dies
    wird sich wegen H.E.S.S. so schnell nicht ändern.

    Achim

  • #22
    Gerd Herholz

    # 4: Robin, das ist ein schlechter Vergleich. Trotz allem hat der/die Beschäftigte bei einem örtlich Buchhändler gesetzlich abgesicherte Leistungen, muss nicht in Motels von Amazon unter H.E.S.S.-Bewachung wohnen, kann sich in deutscher Sprache an Gewerkschaften wenden, hat sozialen Rückhalt vor Ort und sitzt nicht bewusst vereinzelt und entsolidarisiert in der Fremde. Zudem zeigte der ARD-Bericht ja auch, welche Wege und Wartezeiten viele Beschäftige akzeptieren müssen, wie Kost und Logis vom Lohn abgezogen werden: Da ist’s mit 9 Euro-Stundenlohn sowieso Essig.

    #6, 9: Sebastian. Empfehle Ihnen das Buch „Warum. Von der Obszönität des Fragens“ von Aron Ronald Bodenheimer.
    Und was für ein Argument: Überall wird beschissen, da macht man besser gar nichts?

    #10 Puck: Nein, das Arbeitsbienen auf Zeit importiert werden, mit Verträgen und Unterbringung entwürdigt und von Thor-Steinar-Fans bewacht und eingeschüchtert werden, das hatte ich mir in der Tat nicht vorgestellt. Natürlich weiß auch ich aus Sozialreportagen und TV-Enthüllungen, dass immer wieder Menschen ausgenutzt und gedemütigt werden – als Schwarzarbeiter, Minijobber, working poor, Zwangsprostituierte…, und das wird auch nicht aufhören. Aber wenn man’s erfährt und es einen persönlich berührt, dann kann man schon ein paar Konsequenzen ziehen ohne sich gleich zum Widerständler zu stilisieren, oder?

    Und irgendwer schrieb mir, dass ich, weil ich Amazon kündige, opportunistisch auf Ami-Firmen dresche. Solche Stoßrichtung habe ich nicht einmal angedeutet.
    Das Geschäfts- und Arbeitgebergebaren Amazons ist schließlich global Praxis oder stark im Kommen.

    Davon ganz abgesehen, es reicht ein Blick in die deutsche Geschichte: Da haben wir in Deutschland genug historische Erfahrungen mit rechtlosen ‚Fremdarbeitern‘, die unter Überwachung/Bewachung quasi kaserniert leben mussten.

  • #23
    Robin Patzwaldt

    @Gerd: Habe inzwischen mal konkret nachgefragt. Eine Bekannte meiner Eltern hat in einer kleinen Buchhandlung einen neuen Minijob angenommen, nachdem sie längere Zeit gar nichts gefunden hatte. Stundenlohn dort 6,50 Euro. Sehe also in einer lokalen Buchhandlung, wenn wir uns hier mal auf den Kauf von Büchern konzentrieren, nun auch nicht unbedingt einen Vorteil für Beschäftigte. Die derzeitigen Arbeitsbedingungen sind daher ein generelles Problem. Nicht nur ein Einzelfall eines großen Internetversenders. Könnte ansonsten für eine Diskussion auch örtliche Lebensmittelgeschäfte anbieten, wo der Stundenlohn auch unter 7 Euro liegt, oder einen ‚rollendem Mittagstisch‘ für Senioren mit 6,80 Euro Stundelohn für die Lieferanten. Alle Beschäftigten die ich in diesen Läden kenne haben übrigens eine abgeschlossene Berufsausbildung…

  • #24
    Arnold Voß

    @ Gerd Herholz # 19

    Sicher tun sie das, wenn es sich um eine oligopolistische Situation handelt und bestimmte Ausbeutungspraktiken auch noch legal sind. Aber die Fair-Trade-Laden zeigen sehr deutlich und im positiven Sinne, dass ein fairer Lohn in der Regel einen höheren Produktpreis zu Folge hat.

    Würden auf der ganzen Welt alle Arbeitskräfte einen Mindestlohn bekommen, der ihn einen anständiges Leben ermöglicht, dann würden nach meiner Schätzung alle Boni und Monpol-Gewinne dieser Welt nicht ausreichen, um dafür zu sorgen, dass diese Bedingung nicht zu einem allgemeinen Preisanstieg führen würde. Aber der ist für die Gerechtigkeit nun mal und im wahrsten Sinne des Wortes in Kauf zu nehmen.

    Für Amzon gilt allerdings mittlerweile, und da gebe ich dir recht, dass dort auf grund er quasimopolistischen Preissetzung erhebliche Fairnisreservern vorhanden sind, die bei diesem Anbieter höhere Löhne erlauben, ohne zu Preissteigerungen zu führen. Aus diesem und nur aus diesem Grunde konnte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens auch gleich ganz imagefördernd, bzw. reparierend, öffentlich Betroffenheit demonstrieren und Besserung loben.

    Generell bleibe ich jedoch bei meiner Einschätzung, und es ist mir egal ob das jetzt nach Arbeitgegeberverband klingt oder nicht: Faire Löhne sind auch eine Sache des Preises, den Kunden dafür am Ende zu zahlen bereit sind.

  • #25
    Gerd Herholz

    Ja, Robin, danke. Das ist mir klar. Gegen Dumpinglöhne muss man politisch nicht nur in Sachen Amazon vorgehen. Da behaupte ich nichts anderes.
    Mir geht (und ging) es aber vor allem um die systematische ‚Massenmenschhaltung‘ von Arbeitskräften mit dem Zweck reibungs- und möglichst geräusch- und widerstandsloser Gewinnsteigerung fürs Unternehmen. Und auch da steht Amazon nicht alleine da, klar.

  • #26
    Helmut Junge

    @Gerd Herholz,
    alles was ich im Zusammenhang mit dieser Geschichte gelesen habe spricht gegen Amazon, auch die Bezahlung. Nur hat @Robin Recht, wenn er letztere vergleicht.
    Was soll man denn sonst tun? Es ist doch leider so, dass Millionen Menschen im Leichtlohnverträgen hängen. Die verdienen weniger als Hartz 4, so dass die Arge die Differenz aufstocken muß. Bei der Tochter eies Freundes, alleinerziehende Mutter, war das lange so. Jetzt iegt sie bei einer vollen Stelle gerade über dem Satz. Die junge Frau ist Arzthelferin, hat also eine abgeschlossene Ausbildung.
    Miete muß sie aber zahlen. Deshalb hat sie neben ihrem Job zusätzlich noch einen 400 Euro-Job. Ich denke, dass ein großer Teil der gutverdienenden, meist älteren Bevölkerung kaum weiß, was heutzutage im Berufsleben so abgeht.
    Wer heute einsteigen will, weil er Anfänger ist oder arbeitslos, der wird gedrückt. Wehren kann man sich nicht, weil man sonst von der Arge gesperrt wird.
    Natürlich werden die „normalen“ Leichtlohnarbeiter nicht von Thor Steinar-Fans bewacht. Nee, so weit geht es nun doch noch nicht.
    Aber man könnte ja mal fragen, was die H.E.S.S.- Leute so verdienen.

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