Westin Leipzig: Die Angst, sich von Antisemitismus zu distanzieren


Nachdem der Sänger und Schauspieler Gil Ofarim öffentlich gemacht hatte, dass er im Westin Hotel Leipzig  aufgrund seiner Halskette mit Davidstern nicht habe einchecken können und  Mitarbeiter des Hotels  ihn aufgefordert hätten, diese Halskette einzupacken, hat die Hotelkette reagiert. Zwei Mitarbeiter wurden beurlaubt. Ausserdem  hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.

Zudem versuchte die Hotelkette  mit einer PR-Aktion den durch den antisemitischen Vorfall entstandenen Imageschaden wieder in den Griff zu bekommen.  Mitarbeiter stellten sich vor dem Hoteleingang auf und hielten ein Transparent in dem um das Logo des Beherbungsbetriebs die israelischen Fahne und der islamische Halbmond zu sehen sind. An dieser Aktion war alles falsch: Ofarim ist Deutscher und Kein Israeli. Er ist Jude und kein Moslem, so dass der Halbmond keinen Sinn macht und bei so einer Gelegenheit noch einmal das eigene Logo ins Zentrum zu rücken ist schlicht unangebracht und peinlich. Auch haben die Betreiber offenbar den Sinn ihrer Tätigkeit nicht verstanden: Ihre Aufgabe ist es nicht, ihre Gäste zu integrieren, sondern zu bedienen. Unklar ist auch, was Integration im Zusammenhang mit einem deutschen Sänger zu tun haben soll. In was soll er integriert werden? In die Kultur des AfD-Hochburg Sachsen?

Westin ist unfähig, ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Der Halbmond soll offenbar zeigen, dass man sich gegen irgendeine Form des „Rassismus“ stellt, um die es in dem Fall allerdings gar nicht ging. Vielleicht hat man auch einfach nur Angst, sich ausschließlich von jedem Antisemitismus zu distanzieren. Das könnte ja vielleicht andere Gäste verschrecken. Was für eine erbärmliche Aktion.

 

 

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12 Kommentare

  1. #1 | discipulussenecae sagt am 6. Oktober 2021 um 10:56 Uhr

    Das sehe ich genauso: Die Aktion der Hotelleitung hat einen rein merkantilen Hintergrund, um die eine andere Religion nicht zu verprellen.

    Was Ihr Korerekturprogramm aber offenbar nicht weiß: Der Herr heißt Ofarim, nicht Ofraim.

  2. #2 | Angelika, die usw. sagt am 6. Oktober 2021 um 11:14 Uhr

    "…Was für eine erbärmliche Aktion."

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  3. #3 | Lehmbruck sagt am 6. Oktober 2021 um 12:16 Uhr

    Nachtragen möchte ich, dass auch die Fahne des Nationalstaates Israel kein passendes Symbol für die Solidarität mit einem in Deutschland lebenden Juden ist, sondern vielmehr eine Ausgrenzung beinhaltet.

  4. #4 | Kai Dorra sagt am 6. Oktober 2021 um 14:53 Uhr

    Jetzt noch ein "Rettet die Wale" und irgendwas mit Antiimperialismus auf das Transparent, dann kann man es wenigstens mehrfach wiederverwenden. Passt immer. Nur hier nicht.

  5. #5 | Manni sagt am 7. Oktober 2021 um 08:06 Uhr

    "Er ist Jude und kein Moslem, so dass der Halbmond keinen Sinn macht "

    Beim Anblick des Halbmondes habe ich den Eindruck, dass diese Schilder von Mitarbeitern hochgehalten wurden, die sich weigerten, die Israelische Fahne anzufassen.
    So kenne ich es zumindest aus meinem Wohn- bzw. Hotelumfeld.

  6. #6 | Ley sagt am 7. Oktober 2021 um 09:20 Uhr

    Wenn weiter nichts kommt, sind das nur hohle Worte, um ihren Ruf zu retten. Der Mitarbeiter gehört gefeuert! Und die Aktion mit dem Plakat ist peinlich. Ofarim ist Deutscher! Was soll da die israelische Flagge? Diese Ausgrenzung macht die Sache nur noch schlimmer und zeugt echt von Zynismus und Ignoranz.

  7. #7 | Bochumer sagt am 7. Oktober 2021 um 10:22 Uhr

    Ich würde das nicht so hoch hängen. Das Management war vom der Dummbratzigkeit der Mitarbeiter überrascht. Das sind die Schuldigen.

  8. #8 | Mark sagt am 8. Oktober 2021 um 10:46 Uhr

    Es ist sehr erschreckend, welche krassen Reaktionen von Leuten gefordert werden, welche die Sachlage nicht kennen (ss gibt gegensätzliche Aussagen der Beteilligten). Es sind mehrere Theorien denkbar: 1. ein ungebildeter Mitarbeiter, 2. ein antisemitischer Mitarbeiter, 3. ein Medienaffiner recht unbekannter Rockstar sucht kostenlose PR – sicher gibt es noch andere Konstellationen, 'In dubio pro reo' – dies galt zumindest mal vor der großen Hysterie. Also Füße still halten – bis die Sachlage geklärt ist.

  9. #9 | paule t. sagt am 8. Oktober 2021 um 12:35 Uhr

    Bezüglich des Banners: Es ist wohl so, dass das von einer Veranstaltung zum Thema Gaza/ Israel (glaube ich) noch da war und man es schnell genommen hat.
    Damit ist es immer noch dämlich, dieses unpassende Banner für diesen Zweck zu benutzen, aber es wurde immerhin nicht bewusst so gestaltet.

  10. #10 | Richard Heller sagt am 9. Oktober 2021 um 01:39 Uhr

    #8 Mark

    Für sich genommen ist der Kommentar ganz richtig. Ich wüsste z. B. gerne, was der Herr W. für einer ist. Und immerhin ist der ganze Sachverhalt streitig.

    Hier ging es aber um die Reaktion des Hotels mit den Fahnen. Und da kommt es nicht einmal darauf auf, was nun wirklich geschehen ist. Schon als Reaktion auf ein hypothetisches Ereignis war die Fahnenaktion für sich genommen ein Griff ins Klo. Egal, was rauskommt: Stefan Laurin hat mit seinem Artikel absolut Recht.

  11. #12 | Die Causa Gil Ofarim: Ein Lehrstück des deutschen Kampfes gegen Antisemitismus - Audiatur-Online sagt am 8. November 2021 um 11:31 Uhr

    […] Hotel für die Dauer der strafrechtlichen Ermittlungen zwei seiner Angestellten frei, wie der Blog Ruhrbarone weiter […]

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