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“Wie Ideologinnen und Ideologen die Welt in Gut und Böse einteilen”

Judith Sevinç Basad Foto: Privat


Die Berliner Journalistin Judith Sevinç Basad zeigt in ihrem Buch „Schäm Dich“ nicht nur die Folgen von Cancel Culture, Queertheorie und Wokeness auf, sondern führt ganz nebenbei auch in deren Geschichte und philosophische Grundlagen ein.

Was lange nur im Umfeld einiger geisteswissenschaftlicher Studiengänge, Szenetreffs und Independent-Medien Bedeutung hatte, bestimmte in den vergangenen Monaten die öffentlichen Debatten der Republik. Neben Corona waren die Auswirkungen von Cancel Culture, Queertheorie und die Wokeness der „Social-Justice-Warriors“ das bestimmende Thema. Ein paar flapsige Bemerkungen über die Klima-Ikone Greta setzten den Comedian Dieter Nuhr unter Druck, Bücher, in denen Autoren den Großteil ihrer Leser als Rassisten beschimpfen finden reißenden Absatz.

Tausende junger, meist akademisch gebildeter, Menschen sind „woke“, erwacht, und ähneln in ihrem Eifer den Zeugen Jehovas, deren Magazin „Erwachet“ schon woke war, als man in Berkley noch mit einem Sombrero auf dem Kopf Karneval feierte, am Morgen noch dasselbe Geschlecht hatte wie am Abend zuvor und damit Eindruck schinden konnte, nach zehn Bieren Sonette von Shakespeare auswendig zu können. Das ist lange her. Das Tragen eines Sombreros gilt mittlerweile als kulturelle Aneignung, Shakespeare als alter, weißer, frauenfeindlicher Rassist und Geschlechter werden gelesen, haben aber mit Biologie nichts mehr zu tun und sind so frei zu wählen wie die verschiedenen Sorten veganer Sojashakes.

Wie konnte es zu all dem kommen? Was hat den Westen bloß so ruiniert und warum wünscht man sich bei all dem Wahnsinn, wohlhabende Upperclasskids würden sich wieder mehr für Cabriolets interessieren, anstatt allen mit einer Mischung aus Hass und Besserwisserei auf die Nerven gehen?

Antworten auf all diese Fragen liefert Judith Sevinç Basad in ihrem Buch „Schäm Dich“.

Sie zeigt auf, wie die Gedanken postmoderner Philosophen wie Michel Foucault und Jacques Derrida im Laufe weniger Jahrzehnte zu einer Ideologie geformt wurden, die keine Debatte mehr zulässt, keine Erkenntnisse anerkennt, den Rassismus neue Triumphe feiern lässt und Unterwerfung und Scham fordert. Und wie dieses Denken längst Teile unseres Alltags bestimmt, weil es von der Politik und vielen, vor allem öffentlich-rechtlichen, Medien übernommen wurde.

Basad beschreibt eine Ideologie, die mit der Behauptung Karriere gemacht hat, nicht nur alle Weißen sondern auch Aufklärung und der Westen seien „strukturell rassistisch“, Männlichkeit per se toxisch und Frauen immer unterdrückt. Sie zeigt auf, dass es den Aktivisten nicht um die Verbesserung der Lebensumstände von Migranten oder Frauen geht oder um mehr Toleranz gegenüber Transsexuellen, sondern um einen Kulturkampf: „Die Welt soll in »Gut« und »Böse«, in Täter und Opfer, in Privilegierte und Nicht-Privilegierte, in Weiße und Schwarze, Mann und Frau, Deutsche und Migranten, Heterosexuelle und Queers eingeteilt werden.“, schreibt sie.

Die Social-Justice-Warriors haben sich in eine Ideologie verstrickt, die nichts mit der Realität zu tun hat.“ Dem syrischen Flüchtling, der durch seinen Schulabschluss fällt, weil ihm die Deutschkenntnisse fehlen, helfe es nicht, wenn sich ein weißer Manager für seine Hautfarbe schämt. Eine junge Türkin, die sich ein Universitätsstudium nicht zutraut, werde nicht mutiger, weil eine weiße Deutsche sich gerade »ihrer Privilegien bewusst« wird und einer polnischen Einwanderin, die einem unterbezahlten Job nachgeht, weil ihre Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt wird, helfe es nicht, wenn ein Rundfunkredakteur fordere, dass weiße Männer häufiger ihren Mund halten sollen. „Die jungen Studenten, Journalisten und Politiker, die gerade mit verschwurbelten Begriffen um sich werfen, andere belehren und Sprechverbote fordern, scheren sich in Wahrheit nicht um das Leid der Armen und Ausgegrenzten.“

Judith Sevinç Basad räumt mit gerne wiederholten Mythen auf. Sie rechnet den legendären Gender-Pay-Gap von 19 Prozent auf realistische zwei herunter, denn sie berücksichtigt die Tatsache, dass Frauen seltener Studiengänge wie Maschinenbau wählen, die später in gut bezahlte Berufe führen und zeigt, dass die Geschlechter nicht ganz so sehr konstruiert sind, wie es die von der Philosophin Judith Butler inspirierten Queertheoretiker propagieren: Die behauptet, dass, die biologische Einteilung in Mann und Frau nur ein Ergebnis der Herrschaft von Heterosexuellen sei.

„»Mann« und »Frau« gibt es also nicht deshalb, weil es biologisch signifikante Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, sondern weil der weiße Mann sich diese Kategorien ausgedacht hat, um besser seine ausbeuterischen Interessen zu verfolgen.

Natürlich gibt es auf unserer Welt Menschen, die sich biologisch weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zuordnen lassen. Die Zahl der sogenannten »Intersexuellen« beläuft sich weltweit jedoch nur auf 0,018 Prozent. Die biologischen Kategorien »weiblich« (XX-Chromosomen, weibliche Sexualorgane und Hormone) und »männlich« (XY-Chromosomen, männliche Sexualorgane und Hormone) stellen 99,982 Prozent der Weltbevölkerung dar. Sie sind also real und nicht »sozial konstruiert«.“

Für ihre Haltung hat Basad schon oft die Toleranz der Social-Justice-Warriors zu spüren bekommen: „Wie das konkret aussieht, wurde im Sommer 2020 auf Twitter deutlich. Dort schrieb ich, dass Transfrauen biologisch keine Frauen seien und biologische Tatsachen nicht transphob sein könnten. Die Antwort eines Users darauf beschreibt gut, wie nun diese Schmerz-Politik abläuft: »Was eine Frau ausmacht oder nicht, sollte nicht nur auf einen Punkt oder Sichtweise beschränkt sein«, schrieb er. »Wenn man Fakten so auf eine Sache reduziert, kann es sehr wohl transphob sein. Auch wenn du eine Person wie mich nicht als Frau ansiehst, darf ich dennoch die gleichen Privilegien genießen? Oder willst du ausgrenzen, dann ist es sehr wohl transphob.«“

Der Grund, wieso Aktivisten bei diesem Thema regelmäßig übergriffig werden, ist Judith Basad klar: „Die Behauptung, dass unübersehbare biologische Unterschiede – wie Hautfarben oder Geschlecht – eigentlich nicht existieren, ist so offensichtlich absurd, dass sie umso vehementer verteidigt werden muss.“

Basad leugnet an keine Stelle, dass es Probleme mit Homophobie, Sexismus und Rassismus gibt, dass Transsexuelle oft gefährdet sind und es bei der Gleichberechtigung der Frau noch immer erhebliche Defizite gibt. Aber sie hält mit Macht dagegen, dass all dies von einer kleinen Gruppe instrumentalisiert wird, um gegen eine aufgeklärte und demokratischen Gesellschaft zu kämpfen, Meinungen zu unterdrücken und eine autoritäre Ideologie zu verbreiten. Die Beispiele, die Basad für das Eindringen dieses Ideologiekomplexes in Medien und Politik anführt, sind erschreckend. Ob der mit öffentlichen Mitteln finanzierte Verein „Neue deutsche Medienmacher*innen“ oder ebenso hofierte wie aggressive Twitterstars wie QuattroMilf oder Malcolm Ohanwe: Die Protagonisten der Szene werden ernst genommen und ihr Einfluss wächst. Judith Sevinç Basad Buchs deckt den Wahnsinn auf, erläutert die theoretischen Hintergründe und legt Verbindungen offen. Es gibt keine Seite, auf der man nicht etwas dazu lernt. Und Spaß zu lesen, macht es auch noch.

Judith Sevinç Basad
Schäm dich!
Wie Ideologinnen und Ideologen die Welt in Gut und Böse einteilen
Westend, 18 Euro

Der Artikel erschien in einer ähnlichen Version bereits bei den Salonkolumnisten

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12 Kommentare zu ““Wie Ideologinnen und Ideologen die Welt in Gut und Böse einteilen”

  • #1
    thomas weigle

    "…sondern weil der weiße Mann… sich ausgedacht hat." Wie kann mensch sich so`n Scheiß ausdenken? Indianer, Inkas, Pigmänen, usw, unterschieden die Geschlechter, kannten Frau und Mann, bevor sie überhaupt einen weißen Mann zu Gesicht bekamen.

  • #2
    bevanite

    Bevor hier die ellenlangen Lobgesänge von allen anderen eintrudeln, erstmal ein kritischer Kommentar. Erstmal finde ich es fast schon komisch, wenn Leute, für die Anglizismen an anderer Stelle der Untergang des Abendlandes darstellen, hier sehr unbeholfen Begriffe aus amerikanischen Debatten benutzen, ohne wirklich Ahnung zu haben, von was sie eigentlich sprechen. Das liest sich nicht nur holprig, es zeugt auch von schlechter Recherche. Im amerikanischen Gebrauch wird "woke" fast nur noch ausschließlich als Schimpfwort von Ultrakonservativen und libertären Nationalisten gegen Linke und Liberale verwendet.

    Foucault und Derrida kann man meinetwegen vorwerfen, dass ihre Texte schwer lesbar waren. Ansosonsten ist das allgemein mit der Postmoderne assozierte "anything goes" oder das Zusammenwürfeln verschiedener früherer Stile doch eher ein Eröffner für Debatten, im Vergleich zur Konformität, die davor herrschte. Ihr müsst Euch schon entscheiden: ist die "Postmoderne" (auch ein Begriff, der oft verwendet wird, aber bei dem gerade die Gegner*innen oft nicht wissen, was er bedeutet) nun Schuld an zu viel Freizügigkeit oder zu wenig? Sonst wird es schnell inkonsequent und lächerlich. Und die beiden für Rassismus verantwortlich zu machen, führt auch an der Sache vorbei.

    Aber entlarvend ist vor allem dieser Satz: "Wie das konkret aussieht, wurde im Sommer 2020 auf Twitter deutlich." Buhu! Leute, Twitter ist nicht die Welt und man kann sich dort jederzeit ausloggen. Ihr baut Online-Debatten zu einem Popanz auf, der völlig an der Realität vorbeigeht und überseht dabei, wo die wahren Feinde stehen. Im besten Fall ist das naiv, im schlimmsten Fall – und ich fürchte, dass Laurin und Basad zunehmend auf diesen Pfad geraten – spielt man damit nur Leuten wie Sellner, Elsässer und Kubitscheck in die Hände. Oder ist das die neue Strategie der Liberalen, den eigenen Niedergang ans Dranhängen bei den Rechten aufzuhalten? Kleiner Reminder: das ging schon 1867 und 1930 für die Liberalen nicht gut aus.

    Auch finde ich es erschreckend, dass ein Stefan Laurin – immerhin noch Jungle World-Autor! – in fast schon verschwörungstheoretischer Manier von einer kleinen Gruppe fantasiert, die heimlich "gegen eine aufgeklärte und demokratischen Gesellschaft" kämpft, und dass er dezidiert antirassistische Gruppierungen wie die „Neue deutsche Medienmacher*innen“ angeht, als seien sie die heimlichen Strippenzieher in der Politik.

    Aber was soll’s. Im Endeffekt ist das ein Buch, das in erster Linie nur für die eigene Crowd geschrieben ist und dort maximalen Beifall erzielen soll, aber über die eigene Bubble nicht hinausgeht.

  • #3
    Karla

    @bevanite, "…..in fast schon verschwörungstheoretischer Manier von einer kleinen Gruppe fantasiert, die heimlich "gegen eine aufgeklärte und demokratischen Gesellschaft" kämpft, "

    Und Nicknamen zählen als offenes Panier @bevanite?

  • #4
    paule t.

    zu bevanite #2, Zitat:
    "Im amerikanischen Gebrauch wird "woke" fast nur noch ausschließlich als Schimpfwort von Ultrakonservativen und libertären Nationalisten gegen Linke und Liberale verwendet."

    Also genau wie hier. 😉

  • #5
    Philipp

    @2 bevanite "Im amerikanischen Gebrauch wird ‘woke’ fast nur noch ausschließlich als Schimpfwort von Ultrakonservativen und libertären Nationalisten gegen Linke und Liberale verwendet."

    "Linke und Liberale" scratch that und ersetze es durch Linksidentitäre und Linksautoritäre, dann passt das schon eher.

    Vielen Linken (Marxisten) und Liberalen geht wokeness in seiner extremen Forn nur noch auf den Sack und auch in der breiten amerikanischen Bevölkerung findet es kaum Anklang,
    https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2018/10/large-majorities-dislike-political-correctness/572581/

    von Zieladressaten von Begriffen wie "latinx" ganz zu schweigen.
    https://www.pewresearch.org/hispanic/2020/08/11/about-one-in-four-u-s-hispanics-have-heard-of-latinx-but-just-3-use-it/

    Und um dem geschätzten Barone-Leser gleich mal zu zeigen, was es mit PC- und Cancel-Culture auf sich hat, stellen Sie, Bevanite, die institutionelle Zugehörigkeit Stefan Laurins zur Jungle World in Frage ("immerhin noch! Jungle World-Autor!") bevor sie absurderweise insinuieren er würde sich, den politischen Untergang der Liberalen ahnend, (die FDP in Umfragen derzeit übrigens stabil zweitstellig) an Martin Sellner dranhängen, um dabei völlig die Geschichte der Ruhrbarone https://taz.de/Nazis-bedrohen-Journalisten/!5021366/ und Stefan Laurins, sagen wir mal, weniger ausgeprägtes Interesse an irgendeiner Art Querfront https://www.ruhrbarone.de/laurin-verpiss-dich-aus-do/26114 zu ignorieren.

    Vom Pädophilen Foucault wollen wir dabei gar nicht erst reden. Der wird jetzt nämlich erst mal gecancelt und dass, wie es scheint, völlig zurecht. https://www.thetimes.co.uk/article/french-philosopher-michel-foucault-abused-boys-in-tunisia-6t5sj7jvw

    Glück Auf.

  • #6
    Karla

    @paule t. merkwürdig, daß dir als Erklärer und Übersetzer der Nebensatz von @bevanite "immerhin noch! Jungle World-Autor!" entgangen ist. Der kann durchaus als anonyme Drohung verstanden werden, daran zu drehen und das zu ändern. Das reduziert dann auf einen Punkt exakt das, was man so von Cancel-Culture, die es ja angeblich gar nicht gibt, weiß. Der eine Punkt wäre dann, Menschen anonym zu bedrohen. Für solches Handeln wäre "woke" doch noch ein recht netter Ausdruck.

  • #7
    Marina

    Ein erfrischender Artikel, ich werde mir umgehend das Buch besorgen. Von der Autorin Judith Sevinç Basad habe ich auch aktuelle Interviews, youtube etc im Netz gefunden.
    Was mich allerdings etwas stört, ist die Verwendung des Begriffs "Feminismus" in dem "schäm Dich" Zusammenhang. Leider sind die Ideen und Überzeugungen des Feminismus, durch Queer-Feminismus verwässert, verdreht und vergessen und nicht verstanden worden.
    Über eine differenzierte Betrachtung und Benennung würde ich mich freuen auch und insbesondere von Judith Basad – vielleicht liest sie die Kommentare.

  • #8
    bevanite

    @Karla:

    "Und Nicknamen zählen als offenes Panier @bevanite?"

    Glauben Sie mir, in einem Bundesland, in denen Neo-Nazis Listen mit Linken, die nach ihrer Revolution an die Wand gestellt gehören, führen, ist das die sichere Variante. Denn die entfachen in der Regel keine Shitstorms auf Twitter, sondern machen das im realen Leben – Linke und Grüne-PolitikerInnen sind hier am stärksten von Morddrohungen betroffen.

    "Der kann durchaus als anonyme Drohung verstanden werden, daran zu drehen und das zu ändern. Das reduziert dann auf einen Punkt exakt das, was man so von Cancel-Culture, die es ja angeblich gar nicht gibt, weiß."

    Haha, das war zugegebenermaßen lustig. Ich hätte niemals gedacht, dass man so sehr um drei Ecken denken kann, um auf Ihre Interpretation zu kommen. Das erklärt vielleicht die doch sehr übertriebene Hysterie um angebliche "Cancel Culture" (by the way, es wurde auch schon vor 20, 40 oder 60 Jahren nicht jede Person in jedes Forum eingeladen – war das auch Cancel Culture?). Nein, ich warf dem Autor vielmehr vor, dass er einerseits für ein Medium schreibt, das sich dezidiert nicht nur gegen Neo-Nazis, sondern auch gegen andere Formen des Rechtsradikalismus richtet, auf dieser Plattform aber zunehmend in Alt-Right-Jargon abdriftet. Einen Kündigungswunsch kann man da nur mit großer Fantasie rauslesen.

    @Philipp:

    Siehe meine Antwort an Karla. Wie gesagt: wenn man überall "cancel culture" sehen will, ist sie plötzlich auch überall. Ist es eigentlich auch Cancel Culture, wenn ein Türsteher jemanden an der Clubtür abweist? Oder wenn ein Barbetreiber einen Gast rausschmeißt, der alle nervt?

    "bevor sie absurderweise insinuieren er würde sich, den politischen Untergang der Liberalen ahnend, (die FDP in Umfragen derzeit übrigens stabil zweitstellig) an Martin Sellner dranhängen"

    So absurd ist das ja nun nicht. Die US Alt-Right hat ihre Wurzeln im Neoliberalismus und auch in Deutschland ist die nationalkonservative Szene mit Ex-Liberalen durchsetzt. An die FDP dachte ich eher weniger, wobei der Fall Kemmerich in Thüringen oder diverse Abstimmungen im Bundestag auch zeigen, dass sie stärkere Annäherungsversuche an die AfD sucht als die CDU/CSU. Woher kommt die fehlende Abgrenzung deutscher Liberaler nach Rechtsaußen? Von Linksradikalen können sie sich ja auch distanzieren.

    "um dabei völlig die Geschichte der Ruhrbarone https://taz.de/Nazis-bedrohen-Journalisten/!5021366/ und Stefan Laurins, sagen wir mal, weniger ausgeprägtes Interesse an irgendeiner Art Querfront https://www.ruhrbarone.de/laurin-verpiss-dich-aus-do/26114 zu ignorieren"

    Das macht es ja umso kruder. Die Drohungen kommen nicht von Links oder von Queerfeministinnen, aber trotzdem wird weiter auf die drauf gehauen und eine unnötige Gefahr hinaufbeschworen. Im Artikel heißt es: "Die Protagonisten der Szene werden ernst genommen und ihr Einfluss wächst" – ist das nicht eine Entwicklung, die man auch als Liberaler begrüßen sollte? Wie ich schon oben schrieb: Twitter-Kommentare finden online statt. Die nationalistische Rechte hingegen wird offline immer stärker und zwar weltweit.

    Foucault wird übrigens von Rechts nicht seine Pädophilie vorgeworfen, sondern dass seine Schriften angeblich für gesellschaftliche Entwicklungen verantwortlich wären, die bestimmten Leuten nicht in den Kram passen.

  • #9
    Philipp

    @bevanite "Ist es eigentlich auch Cancel Culture, wenn ein Türsteher jemanden an der Clubtür abweist? Oder wenn ein Barbetreiber einen Gast rausschmeißt, der alle nervt?"

    Nein, Cancel Culture ist wenn Einzelne und/ oder ein Mob versuchen, Menschen aus ihren Berufen zu drängen, weil sie sich durch "Mikroaggressionen" oder bescheuerte Aussagen von 14-Jährigen in ihrer Menschenwürde gefährdet sehen. Ein widerliches Beispiel hier, wo sich die Washington Post zum Steigbügelhalter für absolute NIchtigkeiten macht.:
    https://www.washingtonpost.com/local/social-issues/blackface-incident-at-washington-post-cartoonists-2018-halloween-party-resurfaces-amid-protests/2020/06/17/66f09bde-af2e-11ea-856d-5054296735e5_story.html

    "Die US Alt-Right hat ihre Wurzeln im Neoliberalismus" auch wieder so ein Postulat. Nur weil einzelne Paläolibertäre wie Ron Paul o. Pat Buchanan in ihren alten Tagen crankier geworden sind, heißt das nicht, dass man vom Neoliberalismus, diesem amorphen Wesen, eine gerade Linie zu den Ereignissen in Charlottesville ziehen kann.

    Die nationalkonservative Szene in Deutschland ist auch nicht mit Ex-Liberalen "durchsetzt". Einzelfälle, wie der Stümper Kemmerich oder der Orban-Deutschland Beauftragte Gerhard Papke machen noch lange keine Regel. Auch nicht wenn man um drei Ecken denkt. Und dabei Stefan Laurin in die Nähe von Sellner und Götz Kubitschek rückt.

    Haha.

    P.S:: "Woke" wird eben nicht nur als Schimpwort von Ultrarechten gebraucht, sondern von sehr einflussreichen linken und liberalen Journalisten wie Matthew Yglesias, David Frum oder Yascha Mounk kritisiert. Schlechte Recherche?

  • #10
    Karla

    @bevanite, Sie haben mir ja nun erklärt, daß Sie aus Vorsicht anonym bloggen, weil die Rechte….usw.
    Der Mord an Walter Lübcke ist ja Mahnung genug. Hoffentlich geht die Linke nicht daran zugrunde.
    Jetzt muß ich doch tatsächlich Journalisten bewundern, die sich mit Rechten und Linken anlegen, und das täglich unter ihren Namen.
    Und Frau Wagenknecht, die letzte Linke, die mir lebhaft in Erinnerung geblieben ist, ist ja auch gemobbt und bedroht worden. Wer das alles war, ist nie wirklich klar geworden. Nur daß es Rechte waren. Das ist klar. Aber wer genau?

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  • #12
    Black Polished Chrome

    >>Die Social-Justice-Warriors haben sich in eine Ideologie verstrickt, die nichts mit der Realität zu tun hat.“<< Ist das ein Zitat aus dem Buch? Ich frage wegen dem fehlenden Gänsefüsschen, nehme aber an, dass dem so ist.
    Hier sieht man deutlich, dass Judith Sevinç Basad eine Groteske entworfen hat. Der Allquantor "nichts" ist nicht haltbar. Die Realität ist, dass es soziale Ungerechtigkeit in erheblichem Maße gibt und die dem entgegenstehende Ideologie sehr wohl an die Realität anknüpft.

    "Dem syrischen Flüchtling, der durch seinen Schulabschluss fällt, weil ihm die Deutschkenntnisse fehlen, helfe es nicht, wenn sich ein weißer Manager für seine Hautfarbe schämt. Eine junge Türkin, die sich ein Universitätsstudium nicht zutraut, werde nicht mutiger, weil eine weiße Deutsche sich gerade »ihrer Privilegien bewusst« wird"

    Dass Judith Sevinç Basad Philosophie studiert hat macht eine solche Darstellung zu einer tragischen Angelegenheit. Dass die Problematik, der SJW begegnen wollen, in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext steht und sich für die sozial benachteiligte Einzelperson sehr wohl etwas verbessert – wenn auch nicht unbedingt sofort – wenn die vielen sozial bevorteiligten Einzelpersonen als Reaktion auf die Kritik der SJW sich ihrer Bevorteilung bewusst werden und in der Folge ihre Attitüde anpassen und so die Gesellschaft strukturell umformen, scheint ihr wohl auch absolut unmöglich zu erscheinen. Die bestehende Priveligierung muss dafür allerdings erkennbar gemacht werden. Und daher sind SJW und ihre Aktivitäten insgesamt zu begrüssen und zu fördern.

    Fazit über das Buch: Billigster opportunistischer Populismus und in diesem Sinne als Studienobjekt brauchbar. So wie die Bibel.
    Fazit zum Artikel: Die objektive Brille war wohl noch beim Optiker, da nicht einmal die kleinste Kritik geäussert wurde.

    P.S. Sarkastische Einlage: Arme arme Menschen, denen ein schlechtes Gewissen gemacht wird. Stört sie bitte nicht dabei sich ihre Allerwertesten zu vergolden.

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