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Wir sind Polizei oder doch Antifa?

Die Veröffentlichung der Bilder von Opfern rassistischer Anschläge durch Nazis erfolgt in der Regel durch Aktivisten der Antifa. In Gelsenkirchen ist das anders. Auf dem Posting der Namen der Todesopfer von Hanau ist in der Bildmitte ein Porträt von Britta Zur platziert. Die Polizeipräsidentin von Gelsenkirchen ist seit 2019 im Amt und bekannt für ihre professionelle Kommunikation. In der öffentlichen Darstellung passiert nichts aus Zufall.

Die Polizei jetzt auf dem Weg der Antifa? Diese Art der Präsentation hinterlässt einen faden Beigeschmack. Die Vorgänge in Hanau sind noch immer nicht komplett aufgeklärt. Das gilt auch für die Rolle der Polizei. So konnte während des Anschlags der Notruf nicht erreicht werden und auch der verschlossene Notausgang in einem der Anschlagsorte war den Behörden wohl lange bekannt.

Es wurden in den letzten Jahren eine Reihe von Verbindungen der Polizei in die rechtsextreme Szene aufgedeckt. Die Gelsenkirchener Direktion der Polizei ist von dem aktuellen Skandal um die rechten WhatsApp-Gruppe in NRW wohl nicht betroffen, aber auch hier gibt es zwei rechtsextreme Verdachtsfälle.

Die aktuelle Veröffentlichung der Polizeipräsidentin versucht mit den Opfern eines rassistischen Anschlags das Bild ihrer Organisation und ihr eigenes aufzuwerten. So werden die Toten von Hanau für eine durchsichtige PR-Kampagne benutzt.

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5 Kommentare zu “Wir sind Polizei oder doch Antifa?

  • #1
    el_emka

    Wow.

    Der Polizei wird vorgeworfen, professionell zu kommunizieren. Was wäre denn besser? Eine amateurhaft kommunizierende Polizei? Dröhnendes Schweigen wie es von der hessischen Polizei in diesem Zusammenhang betrieben wird?

    Es gibt zwei rechtsextreme Verdachtsfälle in der Gelsenkirchener Polizei, so wird geraunt. Aha. Und deswegen darf die Spitze kein Zeichen dagegen setzen? Oder wie habe ich den Einwand zu verstehen? In der professionellen Kommunikation passiert nichts aus Zufall, vielleicht könnte das auch auf die Innenwirkung der Präsentation zutreffen. Auf die Idee, dass den rechtsextremen Verdachtsfällen, so sie denn zutreffen (ich weiß es schlichtweg nicht), dieser Post einerseits die Galle überkochen lässt und ihnen andererseits das Zeichen setzt, dass an der Front eher weniger Rückendeckung zu erwarten ist, scheint der Autor nicht zu kommen.

    Immer feste druff, entweder "Korpsgeist, wie zu erwarten" oder "durchsichtige PR-Kampagne".
    Es ärgert mich maßlos, dass die Polizei aus Richtung der beaufsichtigenden Ministerien niemals auch nur den Hauch von Kritik erwarten muss, egal was auch immer passiert. Ein solcher Post, wie hier von der Gelsenkirchener Polizei zeigt doch nur, dass gesellschaftlicher Druck funktioniert. Natürlich ist der Post aus PR-Sicht gut platziert, aber ohne den Druck von außen hätte es ihn auch nicht gegeben. Vom hohen Ross der moralischen Überlegenheit aus gesehen spielt das natürlich keine Rolle und die Polizei als Institution kann es aus Prinzip nicht richtig machen.

    Hoffentlich gibt’s demnächst mal wieder eine Wasserwerferpräsentation oder neue Panzerfahrzeuge in Flecktarn. Einfach mal auf Sachsen oder Bayern warten. Dann kann man wieder mit besserem Gewissen draufhauen, oder etwa nicht?

  • #2
    Thomas Baader

    Sorry, aber die Kernaussage des Textes halte ich für absurd.

    So wie er argumentiert, argumentiert jemand, der den anderen auf keinen Fall gewinnen lassen will. Die Polizei positioniert sich gegen Rassismus? Heuchelei!
    Die Polizei positioniert sich nicht gegen Rassismus? Wäre natürlich auch falsch.

    Der Vorwurf der Durchsichtigkeit fällt auf den Text des Autors zurück.

  • #3
    Yilmaz

    Wer hier versagt hat, sind doch gerade die Behörden, denen der schwerkranke Geisteszustand des Herrn Tobias R. allein schon aus seiner Korrespondenz hätte bekannt sein müssen. Warum hat man ihm dann nicht seine legal besessenen Waffen weggenommen?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Hanau_2020#Täter

    "R. stellte dreimal wahnhafte Strafanzeigen. Im Jahr 2002 zeigte er beim Polizeipräsidium Oberfranken eine „psychische Vergewaltigung“ an: Er werde „durch die Wand und durch die Steckdose abgehört, belauscht und gefilmt“. Daraufhin diagnostizierte ein Amtsarzt eine „Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis, paranoide Inhalte“ und empfahl die sofortige Einweisung in eine Psychiatrie."

  • #4
    Ruhr Reisen

    Die PR-Aktionen der Frau Zur sind unglücklich unprofessionell – wenngleich man ihr zumindet eine gute Absicht unterstellen kann. Wer sich als Führungsperson der Polizei in GE eitel in den Mittelpunkt des eigenen Behörden-Marketing stellt, scheint ein Problem mit dem Selbstwert zu haben. Ihre letzte Presseverlautbarung fokussierte sich auf den Satz der bundesweit jüngsten Polizeipräsidentin – als herausragendstes Merkmal. Das reicht nicht und ist ausbaufähig.

  • #5
    ccarlton

    Die Vorwürfe an die Behörden entbehren jeder Grundlage. Es ist wirklich kein Geheimnis, dass die Polizei seit sehr vielen Jahren von der Politik kaputt gespart wird, die überlastete Hotline ist eine der Folgen davon.

    Der verschlossene Notausgang fällt einzig und allein in die Verantwortung des Betreibers zumal der Autor mit dem Wieselwort ‘wohl’ selbst zugibt, dass er nicht mit Sicherheit dagegen kann, ob das den Behörden bekannt war. Man kann daher davon ausgehen, dass es nicht bekannt war.

    Was aufzuklären wäre, ist warum der Täter trotz seiner offensichtlichen und den Behörden in der Tat bekannten geistigen Störung noch legal Waffen besitzen durfte.

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