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Wir sollten nicht auf Gauck setzen, sondern auf uns

Joachim Gauck Foto: Matthias HiekelEigentlich ist die Wahl des Bundespräsidenten nicht mehr als ein Machtzeichen. Egal ob Regierung oder Opposition: Wer seinen Kandidaten durchbringt macht seinen Führungsanspruch deutlich.

Mit uns, den Bürgern, hat das nicht viel zu tun. Und im Normalfall ist es auch ziemlich egal, wer Bundespräsident ist. Zum Beispiel die Reden: Ich habe erst eine erlebt, die wirklich historisch war. Richard von Weizsäcker hielt sie 1985. Alle anderen sind verpufft. Ich bin zufrieden wenn der Bundespräsident nicht allzu peinlich ist.

Trotzdem würde auch mir wünschen, dass Joachim Gauck gewählt wird. Nicht weil ich glaube, Christian Wulff würde den Job schlecht machen. Das würde er sicher nicht. Sondern weil ich mit der Politik unzufrieden bin. Nicht nur mit der Regierung, sondern damit, wie es in der Politik generell läuft. Meine Wertschätzung der Politiker hat einen Tiefpunkt erreicht. Mein Zutrauen in ihre Fähigkeiten auch. Aber würde sich das durch die Wahl Gaucks ändern? Nein. Unsinn. Mit der Wahl Gaucks sind Hoffnungen verbunden, die er, im unwahrscheinlichen Fall seiner Wahl, nicht erfüllen könnte.

Wenn viele  jetzt Gauck fordern, fordern sie eigentlich eine andere Politik. Und die möchte ich eigentlich immer seltener nur Politikern überlassen. Ich möchte mitbestimmen. Nicht nur bei Wahlen, sondern auch bei Volksabstimmungen. Im Bund, im Land und in meiner  Stadt. Gaucks Charme ist der Charme eines Bürgerrechtlers, der Charme eines Menschen, der gegen eine Diktatur aufbegehrte. Er forderte seine Rechte ein in einer Zeit, in der das gefährlich war. Wir sollten mehr  Rechte einfordern. Und wir leben in einem Land, in dem das einfach und risikolos ist. Was Gauck in einer Diktatur konnte, sollten wir doch in einer Demokratie  auch hinbekommen.

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6 Kommentare zu “Wir sollten nicht auf Gauck setzen, sondern auf uns

  • #1
    Steeven

    Ich stimme dir zu. Dennoch finde ich Gauck auch deshalb besser, da er keine Politiker einer Partei ist und so dem überparteilichen gerecht wird anders wie Wulff.

    Volksabstimmungen sollten auf jedenfall häufiger stattfinden nur leider wollen sich die Politiker da ungern reinreden lassen. Ich glaub in Solingen sind sie einen Schritt weiter. Hatte da mal eine Reportage gesehen.
    Man sollte versuchen mehr direkte Demokratie einzufordern wie auch immer

  • #2
  • #3
    matthias andré richter

    Kein deutscher Havel – Historísche Chance vertan.

    Als die Linke Gauck für eine Mann von Gestern deklarierte, der für sie unwählbar sei, haben sie, vielleicht ohne es zu wissen, eine grosse Wahrheit nebenbei ausgesprochen. Zwar ist bei den Linken eher die DDR Vergangenheit in den Köpfen, es gab aber noch eine weitere deutsche Diktatur, die Gauck als Kind noch erleben musste: Den verbrecherischen NS-Staat.
    Joachim Gauck wäre eine letzte Chance gewesen, einer schwindenenden Population von Überlebenden der Shoa ein überzeugendes Signal aus Deutschland zu senden. Es hätte heissen können: Wir haben etwas verstanden; Deutschland wählt einen Präsidenten der in deren letzten Lebensjahren bei den NS-Opfern steht.

    Die sogenannte bürgerliche Koalition hat mit der großen Menge an NS-Mitgliedern und Tätern in Ihren Reihen schon häufiger mangelndes Fingerspitzengefühl im Umgang mit NS-Opfern und bei der Auswahl des richtigen Bundespräsidenten gezeigt.

    Gerade die aktuelle Konservativismus Diskussion in den letzten 2 Jahren hat gezeigt, wie identitätsstiftend bis heute die falsche und verdrängende Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in großen Kreisen der Koalitionsparteien ist.
    So wurden Frau Merkel aus den eigenen Reihen immer wieder Schwäche im Zusammenhang mit der Hohmann Affäre, der schlimmen Filbinger Beerdigungsrede und dem unseligen Steinbach/Revanchismusstreit vorgeworfen. Leider ist es bis heute das Tertium comparationis der bürgerlichen Rechten, die Nazis als einen Teil der politischen Rechten in Deutschland zu begreifen und eben nicht als Verbrecherorganisation.

    Leider duldet auch Wulff bis heute einen Untersützer von Holocaust-Leugnern in seinen niedersäschsischen CDU Reihen, konkret den Vertriebenen-Funktionär Wilhelm von Gottberg, und zeigt damit beindruckend, wie wenig auch die mit der späten Geburt gebenedeiten CDU und FPD Protagonisten aus der deutschen NS Vergangenheit gerlernt haben. http://www.hagalil.com/archiv/2005/05/gottberg.htm

    Ich hoffe sehr, es wird keine gemeinsamen Fotos oder Besuche des zukünftigen Bundespräsidenten im Ostpreussen-Revanchismus Museum des Herrn Gottberg geben.

    Und ich hatte troztdem einen kurzen Traum von einem deutschen Havel, auch wenn Gauck bestimmt keine so tollen Gedichte schreibt.

    Matthias Andre Richter
    Historiker – Düsseldorf

  • #4
    Horst

    Ergebnis 1. Wahlgang: 1242 Stimmen abgegeben, eine ungültige Stimme, 13 Enthaltungen: 499 Stimmen für Gauck, 126 für Jochimsen, Frank Rennike: 3 Stimmen; Christian Wulff: 600 Stimmen.

    🙂

  • #5
    Torti

    @Laurin
    Alle anderen sind verpufft – Da tust du Gustav Heinemann, NS-Widerstandskämpfer und Pazifist ziemlich unrecht. Er liebte seine Frau, nicht den Staat und hat am Ende sogar auf den grossen Zapfenstreich verzichtet. Ein ganz Grosser. Und ein Kind des Ruhrgebiets.

  • #6
    Wähler

    Wie kann ich auf Stefan L. setzen der alle anderen Parteien genüsslich beleidigt?

    Gruss

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