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Yeah! Betreuungsgeld!

Buick Riviera 63 Foto: Patbommer Lizenz: CC

Selbst der größte Depp wird, bedingt durch den demographischen Wandel, in Zukunft einen Job bekommen. Und die komplizierten Aufgaben werden sowieso Roboter und  Smartphones erledigen. Nur konsequent von der Bundesregierung, kein Geld in frühkindliche Bildung zu stecken, sondern den Eltern die Euros in die Hand zu drücken. 150 Euro Betreuungsgeld wird es bald geben – damit kann man viel schönere  Sachen machen, als schlecht riechende Lehrer und dröge Bücher zu finanzieren:

146 Euro ist die Rate für einen 10.000 Euro Kredit bei einer nicht allzu unseriösen Bank. Legt man schlappe 5oo Euro drauf,  bekommt man bei  Autoscout 24 dafür eine Buick Riviera!

150 Euro kostet die Monatsmiete für ein Haus in Mesekenhagen in Mecklenburg-Vorpommern. Tierhaltung ist möglich!

Für 154 Euro bekommt man die Petromax Starklichtlampe bei Manufactum. Macht ein schönes Licht, auch in Zimmern von Kindern die zwar nicht lesen, dafür aber ihren Namen tanzen können.

Und das Beste ist: Spart man 13,8 Jahre lang jeden Monat das Betreuungsgeld, kann man sich eine  Geburtstagsauftritt von Peer Steinbrück leisten!

 

 

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10 Kommentare zu “Yeah! Betreuungsgeld!

  • #1
    Achim

    BTW: OK die Herdprämie ist wirklich Scheisse und die Kinder ohne erste Bildungserfahrungen im Kindergarten tun mir leid, aber das sind halt die
    gesellschaftspolitischen Vorstellungen der CDU/CSU.
    Aber was soll es, man muss ja nicht CDU oder CSU wählen.
    Man muss auch nicht „mit einem Helfersyndrom“
    herumlaufen…

    Aber gibt es wirklich Waldorfschüler, die zwar ihren
    Namen tanzen können, aber nicht lesen können.
    Ich nehme mal an, dass staatliche „Normalschüler“ hewiss
    mit 8 Jahren lesen können.
    Da das Tanzen des eigenen Namens wohl erst eine
    Aufgabe für pubertierende Waldorfschüler ist,
    nehme ich mal an, dass erst 12-jährige Waldorfschüler
    ihren Namen tanzen können.

    Gibt es denn wirklich 12-jährige Waldorfschüler, die
    nicht lesen können?

    OK vor ein paar Monaten sprach ich mal mit einem
    Ex-Waldorfschüler mit Abitur, der mir so etwas sagte wie
    „Englisch wäre nicht sein Ding, aber seine Lehrein hätte ihm gesagt,
    dass er halt noch nicht bereit dafür wäre, aber das
    Abitur gäbe es dann halt so.“
    Gibt es denn da keine externen Leistungsüberprüfungen?

    Privat habe ich bisher nur gehört, dass
    ehemalige Waldorfschüler im
    Wissenschaftsbetrieb nur als „Heulsusen“
    berüchtigt sind, wenn der Dozent mal ihre
    wissenschaftlichen Bemühungen inhaltlich
    kritisiert.
    Ich habe dies bisher nur auf ihr Sozialverhalten
    geschoben und nicht auf ihre objektiven
    Leistungen.
    Schliesslich gibt es wohl ein ähnliches Problem
    mit Asiaten, die auch keine Kritik vertragen
    sollen können.
    Etwa so: Wenn ein asiatischer Student öffentlicjh
    kritosiert wird, dann ist er danach selbstmordgefährdet.
    Der Deutsche ist da nicht ganz so sensibel:
    Wenn im Seminar „die Fetzen geflogen sind,
    er sich einen Satz heisse Ohren eingefangen hat,
    er zwei Plüsschen hat und er sich eine blutige
    Nase gehplt hat“, dann geht er danach mit
    den Kontrahenten npch ein paar Bierchen
    trinken.
    Warum nicht? Boxer machen dass doch auch,
    und man kann immer noch was lernen.

    Also wo sind die Beweise für ältere Analphabeten
    auf der Waldorfschule?

    Natürlich beträgt der Analphabetenoutput unseres
    Bildungssystems etwa 5%, aber diese Leistung
    wird doch von den Sonderschulen bzw. neuerdings
    „Förderschulen“ erbracht….

    Achim

    Noch einmal BTW:

    Ein Englischleistungskurs in einer englischen
    Jugendherberge:

    Sagt ein Schüler:

    „Can I become more Porridge?“

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  • #3
    Walter Stach

    Stefan, Deine „Vorteilsrechnung“ ist unvollständig:

    Wenn das Kleinkind zu Hause betreut wird, gibt es nicht nur 15o€ Betreuungsgeld, die Eltern zahlen dann auch nicht mehr den Kindertagesstättenbeitrag; das würde also in NRW insgesamt zu einen geldlichen Vorteil pro Monat von……….€ führen -unterschiedlich von Kommune zu Kommune-.

    (Ich hoffe nicht, daß ich da etwas falsch verstanden habe, obwohl ich mich zweifelnd frage, ob das jetzt beschlossene Betreuungsgeld Wirklichkeit sein kann.)

    Naheliegend, daß viele Eltern mit niedrigem Einkommen darüber nachdenken werden, ob sie sich diesen geldlichen Vorteil entgehen lassen sollten bzw. angesichtgs ihrer finanziellen Lage entgegen lassen können.

  • #4
  • #5
    Walter Stach

    -4-Freidenker, „niedriges Einkommen“ ist relativ, darunter fallen nicht nur Harz IV Bezieher oder Menschen mit gleichhohem Einkommen.

    Ich kenne jedenfalls viele junge Familien -nicht Harz IV -Bezieher oder einkommensmäßig gleichgestellte-, für die die 15o€ Betreuungsgeld plus Einsparung des Kindertagesstättenbeitrags für die materielle Existenzsicherung so bedeutsam sein könnten, daß sie -leider-ins Grübeln geraten werden bei der Entscheidung, ob ihr Kind ( ob zukünftige Kinder) statt in die Kindertagesstätte zu gehen, zu Hause „besser aufgehoben“ sein könnte.

    Im übringen:
    Ich bin gespannt, was das BVerfG bei einer Klage gegen das Gesetz über die Gewährung des Betreuungsgeldes sagen wird. Es gibt bekanntlich mehrer Gründe, dessen Vereinbarkeit mit der Verfassung zu hinterfragen. Abgesehen von dieser verfassungsrechtlichen Problematik hätte ich es im Sinne der frühkindlichen Bildung/Bildungsförderung/Bildungsvorbereitung, vor allem mit Blick auf die sog.bildungsfernen und sozialschwachen Schichten der Bevölkerung vorgezogen, die rd.2 Mrd € -geschätzte Jahresaufwendungen für das sog.Betreuungsgeld-für Investition/für Betriebskosten, z.B. zur Finanzierung kleiner Gruppen in den Kindertagesstätten,aufzuwenden. Diese Meinung teilt bekanntlich mehr als Zweidrittel der Befragten in Deutschland, was nichts daran geändert hat, daß der Kungelei in der Koaltion wegen, wohl besser zur Sicherung der politischen Macht von CDU/CSU und FDP, das Betreuungsgeld zumindest im Bundestag mehrheitlich beschlossen worden ist;auch eine Dokumentation des immer wieder verkündeten unbedingten Sparwillens von Kanzlerin Merkel und Co.

  • #6
    Helmut Junge

    Es gibt viele Kinder, die innerhalb ihrer Familie nicht die qualifizierte Betreuung erleben. Und dieses sogenannte Betreuungsgeld führt vermutlich dazu, dass genau diese Kinder nicht in die für die Betreuung von Kindern geeigneten Kindertagesstätten geschickt werden, sondern weiterhin in den Familien bleiben, wo sie eben gar nicht gefördert werden können.
    Das Betreuungsgeld, dass ja sowohl die berufstätigen Mütter entlasten, als auch die Kinder förden sollte, erfüllt bestenfalls die erste Anforderung.

  • #7
    Freidenker

    Staatliche Subventionen, Umverteilungen und Sozialismen schaffen stets neue Ungerechtigkeiten oder Probleme. Deswegen wäre der ideale Königsweg mehr Freiheit durch mehr netto für die Familien, in der Realpolitik ist es leider nur ein über Staatswege gesteuerter Interessensausgleich verschiedener Klientel. Das Idealbild vieler Linker allerdings ist, dass Kinder gefälligst keinen Einfluss auf eine Berufskarriere haben sollten, was am besten funktioniert, wenn sie so früh wie möglich in staatliche Krippen gegeben werden, wo sie natürlich die beste Erziehung genießen, auf Steuerzahlerkosten versteht sich. Und je früher sich die Kinder in Krippen gleicher Standards befinden, desto „gleicher“ sind auch die Startchancen fürs spätere Berufsleben. Konsequent links eben: Staat vor Familie.

    Dass ein Betreuungsgeld nur dazu da sei, die Mutter von der Arbeitswelt fernzuhalten, ist eine Behauptung vom politischen Gegner, um das Betreuungsgeld als „von gestern“ abzustempeln. Es gibt im Rahmen des Betreuungsgeldes viele Modelle, die ihre Berechtigung haben. Der Unterschied zum Staatskindertagesstättenmodell besteht „nur“ darin, dass die Kinderbetreuung privat organisiert wird; ob das nun gänzlich zu Hause, in Teilzeit oder Vollzeit in einer privaten Kindertagesstätte, bei Verwandten, Freunden oder Nachbarn geschieht, liegt in der Verantwortung der Familie. All diese Modelle zu respektieren, mindestens zu tolerieren, zeugt von einer liberalen Offenheit, die in linken Kreisen oft zu wünschen übrig lässt.

    Am besten wir geben unsere Kinder unmittelbar nach der Geburt in staatliche Obhut und schaffen den Artikel 6 (2) GG einfach ab? Dann wird sicher alles gut!

    Kindererziehung ist aus naturrechtlicher, liberaler Sicht Pflicht und Recht der Eltern, der Staat hat nur in Notfällen bei Gefährdung des Kindeswohls einzugreifen. Diese liegt jedoch noch lange nicht vor, wenn finanzschwächere Familien ihre Unterdreijährigen zu Hause erziehen. Das Betreuungsgeld macht keine Eltern schlechter.

  • #8
    Walter Stach

    -7-Freidenker:

    Wie immer bei Themen vergleichbaren Inhaltes vergessen Sie als ausgewiesener radikal Liberaler, daß Deutschland nicht nur ein die Freiheit garantierender Rechtstaat, sondern nach seiner Verfassung auch ein Sozialstaat ist. Und ein Sozialstaat ist etwas anderes, ist etwas mehr als ein Staat, der den Ärmsten der Armen Fürsorgeleistungne zukommen läßt.

    Und solange Sie das Sozialstaatsprinzip unserer Verfassung aus allen ihren Überlegungen ausblenden, diskutieren sie nicht nur außerhalb der Verfassung, sondern gegen Sie.

    Und vor allem fehlt uns Beiden für jede einschlägige Diskussion die gemeinsame Basis, nämlich die Achtung aller Verfassungsprinzipien, zu denen nicht nur, aber eben auch das Sozialstaatsprinzip zählt.

    Und gerade im Bereich Bildung ist für mich das Zusammengehören von Sozialstasasprinzip und das die Freiheit garanierende Rechtsstaatsprinzip besonders relevant.
    Ein in Freiheit -vom Staat und soweit möglich auch von gesellschaftlichen Zwängen- eigenverantwortlich zu gestaltendes Leben, setzt voraus, daß alle Menschen dazu eine Chance haben müssen. Und diese Chance erfordert vor allem einen kostenlos Zugang zu Kindertagesstätten, Schule,Hochschulen, denn ansonsten sind Kinder aus sozialschwachen Familien, aus sog. bildunfernen Schichten „chancenlos“, ihre Anlagen und Fähigkeiten so zu entwickeln , daß sie „später“ in Freiheit eigenverantwortliche leben können. Und von dieser Chancengleichheit im Bereich der Bildung sind wir in Deutschland weit entfernt, dh. für mich, hier liegt gravierendes (Sozial.)Staatsversagen vor.

    (Es müßte Sie als „Freiheitlichem“ doch auch zu denken geben, wenn der Präsident des Arbeitgeberverbandes, Herr Hundt,der sozusagen Tag und Nacht für einen freien Markt in einer freien Gesellschaft streitet, die Bundesregierung heftig wegen der Einführung des Betreuungsgeldes kritisiert. Und das hat er nicht getan, weil er sich dem Sozialstaatsprinzip besonders verpflichtet fühlt, sondern weil er weiß, wie wichtig es für den zukünftigen Arbeitsmarkt in Deutschland ist, möglichst früh auch den Kindern aus sog.sozialschwachen, bildungsfernen Schichten über erste Bildungsschritte in der Kindertagestätte den Weg zu öffnen, später alle Bildungsmöglichkeiten nutzen zu können, damit auch sie die Chance erhalten, sich ihren Anlagen, ihren Fähigkeiten entsprechend zu entwickeln und zu entfalten, aber auch dershalb, sh.Hundt, weil der zukünftige Arbeitsmarkt auf sie angewiesen ist.
    Daß Hundt die staatliche Leistung eines Betreuungsgeldes von jährlich ca. 2 Mrd € jährlich – auch deshalb heftig kritisiert , weil er diese Subvention für unvereinbar hält mit der Ankündigung der Bundesregierung, sparen zu wollen, will ich nicht unerwähnt lassen.)

  • #9
    Freidenker

    Ja, geschätzter Herr Stach, ich weiß. Solche Zeilen sind nicht geeignet, das vertrauensvoll-emotionelle Wohlbefinden eines (Sozial-)Staatsbürgers mit gesundem Hausverstand zu fördern. Ihre Aussagen kommen mir bekannt vor. Andere Meinungen außerhalb der Verfassung zu positionieren und damit einer sachlichen Debatte aus dem Weg zu gehen hat Tradition, nicht nur hier; so behandelt man mittlerweile sog. „Abweichler“, „Rebellen“ und „Leugner“ im Bundestag. Alles ist alternativlos! Diese Denke steht eher außerhalb der Verfassung.

    Wer bestimmt denn was sozial ist. Dem einen nehmen, um dem anderen zu geben ist sozial? Bis zu 70 % des Einkommens einzuziehen, um den Staatskapitalismus zu finanzieren ist sozial? Kann Solidarität nicht ausschließlich freiwillig erfolgen? Wer ist John Galt?

    Früher warens die Götter, bzw. ihre Vertreter auf Erden, dann waren es Kaiser und Könige bis wiederum die Kirche uns erklärte, was gesellschaftlich korrekt ist. Und man war sich regelmäßig zu jeder Zeit einig – ob vor 10, 100 oder 1000 Jahren, dass das jeweils gültige Gesellschaftssystem doch das bestmögliche sei. Was Politiker im letzten Jahrhundert alles so angezettelt haben, möchte ich nicht detailliert aufführen. Und heute? Wer sagt uns heute, was das Beste für uns ist? Das SGB I bis XII? Unsere Helden in Düsseldorf, Berlin oder Brüssel? Wo bleiben die gesellschaftspolitischen Erfolge des Interventionismus’?

    In den letzten 40 – 50 Jahren (nach Ludwig Erhard!) gab es immer wieder neue, weitere (erst mit Steuergeldern, nunmehr auf Pump finanzierte) Zwangsbeglückungsmaßnahmen, die zwar Wählerstimmen brachten, unsere Demokratien in Europa (und darüber hinaus) aber an den Rand des Ruins geführt haben. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass man einfach so weiter machen kann wie bisher. Oder vertrauen Sie tatsächlich auch den EU-Erlösungspolitikern? Und an den Klabautermann?

    Der friedliche Wettbewerb der Gesellschaftssysteme ist längst nicht abgeschlossen.

    Btw: Das Label „kostenlos“ ist in staatlichen Systemen ohnehin nur ein Synonym für „nicht durch den Nutzer finanziert.

  • #10
    Walter Stach

    -9-Freidenker:

    Unstrittig, daß der Kampf um die Gesellschaftssysteme nicht abgeschlossen ist. Solange es Menschen gibt, wird es deren Bemühen um „d a s gerechte Gesellschaftssystem“ geben.
    Ein solch interessanter weltweiter Kampf findet derzeit statt, in den der chinesiches Staat mit seinem Anspruch zieht, das „gerechte Gesellschaftssystem“ zu haben. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sich absolut sicher sind, daß „unser System“ in jedem Fall diesen Kampf gewinnen wird.

    Meine grundsätzliche Kritik Ihnen gegenüber geht vom geltenden Verfassungsrecht in der Bundesrepublik aus, folglich auch vom Sozialstaatsprinzip der Verfassung, das bekanntlich auch dem verfassungsfesten Minimum zuzuorden ist.

    Ich habe gar keine Probleme damit, mit Ihnen und anderen darüber zu diskutieren, ob nicht ein anderes „Gesellschaftssystem“ und foglich ein völlig anders verfaßter Staat „dem Menschen gerechter“ sein könnten als das unsere bzw. der unsere. Nur sollten das dann als „andere Disk.basis“ vorgeben sein, was ich bisher nicht annehmen konnte.

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