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Zahlreiche Gastwirte drohen ‚Sky‘ nach angekündigter Preiserhöhung nun mit Kündigung

Im Fußballstadion. Foto: Sky

Im Fußballstadion. Foto: Sky

Mit seinem neuen Preismodell hat der deutsche Pay-TV-Anbieter ‚Sky‘ zahlreiche Gastronomen derzeit gegen sich aufgebracht. Viele Kneipiers beklagen aktuell erhebliche Mehrkosten zur neuen Bundesligasaison für ihr Pay-TV-Abo. Leider verschweigen viele Wirte dabei aber, dass Ihnen Sky eben auch erhebliche Mehreinnahmen ermöglicht.

Zugegeben, als Gastwirt hat man es aktuell wahrlich nicht leicht. Die Gäste sind häufig rar geworden, gerade auch hier in NRW, wo das Rauchverbot der Rot-Grünen Landesregierung das Leben der Gaststätten seit einigen Monaten vielerorts zusätzlich erschwert.

Das es da nicht gut ankommt, wenn der angestammte Pay-TV-Anbieter ‚Sky‘ die Abo-Kosten nun zum Teil deutlich heraufschraubt, das ist auch klar.

Viele Wirte stöhnen unter dem Kostendruck, haben sich teilweise bereits zusammengeschlossen und ihr Abo gekündigt. So auch hier bei mir am Wohnort, in Waltrop, wo gleich alle Gastwirte, welche in der Vorsaison noch öffentlich u.a. Fußball-Bundesligaspiele gezeigt haben, dem Sender mit Kündigung drohen, sollte er bei den angekündigten neuen Abopreisen bleiben wollen.

Die Preiserhöhungen fallen dabei offensichtlich quer durch die Republik sehr unterschiedlich aus, je nach Standort der Kneipe.

Berichtet wird von teilweise 40% Erhöhung in diesem Jahr, andernorts sogar von einer Verdoppelung der Kosten. Andere Gaststätten trifft es scheinbar gar nicht, wie man hört. Das ist schwer nachzuvollziehen und hört sich auch nicht sehr gerecht an.

Trotz zahlreicher Proteste im ganzen Land verteidigte der Münchner TV-Sender aber erwartungsgemäß sein neues Preismodell. “Mehr als eine Milliarde Euro werden in Deutschland jedes Jahr dank Sky in Gaststätten umgesetzt. Mit dem neuen Modell wird durch die Gewichtung von Standortfaktoren ein individueller Preis für jede Gaststätte ermittelt. Damit kommt es zu Preissteigerungen in Städten mit hoher Kaufkraft und vielen sportbegeisterten Gästen”, sagte eine Sprecherin des Senders jüngst der Nachrichtenagentur dpa. “Aber es gibt auch Tausende Gastwirte in anderen Regionen, die weniger zahlen”, fügte sie hinzu.

Man habe bei Sky alle Kunden rechtzeitig über die Veränderungen informiert und auch ein entsprechendes Sonderkündigungsrecht eingeräumt.

Sky hatte die Veränderungen mit der Einführung einer “neuen, ausgewogeneren Angebots- und Preisstruktur” begründet, bei der Bevölkerungsdichte, Kaufkraft und Sportaffinität der Region eine Rolle spielen.

Viele Wirte überzeugen diese Argumente jedoch überhaupt nicht. Sie wollen sich nun baldmöglichst von Sky komplett verabschieden.

So sehr ich den Ärger über die gestiegenen Gebühren in Teilen der Gaststättenszene auch verstehe, wer zahlt schon gerne plötzlich deutlich mehr für eine angebotene Leistung, so sehr täuschen sich die Gastwirte aber, meiner Meinung nach, in der Einschätzung ihrer Lage. Immer wieder wird nämlich von ihrer Seite aus argumentiert, man wolle sich nun nach Alternativen umschauen.

Und genau das ist wohl das Problem. Es gibt nämlich schlicht keine wirklichen gleichwertigen Alternativen!

Und das weiß man natürlich auch bei Sky. So wird es kommen, wie es wohl kommen muss. Spätestens wenn im Fußball wieder die heiße Zeit beginnt, dann wird die Mehrzahl der Wirte die jetzt noch großspurig ihr Abo kündigt wieder kleinlaut zum Pay-TV-Anbieter zurückkehren. Denn eines verschweigen die Betreiber der Kneipen bei Ihrer Beschwerde aktuell ganz gerne einmal: Ein Live-Fußballspiel am Samstag um 15.30 Uhr, am Mittwoch um 20.45 Uhr, oder auch am Sonntagnachmittag, dass sorgt vielerorts für ungeahnte Umsätze und auch für Besucherzahlen, von denen man sonst zu diesen (Tal-)Zeiten nur träumen könnte.

Und so nachvollziehbar der Ärger über steigende Preise in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ja auch generell erst einmal ist, wenn man von diesen nicht unerheblichen Extraumsätzen zukünftig nun einen größeren Teil an den TV-Anbieter abtreten muss, so ungern werden die Wirte dauerhaft auf dieses zusätzliche Geld in ihrer eigenen Kasse komplett verzichten. Wetten? 😉

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17 Kommentare zu “Zahlreiche Gastwirte drohen ‚Sky‘ nach angekündigter Preiserhöhung nun mit Kündigung

  • #1
  • #2
    Robin Patzwaldt

    @Grabotki: Die Zahlen sind offenkundig je nach Stadt und Größe der Lokalität doch sehr unterschiedlich.

    Rasch mal 4 kleine Beispiele dafür: Ein Gastwirt berichtet z.B. von auch zukünftigen unveränderten Kosten von 270 Euro/Monat, ein weiterer berichtet aber von einer kräftigen Erhöhung von ca. 300 auf 550 Euro ab September, ein dritter von einer angedachten Erhöhung von ca. 50 Euro/Monat, und ein anderer Wirt von einer Erhöhung von ca. 400 Euro auf zukünftig ca. 600 Euro/Monat.

    Bei manchen erhöhen sich die monatlichen Abo-Kosten also scheinbar gar nicht, bei anderen teilweise um ca. 50% oder sogar mehr.

  • #3
    Robin Patzwaldt

    Gerade hat man mich auf diese Facebook-Seite zum Thema aufmerksam gemacht:

    https://www.facebook.com/RettetdenKneipenfussball

    Ich gebe den Tipp hier direkt mal so weiter….

  • #4
    Nobby.Brinks

    Warum die Aufregung? Nur in Großstädten sollen die Gastronomen mit Schankflächen von mehr als 200 Quadratmetern mehr zahlen. In Ork und Löhnen wird es günstiger. In Watrop, das in einem Landkreis liegt, dürfte es entsprechen auch günstiger werden.

  • #5
    Robin Patzwaldt

    @Nobby.Brinks: http://www.waltroper-zeitung.de/lokales/waltrop/Wirte-kuendigen-Kein-Sky-mehr-in-den-Kneipen;art1010,1057706

  • #6
    Nobby.Brinks

    @Robin Patzwaldt, Gastronomen mit Schankflächen von mehr als 200 sollen mehr zahlen.
    http://www.rp-online.de/sport/fussball/bundesliga/sky-erhoeht-preise-fuer-sportsbars-in-grossstaedten-1.3494523

  • #7
    Robin Patzwaldt

    @Nobby.Brinks: In dem Link unter #6 steht: ‘… Gastronomen mit Schankflächen von mehr als 200 Quadratmetern in kaufkräftigen NRW-Großstädten sollen für die Übertragungsrechte der Sportkanäle des Abo-Senders “Sky” künftig im Durchschnitt 749 statt bisher 629 Euro zahlen. …’

    Wie man an meinen Beispielen oben aber ja auch schon sieht, zahlen aber eben nicht alle Wirte bei denen es nun teurer wird zukünftig 749 Euro.

    Sky sagt “…Mit dem neuen Modell wird durch die Gewichtung von Standortfaktoren ein individueller Preis für jede Gaststätte ermittelt. Damit kommt es zu Preissteigerungen in Städten mit hoher Kaufkraft und vielen sportbegeisterten Gästen”

    Es hängt also eben zukünftig nicht mehr nur von der Größe ab! Deutlich Teurer kann es eben auch aufgrund anderer Faktoren werden.

  • #8
  • #9
    Jan W.

    Also neben der Fläche und der Größe der Stadt gibt es noch einen Zuschlag für Bundesligastädte – und der scheint wohl auch in die jeweiligen Speckgürtel auszustrahlen.

    Aber eigentlich ist es doch in Ordnung: wenn die Kalkulation nicht mehr hinkommt, kann man anlässlich der Preiserhöhung vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen.

  • #10
    Martin Böttger

    Es scheint sich hier für mich um ein klassisches Beispiel einer intransparenten Preisgestaltung durch ein Monopol zu handeln. Wenn das hierzulande wirklich eine Marktwirtschaft wäre, dürften die DFL und Sky solche monopolschaffenden Milliardenverträge gar nicht abschliessen.
    Da es sich aber niemand aus der Politik mit dem Multimilliardär Rupert Murdoch verscherzen will, der in dem einen oder anderen Land schon Regierungen stürzen konnte, dürfen sie es eben doch.
    Und zur Ablenkung dürfen wir uns mit Uli Hoeneß beschäftigen, der sich in seiner Popanz-Rolle somit ein weiteres Mal für seine ganze Branche bleibende Verdienste erwirbt.

  • #11
    Nobby.Brinks

    @Robin Patzwaldt, allen Anschein zahlen die Zuseher am niederrheinischen Voerde weniger, da Voerde von den Bundesligastadien Dortmund, Mönchengladbach und Leverkusen über 70 Km weit entfernt ist.

    In den Städten mit hoher Kaufkraft und vielen sportbegeisterten Gästen, nehmen wir mal Düsseldorf, sollte dann aber der Kaufkraft besonders hoch ausfallen.

    Schleierhaft ist, nach welchen Schlüssel geht es. Haben München und Dortmund den höchsten Schlüssel. Düsseldorf und Duisburg müssten danach einen andern Schlüssel haben.

    Wie aber sieht der Schlüssel aus?

  • #12
    Jürgen

    Ich hatte gehofft, hier bei den Ruhrbaronen mal mehr Details zu den Kriterien zu erfahren, die bei vielen, aber komischerweise eben nicht allen Sky-Kneipen zu Preiserhöhungen in unterschiedlicher Höhe führen.

    Tut mir leid, dieser Artikel ist mir etwas zu polmisch geraten, nach dem Motto (überspitzt): Was beschwert ihr euch denn, durch Sky könnt ihr doch erst ordentlich Geld verdienen.

  • #13
    Jan W.

    @M. Böttger
    Im Gaststättenbereich wird es vermutlich einfach keine Tariftabelle wie im Endkundenbereich geben. Die Frage ist doch, wo man die Definition des Monopols ansetzt: bei der Vergabe von Exklusivrechten? Oder schon bei der Organisation eines Liga-Betriebs?
    Mit der Entscheidung, dass es nur einen DFB gibt, wird doch das Monopol bereits geschaffen. Es wird durch die getrennte Rechtevergabe bei unterschiedlichen Wettbewerben bereits aufgelockert. Aber wie würde ein System funktionieren, in dem so gut wie jeder Sender jedes Spiel zeigen könnte? Wie würde das die Vereine refinanzieren?
    Oder sollten unterschiedliche Sender jeweils nach Mannschaften bieten, deren Heimspiele sie dann live und deren Auswärtsspiele sie als Wiederholung nach dem Abpfiff zeigen dürften und marktbeherrschende Stellungen, die dadurch definiert wären, dass niemand in einem Angebot Mannschaften bündeln darf, die in der Vorsaison mehr als X% aller erzielten Punkte gewonnen haben, wären ausgeschlossen? Nun, dass dürfte an der üblicherweise verbauten Anzahl der CI-Slots scheitern.
    Und wie wollte man verhindern, dass jemand Konferenzrechte kauft und durch eine verschobene Gewichtung gezielt große Teile fremder Spiele zeigt!?

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  • #15
    Miree

    Die Regel und Vorlagen von Sky`s Abrechnungen soll einer mal verstehen, die Beiträge sind zum Teil sehr verworren und unglaubwürdig. Meine gesamte Familie hat schon seit Jahrzente, Restaurants, Cafe`s, Bars oder Kneipen.
    Auch ich betreibe seit 3 Jahren nebenbei eine sogenannte “In-Kneipe” und die Jahre das man sich daran satt verdient hat, sind vorbei. Ich arbeite noch bei einen renomierten Arbeitgeber und es gab schon vermehrte Male, wo ich mit meinem Gehalt, der Gastwirtschaft mit zu steuern musste um alle Kosten zu decken. Aber ich beschwerte mich niemals, da ich mit vollem Herzen dabei bin.
    Sky erwähnt die, von Gästen überfüllten und vollen Schankräumen an Samstagen, sowie Sonntagen;
    Also selbst da wo noch nicht soviel auf Geld geschaut wird, haben viele privat Sky, ist es immer Spiel bedingt durchwachsen.
    Auch haben wir die Winter & Sommerpausen, für die wir auch zahlen.
    Alles schwachsinn, ich habe gekündigt und Sie erwiederten mit der Kündigungsfrist bis Vertragsende, oder einen Monat vorher. Ich habe nur eine AGB, unter der bei 4.4 angegebenen Regeln, kann man kündigen bis zum Wirksamwerden der Preiserhöhung. Vereinzelnd haben Kneipenbetreiber, auch in meiner Familie, Ende Mai 2013 eine Änderung der AGB erhalten, wo die Frist der außerordentliche Kündigung sich verlängerte und siehe da, genau 5 Wochen später gab Sky die Preiserhöhung bekannt. Da können Sie mit begründeten Äußerungen, betreffend der Beiträge und vollen Kneipen durch Sky nur so um sich schmeißen, Fakt ist, die Kosten kannten Sky schon vorab und haben gezielt mit einer neuen AGB die Abonnenten hinters Licht geführt, um schnellere Kündigungen, auch mit dem Hinweissatz, “Außerordentliche Kündigungfrist” bei der schriftlichen Erhöhungsbekanntgabe zu vermeiden.
    Meine Familie und ich haben einen Widerspruch auf das Bestätigungsschreiben erhoben und die Kündigung zum Zeitpunkt der Beitragsanhebung angedeutet, was Sky auch auf Rechtswegen nicht unterbinden kann, da die gesetzlichen Prozentregelsatzes bei einer Erhöhung im Vertrag weit überschritten sind.

  • #16
    Diva

    Unser Kunde, ein Gastwirt, sollte 150,00 Euro mehr bezahlen. Es wurde ihm angeblich in Juni 2013 ein Einschreibebrief zugeschickt mit der Preiserhöhung. Wenn er damit nicht einverstanden ist, könnte er das Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen. Ansonsten gilt die Preiserhöhung ab dem 01.09.2013. Diesen Einschreibebrief hat der Kunde nie bekommen, auch nicht nach mehrmaligen Anfragen und Anforderungen. Jetzt hat unser Kunde unter Vorbehalt bezahlt und will zum Rechtsanwalt gehen, denn Sky hat bisher nicht nachgewiesen, daß unser Kunde den Einschreibebrief erhalten hat, geschweige denn, daß Sky überhaupt einen Brief geschickt habt. Was ist das für ein seltsames Geschäftsgebaren?

  • #17

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