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Zeitungsforscher sieht keine Chance für den Erhalt der WR

wrHorst Röper, Deutschland wohl bekanntester Zeitungsforscher und Leiter des Dortmunder Formatt-Institutes,  sieht keine Chance für eine Aufrechterhaltung der WR-Redaktionen. Das sagte Röper heute nach einer Meldung von Pottblog-Live auf dem DJU-Kongress „Zeitungslandschaft NRW im Wandel“ der Deutschen Journalisten Union (dju).

Röper geht noch weiter: Viele Verlage hätten  in der Vergangenheit manche notwendigen Schnitte wie die Einstellung defizitärere Ausgaben nicht durchgeführt. Röper ist sich sicher, dass das Zeitungssterben weitergehen wird: Mit Blick auf die beruflichen Perspektiven rät er allen Jugendlichen und deren Eltern vom Beruf des Journalisten ab.

Die WAZ-Mediengruppe hat angekündigt die Redaktionen der Westfälischen Rundschau zum 1. Februar einzustellen und die WR-Ausgaben mit den Lokalteilen des Wettbewerbs zu bestücken.

RuhrBarone-Logo

20 Kommentare zu “Zeitungsforscher sieht keine Chance für den Erhalt der WR

  • #1
    Helmut Junge

    Es sieht mittlerweile ziemlich traurig aus in der Medienlandschaft, zumindest in der Printmedienwelt. Journalisten haben es zur Zeit schwer im Berufsleben.
    Das stimmt, und ich kann ihre persönliche Betroffenheit verstehen. andererseits ist die Pressevielfalt für die Demokratie derart wichtig, dass die persönliche Betroffenheit der Journalisten gegen das Informationsbedürfnis der breiten Öffentlichkeit in meiner Werteskala den unteren Rang hat. Journalisten müssen sich den Möglichkeiten, die sich aus den neuen Techniken ergeben anpassen, weil deren Verteufelung aus Konkurrenzgründen einfach nichts bringen wird.
    Wichtig für die Allgemeinheit ist aber nur, dass die Informationsfülle nicht abnimmt.
    Wenn eine immer größer werdende Zahl von Lesern ihre täglichen Informationen aus dem Internet beziehen, dadurch aber die Printmedien genau diese Sorte Leser verlieren, scheint mir die Form der Onlineinformation genau die Informationsquelle der unmittelbaren Zukunft zu sein.
    Natürlich geht das aber nicht ohne ausgebildete Journalisten, die dort im Internet genau diese qualifizierte Arbeit leisten, die sie vorher bei den Printmedien auch geleistet hatten. Was sonst?
    Ob es ein Geschäftsmodell werden kann?
    Wenn ich das Prinzip der Finanzierung der Printmedien richtig verstanden habe, funktioniert die gar nicht über die Abonnenten, sondern über die Werbung. Kürzlich hat mir ein Kommentator erklärt, dass ich mit meinem Abo nur einen kleinen Bruchteil dessen finanziere, was meine Zeitung, kostet, damit ich sie morgens im Haus habe. Die Hauptfinanzierung hat dieser Kommentator geschrieben, käme von der Werbung.
    Tjah, wenn das so ist, frage ich mich, ob es, falls die Werbeeinnahmen stimmen. nicht auch in Zukunft Zeitungen im Internet geben könnte, die sich über die Werbung finanzieren. Dann könnte für den Leser das Lesen kostenlos sein, weil die Werbeeinnahmen ausreichen, sobald die Anklickzahlen Werbung rechtfertigen.
    Das wird vermutlich ein Markt der unmittelbaren Zukunft.
    Nun verstehe ich ncht viel von Geschäftsmodellen, die sich finanziell von selbst tragen, aber der Gedanke kommt mir beim Schreiben dieses Kommentars so nach und nach, dass solch ein Konzept vor allem dort greifen könnte, wo wichtige Printmedien aufgegeben wurden. Dort wäre ein quasi verwaistes Leserpublikum im Nachrichtenvakuum. Wenn dort diese Lücke durch ein attraktives Internetangebot gefüllt würde, könnte sich dieses Internetangebot vielleicht sogar über Werbeinnahmen finanzieren. Dazu müßte diese Internetzeitung allerdings lokal stark präsent sein, weil die Mehrheit der Leser m.W. hauptsächlich an Informationen aus der unmittelbaren Umgebung interessiert ist.
    In Dortmund wird es durch den Wegfall der WR bald ein spürbares Informationsloch geben. Ich könnte mir vorstellen, dass die Ruhbarone, die im Raum Dortmund-Bochum personell sehr stark vertreten sind, die Lücke, die durch den Wegfall der WR entstehen wird, im begrenzten Maße, ausfüllen könnten.
    Im begrenzten Maße natürlich deswegen, weil sie zunächst nur den Teil der Leser erreichen, die sich gerne im Internet informieren. Das könnte für Onlineangebote ein Meilenstein sein. Meiner Meinung nach käme es in erster Linie auf die Verwurzelung der Redakteure im örtlichen Milieu an. Nur wer dort im Raum präsent ist, kann wirklich die Leser beliefern. Das aber scheint mir bei etlichen Ruhrbaronen der Fall zu sein. Übrigens wäre dies auch noch, weil die WR schon Platt ist, sogar ein Beispiel dafür, dass nicht das Medium Internet das Printmedium verdrängt. Es träte lediglich in seine Fußstapfen.

  • #2
    Walter Stach

    Stefan, Röper sagt etwas für mich Selbstverständliches.

    Und wenn ich das als ein Laie in Sachen Zukunft der Printmedien im allgemeinen und in Sachen WR-Problematik im besonderen feststelle und das im Ergebnis so auch schon vor einigen Tagen hier im Block gesagt habe als über die WR- Demo in DO berichtet wurde, dann darf die Röper Feststellung erstrecht keinen Insider überraschen.

  • #3
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Helmut: Wir denken über einen Lokalteil-Dortmund nach, aber das ist alles nicht ganz so einfach: Der Teil müsste separat laufen, wir brauchen neue Autoren aus Dortmund und eine Erweiterung des Projekts Ruhrbarone würde sich auch auf das ganze Blog auswirken. Können wir das stemmen? Aber Deine Idee ist spannend und reizvoll.

  • Pingback: Prof. Röper: Westfälische Rundschau (WR)-Redaktionen wohl nicht zu retten / Journalismus sei kein erstrebenswerter Beruf mehr » Pottblog

  • #5
    TuxDerPinguin

    Im Internet wird man schneller informiert als über Zeitungen. Was diese aber liefern können sind Kommentare und Einordnung der Informationen, was qualitativ anspruchsvoller ist, als einfach eine Information zu übernehmen, die die Presseagentur rausbringt.
    Investigativer Journalismus ist toll, aber nicht jedes mal, kann dabei was herauskommen.

    Und eigentlich sollten lokale Infos noch eine Zukunft haben, weil man darüber auch im Internet nicht gut informiert wird. Aber es gibt Lokal nicht so viel zu berichten, als dass sich ne gedruckte Zeitung allein dafür lohnt.

    Der Trend wird zu Wochen- oder Monatszeitungen gehen. Tagesaktuelle Infos werden aus dem Netz gezogen werden.

    Lokalteile der Ruhrbarone fänd ich spannend.

  • #6
    hanskollekta

    also ich finde die ruhrbarone auch deswegen spannend weil sie über das ruhrgebiet als ganzes informieren.
    der rückfall in eine „kirchturmsberichterstattung“ würde mich eher abschrecken.

  • #7
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @hanskollekta: Wenn käme etwas dazu, am Charakter des Hsuptblogs würde sich nichts ändern.

  • #8
    Torben Lippmnn

    @Helmut Junge – Das Problem bei einer wie von Ihnen beschriebenen Übertragung des traditionellen Geschäftsmodells auf Webseiten ist allerdings, dass eine Online-Werbung mit vergleichbarer Reichweite, den Werbenden aktuell etwa ein Zehntel von dem kostet, was er für eine Printwerbung ausgeben müsste.

    Deshalb lässt sich im Internet eigentlich nur Geld mit Leistungen verdienen, die dem Werbenden einen höheren Mehrwert bieten, wie z.B. die Möglichkeit Werbung nutzergerecht zu individualisieren oder das Recht zur Verwendung der im Hintergrund erfassten Nutzerdaten. Die Kehrseite: Nutzer mögen sowas in der Regel gar nicht gern und wer die Leserschaft einer hyperkommerzialisierten Ruhrbarone-Seite sein sollten, ist mir schleierhaft. Man braucht sich ja nur mal anschauen, wie derwesten.de mit Werbung zugepflastert ist. Gerade haben wir vom Konzern ja wieder den Nachweis dafür bekommen, dass dieses Geschäftsmodell online trotzdem nicht tragfähig ist.

    Ich sehe die Chance für (lokale) Online-Medien eher in einer gerade werbefreien, aber dafür hochindividuellen Informationsversorgung, die (technisch!) so auf die Informationsbedürfnisse des Nutzers zugeschnitten sind, dass er bereit ist dafür zu zahlen. Ich könnte mir z.B. auch gut vorstellen, dass man Leser dadurch als Abonnenten binden könnte, dass sie – meinetwegen auch nur einmal jährlich – die Chance bekommen, ein von Ihnen gewähltes Thema von der Redaktion recherchiert und aufbereitet zu bekommen. Das hätte im übrigen für die Redaktion den Vorteil ständig mit neuen Themen versorgt zu werden. So könnte sich eine Lokalredaktion was Breite und Tiefe der Berichterstattung angeht deutlich von den ja aus den gleichen Gründen ebenfalls bereits dezimierten Redaktionen der traditionellen Verlagshäuser differenzieren.

    Lokalberichterstattung ohne Karneval, Schützenfest und Taubenzüchter – man, das wäre mir mindestens soviel Wert, wie die Gebühr für mein zum 31.01. gekündigtes WR-Abo 😉

  • #9
    Jan W.

    @Helmut Junge
    Ein bisschen Mischkalkulation ist es eben doch noch … ein Teil der Nutzerpreise muss schon noch den Content mitfinanzieren, da reichen Werbeerlöse nicht. Das Problem ist: beide Einnahmequellen sind stark geschrumpft, jeweils um ein Drittel bis die Hälfte innerhalb eines Jahrzehnts.
    Und im Internet sind die Werbemöglichkeiten unbegrenzt – und die potentiellen Einnahmen für die gleiche Menge Content deutlich geringer.

    @hanskollekta
    Solange lokale Themen ohne Scheuklappen aufbereitet werden, ist das doch überhaupt nicht verkehrt! Wer jedes Thema zwangsweise auf eine stadtübergreifende Ebene hievt, wer panisch noch eine Meinung jenseits der Stadtgrenze einholen muss, das ist doch der wahre Kirchturmdenker – der handelt auch nicht besser, als die Mehrfachverwerter vom WDR, die inzwischen Lokalzeitbeiträge so schreiben, dass auf jeden Fall erwähnt wird, dass die Körperverletzung von jemanden aus Stadt A, zulasten von jemandem aus Stadt B in Stadt C begangen wurde und nun vor dem Landgericht in Stadt D verhandelt wird, damit auf jeden Fall die Ausstrahlung in 4 Lokalzeiten gerechtfertigt wird.

  • Pingback: Links anne Ruhr (24.01.2013) und neue Artikel zur de facto Einstellung der Westfälischen Rundschau (WR) » Pottblog

  • #11
    Helmut Junge

    @Torben Lippmnn (8), @Jan W. (9)
    Einige Onlinezeitungen bemühen sich seit Jahren, von ihren Lesern Gebühren zu erheben. Der Weg scheint mir sehr schwierig.
    Aber ob sich mit einer Internetseite über die Werbung Geld verdienen ließe ist noch längst nicht endgültig geklärt, denn der aktuelle Zustand ist nicht mehr lange gültig. Er verändert sich von Jahr zu Jahr. Einige Printmedien sind mittlerweile weder über Abonennteneinnahmen, noch über die „zusätzlichen“ Werbeeinnahmen wirtschaftlich.
    Zeitungen fallen weg, aber Werbung muß vermutlich weiter gemacht werden.
    Selbst die kostenlosen Werbezeitschriften benötigen aber einen redaktionellen Teil, so klein der auch immer sein mag. Wie soll aber in Zukunft die Werbung an den potentiellen Kunden kommen, wenn die Printmedien ausfallen?
    Einen Computer mit Internetanschluß hat mittlerweile fast jeder. Was im Internet fehlt, ist eine bekannte Adresse, die sich mit lokalen Themen befaßt. Es fehlt imNetz also genau eine Stadt(teil)zeitung, wie sie bisher von den Printmedien angeboten wurde. Wenn diese lokal hohe Anklickraten hat, sind auch die Werber interessiert ihre Produkte dort anzubieten. Den Preis dafür werden sie bezahlen müssen. Solch eine Internetpräsenz auf einer lokalen Ebene gibt es m.W. in dieser Gegend nicht.
    Der erste lokale Internetabieter, der den im lokalen Milleu verwurzelte Redakteursstab hat, und langen Atem mitbringt, wird nach einer mittleren Anlaufphase sehen, ob sich das Geschäft lohnt oder nicht.
    Bedenkentragen wird bei solchen Projekten jedenfalls weder eine neue Erkenntnis, noch jemals Gewinn bringen. Klar natürlich, dass die Sache voll scheitern kann.
    Das nennt man halt „Unternehmerrisiko“.

  • #12
    Klaus Lohmann

    Ich möchte bei diesem Thema an ein Experiment erinnern, das vor ca. 10 Jahren stattfand. Damals, um 2001/2002, versuchte der Süddeutsche Verlag – ohne übrigens großartig in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken – mit der SZ den Platzhirschen im Ruhrgebiet, hauptsächlich der WAZ, mit einer eigenen NRW-Lokalredaktion inkl. 20 Redakteuren die Auflagen wegzuschnappen.

    Nach nur einem Jahr war das Experiment gescheitert, die NRWredaktion wieder dicht. Gründe waren u.A. das Platzen der NewEconomy-Blase, der damit verbundene Einbruch im Anzeigengeschäft und der finanziell und organisatorisch deutlich unterschätze Aufbau eines eigenen Vertriebs- und Distributionskanals in NRW. Große Druckereien waren schon fest in Platzhirschen-Hand und trotz guter Angebote wurde der SZ fast überall die Tür zugeschlagen.

    Gleichzeitig patzte die SZ auch mit ihren ambitionierten Online-Projekten; der Paid-Content-Test und die Online-Werbung waren zwar irgendwo kostentragend mit einem kleinen Plus, aber im Vergleich zum Gesamtumsatz verschwindend klein, unerheblich zur Gesamt-Kostenreduzierung im Verlag.

    Aus solchen Projekten haben sich SZ und ihr Verlag nun weitgehend zurückgezogen, liefern – ebenso „weitgehend“ – Qualitätsinhalte und sind das Vorbild/Beispiel für Röpers absolut passende Einschätzung des Marktes.

    Helmut Junge (#11) hat’s leicht anklingen lassen – **vorausgesetzt, man besetzt und bedient entsprechende Vertriebskanäle**, lässt sich Online vielleicht was drehen, was mit Idealismus und Engagement (so wie damals bei den wirklich guten SZ-Redakteuren) zu tun hat. Aber richtig Geld wird dabei nicht verdient.

  • #13
    Torben Lippmnn

    @Helmut Junge
    Zum Einstieg empfehle ich mal diesen Artikel hier: http://www.taz.de/!81056/

    Hier der für uns relevante Ausschnitt:
    „Die Resonanz auf die noch jungen Webseiten ist im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen der Bezirke gering, wahrgenommen werden sie aber bereits: Die Kreuzberg-Nachrichten bringen es derzeit auf rund 4.000 Klicks im Monat, MoabitOnline verzeichnet nach eigenen Angaben sogar 14.000, bei Neuköllner.net sind es etwa 200 „Unique Visitors“, also eindeutige Besucher einer Webseite, am Tag“

    Für eine normale Bannerwerbung bekommen Sie etwa zwischen 1-5 Euro pro 1000 Unique Visitors. Bei drei Bannern auf einer Seite und 5 Euro sind das
    für „Kreuzberg-Nachrichten“ 60 Euro im Monat,
    für „MoabitOnline“ 210 Euro im Monat,
    für „Neuköllner.net“ 90 Euro im Monat.

    Dafür kriegen Sie maximal das Hosting der Seite bezahlt. Ein Redakteur kostet Brutto nach Tarifvertrag 3.000 bis 5.000 Euro mtl., gute Leute auch noch weit mehr.

    Mit einem (hyper-)lokalen Angebot, werden Sie aufgrund der Reichweite niemals etwas mit Werbung verdienen können.

    „Paid-Content“ ist nur eine andere Bezeichnung für das oben beschriebene anachronistische Gechäftsmodell. Die Nutzer (=Leser) werden selbst für herausragenden Content alleine in Zukunft nicht mehr genügend bezahlen wollen, um ein entsprechendes Angebot daraus zu finanzieren. Warum? Weil selbst das, was ich heute per Bezahlschranke exklusiv zugänglich mache, morgen auf irgendwelchen anderen, kostenlosen Seiten zu finden ist.

    Die Nutzer zahlen wenn dann für neue Technologien, wie z.B. eine App, die mir während ich in der Stadt unterwegs bin standortabhängig die News aus dem Stadtteil zeigt, indem ich mich gerade aufhalte oder die mich mit Leuten zusammenbringt, die sich für das gleiche Thema interessieren, wie ich. Ich frage mich, wann Journalisten und Medienhäuser endlich anfangen, dies als großartige Chance zu begreifen, ihre Rolle ganz neu zu definieren, anstatt sich ständig selbst zu bemitleiden. Den Beginn dieser disruptiven Veränderung haben alle bereits verschlafen. Wacht auf!

  • #14
    Torben Lippmnn

    Hier noch ein weiterer interessanter Artikel von Journalist-Online: http://www.journalist.de/aktuelles/meldungen/hyperlokale-webseiten-die-zweite-welle.html

    In Köln machen es drei Jungs (meinesuedstadt.de) so, dass die lokalen Unternehmen (Handwerker, Händler) für 50 Euro im Monat redaktionell aufbereitet (kurzer Text, Fotostrecke) als Partner auf der Seite präsentieren können.

    Weiter heißt es in dem Artikel:
    „Vielleicht machen die Verlage auch gar nichts. Und in ganz Deutschland bauen Hunderte Journalisten nebenberuflich hyperlokale Seiten auf und vermarkten sie selbst. Oder ein Blog-Vermarkter nimmt sich der Sache an. Oder ein US-Investor aus einer anderen Branche eröffnet in den zehn größten Städten Deutschlands hyperlokale Blogs. Oder Google bietet Lokal-News mit Partnermodell an.

    In der digitalen Szene gibt es einen beliebten Spruch: „Technologische Entwicklungen werden kurzfristig überschätzt und langfristig unterschätzt.“ Die zweite hyperlokale Welle schwappt gerade durchs Land. Der eigentliche Umbruch steht noch bevor.“

  • #15
    Jan W.

    @Helmut Junge
    Dass Paid-Content-Modelle nicht funktionieren, heißt ja nicht automatisch, dass Werbefinanzierung automatisch funktioniert.
    Letzteres gelingt eigentlich ausschließlich Spiegel Online, bei allen anderen gibt es zwar Online-Töchter, aber in denen bringen die Nebenaktivitäten wie z.B. Anzeigenportale oder Bilds Volks-Produkte die Umsätze.
    Sie fordern, dass jemand den großen Wurf wagt: aber Torben zählt hier schon einige große Fehlschläge auf. Auch ein lokales Schwergewicht im Ruhrgebiet dachte schon, die unfehlbare Idee zu haben. Und wenn Sie schulterzuckend hinzufügen: dann ist das halt das „unternehmerische Risiko“, dann werden die meisten von denen, an die Sie Ihre Forderung richten, wohl sagen: Ja, aber das ist bitte nicht mein Risiko.
    Sicherlich wird fleißig über entsprechende Konzepte nachgedacht, aber wenn sie sich als offensichtliche Himmelfahrtskommandos erweisen, werden sie auch hinter den Kulissen zurecht schnell abgewürgt.

    So richtig profitabel sind die Hyperlokal-Angebote übrigens auch nicht: sie überschreiten allenfalls die Grenze vom intensiven Hobby zum Nebenverdienst, aber so richtig lebt da keiner von.

  • #16
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Jan W: Das mit dem intensiven Hobby trifft mittlerweile auf den Journalismus insgesamt zu: Über die Hälfte der freien Journalisten kann nicht von ihrer Arbeit leben und ein Lokalblog wird sicher nicht der festen Stellen ersetzen, die gerade überall abgebaut werden.
    Aber lokale Blogs, die Kollegen vom Prenzlauer Berg sind da ein gutes Beispiel, können zumindest eine unter vielen Einnahmequellen sein – wenn auch in sehr bescheidenem Maße.
    Zum Paid-Content: Ich hoffe dass er sich durchsetzt und möglichst viele Verlage mitmachen. Alle planen, einige sind vorangegangen. Ich finde die „Piano-Modell“ gut, wo man einen Zugang zu mehreren Angeboten erwirbt, für eine gute Idee:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Slowakisches-Bezahlmodell-fuer-Internet-Inhalte-vor-Export-1405088.html
    An so etwas arbeiten zur Zeit mehrere Verlage, es ist eine Möglichkeit.
    Ansonsten: Über die Hälfte von uns wird ihren Job verlieren. Mindestens.

  • #17
    Klaus Lohmann

    #16 | Stefan: Prima Idee, das mit dem „Piano-Modell“. Noch etwas stringenter gedacht und wir wären dann beim GEZ-Modell für Ex-Printmedien – also das, was Verlage ja eigentlich schon vor 20 Jahren wollten. Warum das wohl in die Hose ging???

    Und den Journalisten geht’s dann ja auch wieder gut, denn deren „Demokratieabgabe“ (copyright by J. Fleischhauer@SPON von heute;-)) wird ja dann von Allen gelöhnt.

    Ich werd‘ es wahrscheinlich in meinem Leben auch nicht mehr verstehen, warum in diese Richtung immer noch Gehirnschmalz verpulvert wird, aber „Premium Content“ und Vernetzung schließen sich gegenseitig aus (das beweisen illegales FileSharing & Co. und Kim Schmitz wird grade wieder hoffähig, bäh!), während immer mehr Geld im Netz mit billigem Content-Spam verdient wird.

  • #18
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Klaus Lohmann: Es wird mehrere Kombinationen geben – also kein GEZ-Modell, sondern Wettbewerb. Aber es ist schon richtig: Im Moment stochern alle schlicht mit langen Stangen im Nebel. Niemand weiß, wie die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen.

  • #19
    Jan W.

    Natürlich muss es mehrere Modelle (ob Paid oder Gratis), ein Piano-Monopol, bei dem Nicht-Piano-Kunden nirgendwo irgendwas lesen können, wäre ganz klar der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Kein Paid-Modell sollte mehr als 10-20% der professionellen News-Seiten beinhalten, ansonsten entstünde beim Kunden eine Art Zwang, ein Abo abzuschließen.
    Ein Monopol, wie es z.B. in Essen die WAZ-Mediengruppe hatte (kauf bei uns, oder Du hast keine Lokalzeitung!), darf keinesfalls ins Internet übertragen werden.

    Am Ende wird es jenseits der Paid-Modelle auch eine große Spielwiese von frei lesbaren Anbietern geben … und das ist auch gut so.

    @Klaus Lohmann
    Nein, die Gefahr einer zweiten GEZ gibt es nicht: bei Paywalls gibt es keinen Kontrahierungszwang. Die Ö-R verzichten hingegen auf eine Grundverschlüsselung, die technisch inzwischen für einen Großteil der Haushalte möglich wäre.

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