Zoo Dortmund mit freiem Eintritt für Kinder: Eine selbstlose Geste, oder doch auch der Not geschuldet?

Im Dortmunder Zoo ist es häufig ziemlich öde. Foto: Robin Patzwaldt

Der Zoo in Dortmund wirbt in diesen Tagen damit, dass Kinder in den Sommerferien freien Eintritt erhalten. Auf den ersten Blick ist das natürlich eine sehr nette Geste, die in wirtschaftlich für viele Familien schwierigen Zeiten und insbesondere auch nach den starken Einschränkungen nach der Corona-Pandemie natürlich gut ankommt und offenbar auch auf ein riesiges Interesse stößt.

Lange Schlangen vor den Kassenhäuschen sind die Folge. Unter anderem der WDR, die Ruhr Nachrichten und auch die WAZ haben der Aktion des Zoos zudem zuletzt zu einer großer Bekanntheit verholfen, indem er auf unterschiedlichen Ebenen darüber berichtet haben. Eigentlich ist das kein großer Aufreger und für die Ruhrbarone an sich auch nicht von größerem Interesse. Ein Erlebnis in den sozialen Medien am gestrigen Sonntag hat mich jedoch dazu veranlasst, das Thema heute auch hier bei uns einmal in das Blog zu tragen und zusammen mit ein paar kritischen Gedanken zur Diskussion zu stellen.

Was war geschehen? Als leidenschaftlicher Lokalpatriot verfolge ich den Niedergang des Dortmunder Zoos schon über Jahre. War der ehemalige Tierpark meiner Geburtsstadt seit den frühen 1970er-Jahren doch ein von mir stets sehr geschätztes Ausflugsziel. Es verging im Laufe meiner bisher 51 Lebensjahre über Jahrzehnte hinweg kein einziges Jahr, in dem ich dem Park im Dortmunder Süden nicht mindestens einmal in zwölf Monaten einen Besuch abgestattet hätte. Selbst in der Zeit während meiner Berufsausbildung, in den 1990er-Jahren, als ich die Werktage in der Ferne verbrachte, besuchte ich den Zoo in Dortmund im Frühling und im Herbst regelmäßig an den Wochenenden, genoss dabei stets die schöne, gepflegte Atmosphäre in der ‚Heimat‘. Für mich war und ist der Dortmunder Zoo ein Stück Kindheit.

Deshalb schmerzte es mich auch so sehr, als ich im Laufe der Jahre nicht nur nach und nach bemerken musste, dass andere Anlagen der Region an ‚meinem‘ Zoo in Dortmund in Sachen Attraktivität und Moderne vorbeizogen, sondern dort zugleich ein schleichender Niedergang zu beobachten war. Die Rückschritte in Dortmund ließen sich irgendwann nicht mehr übersehen. Irgendwann riss dann auch meine regelmäßige Besuchsserie.

Aktuell tut sich viel auf dem Areal. Etliche Baustellen beeinträchtigen schon längere Zeit den Besuch. Der WDR berichtete kürzlich u.a. auch im Rahmen seiner Lokalzeit darüber, begleitete vor einigen Wochen Familien bei ihrem Besuch im Zoo und befragte sie unter anderem zu ihrer Meinung, inwiefern der Genuss durch die zahlreichen Baustellen denn aus ihrer Sicht beeinträchtigt sei.

Jetzt, in den Sommerferien, folgte also eine Werbeaktion, die Kindern den Eintritt komplett erlässt. Eigentlich nichts weiter Dramatisches. Logisch, dass es vor dem Hintergrund der Neugestaltung und der vielen Einschränkungen ein durchaus naheliegendes Mittel ist, für eine begrenzte Zeit bei Kindern auf den Eintritt zu verzichten. Und doch, fielen die Reaktionen einiger, als ich auf diesen Umstand gestern in einigen Facebook-Diskussionen aufmerksam machte, unerwartet emotional und teilweise auch wenig durchdacht aus.

Das hat mir aber noch einmal ganz deutlich gezeigt, dass ihr Zoo den Dortmundern nicht egal ist. Und eine Ersparnis für Familien in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erst recht nicht. Die Meinungen mit denen ich auf Facebook konfrontiert wurde gingen von reinem Lob für die tolle Aktion des Zoos bis hin zu scharfer Kritik an den ‚erbärmlichen‘ Zustand der Anlage.

Wichtig erscheint mir persönlich an diesem Thema, das zumindest mit erwähnt bzw. bedacht werden sollte, dass diese PR-Aktion der Stadt bzw. des Zoos vor dem Hintergrund der seit Jahren extrem vernachlässigten Anlage stattfindet. In meinen Augen ist es schlicht naiv darin nur ein selbstloses ‚Geschenk‘ der Verantwortlichen zu sehen. Der Zoo in Dortmund ist seit Jahren in einer erheblichen Krise, die sich nicht wegdiskutieren lässt.

Der schlechte Zustand, in dem sich der Park seit Jahren präsentiert, wäre zudem wohl zu großen Teilen vermeidbar gewesen, wenn man im Laufe der vergangenen Jahre dem unübersehbaren Verfall rechtzeitig entgegengesteuert hätte und nicht so lange gewartet hätte, bis zum Beispiel die Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen oder aber der Allwetterzoo in Münster dem Dortmunder Zoo um Meilen enteilt wären.

Mich als Dortmunder schmerzt es, das so klar und deutlich sagen zu müssen, aber der Dortmunder Zoo hat inzwischen so sehr den Anschluss verloren, dass auch ein paar Wochen freier Eintritt für Kinder und Jugendliche darüber nicht komplett hinwegtäuschen können bzw. dürfen.

Dir gefällt vielleicht auch:

4 Kommentare

  1. #1 | Martina Scott sagt am 6. Juli 2022 um 18:17 Uhr

    Kostenloser Eintritt für Kinder in den Sommerferien ist für viele Einkommensschwache Familien die Chance schlechthin.Es gibt nicht vieles mehr gratis für Kinder ,und Eltern,besonders mit mehreren Kindern profitieren davon.Da ist es doch ganz egal ob der Zoo nicht mehr so schön ist.Diese Kinder sind die Kunden von morgen und sie werden sich irgendwann sogar dafür einsetzen und Spenden.
    So oder so,ein schöner Tag in den Ferien ist immer noch besser als keinen Tag .Und so wie es manchen Finanziell geht unter Umständen der einzige Tag….

  2. #2 | SvG sagt am 6. Juli 2022 um 20:19 Uhr

    Keine gute Tat bleibt ungesühnt…

  3. #3 | Wahlen sagt am 10. Juli 2022 um 09:27 Uhr

    Jaaa,wir waren auch da und doch sehr enttäuscht. Es sind soviele Gehege unbesetzt. Darauf sollte deutlich hingewiesen werden! Natürlich ist es schön und notwendig, dass der Zoo sich erneuert .Das unterstütze ich jederzeit.
    Aber ….keine Robben,Bären,Löwen……das sollte man ehrlicherweise auch kundtun.
    Mein Sohn war sehr traurig .

  4. #4 | Schumann sagt am 10. Juli 2022 um 13:07 Uhr

    Seit einigen Monaten gibt es in Dortmund wieder 2 Löwinnen und 1 Löwen (;alle jung und auf der Außenanlage zu sehen. Ebenso gibt es mehrere Seelöwen; z.Z. in eine Übergangsanlage zu sehen hinter dem Otternhaus. Bären sind zu Zeit nicht da; die Anlage wird erneuert und erweitert und es hapert Coronabedingt an der Anlieferung der Baumaterialien. Eine Bärin hat in einem anderen Zoo in NRW Asyl bis zur Fertigstellung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.