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Zum Bundesligastart: Die Ruhrbarone Peter Hesse und Robin Patzwaldt mit ihrem Saisonausblick

Neue Saison, neue Ziele. Foto: Robin Patzwaldt

Die Fußballwelt in Deutschland ist in Aufruhe. Das seit Monaten grassierende Corona-Virus hat die Lage in vielerlei Hinsicht verändert. Noch ist unklar, was dies am Ende wirklich bewirken wird.

Zuschauerausschlüsse, eine drohende Wettbewerbsverzerrung und Kapitalismuskritik. Themen gibt es auch rund um das Geschehen auf dem grünen Rasen viele. Dazu die Klassiker: Wer wird Meister und wer steigt ab?

Unsere beiden Autoren wagen einen rasanten Ritt durch die Themenlage und laden unsere Leser mit ihren Einschätzungen zu einer Debatte über die aktuelle Lage des Profifußballs ein.

Peter Hesse: Hallo Robin. Selten hat mich in den letzten 40 Jahren ein Bundesligastart so kalt gelassen, wie der jetzige. Als Ende April Leute wie Watzke, Rummenigge oder Calmund durch die Medien von Spiegel online bis Maischberger gepoltert sind, haben sich diese Herren zu weit aus dem Fenster gelehnt. Sie trugen die larmoyante Wichtigkeit von ihrem Business mit ekelhaft markigem Sprech vor, dass man als Bürger dieses Landes glauben sollte, die Rasenkunst der Bundesliga sei staatstragend, elementar und mindestens so lebenswichtig wie schlafen, essen, trinken und Zähne putzen. In meinem Bewegungshorizont bewirkte das eine chemische Reaktion der Ablehnung. Ich fand das ekelhaft unangemessen. Ich bleibe Fußballfan, klar, aber die Geldschacherei der Bundesliga mit ihrer unerträglichen Arroganz und ihrem Größenwahn turnt mich immer mehr ab.

Robin Patzwaldt: Hallo Peter! Uff, da hast du ja gleich einen abgelassen. Also, ich sehe die Sache aktuell eher positiv. Auch mir ist Fußball derzeit nicht mehr so wichtig wie bis zum März. Corona hat das Koordinatensystem da sehr verändert. Auch bei mir. Trotzdem freue ich mich, dass es jetzt mit dem Profifußball wieder losgeht. Insbesondere die Bundesliga ist aus meiner Sicht immer noch ein Highlight der Woche. Ich freue mich, bald wieder Spiele im TV sehen zu können. Klar, im Stadion wäre es deutlich schöner, aber das geht eben derzeit nicht. Ich habe mich daher mit den Gegebenheiten arrangiert. Es kommen auch wieder Zeiten, wo die Fans vor Ort mit dabei sein können. Das dauert nur leider noch etwas. Machen wir das Beste aus der Situation. Worauf freust du dich denn da besonders, trotz deines Ärgers über einige Funktionäre?

Peter Hesse: Letzten Samstag war ich einer von den erlaubten 300 Zuschauern bei der Partie Wuppertaler SV gegen Rot Weiß Ahlen, was durch ein kurioses Tor 1:0 ausgegangen ist. Im Stadion war kein Caterer-Unternehmen, weil sich der Umsatz für den nicht lohnt. Der Verein hat seine eigene Crew zusammen getrommelt – und probiert so mit viel Eigeninitiative am drohenden Konkurs vorbeizutaumeln. Vor so etwas habe ich natürlich viel mehr Respekt, als wenn ich im Kicker lese, dass nicht alle Lizenzspieler von Werder Bremen mit Lohnkürzungen einverstanden sein sollen.  Worauf ich mich freue in Liga 1? Auf eine Pressekonferenz vom SC Freiburg, wo Trainer Christian Streich was Kluges und Bewegendes sagen wird.

Robin Patzwaldt: Wir reden hier offenbar gerade von verschiedenen Dingen. Mich interessieren die Spiele des Wuppertaler SV, bei allem Respekt, eher wenig. Ich rede hier vom Profifußball. Das ist Unterhaltung für Millionen. Und dieses Entertainment gibt es auch ohne Zuschauer im Stadion, wenn die Spiele dann natürlich auch nicht so anzuschauen sind wie sonst. Aber das geht eben aktuell nicht. Da können wir jammern, es ändert aber nichts. Mir ist eine Bundesliga im TV, ohne Fans im Stadion, allemal lieber als gar keine Bundesliga. Dass das Ganze mit vielen menschlichen Härten verbunden ist, ist auch klar. Aber das betrifft ja nicht nur den Fußball. Ich bin jedenfalls trotz aller Widrigkeiten der Gegenwart schon gespannt darauf, wie sich der neue BVB präsentieren wird, wie die Schalker aus der Sommerpause kommen und was der VfL Bochum in Liga 2 gegen sein ‚Graue Maus‘ Image tun will, wenn der Ball in Kürze wieder rollt. Wir sollten das beste aus der Situation machen. Jammern hilft ja nicht, wie ich schon erwähnte.

Peter Hesse: Ich wollte nicht abschweifen, aber trotzdem sagen, dass mir der Amateur-Fußball gerade einfach mehr zusagt. Zurück zum Thema – Der VfL Bochum hat bewiesen, dass er ohne Zuschauer besser spielt als mit, Schalke 04 wird in der Ära ohne Tönnies viel Geduld und Glück haben müssen – sie werden sicher eher im unteren Tabellendrittel anzutreffen sein. Und auch der BVB wird sich sicher anstrengen müssen um auf Platz zwei, drei oder vier zu landen. Ich denke wir können dem FC Bayern jetzt schon zur Meisterschaft gratulieren, oder?

Robin Patzwaldt: Daran, dass die Bayern wieder Meister werden dürften, habe ich auch keinen Zweifel. Das wird langsam öde und kann auch keinem wirklich gefallen, nicht einmal den Bayern-Fans, wenn sie ehrlich sind. Trotzdem gibt es demnächst wieder viele spannende Entwicklungen zu beobachten. Hier bei uns sind das aus meiner Sicht die Trainerfrage beim BVB, die finanzielle Zukunft der Schalker und grundsätzlich die Frage, wie Corona die Hackordnung in der Liga verändern wird. Klar ist, dass auch der ‚große‘ BVB die in diesem Jahr eingefahrenen Riesenverluste nicht auf Dauer so wird stemmen können. Schalke ist da ja schon deutlich angeschlagener, wie es scheint. Dass mit der Landesbürgschaft kam im Sommer ja gar nicht gut an in der Öffentlichkeit. Hier deutet sich ein Abwärtstrend an, der am Kader nicht spurlos vorbeigehen dürfte. Auch die Gehaltsobergrenze, die kolportiert wurde, ist ein Wegweiser zum Mittelmaß, wenn nicht gar Abstiegskampf. Da aber auch Leipzig an finanzielle Grenzen zu stoßen scheint, wird es spannend zu sehen sein, wer am Ende am meisten unter Corona leiden wird, was den sportlichen Wert des Teams betrifft. Auch unter diesen Gesichtspunkten wird es spannend werden, wenn wir uns das sicherlich auch beide anders wünschen würden. Fakt ist, von Transfers ist derzeit bei weitem nicht so viel die Rede, wie noch im Vorjahr. Das tut auch mal ganz gut. Der Fokus könnte so wieder ein Stück mehr auf eigene Talente gelegt werden. Hoffentlich nutzen diese die Chance.

Peter Hesse: Ich glaube, Corona bewirkt jetzt noch einen gebremsten Käseglocken Effekt: Kapitalismus kritische Töne werden nicht mehr nur von Ultras diskutiert, sondern auch von Marcel Reif und Uli Hoeneß. Aber ich befürchte das wird nicht lange anhalten, irgendwann wird sich wieder alles „normalisieren“ – und irgendwann werden Top-Spieler Milliarden kosten. Denn die Geschichte der Menschheit ist einfach zu gierig und das Geschäft zu lukrativ. Nur interessiert mich das dann immer weniger.

Robin Patzwaldt: Das Problem gibt es ja nicht nur in der Bundesliga. Wären die Vereine chancengleicher, wäre es auch gar keines. Ich bin zudem der Überzeugung, dass der Einfluss der Ultras durch die jüngsten Ereignisse eher geringer werden wird. Corona hat gezeigt, dass es auch ganz ohne Fans in den Stadien geht. Die Einschaltquoten von Sky waren vor dem Saisonende richtig gut. Trotz aller Proteste und Nörgeleien. Solange das Geld fließt, wird sich nicht grundsätzlich etwas ändern. Ob einem das nun gefällt, oder nicht. Dass es auch mit Kommerz gut geht, zeigt ja der US-Sport. Nur herrscht dort durch Draft und Salary Cap eben relative Chancengleichheit. Das sind geschlossene Systeme. Das muss einem nicht gefallen, doch funktioniert es so offenbar ganz gut, wenn es um offene Meisterschaften geht. Aber das Thema ist zu komplex, um das hier in einer launigen Saison-Vorschau ausgiebig zu beleuchten, wie ich finde.

Peter Hesse: Ich wäre auch Fürsprecher für einen Salary Cap – aber ich denke das wird noch dauern bis es dazu kommt. Wo wir schon beim Thema Prognose sind, würde ich gern wissen wen du als Absteiger siehst. Ich lege mich mal auf Bielefeld und Mainz fest, in die Relegation kommt der 1. FC Köln. Ich fand es in der vergangenen Saison sehr überraschend, dass Union Berlin mit seinem Sonderschüler-Etat punktemäßig genau so weit gekommen ist wie Hertha »Großkotz« BSC mit den Monopoly Millionen von Investor Lars Windhorst. Das kann so bleiben. Was sagt deine Glaskugel, Robin?

Robin Patzwaldt: Puh, in Anbetracht der aktuellen Situation, dem zumindest phasenweise zum Saisonstart wohl für viele Teams Wegfall des Heimvorteils, könnte es da Überraschungen geben. Spontan würde ich auch sagen, dass Bielefeld und Mainz runtergehen. Um die Relegation kämpfen Köln, Union, Stuttgart und vielleicht auch Schalke, wenn es dort weiter so katastrophal läuft wie zuletzt.

Peter Hesse: Natürlich wünsche ich mir auch eine spannende Saison. Dann hoffen wir mal das Beste. Oder um Horst Hrubesch zu zitieren: lassen wir die neue Saison mal „Paroli“ laufen.

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