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40 Jahre Schimanski: Als das Ruhrgebiet kurz cool wurde

Götz George. Quelle: Wikipedia, Foto: www.horstschimanski.info, Lizenz: CC BY-SA 2.5


Heute vor 40 Jahren lief der erste Schimanski-Tatort. Er veränderte den Blick auf das Ruhrgebiet. Es wurde cool.

Er prügelte und soff sich durch die Ruinen Duisburgs. Die Lokalpolitik hasste ihn: Horst Schimanski, Tatort Kommissar,  gespielt von Götz George. Auf einmal sah das Ruhrgebiet im Fernsehen so aus, wie wir es kannten: Dreckig und kaputt. Kein starkes Stück Deutschland, wie kurz darauf in einer Kampagne beschworen wurde, sondern der Arsch der alten Bundesrepublik. Es war nun cool, hier zu leben. Denn wer hier klar kam, wer sich nicht unterkriegen ließ, wer sich im Labyrinth der kaputten Industrieanlagen, miesen Kneipen und verdreckten Häuser zurechtfand, hatte offenbar eine Härte, die Düsseldorfern, Münchenern oder Flensburgern abging. Für ein paar Jahre war es cool, aus dem Ruhrgebiet zu kommen. Oder zumindest bildeten wir es uns als Kids ein. Bandfotos wurden nur noch vor alten Industrieanlagen gemacht und wirklich niemand dachte damals daran, dass aus denen mal eine glattpolierte Industriekultur werden würde. Alles war kaputt, alles ein Spielplatz. Man konnte sich fast wie in Manchester fühlen, woher ja ohnehin die besten Bands kamen. Nur das Wetter war ab und an besser und es gab Currywurst statt Fisch mit Essig.

Die Euphorie hielt nicht lange an. Am Ende war Schimanski dann noch nicht mehr als ein Mann mit Schnauzbart. Musikalische Verbrechen wurden begangen: Klaus Lage war als Soundtrack zu hören. Vielleicht war es doch keine gute Idee, dass die Royal Air Force ein paar Häuser hatte stehen lassen?

Egal. Schimanski bescherte uns ein paar gute Jahre und etwas Selbstbewusstsein. Nicht das Schlechteste, wenn man am Arsch der Bundesrepublik wohnt. Woran sich ja bis heute nichts verändert hat.

 

 

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2 Kommentare zu “40 Jahre Schimanski: Als das Ruhrgebiet kurz cool wurde

  • #1
    Emscher-Lippizianer

    Komisch. Ich als Ur-Ruhrie habe dieser Kunstfigur nichts abgewinnen können. Das einzig Positive für mich war damals Herrn Georges Posen mit der BMW R80 G/S. Leider hat mir die von ihm eingenommene (gelebte?) Schmuddelrolle den Blick auf das wahre schauspielerische Genie verbaut. Mir als Nicht-Cineasten fallen da spontan (und erstmal) Filme ein wie "Abwärts", "Der Totmacher" und "Die Katze". Für mich ungekrönter Champion in seiner Filmografie ist immer noch "Schtonk!". Hier hat Helmut Dietl mit der Haute Volaute der deutschen Schauspielerschaft (u.a. Herrn George) ein Werk für die Ewigkeit geschaffen. Jedenfalls für die, denen die Tagebuchaffäre des Stern noch etwas sagt.

    Das Herrn George Post-Mortem diese Rolle verfolgt, wird seiner nicht gerecht. Er war Schauspieler und sollte eine Rolle spielen. Und das hat er präzise und perfekt gemacht. Schade, daß dabei anscheinend seine anderen Leistungen immer in diesem Schatten zu stehen scheinen.

  • #2
    Christoph Platz

    Klaus Lage war in der Tat ein künstlerisches Verbrechen, doch wenn der Hauptdarsteller Münchener ist, muss man für den Soundtrack auch keine Ruhrgebietsband wählen, auch wenn es die sehr wohl gegeben hätte ("Immer wieder aufstehn", oder eineinige andere). Das ist das Lied vom Ruhrgebiet von Anfang an gewesen und ist es bis heute (2010, IBA, u.s.w.). Wer hierher kommt, kann allenfalls (inzwischen) als Arbeiterdarsteller reussieren. Eine Kulturregion wie die anderen in Deutschland sind wir nicht, und dieses Alleinstellungsmerkmal ist ein Stigma.

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