Mona Yahias großartige Erinnerung an ein jüdisches Jahrhundert

Mona Yahia.
Foto: Kirsten E. Lehmann Lizenz: Copyright


Die Künstlerin und Schriftstellerin Mona Yahia erinnert in ihrem Buch „Vier Tage“  an die lange, erloschene jüdische Vergangenheit Bagdads. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold

Im Jahr 2002 veröffentlichte Mona Yahia ihre literarische Erinnerung an ihre Kindheit als Jüdin in Bagdad. Durch Bagdad fließt ein dunkler Strom  gehört zu den wenigen deutschsprachigen literarischen Werken, die autobiografisch an die – längst erloschene – jüdische Geschichte Bagdads erinnern. Yahia war 16, als sie mit ihren Eltern via den Iran nach Israel floh. Lina hieß die jugendliche Protagonistin in ihrem Werk, die in sprachlich beeindruckender, persönlicher Weise eine jüdische Kindheit in Bagdad beschrieb, die im Jahr 1954 begann. Gewidmet hatte Yahia ihr Werk ihren Eltern, „die mir Sprache gaben statt Wurzeln“.

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KölnRheinRuhr: 17 Städte, ein schlechtes Konzept – warum ich trotzdem mit „Ja“ gestimmt habe

Start der Olympia-Kampagne Foto: Land NRW


Gibt es eine Mehrheit für die gemeinsame Olympia-Bewerbung von 17 Städten in Nordrhein-Westfalen? Heute Abend wissen wir es. Unser Autor hat jedenfalls dafür gestimmt.

Ab 18 Uhr werden in den 17 Städten in Nordrhein-Westfalen die Stimmen der Ratsbürgerentscheide ausgezählt. Eine einfache Mehrheit reicht für die Annahme nicht aus, nur wenn mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten zustimmen, kann sich eine Stadt an der Olympia-Bewerbung beteiligen. Über sie entscheidet letztendlich im September der Deutsche Olympische Sportbund. Neben dem Stadthaufen „KölnRheinRuhr“ in NRW bewerben sich auch München, Hamburg und Berlin. Die Münchner haben einer Bewerbung schon zugestimmt, die Hamburger stimmen am 31. Mai ab und die Hauptstadt bewirbt sich

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Deutschland im Sinkflug? Daniel Stelters „Absturz“ zwischen Diagnose und Zuspitzung

Daniel Stelter Foto: DynTymY Lizenz: CC0 1.0


Zwischen Analyse und Zuspitzung legt Daniel Stelter den Finger in wunde Punkte: versteckte Staatsschulden, schwache Produktivität und ein Umbau des Energiesystems, der deutlich teurer wird, als vielfach angenommen.

Daniel Stelter hat ein Talent für große Bilder. Deutschland als Flugzeug im Sinkflug, kurz vor dem Strömungsabriss. Der Titel seines neuen Buches ist entsprechend gewählt: „Absturz“. Man weiß also von der ersten Seite an, dass es hier nicht um Feinjustierung geht.

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Ruhr-Uni Bochum sagt Veranstaltungsreihe im Kontext der „Israeli Apartheid Week“ ab

Ruhr Uni N-Gebäude Foto: M Lizenz: Gemeinfrei

Die Ruhr-Universität Bochum hat eine geplante Veranstaltungsreihe im Kontext der „Israeli Apartheid Week“ kurzfristig abgesagt. Die Hochschulleitung begründet den Schritt mit Risiken für den Hochschulfrieden – und verweist auf Bezüge zur antisemitischen BDS-Bewegung und zu als extremistisch eingeordneten Netzwerken.

Die Reihe war von Studenten initiiert und zunächst genehmigt worden. Erst nach einer vertieften Prüfung zog die Universität die Reißleine und entzog die bereits erteilte Raumzusage wieder.

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Eine Frage der politischen Deutungsangeboten im öffentlichen Raum

Alena Jabarine am 25. Mai 2024, bei den 55. Römerberggesprächen Foto: Dontworry Lizenz: CC BY-SA 4.0

Am 23. April soll im Gebäude des Clara-Schumann-Gymnasiums in Bonn eine Lesung mit Alena Jabarine stattfinden. Veranstaltet wird der Abend vom Partnerschaftsverein Bonn–Ramallah e.V., die Räume stellt, formal neutral, die Stadt zur Verfügung. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Hier geht es nicht um eine harmlose Lesung, sondern um die Frage, welche politischen Narrative im öffentlichen Raum unwidersprochen verbreitet werden. Von unserem Gastautor Thomas Müller.

Der veranstaltende Verein inszeniert sich als Brückenbauer für Verständigung und Menschenrechte. Ein Blick auf seine öffentliche Kommunikation legt jedoch nahe, dass diese Brücke vor allem in eine Richtung führt. Das Leid der palästinensischen Bevölkerung wird ausführlich thematisiert, politische Forderungen werden formuliert, doch

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Weltenretter mögen keinen Widerspruch

Reste eines Plakats der Grünen Foto: Laurin


Die Anhänger der Grünen tun sich schwer damit, andere Meinungen zu ertragen. Selbst AfD-Fans sind entspannter. Kein Wunder: Wer glaubt, zu wissen, wie die Welt zu retten ist, sieht in Widerspruch eine Gefahr.

Für die FAZ hat das Institut für Demoskopie Allensbach die Anhänger der im Bundestag vertretenen Parteien unter anderem befragt, wie sehr es sie aufregt, wenn jemand

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