
Ob Bahnhof Zoo, Kottbusser Tor oder Kleiner Tiergarten: Im Freien kampierende Menschen gehören mittlerweile zum Stadtbild Berlins wie Spätis und Dönerbuden. Viele der Wohnungslosen sind psychisch krank, oft in Kombination mit Drogensucht. „Verstrahlte“ werden sie im Berliner Jargon genannt. In den U-Bahnen gehören sie längst zum lebenden Inventar. Mehr als 6.000 Menschen sind ohne feste Bleibe, wie eine amtliche Erhebung 2024 ergab. Fachleute schätzen, dass mindestens die Hälfte von ihnen psychisch krank ist. Warum hat sich die Situation so verschlimmert, fragten wir den Psychiater Dr. Herald Hopf, und warum wird so wenig dagegen getan? Von unseren Gastautoren Ellen Daniel und Michael Miersch.
Wir haben den Eindruck, dass die Zahl psychisch auffälliger Menschen auf den Straßen Berlins stark zugenommen hat. Ist das so? Oder nehmen wir dieses Elend nur stärker wahr als früher?
Dr. Herald Hopf: Grundsätzlich ist es so, dass sich in den Großstädten schon immer ein höherer Prozentsatz psychisch kranker Menschen aufhält, als auf dem Land. Das hat auch mit der größeren Toleranz der Städter zu tun. In der Großstadt wird man eher in Ruhe gelassen, wenn man sich seltsam benimmt. Obendrein erleben wir in Berlin eine Zuwanderung von sehr armen Menschen, vornehmlich aus südosteuropäischen Ländern. Wenn man sich die Camps der Obdachlosen rund um Kirchen, um Bahnhöfe oder unter Brücken anschaut, sieht man dort viele Menschen







