„Es ist der Abschied für immer“

SS Orduña Illustration: ChatGPT/CHatti

Der 1945 in Chile geborene Claudio Pincus forschte schon länger über seine Familiengeschichte. Sein Vater Rudi Pincus gehörte zu den ganz wenigen Überlebenden seiner großen jüdischen Familie. 1939 war ihm unter abenteuerlichen Umständen die Flucht nach Chile gelungen. Von dort aus versuchte er verzweifelt, zusammen mit seinem bereits 1925 nach Chile ausgewanderten Cousin Berni Pincus, seine in Deutschland lebende Familie zu retten – während er damit beschäftigt war, sich eine eigene Existenz im Exil aufzubauen. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold.

Diese – gescheiterten – Rettungsbemühungen erzählt die Autorin Stefanie Oswalt in dem im Auftrag von Claudio Pincus verfassten Buch minutiös und beklemmend nach.

Begonnen mit dieser Spurensuche hatte der Überlebende Rudi Pincus selbst. Er versammelte wenige Jahre vor seinem Tode seine über die gesamte Welt verstreute Familie, darunter seinen in New

Weiterlesen

Kreuzfahrt statt Pflegefrust? Deutschland hat ein Problem

Ein Kreuzfahrtschiff im Hafen von Oslo. Symbolfoto: Robin Patzwaldt

Rentner auf Kreuzfahrtschiffen statt im Pflegeheim – das sind Schlagzeilen, die natürlich neugierig machen. Sie klingen nach einer Mischung aus verrückter Altersvorsorge, Fernweh und einem kleinen Seitenhieb auf den deutschen Sozialstaat. Für rund 2500 Euro im Monat gibt es schließlich Essen, Reinigung, Wäscheservice und jede Menge Meerblick. Da kann man schon einmal ins Grübeln kommen.

Trotzdem halte ich wenig davon, daraus gleich einen großen Trend zu basteln. Ein Kreuzfahrtschiff ist kein Pflegeheim. Wer tatsächlich intensive Betreuung benötigt, kann dort nicht einfach seinen Lebensabend verbringen. Der Vergleich hinkt also gewaltig. Und genau deshalb sollte man sich von solchen Geschichte, wie sie neuerdings immer häufiger in den Medien auftauchen, nicht vom eigentlichen Problem ablenken lassen: Unser normales Pflegesystem funktioniert für viele Menschen schlicht nicht mehr so, wie man es von einem sozialen Sicherungssystem erwarten dürfte.

Weiterlesen

Die deutsche Industrie hat ihre ökologischen Hausaufgaben größtenteils erledigt

Thyssen-Stahlwerk in Duisburg 1988 Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F079041-0002 Lizenz: CC-BY-SA 3.0


Nur 17 Prozent der Deutschen haben eine Vorstellung davon, wie übel die Umweltsituation in den 1970er-Jahren war. Eine Mehrheit glaubt sogar, heute sei es schlimmer als damals. Wie kann das sein? Von unserem Gastautor Michael Miersch

Früher war alles besser. Menschen neigen dazu die Vergangenheit zu verklären. Man kennt das. Manche Leute trauern sogar Diktaturen nach, weil da Ordnung herrschte und es angeblich gerechter zuging als im Wirrwarr einer liberalen Gesellschaft. Doch solch krasse Schönfärberei bleibt zumeist

Weiterlesen
Werbung


Wenn die Landschaft wieder lila wird – Ein kleiner Ausflug in die Westruper Heide

Zu Besuch in der Westruper Heide bei Haltern im August 2026. Foto(s): Robin Patzwaldt

Wer für die kommenden Tage noch nach einem schönen Ausflugsziel im Umfeld des Ruhrgebiets sucht, dem kann ich einmal wieder einen kleinen Tipp ans Herz legen: die Westruper Heide bei Haltern (Kreis Recklinghausen). Gerade Mitte August zeigt sich die Landschaft dort von ihrer besonderen Seite. Dann blüht die Heide und verwandelt die ansonsten eher karge Landschaft in ein erstaunlich farbenfrohes Stück Natur.

Ich war am vergangenen Wochenende selbst dort und habe natürlich ein paar Bildeindrücke für unsere Leser mitgebracht. Denn manchmal muss man für einen schönen Ausflug eben gar nicht weit fahren. Das Ruhrgebiet liegt direkt vor der Haustür – und gleich dahinter beginnt eine Landschaft, die mit dem klassischen Bild von Kohle, Stahl und dicht bebauten Städten nicht mehr viel zu tun hat.

Weiterlesen

Königin Cleopatra hat offenbar einen illegalen Zweitwohnsitz

Katze Cleopatra mit dezentem pharaonischem Goldschmuck
Königin Cleopatra (Foto: Peter Ansmann, leichte KI-Bearbeitung beim Outfit)

Cleopatra, kurz Cleo, kam später zu uns als die beiden Kater (Brüder) Ariel und Mosche. Bevor sie bei uns einzog, lebte die Notfallkatze während der Coronazeit auf einem Friedhof und wurde dort versorgt.

Der Name Cleopatra kommt nicht von ungefähr. Sie ist die Königin – und behandelt uns entsprechend als ihr Personal. Ihre Essensauswahl ist kompliziert. Für den Weg ins Haus nutzt sie die Katzenklappe nicht. Stattdessen wartet sie geduldig vor der Haustür oder vor dem Fenster, bis jemand sie hineinlässt. Was man halt so als Herrscherin macht. Menschen gegenüber ist sie sehr zutraulich und sie erzählt sehr viel. Schweigen ist nicht so ihr Ding.

Weiterlesen

Neue Impulse für Innovation im Ruhrgebiet

Pepper Foto: Xavier Caré / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 4.0

Mit „Fab.Future Ruhr“ ist im Frühjahr 2026 eine Initiative zur Stärkung der zukunftsorientierten Innovationskultur im Ruhrgebiet gestartet.

Ziel ist es, Kompetenzen aus Wissenschaft, Makerspaces und Fablabs sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft gezielt mit den Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen zu verknüpfen und neue Innovationspotenziale für die Region zu schaffen. Makerspaces und Fablabs als

Weiterlesen

„Ich sollte eine einladende, aber nicht auf die Antwort eingehende Haltung zeigen“

Chinas Diktator Xi Jinping Foto: President.az Lizenz: CC BY 4.0 Grafische Bearbeitung: ChatGPT/Chatti

Der Marktanteil chinesischer KI-Modelle wächst. Sie überzeugen durch hervorragende Leistung und lassen sich kostenlos auf dem eigenen Computer betreiben. Doch wer sie installiert, holt sich die Propaganda der chinesische Diktatur auf den Rechner.

Sie heißen Qwen, DeepSeek oder Kimi K3 und behaupten sich in Vergleichstests gegen die großen US-Frontier-Modelle wie ChatGPT, Claude und Gemini. Die Marktanteile chinesischer KI-Modelle steigen seit der Veröffentlichung von DeepSeek-R1 im Januar 2025. Leistungsstark, günstig und als Open-Weight-Modelle lassen sie sich von den Nutzern selbst anpassen, wenn sie auf eigenen Computern installiert

Weiterlesen
Werbung


Sonneborn, die RAF und die „Ulm 5“ – Keine Nazis, sondern Idealisten

Martin Sonneborn Foto (Ausschnitt): Ptolusque Lizenz: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Angeklagten der sogenannten „Ulm 5“ werden von ihren Unterstützern als friedliche Aktivisten und Idealisten dargestellt. Doch die Erzählungen rund um den Prozess erinnern auffällig an die Selbstinszenierung der RAF in den 1970er-Jahren. Auch Martin Sonneborn greift diese Parallelen auf und entlarvt sich damit selbst.

Weiterlesen

„Ja, die hatten gegen die Nazis gekämpft“

Wandgraffiti an der Hinrichtungsstätte in Köln-Ehrenfeld Foto: Markoz Lizenz: Bild-frei


Ein Film über Peter Finkelgruen und die Geschichte der Edelweißpiraten. Von unserem Gastautor Roland Kaufhold 

Zwei junge migrantische Frauen, Malina Szalay und Eddie Art, stehen am Köln-Ehrenfelder Bahnhof. Sie verteilen Flugblätter gegen Rechts. Bei ihnen steht ein betagterer Mann mit Rollator. Es ist der heute 84-jährige Peter Finkelgruen. Er bittet sie, ihm eines ihrer Flugblätter aufzuheben. Mit dieser Szene beginnt der Film Peter Finkelgruen und die Geschichte der Edelweißpiraten.

Weiterlesen

Langlebigkeit beginnt auf dem Teller

Vittorio Giuliano Foto: Privat

Warum werden Menschen in bestimmten Regionen der Welt außergewöhnlich alt und bleiben dabei erstaunlich gesund? Antworten liefern die sogenannten „Blauen Zonen“ – Regionen wie Okinawa in Japan, Sardinien in Italien, Ikaria in

Weiterlesen