„Die Schatten des Imperiums“

Brothers in Crime: Lenin und Stalin Foto: Marija Iljinitschna Uljanowa Lizenz: Gemeinfrei

„Russland und der Ukraine-Krieg“ lautet das nächste Thema in der Vortragsreihe des Historischen Vereins und des Stadtarchivs Dortmund: Martin Aust, Professor für osteuropäische Geschichte und Kultur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, spricht am Donnerstag, 5. Mai, 19 Uhr im Stadtarchiv Dortmund (Märkische Str. 14) über „Die Schatten des Imperium“. Der Eintritt ist frei.

Continue Reading

Ruhr Uni diskutiert über Cyberkrieg: „Angreifer können mit wenigen Klicks unsere gesamte Infrastruktur lahmlegen“

Bergbaumuseum Bochum Foto: Christian Nawrot Lizenz: CC BY-SA 3.0


Was erwartet uns in der nahen und fernen Zukunft? Bei den Future Talks treten Nachwuchsforscher mit Bürgerinnen und Bürgern in einen Dialog über so spannende Themen wie Weltraumbergbau oder Cyberkrieg.

Junge Forscherinnen und Forscher, eine tolle Location, aktuelle gesellschaftsrelevante Themen – und all das in einem lockeren Talk-Format statt langwieriger Fachvorträge: Mit diesem Konzept wollen Lisa Cohen und Maximilian Bertamini vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Ruhr-Universität Bochum ein Zeichen setzen und den

Continue Reading

„Schade um die Documenta“. Die postkoloniale Drehtür (III)

Documenta Bookshop closed by Kippelboy (CC BY 4.0)

Eine Menschheitsvision tritt ein und BDS heraus. „Der Blick des Globalen Südens“ fällt hinein und eine Documenta heraus mit  –  Stand heute  –  mehr als einem Dutzend BDS-Akteuren und -Apologeten. Mit denen hat Natan Sznaider, selbst Teil der Kassler Performance, eher kein Problem, wohl aber mit einer deutschen Kulturelite, die sich  –  siehe „Initiative Weltoffenheit“  –  ihr trans-nationales Selbstbewusstsein unbedingt von BDS zertifizieren lassen will. Und dabei eine „wirklich kolonialistische Denkstruktur“ beweist, weil sie denkt, sie könne sich „die Documenta einmal von den ‚Leuten aus dem Süden‘ machen lassen und sich dann zurücklehnen und sich das angucken.“  –  Dritter und letzter Teil einer Lese von Natan Sznaiders „Fluchtpunkte der Erinnerung“.

Hier „Weiße“, dort „Nichtweiße“, hier „Kolonisierende“, dort „Kolonisierte“, hier der Westen, dort der globale Süden: In Kunst und Kultur denkt man schon länger geo-ästhetisch, in der Kulturpolitik geo-politisch, so auch in Kassel. Seit 1955 gilt die dortige Documenta als eine der bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst weltweit, selbstverständlich sind mit der Berufung eines international respektierten Kurators präzise Erwartungen verbunden.  Bei der Vorstellung von Ruangrupa, dem kuratorischen Kollektiv aus Jakarta, das sich dem postkolonialem Denken verpflichtet sieht, erklärte die Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Die Grünen) im Februar 2019: „Die Documenta muss provozieren, sie muss auch immer wieder anstößig sein.“

Continue Reading

Die postkoloniale Drehtür (II): Natan Sznaider über den jüdischen Blick von Hannah Arendt und Edward Said

Frantz Fanon: We revolt because … Mural at Minneapolis Police Department by Tony Webster CC-BY 2.0 zugeschnitten auf 3.2-Format

Es ist die Visitenkarte der Aufklärung: dass sie für alle Menschen aller Zeiten gültig sei, Albert Memmi hat diese Idee als „Luxus“ bezeichnet: Luxus für Juden, die in Gesellschaften leben, in denen sie erst akzeptiert werden, wenn sie keine Juden mehr sind. Israelis schon mal gar nicht. Teil 2 der Natan-Sznaider-Lese.

Zu der Bilanz von Albert Memmis Jahrhundertleben  –  1920 in Tunis geboren, 2020 in Paris gestorben  –   zählt Sznaider die Einsicht, dass es politischer Irrsinn sei zu glauben, „Marxismus und Sozialismus ließen sich als universal gültige Modelle beliebig exportieren“. In der Tat ist dieser Ideen-Export nur mäßig erfolgreich gewesen, heute wird eher in Gegenrichtung gedacht: Ob Kolonialismus nicht nach Europa importiert worden sei, der eigentliche Weg also gar nicht von Paris nach Tunis, sondern von Windhuk nach Auschwitz geführt habe? Und ob es daher nicht der Rassismus sei, der den Antisemitismus hervorbringe, der universale Hass den partikularen?

In einer globalen Welt, schreibt Natan Sznaider, will eine globale Elite so etwas gerne glauben.

Continue Reading

Die postkoloniale Drehtür (I): Natan Sznaider über eine deutsche Debatte

Revolving door 2014 by Hernán Piñera (CC BY-SA 2.0 auf 3.2-Format zugeschnitten)

Im Mai wird die Documenta diskutieren. Über den russischen Krieg? Über Israel. Eingeladen ist  –  neben manchem BDS-Versteher  –  auch Natan Sznaider, ihn erstaunt seit langem „die Leichtigkeit“, mit der Israel „als weiße, europäische Kolonialmacht“ gelabelt wird. In seinem jüngsten Buch zeichnet der israelische Soziologe die Gedankengleise nach, die zu sehr verschiedenen Beschreibungen des jüdischen Staates führen: Ist Israel, diese Gesellschaft aus Flüchtlingen aller Länder, „ein Projekt der Emanzipation oder ein kolonialistisches Projekt? Kann es beides gleichzeitig sein?“  –  Teil 1 einer Sznaider-Lese, es treten auf Alfred Dreyfus und Albert Memmi, Claude Lanzmann und Frantz Fanon, Achille Mbembe und Karl Mannheim und natürlich Hannah Arendt.

„Fluchtpunkte der Erinnerung“ hat Sznaider, Professor für Soziologie am Academic College in Tel Aviv, sein Buch betitelt, es beginnt mit dem Satz „Bis Mitte März 2020 war in Deutschland die Welt der Kultur noch in Ordnung“, dann erschien ein Beitrag auf diesem Blog: Die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp, hatte in einem dritten Anlauf versucht, BDS-Promoter auf ihre Bühne zu laden, diesmal den Historiker Achille Mbembe. Auf diese Weise kam zwar nicht BDS, die internationale Kampagne für die Denunziation von Demokratie, auf die große Bühne, wohl aber eine Debatte „über die Gegenwart von Holocaust und Kolonialismus“, so der Untertitel von Sznaiders Buch.

Aufgewachsen ist Sznaider als Staatenloser im Badischen, mit 20 Jahren ist er „aus Deutschland weg“, schon deshalb ist sein Blick auf die deutsche Debatte „der Blick des Fremden, des gleichzeitig dazu- und nicht dazugehörenden Menschen“.

Continue Reading

Fritz-Hüser-Institut: Projekt zur Bergbauliteratur nach fünf Jahren beendet

Bergarbeiter Foto: Erich Grisar Lizenz: Stadtarchiv Dortmund/Copyright


Das von der RAG-Stiftung geförderte Drittmittelprojekt „Steinkohlenbergbau in der Literatur“ im Fritz-Hüser-Institut ist jetzt abgeschlossen worden: 5 Jahre, 10 Publikationen, 40 Veranstaltungen.

Begonnen hat alles mit Besuchen in den Archiven und Bibliotheken im Ruhrgebiet, um die literarische Auseinandersetzung mit dem Steinkohlenbergbau der letzten hundert Jahre zu sammeln. Dabei sind schöne Entdeckungen gemacht worden, zum Beispiel die bislang unveröffentlichte Kulturgeschichte der deutschen Bergarbeiter von Walter Köpping. Der Lektor und Literaturwissenschaftler Arnold Maxwill hat unter anderem drei aufwendig gestaltete Anthologien herausgebracht: Lyrik, Prosa, Reportagen. Damit ist das literarische Gedächtnis des Bergbaus gesichert.

Continue Reading

Die Angst vor der Freiheit nach dem Abi

Gymnasium in Gladbeck Foto: Ziko-C Lizenz: CC BY-SA 3.0

Pandemie und Krieg: Viele Abiturienten sind verunsichert. Knapp die Hälfte weiß sogar noch nicht, was sie nach ihrem Abschluss machen will. Im Interview erklärt die Buchautorin und Wissenschaftsjournalistin Ulrike Bartholomäus, woran das liegt und wie Familie und Freunde helfen können.

Ruhrbarone: Ende April starten in NRW die Abiturprüfungen. Viele junge Leute sind orientierungslos, wissen nicht, wie es nach der Schule weitergehen soll. Hat die Pandemie die Orientierungslosigkeit nach der Schule verstärkt?

Ulrike Bartholomäus: In jedem Fall. Die gesellschaftliche Unsicherheit hält nun schon über zwei Jahre an, Jugendliche konnten sich weniger auf sich und ihre Prüfungen konzentrieren, sondern mussten sich stets den äußeren Gegebenheiten anpassen, Lockdown, Home Schooling, jetzt auch noch der Krieg in der Ukraine. Das belastet. 46 Prozent aller Abgänger haben keinen Plan, was sie in Zukunft machen wollen. Das hat verschiedene Ursachen. Die Jugendlichen wissen nicht, was sie auszeichnet, was sie können, wer sie sind. Sie sind ja auch aufgrund verkürzter Schulzeiten und dem Wegfall von Wehr- und Zivildienst noch sehr jung. Viele haben auch Angst, sich falsch zu entscheiden. Andere wissen genau, was sie machen wollen, zum Beispiel Medizin oder Psychologie studieren, aber ihnen fehlt die Voraussetzung, etwa der entsprechende Abischnitt. Jetzt erst wird ihnen klar, dass es besser gewesen wäre, in der Oberstufe nicht Netflix bis zum Pupillenstillstand zu schauen, sondern ein wenig mehr auf das Ziel hinzuarbeiten.

Continue Reading

„Vor seinen Kindern nicht über eigene Kriegsängste sprechen“

Siedlung Borodianka (Oblast Kiew, Ukraine) nach russischem Beschuss. Foto: Staatlicher Notdienst der Ukraine Lizenz: CC-BY 4.0

Kinder auf der Flucht mit ihren Müttern, Bilder mit zerstörten Häusern, Panzern und sogar Leichen. Der Krieg in der Ukraine geht uns allen, aber besonders den Kindern nah. Wie können Eltern ihr Kinder schützen? Wie sollen sie mit dem Leid in den Medien umgehen? Im Interview mit Ruhrbarone.de erklärt Diplom-Psychologe Dr. Arnd Stein den richtigen Umgang.

Ruhrbarone: Dr. Stein, seit über sechs Wochen herrscht Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Wie gehen Mädchen und Jungen mit dem Krieg um?

Continue Reading

Verzicht auf Quarantäne für Corona-Infizierte ist die Bankrotterklärung von ‚Team Vorsicht‘

Foto: Robin Patzwaldt

Über die Corona-Maßnahmen wird in diesem Lande inzwischen seit über zwei Jahren leidenschaftlich diskutiert. Was ist sinnvoll, um sich und andere bestmöglich vor dem Virus zu schützen? Die Meinungen gingen und gehen weit auseinander.

Waren sich die Verantwortlichen in der Anfangsphase auf politischer Ebene aber noch weitestgehend einig, dominierte ‚Team Vorsicht‘ die Debatten die Entscheidungsfindung, lösen sich die Lager in diesen Tagen scheinbar immer mehr in ein großes Durcheinander auf.

Ab Mai soll nun, man mag es als interessierter Beobachter ja eigentlich kaum glauben, sogar die bisher übliche Quarantäne für Infizierte entfallen. Selbst der Gesundheitsminister Karl Lauterbach, bisher vielen Zeitgenossen immer deutlich zu ‚streng‘, vertritt dieses Vorhaben öffentlich mit. Statt der zwingend vorgegebenen Isolation soll es zukünftig nur eine Empfehlung zur Selbstisolation geben.

In Anbetracht der aktuell vergleichsweise häufig milden Verläufe mit dem Virus, kann man vielleicht tatsächlich in dieser Richtung argumentieren. Doch eines sollte uns allen klar sein, und das bereitet dann schon Sorge: Gibt man die Verpflichtung zur Quarantäne erst einmal auf, wird es wohl kaum ein Zurück geben. Und dies, obwohl wir alle miteinander noch nicht einmal ansatzweise wissen, was uns der kommende Herbst und mögliche neue Virusvarianten an zukünftigen Bedrohungen in Sachen Corona bringen werden.

Continue Reading

Essen stellt Programm der ersten KI Biennale vor

Roboter: Kopfbereich ohne Mimik Foto: © Xavier Caré / Wikimedia Commons Lizenz: CC BY-SA 4.0

Cyberattacken, Fake News und Computerspiele: Künstliche Intelligenz findet auf vielen Wegen im alltäglichen Leben statt. Die Stadt Essen greift dieses Thema nun in einem Festival auf und richtet die weltweit erste KI Biennale aus. Vom 23. April bis 12. Juni finden über 60 Veranstaltungen statt, die sich mit Künstlicher Intelligenz in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft beschäftigen. Das Programm wurde am Freitag vorgestellt.

Continue Reading