
Der WDR ist ein Koloss: 1,70 Milliarden Euro groß ist sein Etat im laufenden Jahr, über 3700 fest Beschäftigte und zahlreiche freie Journalisten arbeiten für den Kölner Sender. Und der will sich künftig stärker auf die regionale Berichterstattung konzentrieren. Das sagte WDR-Intendantin Katrin Vernau schon bei ihrem Amtsantritt 2025. Im Februar dieses Jahres stellte der WDR dann klar, in welche Richtung es gehen soll. „Wir wollen die regionale Berichterstattung für die Menschen im Land deutlich ausbauen – unter einem Dach und mit unserer geballten journalistischen Kompetenz. Die Tech-Giganten interessieren sich nicht für Wachtendonk oder Tecklenburg. Aber der WDR tut das. Neues aus und für NRW wird es von uns noch schneller und attraktiver auf allen relevanten Kanälen geben. Damit wollen wir für noch mehr Menschen die digitale Heimat im Westen werden“, verkündete Vernau via Pressemitteilung.
„Der WDR hat in seinen Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben“, lautet der im Gesetz über den „Westdeutschen Rundfunk Köln“ festgeschriebene Programmauftrag des Senders.
Doch das kann zu einem Problem für die privaten lokalen Medien werden. Es mag ja sein, dass sich Meta und Alphabet nicht für Wachtendonk interessieren, aber dafür gibt es vor Ort die Niederrhein Nachrichten. Und über Tecklenburg berichten die Westfälischen Nachrichten. Vernau tritt mit dem WDR also nicht gegen die „Tech-Giganten“ an, sondern gegen regionale, unabhängige Verlage, die ihre Arbeit selbst finanzieren müssen und nicht auf Zwangsgebühren zurückgreifen können.
Und dass der WDR den Begriff regional schon heute weit fasst, kann man auf seiner Webseite sehen, wo sich Nachrichten zu allen Kreisen und kreisfreien Städten finden: Ob Köln oder Bochum, lokale Informationen sind nur einen Klick weit entfernt. Für den WDR ist das kein Problem. Auf Anfrage dieses Blogs teilte der Sender mit: „Nutzerinnen und Nutzern soll es so erleichtert werden, Angebote aus ihrer Region oder ihren Regionen zu finden. Eine solche gebündelte Ausspielung bietet die Seite nicht nur für die zehn größten Städte, sondern auch für alle Kreise und kreisfreien Städte NRWs. Der WDR baut sein Angebot an regionalen Informationen auf digitalen Kanälen aus. Neben den erfolgreichen Angeboten in Radio und Fernsehen wollen wir künftig mehr Menschen mit digitalen Angeboten erreichen, um diesen wichtigen Bestandteil unseres Auftrags weiter zu stärken. Eine zentrale Rolle spielt dabei wdr.de. Im Rahmen dieser Infostrategie verlagert der WDR redaktionelle Aufwände ins Digitale und stärkt damit auch die digitale Audio- und Videoberichterstattung auf WDR.de.“
Das wird nicht auf Kosten von Facebook oder Google erfolgen, sondern auf Kosten der unabhängigen Verlage, die heute schon oft mit dem Rücken an der Wand stehen und um Werbekunden und Abonnenten kämpfen. Der WDR schwächt damit die Pressefreiheit, indem er dazu beiträgt, dass die Luft für private Medien immer dünner wird. Er kann sich das erlauben, weil Politiker und Verbände in seinen Gremien sitzen, die ihm den Rücken stärken und zuschauen, wie die Anstalt zwangsfinanziert gegen die freie Presse antritt.