
Es gibt Spieler, die prägen einen Verein über viele Jahre. Andere brauchen dafür nur wenige Monate. Ein spektakuläres Tor, ein leidenschaftlicher Auftritt oder einfach das Gefühl, dass da einer wirklich für das schwarzgelbe Trikot brennt – manchmal reicht das schon, um sich einen Platz in den Herzen der Fans zu sichern.
Karim Adeyemi wird diesen Platz in Dortmund nicht bekommen.
Mit seinem nun offiziell bestätigten Wechsel zum FC Barcelona endet eine Zeit, die eigentlich zu einer der großen Erfolgsgeschichten des BVB hätte werden können. Stattdessen bleibt sie als unerfülltes Versprechen in Erinnerung.
Als Borussia Dortmund den damals hochgehandelten Nationalspieler 2022 aus Salzburg verpflichtete, schien alles perfekt zu passen: jung, schnell, technisch stark und mit riesigem Entwicklungspotenzial. Viele sahen in ihm den nächsten großen Publikumsliebling.
Vier Jahre später fällt das Urteil ernüchternd aus. Adeyemi verlässt den Verein ohne nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. 36 Tore in 146 Pflichtspielen sind keine katastrophale Bilanz, aber eben auch keine Zahlen, die den hohen Erwartungen gerecht werden. Vor allem fehlte ihm die Konstanz. Auf brillante Spiele folgten wochenlange Durststrecken. Verletzungen warfen ihn zurück, doch häufig hatte man auch den Eindruck, dass ihm der letzte Ehrgeiz fehlte, um wirklich zur absoluten Spitzenklasse aufzusteigen.
Talent allein reicht eben nicht
Das eigentlich Enttäuschende an Adeyemis Dortmunder Zeit war jedoch nicht seine Statistik, sondern das Gefühl, dass deutlich mehr möglich gewesen wäre.
Kaum ein Spieler verkörperte in den vergangenen Jahren so sehr den Unterschied zwischen Talent und tatsächlicher Leistung. Wenn Adeyemi einen guten Tag erwischte, konnte er mit seinem Tempo jede Abwehr Europas auseinanderreißen. Genau deshalb schmerzt dieser Abschied so sehr. Nicht, weil der BVB einen unumstrittenen Leistungsträger verliert, sondern weil erneut das Gefühl bleibt, dass aus außergewöhnlichen Voraussetzungen viel zu wenig gemacht wurde.
Hinzu kamen immer wieder Nebengeräusche neben dem Platz. Schlagzeilen über sein Privatleben, Diskussionen um seine Einstellung oder Fragen nach seiner Professionalität begleiteten ihn beinahe genauso regelmäßig wie seine Verletzungen. Natürlich gehört vieles davon zur heutigen Medienwelt. Trotzdem entstand nie der Eindruck, dass Adeyemi den Fußball kompromisslos in den Mittelpunkt seines Lebens stellte.
Genau darin liegt der Unterschied zu vielen Dortmunder Legenden. Spieler wie Mats Hummels, Marco Reus oder Neven Subotić wurden nicht nur wegen ihrer sportlichen Leistungen geschätzt, sondern weil sie den Verein lebten. Selbst Publikumslieblinge wie Kevin Großkreutz waren vor allem deshalb so beliebt, weil jeder Fan spürte, dass ihnen Borussia Dortmund mehr bedeutete als nur der nächste Karriereschritt.
Dieses Gefühl vermittelte Adeyemi nur selten.
Hat der BVB seine wichtigste Stärke verloren?
Der Wechsel wirft deshalb auch unangenehme Fragen an Borussia Dortmund selbst auf.
Über viele Jahre war der BVB dafür bekannt, Transfers nicht nur nach sportlichen Kriterien zu beurteilen. Immer wieder wurde betont, dass Charakter, Mentalität und Persönlichkeit mindestens genauso wichtig seien wie Geschwindigkeit oder Technik. Gerade unter Jürgen Klopp war diese Auswahl fast schon ein Markenzeichen.
Davon ist in den vergangenen Jahren immer weniger zu erkennen.
Zu häufig verpflichtete Dortmund Spieler, die zwar enormes Talent mitbrachten, sich aber nie vollständig mit dem Verein identifizierten. Der BVB entwickelt heute zwar noch immer hochveranlagte Fußballer – doch immer seltener entstehen daraus echte Identifikationsfiguren. Stattdessen wirkt Borussia Dortmund zunehmend wie eine Zwischenstation auf dem Weg zu den ganz großen Adressen Europas.
Auch Adeyemi passt perfekt in dieses Bild. Barcelona gibt ihm einen Fünfjahresvertrag und glaubt weiterhin an sein Potenzial. Dortmund hingegen verabschiedet ihn mit einer vergleichsweise überschaubaren Sockelablöse und einer Weiterverkaufsklausel, die fast wie ein Eingeständnis klingt: Vielleicht schafft er den Durchbruch ja doch noch – allerdings eben woanders.
Schade, Karim. Da war deutlich mehr drin!
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