Dortmund: Die Personalspekulationen beim BVB gehen ungebremst weiter

Thomas Tuchel und Sascha Fligge am Dienstag in Brackel. Foto: Robin Patzwaldt
Thomas Tuchel (li.) und Sascha Fligge am Dienstag in Brackel. Foto: Robin Patzwaldt

Es war die erste große Pressekonferenz von BVB-Coach Thomas Tuchel in dieser Saison. Seit dem verlorenen Pokalendspiel gegen die Bayern Ende Mai hatte sich beim BVB personell über den Sommer ungewöhnlich viel getan. Drei prominente Spielerabgänge, sechs relativ namenlose junge Neue, dazu diverse Personalspekulationen im Umfeld. Da herrscht natürlich grundsätzlich großer Klärungs- und Gesprächsbedarf bei Fans und Medienvertretern.

Das Interesse an den Ausführungen Tuchels war daher auch entsprechend groß. Der kleine PK-Raum am Trainingszentrum in Dortmund-Brackel war voll als der Übungsleiter am Dienstagmittag den Saal betrat. Und Tuchel suchte inhaltlich auch direkt die Flucht nach vorn. Er öffnete sein ‚Herz`, gab Einblicke in seine Ansichten, versuchte dem Umfeld eine Art von Aufbruchsstimmung zu vermitteln, Vorfreude auf die neue Saison zu wecken, gleichzeitig aber die Erwartungshaltung etwas herunterzuschrauben. Nur eines gab es am Dienstag nicht, die erhoffte Klarheit in Sachen weiterer Kaderplanung.

Am Freitag in Oer-Erkenschwick bat Pressesprecher Sascha Fligge die Medienvertreter nach dem Spiel noch die Fragen in Richtung Personalspekulationen doch bitte möglichgst komplett auf Dienstag zu verschieben, da man dann ja dort extra die Pressekonferenz für diese Dinge habe, und Coach Tuchel doch bitte nicht schon nach dem Testspiel gegen den Oberligisten mit solchen Fragen zu ‚nerven‘.

Doch auch am gestrigen Dienstag wurde bereits die erste Frage zum Thema ‚Schürrle‘ dann von Fligge mit dem Hinweis, dass man sich zu solchen Spekulationen ja nie äußere wieder ‚vom Tisch gefegt‘.

So blieb es auch am Dienstag bei nur wenigen bis keinen neuen Erkenntnissen in Sachen weiterer Personalien. Selbst zum bereits beim BVB unter Vertrag stehenden Jakub ‚Kuba‘ Błaszczykowski , der nach einer Ausleihe nach Italien nun offiziell zum BVB  zurückkehren wird, gab es von Tuchel wenig Erhellendes. Tenor hier: Man befände sich im Dialog, man werde sehen was am Ende dabei herauskommt, beide Seiten müssten erst Ihre Erwartungen abstimmen. Kann so natürlich auch noch alles und nichts heißen.

Wer also gehofft hatte man könne irgendwie heraushören in welche Richtung die weiteren Personalplanungen beim BVB laufen, der wurde komplett enttäuscht.

Was Tuchel jedoch gelang, das war den Eindruck zu erwecken, dass er sich trotz des personellen Aderlasses auf den ‚Neubeginn‘ in Dortmund freut. Allen Gerüchten über angeblich geplatzte prominente Verstärkungen zum Trotz, schien Tuchel vom neuen, vom ‚jungen Weg‘ seiner Mannschaft begeistert.

Der Coach wirkte insgesamt nach dem Urlaub ungewohnt offen und emotional, als er die Umstände der drei Prominenten Abgänge schilderte, betonte, der BVB habe hier wirklich alles versucht, jedoch die größere Strahlkraft einiger anderer Clubs akzeptieren müssen. Erfrischend ehrlich.

Und wer weiß, vielleicht ergattert die Borussia in den nächsten Tagen ja tatsächlich auch noch die ein oder andere ‚gestandene‘ Neuverpflichtung mit Führungspotential für die aktuell stark verjüngte Truppe. Bei aktuell schon über 100 Mio. Euro Transfererlösen und ’nur‘ gut 50 Mio. an Ausgaben, ist das Transfer-Potential der Westfalen noch entsprechend groß. Und auch die sich abzeichnenden Abgänge von Subotic & Co. bringen wohl noch Bares in die Kasse.

Ob da allerdings in Sachen ‚starke Persönlichkeit‘ ein Andre Schürrle oder ein Mario Götze die richtige Wahl wären, das ist zumindest anzuzweifeln.

Da die aktuelle Transferperiode aber ja  noch bis Ende August läuft, und man sich beim BVB partout nicht in die Karten schauen lassen will, wird wohl noch eine ganze Weile spekuliert werden müssen bzw. dürfen. Daran hat auch die gestrige Presserunde des Cheftrainers rein gar nichts geändert…

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7 Kommentare

  1. #1 | Klaus Lohmann sagt am 13. Juli 2016 um 18:02 Uhr

    Wer nochmal von unseren gesamten Abgängen hatte so wie Schürrle 9 Tore oder sogar mehr in der letzten Liga-Rückrunde geschossen? Warten wir doch mal ab, wer da noch plötzlich auf dem Zettel auftaucht und wenn es keinen Knaller mehr geben sollte, ist Schürrle *unter Tuchel* bestimmt keine sooo schlechte Wahl – wenn die VW-Werkself denn bei der Ablöse vernünftig bleibt.

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 13. Juli 2016 um 18:04 Uhr

    @Klaus: Die jüngsten Spekulationen gehen ja sogar in Richtung Schürrle UND Götze. Die nächsten Tage werden daher rund um den BVB spannend bleiben. 🙂

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 13. Juli 2016 um 18:08 Uhr

    … Achja, und Dirk Große Schlarmann vermeldete jüngst aus Leverkusen, dass wohl auch der Name Ömer Toprak beim BVB noch nicht vom Tisch sei. Wenn Neven Subotic denn dann erst einmal offiziell transferiert wurde, dann besteht ja auch hinten noch Bedarf an Erfahrung.

  4. #4 | Walter Stach sagt am 13. Juli 2016 um 18:16 Uhr

    Robin,
    "man" könnte den Eindruck gewinnen, beim BVB sei Hektik ausgebrochen. Ich baue aber weiterhin darauf, daß Tuchel und Watzke wie bisher engagiert, verantwortungsbewußt und mit der gebotenen Gelassenheit an einem leistungsstarken Kader für die Spielzeit 2o16/2o17 arbeiten.

    Schürrle und Götze?
    So richtig begeistern kann mich der Gedanke nicht, daß diese beiden zum "Stammpersonal" unseres BVB in der Spielzeit 2o16/2o17 gehören könnten.

    Robin,
    welchen Eindruck hattest Du denn von Tuchel? Erschien Dir seine bekundete Freude auf die neue Saison, auf die Chance, die ein Neubeginn bietet, "echt" oder ehe "gespielt" -nach Deinem "Bauchgefühl"??

  5. #5 | Robin Patzwaldt sagt am 13. Juli 2016 um 18:24 Uhr

    @Walter: Tuchel schien voller Vorfreude. Das wirkte sogar ansteckend. Sollte es ja wohl auch. Was mich etwas irritiert ist der kleine 'Konflikt' der heute sichtbar wurde. Tuchel sprach gestern von einem gewissen 'Risiko', das mit der Situation rund um den BVB verbunden sei. Das hat Aki Watzke offenbar so nicht wirklich gefallen, wie er heute auf seiner PK in Österreich gesagt hat. Er möchte lieber den Begriff 'ambitioniert' eingesetzt sehen. Da kann man, wenn man will, schon eine Art von Bestätigung drin sehen, für einen Bericht den ich kürzlich gelesen habe, der davon berichtete, dass Tuchel intern wohl ziemlich entsetzt über die drei Abgänge gewesen sein soll. Aber er mag sich an die neue Situation ja bereits ein Stück weit gewöhnt haben, sich damit vielleicht im Laufe der Wochen auch angefreundet haben. Dazu bin ich dann (noch) nicht nah genug dran. Er wirkte jedenfalls gestern motiviert und gut gelaunt. Vielleicht weiß er ja auch schon mehr in Sachen Transfers als wir wissen dürfen. Hoffen wir es! 😉

  6. #6 | Klaus Lohmann sagt am 13. Juli 2016 um 21:36 Uhr

    Robin, Aki muss immer das Aktiengesetz unterm Tisch griffbereit haben, insofern ist seine Bremse von "gewissem Risiko" auf "ambitioniert" wohl in erster Linie für die Aktionäre bestimmt gewesen.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 13. Juli 2016 um 21:40 Uhr

    Wobei ich, wenn tatsächlich noch Schürrle und Götze kämen, gar kein so großes Risiko sehen würde. Natürlich braucht man auch dann ein paar Runden zum Einspielen, aber der Kader hätte dann auf dem Papier wohl keinen Qualitätsverlust erlitten.

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