„Wer seine Karriere nicht bewusst beschädigen möchte, bleibt dem Thema fern“

Faika El-Nagashi – 2017 Foto Ausschnitt): Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres Lizenz: CC BY 2.0


Die ehemalige österreichische Grünen-Abgeordnete Faika El-Nagashi erhebt im Jahrbuch Sexualitäten schwere Vorwürfe gegen die Entwicklung von Queerfeminismus und Transaktivismus.

In einem Interview mit dem taz-Redakteur Jan Feddersen schildert sie, wie sie sich innerhalb linker und lesbischer Netzwerke zunehmend isoliert fühlte, nachdem sie Kritik an transinklusiven Positionen geäußert hatte: „Ich habe mich sehr isoliert und zurückversetzt gefühlt an die Anfänge meines ersten Coming-outs.“ Alle seien verdeckt und versteckt und isoliert gewesen. Hin und wieder habe man online mitbekommen, dass jemand in die Schusslinie geraten ist, weil sie irgendetwas gesagt hat, was nicht zur neuen Linie passte.

Auslöser ihres Umdenkens seien unter anderem Autorinnen wie die britische Philosophin Kathleen Stock gewesen. Versuche, die Debatte in ihrem politischen Umfeld zu führen, seien weitgehend gescheitert. Wer von der vorherrschenden Linie abweiche, werde unter Druck gesetzt oder ziehe sich aus Angst vor öffentlicher Kritik selbst zurück, sagte El-Nagashi: „Wer jetzt seine Karriere nicht bewusst beschädigen möchte, bleibt dem Thema fern. Vor allem, wenn du aus dem linken Spektrum kommst.“

Besonders kritisch sieht sie den Einfluss öffentlicher Förderpolitik. Lesben- und Frauenorganisationen hätten zunehmend nachweisen müssen, dass sie transinklusiv arbeiten, um Fördermittel nicht zu verlieren. Dies habe tief in die Arbeit der Verbände eingegriffen und dazu geführt, dass Organisationen ihre Strukturen und Veranstaltungen entsprechend ausrichten mussten.

Nach einem Interview im österreichischen Magazin Falter, in dem sie ihre Kritik öffentlich machte, sei sie innerhalb ihres politischen und persönlichen Umfelds weitgehend isoliert worden. „Wie kann man mich als rechtsextrem verunglimpfen? Aber man hat es gemacht. Es gab dann einen Offenen Brief gegen mich, unterschrieben von Kolleginnen aus meiner Partei.“

Rückblickend sieht sie die Entwicklung auch als politischen Fehler der politischen Linken. Queerfeminismus und Transaktivismus seien ihrer Ansicht nach zu wenig kritisch begleitet worden. Dadurch hätten konservative und rechtspopulistische Akteure das Thema für sich nutzen können. Als Beispiel nennt sie die Politik von US-Präsident Donald Trump, der diese Konflikte politisch aufgegriffen habe.

Mit dem von ihr mitgegründeten Athena Forum will El-Nagashi auf europäischer Ebene ein Gegengewicht zu transaktivistischen Lobbyorganisationen schaffen: „Wir sind die erste Organisation auf europäischer Ebene, die das Geschlecht schützt als eine biologische Realität“

Sie auch die LGBTQIA+-Strategie der Europäischen Union und den Einfluss europäischer Förderpolitik auf nationale Entwicklungen: „Es gibt mittlerweile fünf große Lobbygruppen, NGOs, allesamt transaktivistisch orientiert. Zusammen bekommen sie dutzende Millionen Euro an Förderungen von der EU, zusätzlich noch Gelder von philanthropischen Stiftungen.“

Am 10. Juli findet ab 18.20 Uhr die Release-Party des Jahrbuchs Sexualitäten in den Räumen der taz in der Friedrichstr. 21 in Berlin statt.  

 

 

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