Die AfD braucht zum Erfolg selber gar keine starken Leute – nur schwache Gegner

Ungeliebter Kanzler Friedrich Merz (Foto: Roland W. Waniek)

Die Angst vor weiteren Erfolgen der AfD bei den kommenden Wahlen wächst in Deutschland gerade ziemlich flächendeckend. Teilweise nimmt das schon fast hysterische Züge an. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Über den aus meiner Sicht ziemlich ungeschickten Umgang von Politik und Medien mit der AfD habe ich mich hier im Blog gestern bereits ausgelassen.

Heute geht es mir hier um einen anderen Punkt, der dieser Partei geradezu den roten Teppich ausrollt: den etablierten Parteien gehen die echten Persönlichkeiten aus.

Das ist durchaus bemerkenswert. Denn Politik besteht bekanntlich nicht nur aus Parteiprogrammen, Arbeitsgruppen und Menschen, die auf Pressekonferenzen bedeutungsschwer in Kameras schauen. Sie braucht auch Köpfe. Menschen mit Ausstrahlung, Profil und im Idealfall einer Idee davon, wohin die Reise gehen soll. Und genau da wird es inzwischen ziemlich übersichtlich.

Union und SPD suchen den nächsten Motivationscoach

Schauen wir zunächst auf CDU/CSU und SPD. Die aktuellen Koalitionspartner auf Bundesebene haben derzeit mit erheblichen Führungsproblemen zu kämpfen. Bundeskanzler Friedrich Merz steht nicht nur außerhalb der Union unter Beschuss. Auch innerhalb der eigenen Reihen wächst der Unmut. Bei der SPD sieht es mit Lars Klingbeil und Bärbel Bas ebenfalls nicht gerade nach politischer Kuschelstimmung aus.

Nun könnte man angesichts solcher Probleme wenigstens beruhigt fragen: Wer kommt danach?

Und dann wird es spannend.

Denn auf die Frage nach überzeugenden Nachfolgern muss man offenbar erst einmal eine politische Suchmaschine anwerfen. Wo sind die Leute, die eine Partei aus dem Stand übernehmen, ihr Profil geben und vielleicht sogar Wähler begeistern könnten?

Man sucht. Und sucht. Und sucht.

Währenddessen kann sich die AfD eigentlich gemütlich zurücklehnen. Wenn die Konkurrenz ihre Führungsdebatten lieber intern mit dem eigenen Personalbestand austrägt, muss man selbst gar nicht besonders viel liefern.

Habeck weg, Baerbock weg – und plötzlich wird es still

Auch bei den Grünen ist die Situation nicht gerade rosig. Robert Habeck und Annalena Baerbock sind weg von der politischen Spitzenbühne, und hinter ihnen klafft ein ziemlich großes Loch.

Natürlich gibt es weiterhin Politikerinnen und Politiker bei den Grünen. Aber das ist ungefähr so, als würde man bei einem Fußballverein feststellen: „Spieler haben wir genug!“ und anschließend feststellen, dass keiner davon weiß, wer eigentlich das Spiel entscheiden soll.

Auch die Linke hat zuletzt wichtige Persönlichkeiten an der Spitze verloren. Und dann wäre da noch die FDP. Die möchte sich erneuern – und schickt dafür ausgerechnet Wolfgang Kubicki ins Schaufenster.

Nichts gegen Kubicki. Aber wenn das alte Schlachtross plötzlich als Zukunftsmodell verkauft wird, darf man schon einmal vorsichtig nachfragen, ob die Partei wirklich einen Neustart plant oder lediglich die alte Tapete überstreicht.

Die AfD bekommt den Wechsel praktisch frei Haus geliefert

Und genau hier liegt das eigentliche Problem. Die etablierten Parteien reden ständig darüber, wie gefährlich die AfD sei. Sie warnen vor ihren Erfolgen, vor ihren Umfragewerten und vor den möglichen Wahlergebnissen.

Alles schön und gut.

Aber irgendwann sollte man vielleicht auch einmal darüber nachdenken, warum Menschen überhaupt bereit sind, ihr Kreuz bei einer solchen Konkurrenz zu machen.

Wer Wähler vom Wechsel abhalten möchte, muss ihnen schließlich einen Grund liefern, beim Alten zu bleiben. Und dieser Grund kann nicht dauerhaft lauten: „Aber die anderen sind noch schlimmer!“

Wenn CDU/CSU und SPD gleichzeitig mit Führungskrisen beschäftigt sind, die Grünen ihr prominentestes Personal vergrault haben, die Linke nach Gesichtern sucht und die FDP ihre Erneuerung mit dem politischen Inventar der vergangenen Jahrzehnte versucht, dann darf man sich über wachsende Wechselstimmung nicht wundern.

Die AfD muss dafür nicht einmal besonders glänzen. Es reicht offenbar schon, wenn die Konkurrenz ziemlich matt wirkt.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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