Die AfD will Nord Stream zurück. Der Kreml ist begeistert.

Kirill Dmitrijew mit Brille, dunklem Anzug und roter Krawatte; Porträt vom 13. Mai 2025, ins Querformat erweitert.
Kirill Dmitrijew am 13. Mai 2025. Foto: Kremlin.ru / Wikimedia Commons, CC BY 4.0; Ausschnitt, mit KI ins Querformat erweitert.

Die AfD will Nord Stream wieder öffnen. Putins Sondergesandter Kirill Dmitrijew verspricht auf X schon einmal die gemeinsame Wiedereröffnung und lobt die Partei als Stimme des deutschen Volkes. Die Bundesregierung kommt in dieser Rollenverteilung nicht vor. Die europäischen Sanktionen allerdings schon – auch wenn sie im Post fehlen.

Der Zuspruch kommt aus Moskau

Am 26. September 2026 erinnerte AfD-Co-Chef Tino Chrupalla auf X an die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines vier Jahre zuvor. Er verlangte Aufklärung und erklärte, Nord Stream müsse repariert, geöffnet und gesichert werden. Die zerstörte Leitung bezeichnete er als durchtrennte „Lebensader der deutschen Industrie“.

Gut drei Stunden später folgte Dmitrijews Antwort. Putins Sondergesandter für Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit veröffentlichte einen Screenshot von Chrupallas Beitrag und schrieb: „Jointly we will reopen Nord Stream.“ Auf Deutsch: Gemeinsam werden wir Nord Stream wieder öffnen. Die AfD sei die Stimme des deutschen Volkes, die für dessen Energiesouveränität, Wohlstand, Frieden und Zusammenarbeit kämpfe.

Kirill Dmitrijews X-Post vom 26. September 2026: gemeinsame Wiederöffnung von Nord Stream und Lob für die AfD, mit Screenshot von Tino Chrupallas Beitrag.
Kirill Dmitrijew verspricht die gemeinsame Wiederöffnung von Nord Stream und lobt die AfD, 26. September 2026. (Screenshot: X / Kirill Dmitrijew)

Das deutsche Volk hat damit einen ausgesprochen aufmerksamen Pressesprecher in Moskau. Eine Wahl in Deutschland musste er dafür nicht gewinnen.

Dmitrijews Werbung für die AfD hat eine Vorgeschichte. Bereits am 9. September 2026 kündigte er den Vorschlag eines russisch-deutsch-amerikanischen Wirtschaftsforums mit Beteiligung der Partei für 2027 an. Darüber haben wir berichtet ( Liebesgrüße aus Moskau: Putins Mann fürs Geschäft umwirbt die AfD).

Schon nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 hatte Dmitrijew den AfD-Erfolg bejubelt, der Bundesregierung angebliche „Kriegstreiberei“ vorgeworfen und Alice Weidels Abgrenzung von ukrainischen Interessen auf X weiterverbreitet. Das haben wir in unserer Übersicht der internationalen Reaktionen dokumentiert. Sein Nord-Stream-Versprechen setzt diese öffentliche Parteinahme fort: erst Beifall zum Wahlergebnis, dann das Angebot zur gemeinsamen Wiederöffnung der Pipeline ( AfD-Wahlsieg: Moskau jubelt, Europas Rechte feiert – und Zemmour (Reconquête) sucht Sachsen-Anhalt).

Ein Post ist noch kein Gasvertrag

Der neue Beitrag nennt weder einen Zeitplan noch Finanzierung, Genehmigungen oder einen abgeschlossenen Vertrag. Er dokumentiert ein öffentliches Versprechen des russischen Sondergesandten und dessen ausdrückliches Lob für die AfD. Eine vereinbarte Wiederinbetriebnahme lässt sich daraus nicht machen.

Schon bei Alice Weidels Erklärung, nur die AfD komme für Russland und die USA noch als verlässlicher deutscher Ansprechpartner infrage, war die Unterscheidung wichtig: Moskaus Zustimmung ist keine amerikanische Zusage. Und eine Oppositionspartei ist nicht die Bundesregierung ( Alice im Weltmachtland: Weidel erklärt die AfD zur diplomatischen Großmacht).

Hinzu kommt eine Hürde, die sich nicht mit einem Handschlag-Emoji beseitigen lässt. Die EU beschloss am 18. Juli 2025 ein Transaktionsverbot für Nord Stream 1 und 2. Es erfasst unter anderem Geschäfte zur Fertigstellung, Wartung und zum Betrieb der Pipelines. Der Rat führt dieses Verbot weiterhin unter den Russland-Sanktionen. Die Wiederöffnung wäre also nicht bloß eine Frage von Rohren und Reparaturtrupps.

Die Leitung war schon vorher still

Auch Chrupallas Bild von der durchtrennten Lebensader braucht Kontext. Die Bundesnetzagentur hielt am 28. September 2022 fest: Durch Nord Stream 1 war schon seit Anfang September kein Gas mehr gekommen. Nord Stream 2 war nie in Betrieb gegangen. Die Explosionen zerstörten Infrastruktur, aber sie beendeten keinen zu diesem Zeitpunkt laufenden Gasfluss durch diese Leitungen.

Die politische Pointe liegt woanders: Chrupalla stellt seine Forderung in den Dienst deutscher Energiesouveränität – und will zurück zur russischen Leitung. Putins Vertreter bewirbt ausgerechnet die AfD als Partner dafür. Die dokumentierten Kontakte und politischen Überschneidungen reichen über diesen einzelnen Post hinaus ( Russlands nützliche Netzwerke: Wo sich AfD, BSW und Kreml-Propaganda berühren).

Die AfD nennt das Souveränität.

Moskau nennt es Zusammenarbeit.

Über den Lieferanten besteht offenbar Einigkeit.

Autorenseite: Peter Ansmann
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