
Ich gebe es zu: Bei meinen vergangenen Besuchen im Phoenix des Lumières in Dortmund-Hörde hatte sich bei mir ein gewisser Abnutzungseffekt eingestellt. Acht verschiedene Ausstellungen habe ich seit der Eröffnung inzwischen gesehen. Mal ging es um große Namen der Kunstgeschichte, mal um Naturwissenschaften oder andere Themen. Und so beeindruckend die Technik in der alten Gebläsehalle des ehemaligen Stahlwerks Phoenix auch ist – irgendwann schlich sich bei mir der Gedanke ein: Das hast du doch irgendwie schon einmal gesehen.
Die Wände werden riesig, die Bilder bewegen sich, Musik läuft, Licht und Projektionen verschmelzen miteinander. Ein faszinierendes Konzept, ohne Frage. Aber auch ein Konzept, bei dem sich nach mehreren Besuchen gewisse Wiederholungseffekte kaum vermeiden lassen.
Am Freitag bin ich trotzdem wieder hingegangen. Schließlich wollte ich mir „Matisse: Symphonie der Farben“ anschauen. Und ich kann den Spoiler gleich vorwegnehmen: Diesmal war ich wieder fast so begeistert wie bei meinem allerersten Besuch im Phoenix des Lumières Anfang 2023.
Matisse macht den Unterschied
Der Grund dafür ist schnell gefunden: Henri Matisse passt ganz hervorragend zu diesem Ort. Vielleicht sogar besser als manche der bisherigen Themen.
Denn bei Matisse ist die Farbe nicht einfach nur ein Bestandteil seiner Bilder. Sie ist ein wesentlicher Teil seiner künstlerischen Sprache. Und genau das funktioniert auf den bis zu 13 Meter hohen Wänden der Dortmunder Gebläsehalle ganz hervorragend.
Plötzlich ist da nicht mehr einfach ein Bild von Matisse. Man steht mitten darin. Farben breiten sich über die riesigen Projektionsflächen aus, Formen verändern ihre Wirkung, Motive werden miteinander verbunden und die gesamte Halle verwandelt sich in eine Art begehbares Gemälde.
Ich habe mich am Freitag jedenfalls kaum sattsehen können. Gerade das enorme Farbenmehr macht diese Ausstellung zu einem Erlebnis, das sich von vielen meiner bisherigen Besuche tatsächlich unterscheidet. Dazu kommt eine Erzählerstimme, die Matisse, seine Entwicklung und seine besondere Beziehung zur Farbe begleitet. Das Ganze wirkt dadurch nicht wie eine bloße Aneinanderreihung schöner Bilder, sondern bekommt auch einen gewissen erzählerischen Zusammenhang.
Und dann versteht man plötzlich wieder, warum das Konzept des Phoenix des Lumières so faszinierend sein kann.
Auch Frida Kahlo überzeugt
Ergänzt wird das Matisse-Programm durch die deutlich kürzere Schau „Frida Kahlo: Aus Leidenschaft“. Auch hier wird das Leben der mexikanischen Künstlerin über monumentale Projektionen erzählt.
Leidenschaft, Schmerz, Selbstfindung und Identität spielen dabei eine zentrale Rolle. Pflanzen und organische Formen ziehen sich durch die Inszenierung und lassen die Bilder Kahlos immer wieder regelrecht aufblühen.
Mir persönlich hat allerdings die Matisse-Schau deutlich stärker zugesagt. Das liegt vermutlich weniger daran, dass die Frida-Kahlo-Inszenierung schlechter wäre. Vielmehr ist es die enorme Farbigkeit von Matisse, die an diesem speziellen Ort ihre Wirkung besonders entfaltet.
Die alte Gebläsehalle wird dabei tatsächlich zu einem Teil des Kunstwerks. Und genau das hatte ich bei meinen ersten Besuchen so faszinierend gefunden. Am Freitag war dieses Gefühl wieder da.
Sechs Euro fürs Parken? Muss nicht sein!
Bei aller Begeisterung für die neue Ausstellung: Ganz ohne Kritik komme ich natürlich auch diesmal nicht aus.
Da wäre zunächst der Eintrittspreis, der für einen Familienausflug durchaus ins Geld gehen kann. Nach diesem Besuch fällt es mir allerdings leichter, diesen Preis zu rechtfertigen. Das Erlebnis stimmt diesmal für mich einfach wieder.
Deutlich schwerer fällt mir dagegen die Rechtfertigung für das Parkplatzangebot eines privaten Bewirtschafters direkt gegenüber der Halle. Sechs Euro habe ich am Freitag für gut 90 Minuten Parken auf einem Ascheplatz mitten im Industriegebiet bezahlt. Sechs Euro! Für diese Summe kann man in Dortmund teilweise schon erstaunlich lange in einem richtigen Parkhaus stehen.
Das passt für mich nicht so recht zu einem Kulturangebot, das ausdrücklich Jung und Alt ansprechen und auch für Familien sowie Schulklassen interessant sein möchte.
Mein persönliches Fazit fällt deshalb diesmal ziemlich eindeutig aus: Der Abnutzungseffekt ist zumindest vorerst verschwunden. „Matisse: Symphonie der Farben“ hat mir wieder richtig Spaß gemacht und Dortmund für gut anderthalb Stunden tatsächlich ein gutes Stück bunter gemacht.
An der Ausstellung gibt es aus meiner Sicht wenig zu meckern. An den Begleitumständen dagegen schon. Vielleicht findet sich ja irgendwann noch eine Lösung, bei der Besucher nicht das Gefühl bekommen, schon beim Abstellen des Autos mitten im Industriegebiet kräftig zur Kasse gebeten zu werden.
Denn das eigentliche Erlebnis in der alten Phoenix-Halle ist den Besuch definitiv wert.
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