Phoenix des Lumières setzt in Dortmund viele neue Farbakzente

Phoenix des Lumières in Dortmund. Foto(s): Robin Patzwaldt

Über den Zustand der Kulturszene im Ruhrgebiet kann man bekanntlich leidenschaftlich und langanhaltend diskutieren. Die einen loben die Region für ihr großes, spannendes Angebot, die anderen finden das Angebot gemessen an der Bevölkerungszahl und verglichen mit anderen Städten unterdurchschnittlich und sehen dringenden Bedarf an weiteren Anziehungspunkten.

Daran dürfte auch die Eröffnung von Phoenix des Lumières in Dortmund vermutlich nicht direkt etwas ändern. Und doch ist das Projekt ohne Zweifel ein Schritt in die richtige Richtung und eine willkommene Erweiterung des Angebots.

Das Ende Januar 2023 in der Halle des ehemaligen Stahlwerks Phoenix-West in Betrieb gegangene „Zentrum für digitale Kunst“ spaltet die Meinungen. Für die Ruhrbarone habe ich mir das Ganze in dieser Woche einmal angeschaut und ein paar frische Eindrücke von dort mitgebracht.

In der Vergangenheit waren Wiederbelebungsversuche der alten Industrieanlage in Dortmund-Hörde  häufig nur kurzfristig erfolgreich. Die ehemalige ‚Warsteiner Music Hall‘ kämpfte zuletzt erfolglos gegen die grassierende Corona-Pandemie und andere widrige Umstände, das in der Folgezeit dort errichtete große Impfzentrum ist inzwischen auch längst Geschichte.

Logisch, dass die Verantwortlichen bei der Stadt Dortmund begeistert waren, als sich mit dem französischen Veranstalter Culturespaces nun ein Investor fand, der Kunst aus einer ungewöhnlichen Perspektive zeigen und sie durch einen neuartigen digitalen Ansatz intensiv erlebbar machen wollte.

Kulturprojekte diese Art sind im Ruhrgebiet rar gesät. Dortmund sieht sich traditionell in einer führenden Rolle in der Region und griff daher naturgemäß gerne zu, als sich die Pläne der Umnutzung der Halle konkretisierten.

Seit der Eröffnung im Januar bilden bei Phoenix des Lumières in Dortmund die Erlebniswelten aus einem Jahrhundert Wiener Malerei mit Werken von Gustav Klimt (1862-1918) und des Malers und Architekten Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) den Kern der dargebotenen ‚Ausstellung‘.

Wobei man sich als Besucher spätestens beim Eintritt in die Halle direkt fragt, ob ‚Ausstellung‘ für die dort erlebbaren ‚Filme‘ überhaupt der richtige Begriff ist. Als ich die Anlage jetzt erstmals besuchte, war ich zunächst etwas enttäuscht. Mit einer Kunstausstellung hatte das Ganze wenig zu tun, und auch ein ‚richtiges‘ Filmerlebnis bot sich mir dort nicht. In den ersten Minuten war ich daher, auch in Anbetracht der vergleichbar kleinen Räumlichkeiten, etwas ernüchtert.

Im Laufe meines gut 90-minüten Rundgangs durch die ‚Ausstellung(en)‘ (ich habe mir alle drei ‚Filme‘ jeweils zwei Mal angesehen) sollte sich das jedoch gründlich ändern. Das ‚Programm‘ besteht aus drei ‚Filmen‘ unterschiedlicher Länge. Den größten Teil nimmt dabei die Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Klimt ein. Die Beiträge zu Hundertwasser und der Beitrag ‚Journey‘ fallen deutlich kürzer aus. Dem Erlebnis für den nur grundsätzlich am Erlebnis interessierten Besucher tut das aber keinerlei Abbruch. Diese lassen sich, wie ich vor Ort herausfand, ohnehin in erster Linie generell in die Mischung aus Farben und Tönen fallen. Und wer bereit ist, sich darauf einzulassen und eben keine klassische Ausstellung erwartet, der kann bei Phoenix des Lumières einen wirklich tollen Tag verbringen.

Kritiker könnten bemängeln, dass Informationen zu den Künstlern, der eingesetzten Bilder und zu der Musik etwas zu kurz kommen. Diese muss man in der Halle regelrecht suchen. Sei es auf den Schautafeln in der Halle, oder auch im Abspann der ‚Filme‘. Das von den Betreibern ins Visier genommene Publikum ist eben kein klassisches ‚Museums-Publikum‘, sondern das Angebot richtet sich offenkundig in erster Linie an ein breiteres, eher laienhaft und grundsätzlich an Kunst interessiertes Publikum. Erfahrene Kunstexperten könnte das irritieren oder gar enttäuschen, wenn sie mit einer falschen bzw. überhöhten Erwartungshaltung anreisen.

Im Mittelpunkt soll laut der Veranstalter nämlich das „emotionale Raum- und Klang-Erlebnis“ stehen. Und das gelingt eindrucksvoll. Es gibt zudem auch mehr zu entdecken, als man zunächst beim Betreten der Anlage glaubt. Auf den gut 2.000 m² Fläche sorgen über 100 Videoprojektoren, 28 Lautsprecher und 10 Subwoofer für ein Erlebnis, wie man es in Dortmund so bisher nicht genießen konnte.

Bleibt am Ende die Frage, ob das Konzept wirklich als angestrebte Langzeitnutzung der Halle geeignet ist. Auch wenn sich die Veranstalter mit den Besucherzahlen der ersten Tage offiziell zufrieden zeigten, erschien mir die Auslastung bei meinem Besuch ausbaufähig.

Im restlichen Kalenderjahr soll es zunächst bei den aktuell dort gezeigten ‚Filmen‘ über die Arbeiten Klimt, Hundertwasser und die Animation ‚Journey‘ bleiben. Danach wurde angekündigt das Programm zu wechseln, sprich zu aktualisieren. Ob das dann für die Erweckung eines frischen Interesses bei Leuten ausreicht, die die derzeit laufende ‚Ausstellung‘ schon gesehen haben, bleibt abzuwarten.

Das Deutsche Fußball Museum gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof, das seit Jahren darum kämpft das Interesse des Publikums hoch zu halten, kann ein Lied davon singen, dass Besucher im Ruhrgebiet nicht automatisch x-mal in das gleiche Angebot rennen. Zumal dann, wenn der aufgerufene Eintrittspreis relativ hoch ist.

Phoenix des Lumières dürfte in den kommenden Monaten (und hoffentlich Jahren) vor einer ähnlichen Herausforderung stehen. Ob sie an diesem etwas abgelegenen Standort erfolgreich gemeistert werden kann, bleibt abzuwarten. Fest steht, so kurz nach der Eröffnung schon, dass das Angebot die Kulturlandschaft in Dortmund in jedem Fall um einige interessante Farbakzente bereichert.

 

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Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
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Wolfram Obermanns
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1 Jahr zuvor

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