Der Phoenix See in Dortmund: Ohne Charakter und dennoch ein Besucherhotspot des Ruhrgebiets

Der Phoenix See in Dortmund im März 2022. Foto(s): Robin Patzwaldt

Der Phoenix See in Dortmund-Hörde spaltet seit jeher die Gemüter. Die einen finden ihn toll, die anderen schreckt seine unbestreitbare Sterilität und sein fehlender Charakter eher ab. Das künstliche Paradies im Osten des Ruhegebiets dient etlichen Prominenten als Wohnumfeld. So leben unter anderem etliche Profis von Borussia Dortmund an den Ufern des künstlichen Gewässers. An Sonnentagen und an vielen Wochenenden tummeln sich hier tausende Besucher aus dem gesamten Revier und darüber hinaus.

Was sie hier zu sehen bekommen, hat aber mit Dortmund und dem Ruhrgebiet insgesamt ungefähr so viel zu tun wie die  Hamburger Binnenalster. Wobei diese, im Gegensatz zu dem Dortmunder Vorzeigegewässer, eine echte, über viele Jahre hinweg gewachsene sehenswert ist. Der Phoenix See hingegen wirkt steril und seelenlos.

Was nur fasziniert die Leute an dieser sprichwörtlich aus dem Boden gestampften Blase im Osten Dortmunds, die, wenn man sie mit dem Auto ansteuert, mit der sie unmittelbar umgebenden Stadtkulisse auch nach gut zehn Jahren noch immer rein gar nichts gemein zu haben scheint? Ein Besuch vor Ort sollte ein wenig Klarheit bringen.

Im Mai 2019 war ich zum bisher ersten und einzigen Male in meinem Leben am Phoenix See. Und das, obwohl ich in Dortmund geboren bin und seit 1971 noch nie weiter als rund 25 Kilometer vom ehemaligen Stahlwerk in Hörde entfernt gelebt habe.

Die künstliche Anlage sprach mich bisher nie wirklich an, so dass ich sie erst im Rahmen der Ruhrbarone-Ausflugstipps vor knapp drei Jahren erstmals und ganz bewusst besuchte, um hinterher einen Beitrag dazu ins Blog zu bringen. Zuvor hatte ich die Entstehung des Sees nur in den Medien verfolgt.

Jetzt, gut 30 Monate später, wollte ich mich noch einmal davon überzeugen, ob sich der See und die ihn umgebenden Neubauten sich denn inzwischen schon ein wenig besser in ihre Umgebung integriert haben, oder on sich an der Sterilität der Landschaft noch immer nichts geändert hat.

Denn eines ist klar, der See findet seit Jahren grundsätzlich immer mehr Interesse. Mein kleiner Text hier im Blog aus dem Jahre 2019 gehört zu den wenigen Artikeln bei den Ruhrbaronen, die seit dem ursprünglichen Erscheinen von Jahr zu Jahr mehr Aufrufe generieren. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise werden die Texte hier in den ersten Tagen besonders häufig gelesen. Im Laufe der Zeit verschwinden sie dann aber weitestgehend in den Tiefen unseres großen Beitrags-Archivs.

In diesem Fall war und ist das anders. Im Jahre 2021 hatte der Bericht über den Phoenix See in Dortmund ungewöhnlicher Weise sogar mehr Leser als in 2019 und 2020. Und das trotz der Corona-Pandemie, die Ausflüge drastisch erschwerte und Besuche der umliegenden Gastronomie lange Zeit sogar komplett unmöglich machten.

Der Phoenix See erfreut sich also offenbar, ganz im Gegensatz zu der kürzlich hier vorgestellten Innenstadt von Recklinghausen, die sich seit Jahren in einem dramatischen Niedergang befindet,  einer steigenden Beliebtheit, wird immer häufiger über Suchmaschinen abgefragt. Zumindest aber verzeichnet er ein gesteigertes Interesse.

Höchste Zeit also, die vor knapp drei Jahren vor Ort gemachten Erfahrungen und die von einst gespeicherten Erinnerungen noch einmal einer Aktualisierung vor Ort zu unterziehen. Bei idealen äußeren Bedingungen zeigte sich der See im März 2022 von seiner besten Seite. Hunderte Besucher pilgerten über die Uferpromenade, saßen an einem normalen Dienstag in der Mittagspause am Ufer zusammen, aßen ein Eis oder dösten in der Sonne. Nichts, was einem auf den ersten Eindruck nicht gefallen könnte. Und doch zeigte sich die Anlage auch drei Jahre nach meinem ersten Besuch noch nicht wirklich ‚gereift‘.

Immer noch wirkt das Ganze irgendwie charakter- bzw. seelenlos, ohne Esprit und könnte statt in Dortmund auch in jeder beliebigen Stadt des Landes angesiedelt sein. Würde auf der knapp einstündigen Runde um das Gewässer nicht immer wieder der Florian-Turm am Horizont durchschimmern, man würde sich nicht in Dortmund bzw. im Ruhrgebiet wähnen.

Besonders krass auch noch immer der Bruch zwischen den Neubauten rund um den See und dem ‚alten Hörde‘ kaum 100 Meter weiter, wenn man einmal in die benachbarten Siedlungen blickt. Ich schaue spätestens in drei Jahren noch einmal vorbei. Vielleicht ändert sich das ja noch…

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7 Kommentare

  1. #1 | ZeroZero sagt am 22. März 2022 um 22:04 Uhr

    Also wenn schon ein Vergleich mit Hamburg, dann doch eher mit der Hafencity(wo aber vermutlich keine Erstligisten wohnen).
    Dass im Ruhrgebiet immer so gebaut wird dass es sich schlechtmöglich in die Umgebung einfügt ist weder neu, noch ein Geheimnis und gilt für einzelne Häuser, wie auch für Siedlungen.
    Insgesamt ist das Ruhrgebiet groß genug um auch sterile Siedlungen an künstlichen Seen zu vertragen.
    Mir persönlich gefällt es auch nicht so, aber das muß es auch nicht.

  2. #2 | Arnold Voss sagt am 22. März 2022 um 22:41 Uhr

    Auch elegant gestaltete, gestapelte und verglaste Kisten sind und bleiben halt Kisten. Wenn da das Wasser nicht mittendrin wäre, würde da kein Mensch , außer denen die da wohnen und/oder arbeiten.

  3. #3 | Manni sagt am 22. März 2022 um 23:37 Uhr

    Sehr schöne Bilder, Danke!
    Jetzt Mal 'ne ganz steile These dazu.
    Könnte es sein, dass der Phoenix-See im Vergleich mit dem Baldeneysee
    1. Noch viel zu neu ist. So kommt man mal vorbei, aber bis es echt eingelebt ist, das dauert.
    2. Keine Villa Hügel hat. Die neuen Wohnanlagen waren zwar sündhaft teuer, aber ein paar BVB-Profis reichen dem ollen Krupp echt nicht das Wasser.
    3. Eben kein Freibad hat? Das Freibad und alles rundum ist doch der Lebensnerv am See. Wenn das sterile weg soll, dann muss ein Freibad her.

  4. #4 | Fluffy sagt am 23. März 2022 um 08:09 Uhr

    Hab die Entstehung des Sees mitbekommen und später zwei Jahre direkt am See gearbeitet. Ist ganz hübsch, ich kann den Artikel aber so unterstreichen.

    Vielleicht wäre es anders geworden, wenn man das alte Stahlwerk nicht unterschätzt hätte. Der Boden in dem Bereich ist dermaßen verseucht, dass man entgegen der ursprünglichen Planungen die Emscher nicht durch den See fließen lassen konnte, und mit dem stehenden Gewässer kam dann auch das Badeverbot. Dazu kommt, dass die Eigentümer der schweineteuren Immobilien nicht damit klarkommen würden, würde der See tatsächlich in das Stadtleben integriert, das in Hörde halt eher grölende Jugendliche als Weinfest ist. Das öffentliche Leben wird daher sogar aktiv vom See ferngehalten, um die Immobilienpreise nicht zu gefährden. Die Gastronomie am See ist zudem in ähnlicher Preisklasse wie die Immobilien, was den See halt für die meisten Dortmunder einfach unattraktiv macht.

  5. #5 | DEWFan sagt am 23. März 2022 um 08:21 Uhr

    #1, #2: Immerhin sind die Gebäude überwiegend weiß und nicht mehr schmutzig-grau wie die Nachkriegswohnbunker aus den 50er und 60er Jahren. Das ist architektonisch schon ein gewaltiger Fortschritt für das Ruhrgebiet. Man hätte allerdings auch neue Schlösser bauen können, das kann sogar Berlin 🙂

    #3 Manni: ja, immer der Vergleich mit dem Baldeneysee. Ist wie mit Äpfel und Birnen, beides ist Obst 😉
    Vergleichen mit dem Baldeneysee kann man eher den Hengsteysee. Oder man stellt sich die Frage, was im Essener Ruhrtal vor dem Baldeneysee war: ein Stahlwerk? Eine Kokerei? Ein Logistikpark? Und bevor der angelegt wurde, gab es da auch Protest und Gemecker in den sozialen Medien?

    Verglichen mit Alternativen, wie dem x-ten Logistikpark für Billiglohnjobs, war der Phoenixsee die beste Lösung. Das man darin nicht baden darf, finde ich aber auch schade. Man hätte doch die renaturierte Emscher als Frischwasserquelle durchfließen lassen können.

  6. #6 | Philipp sagt am 23. März 2022 um 10:28 Uhr

    Architektonisch ist das 08/15 Investorenarchitektur, da braucht man sich nichts vormachen.

    Aber ich gebe DEWFan recht, die Alternativen wären nicht besser gewesen. Und vor allem: das Tempo von Idee zu Gestaltung zu Umsertzung war atemberaubend! Das meine ich in vollem Ernst.

    Wo gibt es das sonst noch im Ruhrgebiet, dass Planungen mal zeitnah umgesetzt werden?

  7. #7 | ingo st. sagt am 23. März 2022 um 11:13 Uhr

    Diese weiße Kastenarchitektur ist der aktuelle Trend in ganz Deutschland, Architekten finden das toll und bauen es daher überall. Über jeden Neubaubauantrag wacht ein Qualitätszirkel.
    Über abendlichen Krach am See gab es schon genug Anwohnerversammlungen. Hörde ist die Nordstadt des Dortmunder Südens. Das machen ein paar Besserverdiener auch nicht wett, nur weil die Bewohnersuppe größer geworden ist. BVB Spieler haben dort mal gewohnt, bis vor kurzem auch Erling. Aber auch der ist weitergezogen, dahin wo es schön ist in Dortmund.
    Der See ist von den Besucherzahlen als zweiter Westfalenpark prognostiziert und so ist es an den Wochenenden gekommen. Radfahren auf dem Radweg ist lebensbedrohlich.
    Wie sagte ein Sauerländer BVB Fan im Zug auf dem Weg zum Spiel mit Blick auf den See. "Der See ist ja schön, nur die Häuser stören."

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