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Oh, du mein einst so geliebtes Dortmund! Was ist nur aus dir geworden?

In der Innenstadt von Dortmund im Juli 2021. Foto: Robin Patzwaldt

Ich muss diesen Einlassungen vorrausschicken, dass ich einst ein glühender Lokalpatriot war. Im Jahre 1971 in Dortmund geboren, war es für mich früher eine Selbstverständlichkeit gegenüber anderen Personen stets etwas Werbung für meine Heimatregion zu machen. Ich war lange Zeit regelrecht stolz von ‚hier‘ zu kommen, und ein bisschen bin ich es auch noch heute. Es wird jedoch von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat weniger, wie ich auch in dieser Woche wieder feststellen musste. Und das, dank der leidigen Corona-Pandemie, diesmal sogar auf relativ krasse Art und Weise.

Wenn ich auch bereits als Zweijähriger zusammen mit meinen Eltern aus Dortmund weggezogen bin, ist die Verbindung zu meiner Geburtsstadt Zeit meines bisherigen Lebens doch nie wirklich abgerissen. Stets war es für mich ein Bedürfnis regelmäßig nach Dortmund zu fahren, dort große Teile meiner Freizeit zu verbringen.

Schon als Kind ging es für mich regelmäßig in den dortigen Zoo. Später dann entdeckte ich den Fußball des BVB und auch das Shopping, die Disco, Museen und auch Konzerte waren für mich häufig mit einem Besuch in Dortmund verbunden. Dort fühlte ich mich immer wohl, identifizierte mich voll mit der Stadt, den Leuten und der Geschichte.

In den vergangenen 20 Jahren wurde das weniger. Klar, man wird älter, muss nicht mehr alle paar Tage in die City, auf Konzerte, oder zum Fußball fahren. Vor ein paar Jahren riss auch meine Serie der Zoobesuche. Erstmals seit meiner Geburt gab es 2016 ein volles Kalenderjahr, ohne dass ich ‚meinem‘ Dortmunder Tierpark einen Besuch abgestattet hätte.

Meine Begeisterung für die Region begann insgesamt zu schrumpfen, je mehr ich von der Welt entdeckte. Kurz gesagt: Wer einmal in Berlin, Hamburg oder München war, dem fällt es deutlich schwerer sich für eine Ruhrgebietsstadt wie Dortmund zu begeistern. Trotzdem blieb meine grundsätzlich positive Einstellung zu meiner Geburtsstadt stets erhalten.

In dieser Woche verringerte sich meine Identifikation mit meiner einst heiß geliebten Heimat-Stadt noch einmal ein gehöriges Stück. Bedingt durch die Corona-Pandemie war ich seit vergangenem Sommer nicht mehr in der Dortmunder City zum Shoppen. Zwischen der ersten und zweiten Welle war ich 2020 lediglich insgesamt zwei Mal zum Einkaufen dort. Im vergangenen Herbst verschärfte sich dann die Situation dramatisch. Es folgte der Lockdown zum Ende des Jahres. Bis Mai ging dann in der Fußgängerzone so gut wie nichts mehr. Kein Grund also, die eigene Gesundheit dort unnötig zu gefährden. Wie Millionen andere Mitmenschen auch, verlegte ich einen noch größeren Anteil meiner Einkäufe in dieser Phase in das Internet.

In dieser Woche erfolgte dann, so spät wie noch nie, mein ‚Jahresantrittsbesuch‘ in der alten Heimat. Erstmals nach rund zehn Monaten fuhr ich zum Shoppen nach Dortmund. Die Ernüchterung, um nicht zu sagen das Entsetzen, hinterher war riesig.

Eine Schönheit war die Innenstadt von Dortmund noch nie. Doch zum Einkaufen war sie früher ideal. Gute Preise, große Auswahl, nette Leute. In den 1980er- und 1990er-Jahren war ich mindestens einmal wöchentlich dort. In Dortmunds Innenstadt gab ich einen großen Teil meines Geldes aus. Das ist inzwischen längst vorbei.

Verfall und Leerstand prägen inzwischen das Bild. Die ungewohnt lange Besuchspause zuletzt brachte es noch einmal ganz deutlich ans Tageslicht: (Auch) Dortmund stirbt!

Auf den ersten Blick ähnelte das geschäftige Treiben in der Fußgängerzone noch weitestgehend dem Geschehen aus den Zeiten vor der Pandemie. Je länger ich mich dort umschaute, je erschrockener war ich jedoch.

Ein knappes Jahr Besuchspause reichte in meinem Fall offenbar schon aus, um eine negative Entwicklung zu verdeutlichen, die schon seit einigen Jahren läuft, einem im Zuge regelmäßiger Besuche jedoch nicht so sehr ins Auge springt.

Der leidige Lockdown sorgte nun offenbar dafür, dass die City in Dortmund einen regelrechten Niedergang erlebt(e). So viel leere Ladenlokale habe ich in der Innenstadt noch nie gesehen. Insbesondere die ‚Endstücke‘ des Westen- und Ostenhellwegs wirken inzwischen regelrecht abschreckend. Billig-Läden sind hier das höchste der Gefühle. Von der berühmtberüchtigten Brückstraße, die schon seit Jahrzehnten aufgewertet werden soll, hier einmal gar nicht erst zu reden. Muss man für eine solche Erfahrung wirklich noch aus den Rändern des Ruhrgebiets in die Großstadt fahren? Eher nicht.

Die verbliebenen großen Kaufhäuser präsentierten sich dazu ebenfalls in einem erbärmlichen Zustand. Der Kaufhof ist inzwischen verschwunden, das gemeinsam mit Saturn genutzte Haus wirkt insgesamt ärmlich, war zudem nicht einmal voll genutzt. Bei Saturn war nur noch eine Kasse im Erdgeschoss besetzt. In den einzelnen Abteilungen lohnte sich das wohl nicht mehr.

Vor fast jedem der zahlreichen Leerstände nächtigten Obdachlose in ihren Schlafsäcken. Die Anzahl der Bettler war gefühlt ebenfalls auf einem neuen Rekordniveau angelangt. Im altbekannten Parkhaus am Hauptbahnhof stank es dazu eklatant nach Urin. Nein, in so einem erbärmlichen Zustand hatte ich mein einst so geliebtes Dortmund bislang in all den Jahren noch nie gesehen.

Selbst wenn man dabei berücksichtigt, dass das Wetter bei meiner diesjährigen Besuchspremiere nicht ideal war, wir zudem gerade Sommerferien haben, der Eindruck, den die Innenstadt der selbsternannten Metropole des Ruhrgebiets auf mich gemacht hat, war einfach nur erschreckend.

Will man hier Leute aus anderen Teilen der Republik hinbringen? Bietet Dortmunds Innenstadt aktuell die angemessene Umgebung für einen schönen, erlebnisreichen Tag? Nein, wirklich nicht!

Ich würde mal behaupten, dass das für eine ganze Weile mein letzter Besuch in der dortigen City war. Ich wüsste derzeit ehrlich nicht, warum ich da wieder hinfahren sollte. Das war eine ganz bittere Erfahrung für jemanden, der sich einst stolz als Dortmunder bezeichnete und gegenüber Verwandten und Freunden immer die Vorzüge der alten Heimat pries…

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21 Kommentare zu “Oh, du mein einst so geliebtes Dortmund! Was ist nur aus dir geworden?

  • #1
    Anja Minning

    Ja Schlimm was aus Dortmund geworden ist, Park’s werden vermüllt, gefühlt ist die Stadt eine Baustelle ich habe immer City nah gewohnt, bin froh jetzt eine schöne Wohnung in einen netten Vorort gefunden zu haben.

  • #2
  • #3
    D. Schmidt

    Ich lebe seit 13 Jahren nicht mehr im Ruhrgebiet, habe fast 40 Jahres meines Lebens in Gelsenkirchen und Essen verbracht und komme regelmäßig zu Besuchen dorthin. Wenn man die Städte in größeren Abständen besucht und zudem das Glück hat in einer relativ wohlhabenden Stadt zu leben, fällt einem der Niedergang sehr deutlich auf. Ich habe bei einem Besuch in Essen, eigentlich auch immer noch eine gute Einkaufsstadt, Ende März ähnliche Empfindungen gehabt. So viele Leerstände auf der Limbecker Straße… Von Gelsenkirchen möchte ich gar nicht reden. Da empfinde ich schon lange nur noch Entsetzen bis Ekel.
    Durch Corona hat die Qualität wahrscheinlich aller Städte abgenommen. Was zudem noch durch feierndes Volk, das die schönsten Plätze annektiert und mit Müll, Scherben und sämtlichen vorstellbaren menschlichen Ausscheidungen hinterlässt, verstärkt wird. Im Ruhrgebiet muss man allerdings befürchten, dass Corona den Städten den Todesstoß versetzt. Eine Erholung wird hier sehr lange dauern.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    Ganz vergessen habe ich im Text oben die Westfalenhalle. Früher der Stolz der Stadt (und auch meiner), inzwischen aber nicht mehr vergleichbar mit dem Standard, den andere Hallen im 21. Jahrhundert setzen. Schaut man sich in der Halle 1 einmal um, ist diese zwar noch immer vergleichsweise groß, aber längst nicht mehr zeigemäß. Sie wirkt total altmodisch. Auch hier hat man leider vergessen mit der Zeit zu gehen. Konzerte fanden daher zuletzt (auch schon deutlich vor Corona) immer häufiger woanders statt (Köln, Oberhausen etc.).

  • #5
    Björn Wilmsmann

    Dass die Innenstadt als Einzelhandelsstandort ein Auslaufmodell ist, ist nicht erst seit "Corona" klar.

    Außer vielleicht für diejenigen, welche die Innenstadt für einen geradezu religiösen Ort halten, den es um jeden Preis in der jetzigen Form zu erhalten gilt. Oder für jene ruhrgebietische Art der Stadtplanung mit dem Einkaufszentrum und der Innenstadt als Goldstandard der Stadtentwicklung.

    Dortmund ist da kein Sonderfall, sondern nur Beispiel einer allgemeinen Entwicklung.

    Sollen Innenstädte wieder belebt werden, so müssen diese als Freizeit- und Kulturräume statt Einzelhandelszonen neu definiert werden; nicht mehr als Ansammlung von Ladenlokalen, sondern als Lebensräume.

    Leerstände für neue Ideen und Konzepte wären ja wahrlich genug vorhanden.

  • #6
    Susanne Scheidle

    Mir geht es ähnlich, wenn ich in meine "alte Heimat" Recklinghausen denke. Dazu muss man sagen, dass Recklinghausen – anders als andere Revierstädte – einen richtigen Ortskern hatte, mit kleinen Gassen, kleinen alten Häusern, kleinen Geschäften in denen man gerne einkaufte.
    Aber es musste unbedingt ein Einkaufszentrum her, selbstverständlich angepriesen mit dem üblichen Bullshit-Bingo (Synergie-Effekte, Aufwertung der Stadt etc), und den üblichen negativen Folgen: Leerstand in der Innenstadt, der mit Billigläden gefüllt wird.
    Und als Krönung obendrauf machte auch noch Karstadt dicht und der riesige Betonbau am Marktplatz gammelte Jahre vor sich hin.
    Und ich rede hier von Zeiten vor Corona!
    Und über Gelsenkirchen, wo ich jetzt wohne, will ich erst gar nicht anfangen, da herrscht seit 20 Jahren das heulende Elend.

  • #7
    Philipp

    Die Dortmunder Innenstadt ist auch einfach pottenhässlich und völlig verbaut – ein Dickicht aus Plastik und Sichtbeton. Wer mal vom HBF zum Stadttheater gelaufen ist will das eig. nie wieder tun, denn entweder man hat sich verlaufen (keine Sichtachsen) , musste ob der Hässlichkeit des Synagogenplatzes weinen oder gleich fluchen weil Kay Voges nicht mehr da war.

    In weiser Voraussicht hat man Ende der 00er Jahre noch die Clubszene abgeräumt und ob sich Fußball überhaupt musealisieren lässt? – die Zuschauerzahlen sprechen dagegen.

    Eine fast schöne Innenstadt hat übrigens Duisburg (ja, ich weiß Duisburg) – relativ viel Gründerzeit und die Königstraße ist so breit, dass sich üppige Wochen- Weihnachts- und Weinmärkte abhalten lassen. Die Samstags-Erdbeeren vom Niederrhein sind fantastisch und v.a. lassen sie sich nicht bei Amazon bestellen – der Weg in die Innenstadt lohnt sich also!

  • #8
    Philipp

    Ach und eins noch: Gegen. Amazon und Zalando hilft nur Gastro, Gastro, Gastro, Tanzen, Tanzen, Tanzen. Alles wo der Körper befüllt oder bewegt werden muss – das geht nämlich schlecht übers Internet.

    Ob es dafür allerdings Innenstädte braucht – in Berlin findet das im Kiez statt. Und auch Essen-Rüttenscheid hat Kino, Szenedisko, Wochenmarkt und üppige Restaurants. Da wird der Weg zur Kettwiger schon weit.

  • #9
    Helmut Wurster

    Ungeachtet der coronaren Krise hat der Dortmunder Abstieg schon Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre begonnen. Die drei Standbeine Dortmunds, nämlich Kohle, Stahl und Bier verschwanden von der Bildfläche. Hierdurch kam es auch zur Abwanderung vieler Bürger und Bürgerinnen. Da ist guter Rat teuer und die Not ist groß.

    Nun hätte man in den letzten 30 Jahren vieles richtig, oder auch vieles falsch machen können. Und hier hat man gründlich besonders viel falsch gemacht.
    Einer der großen Fehler war wohl die Abweisung zahlreicher Unternehmensanfragen, wie z.B. BMW, Mercedes, Honda, sowie Anfragen von Möbelhäusern, Zustelldiensten, um nur einige Beispiele zu nennen. Abweisung aus welchen Gründen auch immer …….
    Kurz um, man hat keine oder viel zu wenig Arbeitsplätze im Industriebereich angesiedelt.
    Aus einem Industriestandort wie Dortmund über Knall und Fall einen Dienstleistungssektor und Bankenstandort zu kreieren, ist wohl der Katastrophe erster Schritt gewesen.

    Tatsächlich gab es einmal 40 Brauereien hier vor Ort, gerade, weil das Wasser nämlich bis heute eine besondere Qualität hatte und hat. Hätte man vielleicht auf ein weiteres Hotel in Hörde verzichtet, die Stiftsbrauerei in Form einer Schaubrauerei erhalten, (wohl von der Größe und für die Augen einzigartig) und hätte man ebenso die Unionbrauerei ebenso als einen Braustandort mit Ausstellungscharakter erhalten, dann wäre schon mal eines der drei Standbeine erhalten geblieben. Mangelndes Interesse und die Setzung individueller fehlplatzierter Denkmäler erhielten leider den Vorrang.

    Zu einer vernünftigen Sanierung des Hauptbahnhofes kam es nie. Die südlich des Hauptbahnhofes entstandenen dunklen architektonischen Meisterwerke, (Bibliothek und Bauplanungsamt) und das wohl überflüssigste Museum aller Zeiten, (Fußballmuseum) sind m.E. sowohl von der Anordnung als auch von der Optik her ein riesen Reinfall und der Katastrophe zweiter Schritt. Zu Zeiten Meister Wittke s in den 60ern und 70ern, war es unvergleichlich schöner hier.

    Viele notwendigen Bau-Projekte und in Kultur erwachsene Freizeitbereiche, sind oft nur aufgrund einiger weniger Querdenker nicht umgesetzt bzw. ausgelöscht worden.
    Z.B. die Untertunnelung der B1 wurde u.a. nicht umgesetzt, weil sich Anwohner der
    Semerteichstraße erfolgreich dagegen gewehrt haben. Die lokale Kneipenszene um den Ostwall herum (ca. 20 Gaststätten- u. Tanzlokale), hat man eingehen lassen, wie eine Primel, weil nur eine oder wenige Personen gegen den Lärm geklagt hatten. Hierdurch hat die Stadt viel Freizeitwert und Attraktivität eingebüßt. Das Kneipensterben und das Verschwinden von anspruchsvollen Handelsgeschäften setzt sich bis zum heutigen Tage fort. (Z.B. Herrenhaus Fischer, Der Londoner, Aigner, Vehoff und Feinkost Köhler), um nur einige zu nennen, sind mangels Nachfrage abgewandert oder haben Ihren Geschäftsbereich hier aufgegeben.

    Schließlich hat man in Dortmund auch historisch wertvolle Gebäude und Fassaden rigoros dem Erdboden gleich gemacht, z.B. das alte Theater in Dortmund in 1904 eröffnet um nur ein Beispiel zu geben. Anschließend hat sich in unserer Stadt ein jeder Architekt mit seinen individuellen Konstruktionen verdingen dürfen.

    So wird unsere Stadt leider nicht schöner. Immer mehr Leerstände, weitere Abwanderung guter Geschäfte und weiterer Attraktivitätsverluste lassen den Aufschwung in weite Ferne Rücken.

    Da kann man nur wünschen, dass die Dortmunder Bürgerschaft neue und pfiffige Ideen für die Zukunft im Köfferchen hat. Alles Gute für die Zukunft Trotmani.

  • #10
    Thomas Schweighäuser

    "Vor fast jedem der zahlreichen Leerstände nächtigten Obdachlose in ihren Schlafsäcken. Die Anzahl der Bettler war gefühlt ebenfalls auf einem neuen Rekordniveau angelangt." Tja, wie mag das kommen? Warum suchen sich die Obdachlosen keine Wohnung und die Bettler keine Arbeit? Dass für den "erbärmlichen Zustand" der Dortmunder Innenstadt vielleicht ein Wirtschaftssystem verantwortlich sein könnte, dass die teuren Mieten in der Innenstadt zugunsten der billigen Löhne von Paketausfahrer*innen aufgibt, dieser Gedanke kommt dem Autor nicht.

  • #11
  • #12
    Anonym

    Ohja, mittlerweile geht man in Dortmund wirklich nur noch in die Innenstadt wenn es unbedingt sein muss und will auch am liebsten so schnell es geht wieder weg. Kneipen und Clubs werden von der Stadtverwaltung auch so lange drangsaliert, bis sie irgendwann schließen müssen. Konzerte gibt es auch so gut wie gar nicht mehr, obwohl die Westfahlenhallen ideal dafür wären. Also mich hält hier jedenfalls nichts mehr und ich denke auch immer öfter daran, aus der Stadt wegzuziehen.

  • #13
    discipulussenecae

    Nun ja. Richtig schön war im Ruhrgebiet eigentlich keine Innenstadt. Sie sehen eben so aus, wie das, was die Architekten und die sozialdemokratische Stadtplaner in den 50ern für schön und fortschrittlich hielten. In Bochum wurde deshalb auch alles, was den Krieg überstanden hatte, erst einmal abgerissen. Ich habe mal irgendwo gelesen, daß der Kahlschlag des damaligen Baurates Clemens Massenberg mehr alte Bausubstanz gekostet hat als alle Luftangriffe zusammen

    Aber wenn ich bei den RUHRBARONEN ständig von den Segnungen des marktwirtschaftlich so erfolgreichen Internethandels lese, und jede Buchempfehlung stets mit dem großen A verlinkt wird, dann brauchen sich die RUHRBARONE auch nicht zu wundern, wenn die Innenstädte so veröden.

    Faulheit und Bequemlichkeit der Kunden waren auch Gründe für das Entstehen der großen Warenhäuser. Jetzt steht das Warenhaus eben nicht mehr in der Innenstadt, sondern im Netz und im PC.

    Dagegen läßt sich kaum was machen. Aber trotzdem kaufe ich wenn immer möglich im stationären Einzelhandel ein. Solange es diesen noch gibt!

  • #14
    Hollis Brown

    Bin zwar auch Dortmunder, aber das Gejammere über den Niedergang der Innenstadt kann ich nicht nachvollziehen. Die Fußgängerzone war immer schon häßlich und langweilig, auch schon vor 30 Jahren und vor Corona. Wirklich gerne bin ich da nie hingefahren. Wenn ich heute mal aus irgendwelchen Gründen etwas "im stationären Einzelhandel" einkaufen muss, dann fahre ich lieber nach Hombruch oder nach Oespel in den Indupark (zur Not auch nach Hörde oder Aplerbeck). Da kann man wenigstens umsonst parken! Außerdem gibt es ja zum Glück noch den Ruhrpark und das Centro. Ansonsten: Internet und "das große A"; ist sowieso komfortabler. Wozu brauche ich also die Dortmunder Fußgängerzone? Seit fast zwei Jahren war ich da nicht mehr; na und? Wenn der Westenhellweg morgen nicht mehr da wäre, dann würde ich das gar nicht mitbekommen.

  • #15
    Ke

    Dieses Jahr war ich gar nicht innerhalb der Wälle.
    Letztes Jahr evtl im U.
    Wenn ich etwas kaufen wollte, war es nicht erhältlich oder hatte Mondpreise.
    Die Museen Wie U, Fussball oder KuK sind noch eher ein Grund, die Stadt zu besuchen.

  • #16
    Susanne Scheidle

    @ Phillipp #7
    Das mit der Duisburger Innenstadt kann ich bestätigen, ich war früher öfter dort. Ich fand auch die Seitenstraßen interessant, wo viele kleine Läden waren (Trödel, Antiquitäten, ein Fotogeschäft, wo ich noch Zubehör für meine alte Minolta bekam, etc.), alter Baumbestand, der im Sommer schönen Schatten machte, das Opernhaus und der Brunnen von Niki de Saint-Phalle, über den sich erst alle aufgeregt haben ("… und alles von unseren Steuergeldern! Bäh!"), zu dem dann aber ganz stolz Gäste von außerhalb geführt wurden…
    Allerdings ist das jetzt auch schon wieder 10 Jahre her, keine Ahnung wie das jetzt dort aussieht.

  • #17
    Franz Przechowski

    Zur Relativierung sei gesagt, lieber Robin, wer in Gelsenkirchen (ausgenommen "Beverly Buer") sein tristes Dasein fristen muss, der empfindet Dortmund mittlerweile wie eine Mischung aus New York und Seychellen: Als Sehnsuchtsort
    Glückauf

  • #18
    Psychologe

    @14: Das Gejammere gehört eben auch zum Ruhrgebiet.

    In Dortmund mag vieles weit vom Idealzustand entfernt werden, aber insgesamt empfinde ich es als Jammern auf höherem Niveau. Schaut mal in gewisse Ecken von Essen, Gelsenkirchen oder die Brechmittel-Innenstadt einer beliebigen Ruhrgebiets-Kleinstadt. Dort gibt es das typische Pott-Trio aus Dönerbude, Wettbüro und-Ein-Euro-Shop, wahlweise auch "bereichert" durch Kiosk und Netto/Penny.

    In Dortmund:

    Thier-Galerie: Gut angenommen, zuletzt brechend voll
    Westenhellweg: ähnlich
    Fußballmuseum: deutlich besser als sein Ruf und auch recht gut angenommen
    Konzerthaus: Wenn offen, dann mit überzeugender Akustik
    Brückstraße: Nun gut, nie ein Vorzeigeviertel gewesen, aber es ist wenigstens belebt
    Hauptbahnhof: EIn 08/15-Hauptbahnhof eben. Ich war kürzlich in verschiedenen Bahnhöfen in Süddeutschland unterwegs, da wachsen auch nicht gerade die Mangos von den Bäumen.

    Und jetzt mal gegenübergestellt: Bochum, Hagen, Bottrop, Gelsenkirchen….
    Es gibt wahrlich schöneres, aber auch schlimmeres als die dortmunder Innenstadt.

  • #19
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @18: Klar, beschissenere Orte gibt es immer. Aber kann/darf das der Anspruch sein? Ich finde nicht. Der deutliche Abwärtstrend ist doch entscheidend, nicht die Tatsache, dass man vielleicht noch nicht ganz unten angekommen ist.

  • #20
  • #21
    Reisende

    Wenn man aus München oder Wien kommt,dann ist Dortmund eine andere Welt.
    In Essen am Hauptbahnhof denkt man es könnte auch Istanbul sein.

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