Warum der Osten mehr AfD wählt als der Westen

Dresden – Abendliche Elbe am Terrassenufer Foto: Nikater Lizenz: CC BY-SA 3.0

Über politische Stimmungen, ostdeutsche Identität und die unerledigte Geschichte der Wiedervereinigung.

Wahlen können analysiert und politisch bewertet werden. Zuallererst ist deren Ergebnis jedoch zu akzeptieren. Auch die Entscheidung der AfD-Wähler und die Tatsache, dass die anderen Parteien in Sachsen-Anhalt sie nicht davon abhalten konnten, eine in Teilen rechtsextreme Partei zu wählen. Eine Partei, die laut ihrem Programm sogar einem großen Teil ihrer Wähler Nachteile bringt. Die Frage ist vielmehr, wie das möglich ist und wieso es in den neuen Bundesländern eher und häufiger passiert als in den alten.

Weiterlesen

Verarmung, Verrohung und Verblödung – die drei apokalyptischen Reiter des 21. Jahrhunderts

Four Horsemen of Apocalypse, by Viktor Vasnetsov. Painted in 1887. Lizenz: Gemeinfrei

Gegen alle Unkenrufe: Der Welt geht es insgesamt besser denn je. Der wissenschaftliche und innovative Fortschritt hat nie geahnte Produktivität und Wohlstand möglich gemacht. Ein Smartphone besitzt heute mehr Rechenleistung als die Computer, mit denen vor wenigen Jahrzehnten ganze Universitäten arbeiteten. Künstliche Intelligenz kann innerhalb von Sekunden Texte analysieren, Bilder erzeugen, Übersetzungen liefern und wissenschaftliche Zusammenhänge erschließen, für deren Bearbeitung früher Spezialisten Tage oder Wochen benötigten.

Auch in der Medizin sind Entwicklungen möglich geworden, die noch vor einer Generation wie Science-Fiction erschienen. Krebsbehandlungen werden präziser, genetische Erkrankungen können teilweise gezielt behandelt werden, künstliche Gelenke und Organe ersetzen Körperfunktionen, die früher unwiederbringlich verloren waren.

Weiterlesen

Mehr Reichweite mit demselben Akku – oder wie das E-Bike zum rollenden Fitnessstudio wird

E-Bike (Symbolbild) Foto: HalconSupersport Lizenz: CC BY-SA 4.0


Ihr kennt das beim E-Bike: Mehr Reichweite bedeutet bei der bestehenden Batterietechnologie mehr Gewicht, und mehr Gewicht bedeutet im Ernstfall, mehr tragen zu müssen. Wer ein E-Bike mit mehr als 40 km Reichweite mal eine Treppe rauf- oder runterwuchten musste, weil der Aufzug oder die Rolltreppe kaputt war, weiß, wovon ich schreibe. Also was tun, um mit weniger Batteriegewicht mehr Strecke zu schaffen?

Zuerst mal, sofern notwendig oder sogar gewünscht, oder beides: das eigene Gewicht reduzieren. Nach der einfachen und bislang einzig erfolgreichen Methode: weniger essen und mehr Bewegung. Das Fahrrad hat dann weniger zu tragen und fährt bei gleicher

Weiterlesen
Werbung


Wer sich auf Trump verlässt, ist verlassen, oder warum der Irankrieg noch nicht zu Ende ist

US-Präsident Donald Trump. Offizielles Porträtfoto zur Amtseinführung 2025. Foto: Daniel Torok Lizenz: Gemeinfrei


In Zeiten, in denen nicht internationale Gerichte, sondern Parteitage darüber entscheiden, was als Genozid gilt und wer ihn begangen hat, ist es medial riskant, über Krieg und Regimewechsel zu schreiben – besonders, wenn die USA und Israel beteiligt sind. Ich nehme dieses Risiko in Kauf. Wer widersprechen will, kann das gerne tun, solange er den Ton wahrt und dazu die Kommentarfunktion der Ruhrbarone nutzt.

Wenn es in den vergangenen Jahrzehnten eine realistische Chance auf einen notwendigen und nachhaltigen Regimewechsel gegeben hat, dann im Iran. Eine Allianz aus den USA, Israel, den Golfstaaten und den europäischen Militärmächten hätte die Möglichkeit gehabt, eines der brutalsten Regime der Gegenwart zu stürzen.

Weiterlesen

Wir Ferngesteuerten – oder das Smartphone als trojanisches Pferd des 21. Jahrhunderts

Smartphone für interaktive Installationen Foto: Einsgoeins Lizenz: CC BY-SA 4.0


Es gibt Epochen, die werden durch ihre Monumente charakterisiert. Die Antike hatte ihre Tempel, das Mittelalter seine Kathedralen, die Industrialisierung ihre Fabriken. Die Gegenwart hat den gesenkten Kopf.

Wenn du dein Smartphone einmal zu Hause vergessen hast, erlebst du einen seltenen Moment der Klarheit. Du blickst auf, und was du siehst, gleicht einer anthropologischen Sensation: Menschen, die nicht mehr in ihrer Umgebung leben, sondern in kleinen leuchtenden Rechtecken. Menschen, die zwar körperlich anwesend, geistig jedoch permanent abwesend sind.

Weiterlesen

Flugzeugträger gegen Bedenkenträger

USS Gerald und F18 Ford U.S. Navy photo by Erik Hildebrand Lizenz: Gemeinfrei


Stellt euch vor, ein Mensch, den ihr sehr liebt, ist dabei zu ertrinken. Eine furchtbare Vorstellung. Doch ihr seid in der Nähe und könntet mit einem beherzten Sprung ins Wasser zu Hilfe eilen. Um euch herum stehen allerdings Menschen, die euch dringend davon abraten. Die Strömung sei zu stark, das Wetter zu stürmisch, das Wasser zu kalt, viel zu gefährlich also. Die Rettung könne ohnehin nicht gelingen.

Ersetzt nun den Ertrinkenden durch die von ihren Herrschern geschundenen Menschen im Iran und euch selbst durch jemanden, dem dieses Leid nicht gleichgültig ist. Schon befindet ihr euch mitten in der deutschen Debatte über den Krieg gegen das iranische Regime.

Weiterlesen

Die anderen als Verdächtige – Warum die „Wokeness“ am Ende ist

Demonstranten in Kanada Foto (Ausschnitt): JMacPherson Lizenz: CC BY 2.0


„Woke“ war das Schlagwort eines neueren Zeitgeistes. Es stand im Kern für gut gemeinte soziale Kontrolle gegenüber allem, was nicht dem jeweils aktuellen Standard der Political Correctness entsprach – einem Standard, dessen Maßstäbe die Anführer dieser Bewegung selbst festlegten. Von Anfang an enthielt dieser Begriff jedoch auch die Neigung zu Fanatismus und dem Aufbau geschlossener Feindbilder, so vernünftig und gemäßigt er zunächst erschienen war.

Zweifellos müssen Rassismus, Sexismus und Homophobie bekämpft werden, wenn die Welt menschlicher und vernünftiger werden soll. Ernährung sollte gesünder, das Leid von Tieren – selbst Nutztieren – möglichst gering und wissenschaftliche Erkenntnisse zu Klimawandel und Viren sollten anerkannt werden. Diskriminierung schadet jeder Gesellschaft. So weit, so gut.

Weiterlesen
Werbung


Frieden gibt es nicht ohne Verteidigung – Was Deutschland von den Polen lernen könnte

F16 im Einsatz in Polen Foto: U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Jonathan Snyder Lizenz: Gemeinfrei

Es ist schwer zu begreifen, dass man im Krieg ist, wenn im eigenen Land keine Bomben fallen. Wenn das unausweichliche Leid, das eine bewaffnete Auseinandersetzung mit sich bringt, nicht von einem selbst erlitten wird. Das ging selbst den Deutschen im Zweiten Weltkrieg so lange so, wie die eigenen Soldaten in den von ihnen überfallenen Ländern auf der Siegerstraße waren. Sie konnten und wollten sich nicht vorstellen, dass er auch zu ihnen kommen und ihre Heimat in Schutt und Asche legen würde.

Aber sie waren in geradezu perverser Weise verteidigungsbereit, als er zu ihnen kam, weil sie in einer militärischen Kultur des Gehorsams groß geworden und in der Mehrzahl vom Faschismus als Herrenmenschenideologie angetan waren. Sie folgten, mit wenigen Ausnahmen, ihrem Führer bis in den Untergang und brauchten

Weiterlesen

Israel als globales Feindbild

Anti-Israel-Demo am 7.10.2024 in Essen (Foto: Roland W. Waniek)


Die Welt hatte schon immer ein Problem mit Juden, die sich nicht alles gefallen lassen. Seitdem sie einen eigenen Staat und eine eigene Armee haben, müssen sie das aber nicht mehr. Sie können seitdem zurückschießen, und weil sie das sehr erfolgreich tun, werden sie seit der Staatsgründung von einem großen Teil der Welt gehasst. Viele sind geradezu beleidigt, dass Israel immer noch existiert, obwohl es zu den allerkleinsten Ländern dieser Erde gehört.

Wird es einmal gelobt, weil es nicht nur militärisch stark ist, kann man das Zähneknirschen der Lobenden gut hören. Wenn man deswegen seine Hilfe braucht, nimmt man sie zwar an, bedankt sich aber ungern dafür. Braucht Israel jedoch selbst Hilfe, gibt es nur sehr wenige, die es unterstützen. Stattdessen werden seine Todfeinde gefördert, gehätschelt und so bewaffnet, dass sie es immer wieder

Weiterlesen

Die Demokratie braucht einen neuen Kampfgeist

Eugène Delacroix – Die Freiheit führt das Volk

Die Welt wirkt heute chaotischer und unsicherer als je zuvor. Doch hinter all den Krisen und Schlagzeilen stehen alte Muster, die sich kaum verändert haben. Die Spielregeln sind im Kern dieselben geblieben – und sie sind heute klarer erkennbar als je zuvor.

Wer die meiste Macht hat, bestimmt die Politik. Wer die meisten Informationen besitzt, kontrolliert die Medien. Wer das meiste Geld hat, beherrscht das Finanzsystem. Wer die besten Wissenschaftler

Weiterlesen
1 2 3 17