Der Strandkorb und das große Staunen – Da ist er ja wieder, der Herr Amthor!

Das Bundeskanzleramt in Berlin – Wer soll hier eigentlich nach Friedrich Merz mal einziehen? Foto: Robin Patzwaldt

Lange hat es ja nicht gedauert, bis CDU-Politiker Philipp Amthor wieder in die Negativschlagzeilen geraten ist. Dieses Mal ist es ein Strandkorb. Im Kanzleramt. Auf dem Balkon vor seinem Büro. Die Szene aus der neuen Staffel der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“ sorgt seit Tagen für Spott und Kopfschütteln. Amthor lässt das gute Stück aufstellen, begutachtet dessen Ausrichtung und erklärt sinngemäß, für den unwahrscheinlichen Fall einer Erholung könne er ihn ja noch in den Kanzlergarten drehen.

Ganz ehrlich: Mich überrascht daran weniger der Strandkorb als die Überraschung darüber.

Wer Philipp Amthor seit einigen Jahren beobachtet, dürfte inzwischen wissen, dass dieser Mann eine bemerkenswerte Begabung dafür besitzt, sich selbst zur Projektionsfläche zu machen. Mal unfreiwillig, mal offenbar ganz bewusst. Mal mit politischen Aussagen, mal mit Social-Media-Auftritten, mal schlicht durch die Art, wie er sich öffentlich präsentiert.

Was mich deshalb inzwischen viel mehr wundert, ist die Frage, warum seine Karriere trotz all dessen immer weiter nach oben geht.

Aus dem Skandal wurde kein Karriereende

Das ist schließlich keine neue Geschichte. Amthor war schon lange vor seinem Strandkorb bundesweit bekannt. 2020 geriet er wegen seiner Verbindungen zum US-Unternehmen Augustus Intelligence massiv unter Druck. Der Fall sorgte für eine breite Debatte über Lobbyismus und Interessenkonflikte. Seine politische Karriere war dadurch allerdings keineswegs beendet. Im Gegenteil.

2025 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär, inzwischen sitzt er als Staatsminister im Kanzleramt in unmittelbarer Nähe von Friedrich Merz. Und seit dem historischen Absturz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern führt ausgerechnet Amthor dort kommissarisch den Landesverband. Die CDU kam bei der Landtagswahl am 20. September auf 4,9 Prozent und verpasste damit erstmals den Einzug in den Landtag. Danach traten Landeschef Daniel Peters und Generalsekretärin Katy Hoffmeister zurück. Amthor übernahm anschließend übergangsweise die Führung.

Man muss sich diese Entwicklung wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Eine Partei erlebt in ihrem Heimatland einen historischen Absturz – und als Teil des personellen Neustarts kommt ausgerechnet Philipp Amthor zum Zug.

Das muss man nicht einmal polemisch kommentieren. Die Pointe schreibt sich praktisch selbst.

Amthor ist längst ein System

Natürlich wäre es zu einfach, nun alles am Politiker Philipp Amthor festzumachen. Das eigentliche Thema ist größer. Es geht um die Frage, welche politischen Karrieren eine Partei ermöglicht und welche Signale sie damit aussendet.

Denn Amthor ist längst kein Nachwuchspolitiker mehr, der irgendwo am Rand des politischen Geschehens herumprobiert. Er gehört inzwischen zur engeren Umgebung des Kanzlers. Die zweite Staffel von „Inside CDU“ begleitet ihn deshalb nicht zufällig besonders intensiv. Das ZDF beschreibt die aktuelle Staffel als Einblick in eine CDU, die mit sinkenden Zustimmungswerten, dem Erstarken der AfD und schwierigen Landtagswahlen kämpft.

Und mittendrin: Philipp Amthor.

Das ist bemerkenswert, weil er wie kaum ein anderer Unionspolitiker für eine ganz spezielle Mischung aus Ehrgeiz, öffentlicher Inszenierung und hoher medialer Angriffsfläche steht. Genau deshalb funktioniert auch der Strandkorb so gut als Symbolbild.

Es ist eben nicht nur ein Sitzmöbel.

Es ist ein kleines Stück politisches Theater.

Und Amthor scheint dieses Theater ziemlich gut zu beherrschen.

Vielleicht ist der Strandkorb sogar das geringste Problem

Man kann sich über einen Strandkorb im Kanzleramt herrlich aufregen. Man kann darin Dekadenz sehen oder einfach einen ziemlich skurrilen Moment eines Politikers, der sich offenbar etwas heimisch machen möchte. Und natürlich darf man darüber lachen. Das tue ich ebenfalls.

Aber eigentlich ist das der unwichtigste Teil der Geschichte.

Viel interessanter finde ich, dass wir uns inzwischen offenbar daran gewöhnt haben, dass Amthor immer wieder dort auftaucht, wo politische Macht verteilt wird. Dass ausgerechnet er nach dem Debakel der CDU in Mecklenburg-Vorpommern nun beim personellen Neuanfang helfen soll, ist deutlich aussagekräftiger als jedes Video von einem Strandkorb. Die CDU selbst führt ihn inzwischen ganz offiziell als kommissarischen Landesvorsitzenden.

Und genau deshalb kann ich über die aktuelle Aufregung nur bedingt staunen.

Der Strandkorb ist eine hübsche Anekdote. Vielleicht sogar eine ziemlich lustige. Aber er ist nicht das eigentliche Problem. Das eigentliche Problem ist, dass Philipp Amthor trotz seiner zahlreichen öffentlichen Angriffsflächen nicht etwa auf dem politischen Abstellgleis gelandet ist, sondern weiter aufsteigt.

Vielleicht sollten wir uns also weniger darüber wundern, dass Amthor einen Strandkorb auf seinem Kanzleramtsbalkon stehen hat. Vielleicht sollten wir uns eher fragen, warum dieser Mann dort überhaupt so weit gekommen ist.

 

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