Bundeskanzler Merz macht Urlaub – und wundert sich über schlechte Laune

Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU (Foto: Roland W. Waniek)

Wer im Wahlkampf den Mund besonders weit aufreißt, sollte sich hinterher nicht darüber wundern, wenn die Leute irgendwann anfangen, genauer hinzuhören. Friedrich Merz hat das vor der Bundestagswahl 2025 und auch danach ziemlich konsequent getan. Mehr Leistung, mehr Einsatz, mehr Arbeit – Deutschland müsse sich endlich wieder anstrengen, lautete sinngemäß die Botschaft des Kanzlers.

Nun könnte man meinen, jemand mit solchen Ansprüchen an seine Mitbürger gehe mit gutem Beispiel voran. Tut er auch. Allerdings offenbar vor allem beim Urlaubmachen. Rund vier Wochen Sommerpause gönnte sich der Kanzler, während sich Deutschland mit Hitze, Dürre, Waldbränden, Niedrigwasser und politischen Baustellen herumschlug.

Natürlich darf ein Bundeskanzler Urlaub machen. Selbstverständlich. Nur sollte man dann vielleicht nicht gleichzeitig den Eindruck erwecken, dass alle anderen Deutschen faul und zu bequem sind, wenn sie nicht bis zum Umfallen schuften.

Der Kanzler beobachtet. Irgendwie.

Besonders hübsch ist die offizielle Erklärung für Merz‘ Abwesenheit: Der Kanzler beobachte die Lage. Immer. Egal, wo er sich gerade aufhalte. Das ist beruhigend. Während also andere Politiker vor Ort auftauchen, Einsatzkräften danken oder sich zumindest öffentlich zu den Problemen äußern, sitzt Friedrich Merz offenbar irgendwo und beobachtet intensiv.

Das muss man erst einmal können.

Hitzetote? Beobachtet. Dürre? Beobachtet. Waldbrände? Beobachtet. Niedrigwasser? Beobachtet. Drohnenvorfall? Beobachtet. Streit über die Rente? Ebenfalls beobachtet.

Man fragt sich unwillkürlich, ob im Kanzleramt eigentlich noch regiert oder inzwischen hauptsächlich ferngesehen wird. Vielleicht gibt es dort ja einen besonders großen Bildschirm mit der Aufschrift: „Deutschland – live“.

Für den Rest müssen andere ran

Während Merz also aus der Sommerfrische zuschaut, dürfen Thorsten Frei und Franziska Hoppermann die politischen Brände löschen. Eine ausgesprochen komfortable Arbeitsteilung: Der Kanzler beobachtet, seine Leute erklären. Der Kanzler schweigt, andere müssen reden. Und wenn es unangenehm wird, ist vermutlich gerade keine geeignete Gelegenheit für eine Stellungnahme.

Das wäre alles halb so wild, wenn Merz nicht selbst so hohe Erwartungen an politische Führung formuliert hätte. Wer anderen ständig erklärt, dass Leistung und Einsatz gefragt sind, sollte sich nicht wundern, wenn die eigenen Maßstäbe irgendwann ebenfalls angelegt werden.

Vielleicht ist Merz einfach nur schlecht beraten

Ist das instinktlos? Ist es schlechte Kommunikation? Oder schlicht eine gehörige Portion Frechheit? Wahrscheinlich ist es von allem etwas.

Merz scheint immer noch nicht verstanden zu haben, dass ein Bundeskanzler nicht nur dann sichtbar sein sollte, wenn er gute Nachrichten zu verkünden hat. Gerade in schwierigen Zeiten erwarten die Menschen ein Gesicht, eine Stimme und irgendwann auch Antworten. „Er äußert sich, wenn er sich äußert“ ist jedenfalls keine besonders überzeugende Regierungserklärung.

Und dann wundert sich der Kanzler über schlechte Umfragewerte und angeblich unfairen Umgang? Sorry, aber ein bisschen Spott muss erlaubt sein. Wer im Wahlkampf die große Kanzlerpose einnimmt, darf sich anschließend nicht beschweren, wenn ihm das Publikum auch mal auf die Finger schaut.

Autorenseite: Robin Patzwaldt
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7 Comments
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Thomas Wolters
Gast
Thomas Wolters
26 Tage vor

Wer ohnehin immer nur Äusserungen tätigt die von Inkompetenz und völligem Unverständnis der Belange der Deutschen zeugen braucht nicht in Erscheinung zu treten.Problemlösungen finden an allen Fronten ohne ihn statt.Wir brauchen ihn nicht.Gott sei Dank.

Alf
Gast
Alf
26 Tage vor

August 2002, Hochwasserkatastrophe an der Elbe und ihrer Nebenflüsse. In Dresden stehen Straßen unter Wasser.

Am 14. August besucht Bundeskanzler Gerhard Schröder die schwer getroffene Stadt Grimma im Landkreis Leipzig.

Er zeigte sich. Doch Herr Merz war weder in Monschau, noch im Hürtgenwald.

trackback

[…] ist er also wieder. Bundeskanzler Friedrich Merz ist aus seinem gut dreiwöchigen Sommerurlaub zurück und hat gleich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt gezeigt, dass er offenbar nicht nur die […]

Jens Kruse
Gast
Jens Kruse
22 Tage vor

Da muss ich dann doch einmal widersprechen. Ehrlich: wer braucht für all diese Themen einen Bundeskanzler? Nach zwanzig Jahren beim THW: niemand bei akuten Krisen in dieser Größenordnung. Dies kann deutlich besser durch die regionalen Behörden erledigt werden. Dies wird auch eindrücklich durch die Feuerwehrleute vor Ort bestätigt. Ich persönlich bin den „Politikertourismus“ a la Schröder in solchen Situationen leid. Er dient nur den eigenen Zielen der Politiker (Wahlen!) und was geschieht tatsächlich durch diese „Vor-Ort“-Inspektionen. So gut wie nichts, weder während der Katastrophe noch danach!
Aber ich bin auch diese Bashing leid. Ich kann mir gut die Headlines vorstellen, wenn er vor Ort „aufgeschlagen“ wäre! Er kann es niemanden mehr Recht machen, vor allem nicht den Medien.

paule t.
paule t.
18 Tage vor

Herr Merz hat viel Geld. Damit ist er per definitionem Leistungsträger. Leistet also viel. Und wer viel leistet, darf auch Urlaub machen. Fragen nach konkretem Einsatz oder gar Ergebnissen sind bloße Ablenkung davon durch Sozialneider.

Wolfram Obermanns
Wolfram Obermanns
18 Tage vor

An Merz kann man viel bemängeln, die Vorhaltungen hier halte ich für eine politisch wenig zielführende Masche. Da bin ganz nah an Jens Kruse dran.

Um ihre Existenz ringende Medien vermissen die Bilder die man mit dem Kanzler im Kampfanzug vor Ort mit den Widrigkeiten ringend machen könnte. Das ist verständlich, aber auch ein Spiel mit Bildern, das man weniger aus Staaten mit funktionierender Gewaltenteilung und geregelten Kompetenzen kennt. Das sind Bilder von und für disfunktionale Gesellschaften.
Und wer Bilder fordert, die AfD und Linke gefallen, sollte sich etwas weniger über eine Publikum wundern, das diese irgendwann auch vermisst. Ist ja nicht so, daß der Quatsch nicht fotogen wäre, das muß man schon zugeben.

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