
Für den 7. Oktober 2026 wird in Berlin zu einer Demonstration aufgerufen. Der dazu veröffentlichte Text macht aus dem Tag des Hamas-Massakers eine Heldengeschichte. Auch in Duisburg soll am Jahrestag im Namen des palästinensischen Widerstands demonstriert werden.

Der Instagram-Account palestinereveals veröffentlichte den Aufruf am 29. September 2026. Als Treffpunkt nennt er das Schlesische Tor, als Beginn 18 Uhr. Die erste deutsche Texttafel enthält diesen Satz:
„Sie bettelten nicht um ihre Freiheit, sie eroberten sie sich.“
Weiter unten heißt es:
„Und so wurde der 7. Oktober zu unserem Leuchtfeuer der Standhaftigkeit.“
Das ist eine Verklärung des Terrorangriffs. Wer so schreibt, bietet den 7. Oktober 2023 als Vorbild an. Die ermordeten Zivilisten und die verschleppten Geiseln stören diese Erzählung. In den beiden deutschen Texttafeln werden sie nicht benannt.

Die Vorgeschichte als Rechtfertigung
Die zweite deutsche Tafel stellt den Angriff als zwangsläufige Folge der Konfliktgeschichte dar. Der Demo Ticker Berlin verbreitet den Aufruf ebenfalls und verlinkt das Instagram-Original.
Eine Vorgeschichte erklärt jedoch keinen Mord für unvermeidlich. Menschen entscheiden, ob sie Zivilisten angreifen und Geiseln nehmen. Wer ihnen diese Entscheidung sprachlich abnimmt, nimmt ihnen zugleich die Verantwortung für ihre Taten ab.

Auch in Duisburg wird mobilisiert
In Duisburg ruft die Aktionsgruppe Palästina für den 7. Oktober 2026 um 17 Uhr auf die Königstraße vor dem Forum. Ihr Aufruf stellt die Vorgeschichte und ein behauptetes Widerstandsrecht in den Mittelpunkt. Hier im Blog haben wir den Text und den örtlichen Hintergrund bereits dokumentiert:
(
Duisburg: Am Jahrestag des Hamas-Massakers wird demonstriert – im Namen des „palästinensischen Widerstands“)
Eine organisatorische Verbindung zwischen den Berliner und Duisburger Akteuren ist damit nicht belegt. Vergleichbar ist der Umgang mit dem Jahrestag: In Duisburg fehlt die ausdrückliche Verurteilung des Massakers; der hier dokumentierte Berliner Aufruf geht weiter und erzählt den Angriff als Erfolg.
Menschenrechte gelten auch für Israelis
Der Maßstab ist einfach. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz nennt gezielte Angriffe auf Zivilisten, die nicht unmittelbar an Kampfhandlungen teilnehmen, und Geiselnahmen als Kriegsverbrechen. Das humanitäre Völkerrecht bindet staatliche Streitkräfte ebenso wie nichtstaatliche bewaffnete Gruppen.
Diese Regeln schützen auch palästinensische Zivilisten. Für ihre Rechte einzutreten, verlangt keine Bewunderung für die Hamas. Wer den Schutz von Menschen an ihre Nationalität knüpft, hat den Anspruch universeller Menschenrechte bereits aufgegeben.
Man kann die israelische Regierung scharf kritisieren und das Massaker vom 7. Oktober 2023 ohne Einschränkung verurteilen. Beides passt problemlos zusammen. Wer aus einem Tag des Mordens eine Befreiungsgeschichte macht, muss sich an genau diesem Widerspruch messen lassen.
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Aus Hamas-Sicht ist er das.
Das Internet ist freundlich genug, um für mich finden zu lassen, was ich am 28.10.23 in einer Diskussion über die unterschiedlichen Kriegsziele für einen Senf abgerückt habe:
Das war also zum Anfang des israelischen Feldzugs gegen die Hamas, der auf das Massaker zwingend folgen musste. Das war zu einer Zeit, als die Hamas noch Raketenhagel erzeugen konnte und das aus zivilen Einrichtungen heraus auch sehr erfolgreich gemacht hat.
Israel war so dumm mit der vollständigen Vernichtung der Hamas ein praktisch unmögliches Kriegsziel zu formulieren und in der Verfolgung dieses Ziels jede Rücksicht auf eine Verhältnismäßigkeit fallen zu lassen. Von diesem PR-Desaster, das natürlich auch mit großem Leid der Bevölkerung in Gaza verknüpft ist, kann man das Land kaum freisprechen.
Wer dieses Massaker als Erfolg wertet, gibt damit allerdings auch zu, die Opfer der Zivilbevölkerung in Gaza von Anfang an einkalkuliert zu haben.
… wo sind eigentlich die ganzen Wasserwerfer der Polizei, wenn man sie mal braucht?